Die Stadt Schwäbisch Gmünd ehrt mit dem Preis der Europäischen Kirchenmusik jährlich hochrangige Interpreten und Komponisten für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Geistlichen Musik. Der Preis ist mit 5.000 € dotiert und ist der bedeutendste Kulturpreis, den die Stadt Schwäbisch Gmünd vergibt. Der Vorschlag des Preisträgers obliegt dem Direktorium des Festivals, das die Entscheidung jeweils zu Jahresbeginn veröffentlicht. Der Preis wird seit dem Jahr 1999 jährlich bei einem Preisträgerkonzert im Festival vom Oberbürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd verliehen.
Clytus Gottwald erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2012
Der Chorleiter und Komponist, Musikwissenschaftler, Theologe und Soziologe Prof. Dr. Clytus Gottwald erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2012. Mit der Auszeichnung ehrt die Stadt Schwäbisch Gmünd Clytus Gottwald für seine wegweisenden Anregungen zur Schaffung und Vermittlung Geistlicher Musik. In theoretischer und praktischer Auseinandersetzung verweist er auf die spirituelle Kraft der Musik und eröffnet neue Horizonte. Die Chorliteratur bereicherte er mit herausragenden Transkriptionen älterer Musik und beförderte den musikalischen Standard der aktuellen Chorszene. Der Preis wird während des Festivals Europäische Kirchenmusik (13. Juli bis 5. August) am Dienstag, 24. Juli, um 20 Uhr in der Augustinuskirche durch Oberbürgermeister Richard Arnold verliehen. Die Laudatio hält der Programmdirektor des Festivals, Dr. Ewald Liska. Vor der Preisverleihung singt das französische Vokalensemble „Sequenza 9.3“ unter Leitung von Catherine Simonpietri Bearbeitungen von Clytus Gottwald.
Der Preis der Europäischen Kirchenmusik ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 1999 zum 14. Mal verliehen. Mit ihm werden hochrangige Interpreten und Komponisten für wegweisende Leistungen im Bereich der Geistlichen Musik ausgezeichnet. Unter den bisherigen Preisträgern waren die Komponisten Petr Eben, Sofia Gubaidulina, Klaus Huber, Arvo Pärt, Krzysztof Penderecki, Dieter Schnebel und Hans Zender. Zu den Geehrten gehören ferner die Dirigenten Frieder Bernius, Marcus Creed, Eric Ericson und Helmuth Rilling sowie der Kammersänger Peter Schreier und der französische Organist Daniel Roth.
Kompositorisch denkender Mensch
Die Verdienste von Clytus Gottwald für die zeitgenössische A-cappella-Musik sind von besonderer Bedeutung. Nicht nur von der Presse wurde er als Vater des modernen Chorgesangs apostrophiert. Einen „Künstlergelehrten“ nannte Manfred Schreier seinen Kollegen. Sich selbst versteht der heute 86-Jährige, der sich gerne als „alten Praktiker“ bezeichnet, weniger als Komponist: „Ich komponiere nicht, ich bin nur ein kompositorisch denkender Mensch“, sagt er lieber. Sein erklärtes Ziel war es, „den Chor als Instrument wieder ernst zu nehmen“.
Dieses „ernst zu nehmende Instrument“ schuf Gottwald 1960 mit der von ihm gegründeten Schola Cantorum Stuttgart, einem 16- bis 18-stimmigen professionellen Vokalensemble. Bis zu seiner Auflösung 1990 sang dieses Ensemble über 80 Ur- und Erstaufführungen und gastierte bei allen Festivals für Neue Musik von Moskau bis New York, von Edinburgh bis Jerusalem. Pierre Boulez, Mauricio Kagel, Dieter Schnebel, Helmut Lachenmann, Krzysztof Penderecki, György Ligeti, Heinz Holliger und viele andere schrieben für diese Formation. Ungeahnte Explorationen in Musik und Sprache, auch Aktionen ergaben sich. Bahnbrechend war 1965 die Uraufführung von Dieter Schnebels als unsingbar geltendem ersten Teil von „missa est“ mit dem Titel „dt 31,6“. Mit der Schola Cantorum Stuttgart wurde Gottwald zum entscheidenden Vermittler, ja selbst zum innovativen Impulsgeber neuer Vokalmusik, die er gegenwarts- und zukunftsfähig machte.
Doch Clytus Gottwald war nicht nur 30 Jahre lang Leiter eines heute legendären Elitechors, sondern auch komponierend tätig. Seine Bearbeitungen von Werken der Spätromantik und des Impressionismus gaben der Chormusik eine neue, ebenso anspruchsvolle wie sinnliche Qualität. Wegweisend war Gottwalds einfühlsame Bearbeitung von Gustav Mahlers Rückert-Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ (1985), die Eric Ericson zu internationaler Bekanntheit führte und zum Klassiker gegenwärtiger Chorliteratur wurde. In diesen Transkriptionen für Vokalorchester übertrug er Satztechniken der Neuen Musik auf Klavier- und Orchesterlieder von Schubert, Berlioz,Wagner, Wolf bis zu Mahler und Debussy. Ligetis Mikropolyphonie im Chorwerk „Lux aeterna“ in Verbindung mit den Klangerfahrungen der Renaissance gaben den Anstoß dazu. Mit überwältigendem Erfolg setzten sich inzwischen diese neuen Vokalklänge auf den Chorbühnen der ganzen Welt durch.
Der geistlichen Musik ist Clytus Gottwald besonders verbunden. Mehrfach standen seine Bearbeitungen für Vokalensembles beim Festival Europäische Kirchenmusik in den vergangenen Jahren im Programm. Aus einer „produktiven Distanz zur Theologie“ könne es Alter wie Neuer Musik gelingen, „dass Musik Religion nicht bloß schönredet, sondern in ihren eigenen Reflexionsprozess“ einbezieht und den Kirchen „meta-theologische Impulse“ mitgeben kann, so Gottwald in seinem musikphilosophischen Opus „Neue Musik als spekulative Theologie“ (2003). Damit reklamierte Gottwald für die aktuelle geistliche Musik eine Perspektive und ein Podium.
Biografische Notizen
Clytus Gottwald wurde am 20. November 1925 im schlesischen Bad Salzbrunn geboren. Nach der Kriegsgefangenschaft studierte er zunächst Gesang und Chorleitung. Es folgte ein Studium der evangelischen Theologie, Soziologie und Musikwissenschaft in Tübingen und Frankfurt, wo er 1961 promovierte. Zwischen 1958 und 1970 war Gottwald Kantor an der Paulus-Kirche in Stuttgart. Von 1960 bis 1990 leitete er die Schola Cantorum Stuttgart. Daneben wirkte er von 1967 bis 1988 als umfänglich produktiver Redakteur für Neue Musik beim damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) in Stuttgart. Er absolvierte ein reiches Pensum an Gastdirigaten bei europäischen Radio-Chören, darunter in Lugano, Paris, Stockholm, Helsinki, Amsterdam und Kopenhagen.
Von 1961 bis 2004 arbeitete er als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf dem Gebiet der musikalischen Paläographie. Gottwald ist Mitglied im Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) in Paris, in das ihn Pierre Boulez 1972 berief. Als Musikwissenschaftler bearbeitete er zahlreiche wissenschaftliche Kataloge von Musikhandschriften.
Für sein herausragendes singuläres Lebenswerk wurde Gottwald 2009 mit dem Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Hans Zender zählt zu den prominentesten und profiliertesten Repräsentanten der zeitgenössischen Musik – als Komponist wie auch als Dirigent, Hochschullehrer und Verfasser zahlreicher musikästhetischer und -philosophischer Schriften. Für seine Kompositionen, die von tiefer Humanität getragen sind und Brücken schlagen zwischen kulturellen und religiösen Traditionen, verleiht ihm die Stadt Schwäbisch Gmünd den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2011. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird während des Festivals Europäische Kirchenmusik (15. Juli bis 7. August) am Donnerstag, 28. Juli, um 20 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster durch Oberbürgermeister Richard Arnold verliehen. Die Laudatio hält Professor Dr. Dr. h.c. Ingolf U. Dalferth (Zürich). Der Preisverleihung voraus geht die Uraufführung von Hans Zenders „Logos-Fragmenten“ Nr. 7 und 8, bei der Emilio Pomárico das SWR Vokalensemble Stuttgart und das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg dirigiert. Ferner erklingen Zenders „Schubert-Chöre“ sowie die Sinfonie h-Moll von Franz Schubert, die „Unvollendete“.
Der Preis der Europäischen Kirchenmusik
Die Stadt Schwäbisch Gmünd verleiht diesen Preis seit 1999 zum 13. Mal. Die Auszeichnung ehrt hochrangige Interpreten und Komponisten für wegweisende Leistungen im Bereich der Geistlichen Musik. Den Preis erhielten bisher die Komponisten Sofia Gubaidulina, Petr Eben, Klaus Huber, Arvo Pärt, Krzysztof Penderecki und Dieter Schnebel. Weitere Preisträger waren die Dirigenten Frieder Bernius, Marcus Creed, Eric Ericson und Helmuth Rilling, der Kammersänger Peter Schreier sowie der französische Organist Daniel Roth.
Der Preisträger
Hans Zender wurde am 22. November 1936 in Wiesbaden geboren und studierte Komposition, Klavier und Dirigieren an den Musikhochschulen in Frankfurt und Freiburg. Nach ersten Theaterjahren in Freiburg wurde er 1964 Chefdirigent der Bonner Oper. 1969 ging er als Generalmusikdirektor nach Kiel, übernahm 1972 für mehr als ein Jahrzehnt die Chefdirigentenstelle des Sinfonieorchesters des Saarländischen Rundfunks und war von 1984 bis 1987 Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper. Die folgenden drei Jahre wirkte er beim Niederländischen Rundfunk und an der Opéra National in Brüssel. Von 1999 bis 2009 war er ständiger Gastdirigent und Mitglied der künstlerischen Leitung des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Er dirigierte auf vielen internationalen Festivals wie Bayreuth, Berlin, Wien oder Salzburg. An allen Wirkungsstätten hat sich Hans Zender intensiv für die Neue Musik und ganz besonders für das Schaffen von Olivier Messiaen, Bernd Alois Zimmermann, Giacinto Scelsi und Helmut Lachenmann eingesetzt. Für sein Wirken erhielt Hans Zender zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den Musikpreis und den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main, den Hessischen Kulturpreis und den Kunstpreis des Saarlandes sowie die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Zürich (2008). Hans Zender ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und Hamburg und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München.
Hans Zenders kompositorisches Werk
„Ich habe schon lange akzeptiert, dass mein Inneres mich von Werk zu Werk zwingt, auf die komplexe Situation der Gegenwart mit immer neuen ästhetischen Fragestellungen zu reagieren“, bekennt Hans Zender. Damit deutet sich an, vor welchem offenen Horizont sich sein Komponieren bewegt. Unter den namhaften Komponisten der Gegenwart gehört Zender zu denjenigen, die am konsequentesten und beharrlichsten verschiedene Möglichkeiten eines „pluralistischen“ Komponierens ausloten.
Die Karriere von Hans Zender als Dirigent war von Beginn an von reflektierender und schöpferischer Tätigkeit begleitet. Dabei verschoben sich die Gewichte im Laufe der Zeit immer mehr zugunsten des Komponierens, das nun das Zentrum seines Künstlertums bildet. Er war dabei von 1988 bis 2000 auch Lehrer für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. In seinem umfangreichen und vielgestaltigen kompositorischen Oeuvre dominiert die Vokalmusik. Zender selbst hat verschiedene Werke durch gemeinsame Titel oder Untertitel zu übergreifenden Reihen zusammengefasst. Folgen wie „Hölderlin lesen“ oder „Cantos“ sind durch die Auseinandersetzung mit anspruchsvoller Literatur gekennzeichnet. Reine Bibelvertonungen finden sich im Konzert „Römer VIII“ und der Motette „Johannes III“. Eine große Rolle spielt mystisches Denken bei ihm, sei es mit Quellen des christlichen Mittelalters oder mit fernöstlichen Bezügen: Zum einen zählen die „Kantate nach Meister Eckhart“ und das Werk „Die Wüste hat 12 Ding“ nach Mechthild von Magdeburg, zum anderen zählen die meist kammermusikalischen Serien der „Lo Shu“- und „Kho“-Kompositionen sowie die „Kalligraphien“ für Orchester. In seinen bisher drei musikdramatischen Werken „Stephen Climax“ (nach James Joyce, 1979-84), „Don Quijote de la Mancha“ (1989-94) und „Chief Joseph“ (im Auftrag der Staatsoper Berlin, uraufgeführt 2005) verfolgt Zender einen experimentellen, collageartigen Ansatz, der sich weit von konventioneller Dramatik entfernt.
Die „Logos-Fragmente“
Bei diesem sich derzeit abrundenden großen, rituell anmutenden Zyklus ist das Orchester und die darin eingefügten Sänger im Raum in drei Gruppen angeordnet – eine Aufstellung, die schon für den vorausgehenden achten „Canto“, den wuchtigen Hohelied-Zyklus „Shir hashirim“ charakteristisch war. Die Texte stammen aus gnostischen Schriften, apokryphen Quellen und dem Johannes-Evangelium. Seinem musikästhetischen Grundprinzip treu, verwendet Zender dabei Kompositionstechniken, die durch strengste Gesetze die Willkür des komponierenden Subjekts reduzieren und gerade dadurch eine Klangwelt von eigentümlicher Faszination erzeugen, in der gewohnte Hörtraditionen aufgebrochen werden und es möglich wird, über kulturelle Grenzen hinweg Neues zu erleben und Altes neu zu hören und sich kreativ anzueignen.
„Die Sinne denken“
So lautet der Titel der 2004 erschienenen Publikation, die Hans Zenders wesentliche „Texte zur Musik“ zusammenfasst, in denen sich der Musiker mit einem breiten Spektrum von historischen, philosophischen, ästhetischen und kulturkritischen Fragestellungen auseinandersetzt. Seine Reflexionen über das Erleben von Musik kreisen um die Balance zwischen Mythos und Logos, zwischen Affekt und Kalkül. Die spirituelle Komponente bindet er ein in eine präzise Organisation. Mit seiner Kunst will Hans Zender keine Wohlfühloasen schaffen, sondern mit Klanglandschaften Raum und Zeit durchmessen, zwischen kontemplativer Ruhe und konzentrierter, lebendiger Wirkung und Anregung. Spirituelle Musik soll ein „Übungsweg“ zum geistigen Zentrum des Menschen sein, ein „Garant lebenskräftiger Entwicklungen“.
„Wir steigen niemals in denselben Fluss“
Unter diesem Buchtitel mit einem Zitat von Heraklit versammelt Hans Zender Reflexionen über das Musikhören und wie sich dieses im Laufe der Zeit wandelt. Bei jedem neuen Hören eines Musikstückes entsteht durch die Erinnerung ein neuer Eindruck. Das gilt in geschichtlichem Maßstab insgesamt für die ältere Musik, die Hans Zender in dieser Konsequenz mit seinen „komponierten Interpretationen“ erfolgreich neu deutet. Große Werke der Tradition wie Schuberts bekannter Zyklus „Die Winterreise“ werden auf eine neue Weise erfahrbar. Hierher gehören auch die sinnlich erfassten „Schubert-Chöre“ des Preisträgerkonzerts und Werke wie die brillante „Schumann-Phantasie“ und Stücke nach Haydn und Debussy. Ziel dieser Kompositionen ist es, die Widersprüche zu verarbeiten, die sich aus dem zeitlichen Abstand des heutigen Bewusstseins zu dem der betreffenden historischen Epoche ergeben. Dahinter steht die Annahme, dass sich ein Zeugnis unserer kulturellen Vergangenheit, wenn es eine Sinnhaftigkeit für heutige Menschen haben will, auf unser aktuelles Lebensgefühl beziehen muss. Nur dann kann es Veränderungen in unserem Leben, unserem Denken und Handeln auslösen.
Marcus Creed gehört zu den weltweit profiliertesten Chordirigenten und wurde für seine ausdrucksstarken Aufführungen vielfach ausgezeichnet. Für seine herausragenden, stilverpflichteten Interpretationen geistlicher Musik verleiht ihm die Stadt Schwäbisch Gmünd den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2010. Der Preis wurde im Rahmen des Festkonzertes mit dem SWR Vokalensemble Stuttgart am 21. Juli durch Oberbürgermeister Richard Arnold verliehen. Die Laudatio hielt Professor Dr. Clytus Gottwald.
„Als Musiker ist für mich ‚vokal’ oder ‚instrumental’ kein Gegensatz: Für mich ist die menschliche Stimme auch ein Instrument. In meiner Arbeit verlange ich von Chören häufig, ‚instrumental’ zu singen, und von Orchestern umgekehrt, dass sie ‚atmen’ und gewissermaßen ‚vokale’ Phrasen gestalten können“, lautet das Credo von Marcus Creed, für den die Vokalmusik etwas Besonderes darstellt. Sprache und Text sieht er als eigene Gestaltungselemente, die zusammen mit der Musik unendliche Ausdrucksspektren bieten. Marcus Creed geht es darum, den charakteristischen Klang eines jeden Komponisten und Stils herauszuarbeiten.
Seit 2003 ist Marcus Creed künstlerischer Leiter des vielfach preisgekrönten SWR Vokalensembles Stuttgart. Marcus Creed ist 1951 in Eastbourne geboren und aufgewachsen. Er studierte am King’s College in Cambridge, wo er im berühmten King’s College Choir sang. Studien führten ihn an die Christ Church in Oxford und die Guildhall School in London. 1977 siedelte er nach Berlin über. Von 1987 bis 2001 war Creed künstlerischer Leiter des RIAS-Kammerchores, den er binnen weniger Jahre in die Weltspitze führte. 1998 folgte Marcus Creed einem Ruf auf eine Professur für Chordirigieren an der Musikhochschule Köln.
Mit ihrem kompositorischen Schaffen, das durch intensive Expressivität, Spiritualität und zutiefst persönliche Ausdrucksweise berührt, hat Sofia Gubaidulina der Geistlichen Musik neue Horizonte eröffnet. Oberbürgermeister Wolfgang Leidig übergab den Preis am 21. Juli. Die Laudatio hielt Hans-Ulrich Duffek, Hamburg. Vor der Preisverleihung erklangen Werke Gubaidulinas, u.a. der „Sonnengesang“ für Violoncello, Kammerchor und Schlagzeug (1997) mit dem Latvian Radio Choir unter Leitung von Sigvards Klava.
Sofia Gubaidulina wurde am 24. Oktober 1931 in Tschistopol (Republik Tatarstan) geboren und lebt seit 1992 bei Hamburg. Sie studierte Klavier und Komposition in Kasan. Bis 1959 setzte sie ihr Kompositionsstudium bei Nikolai Pejko, einem Assistenten von Dmitri Schostakowitsch, am Moskauer Konservatorium fort. Aufgrund ihres unabhängigen Geistes und ihrer Weigerung, eine Musik zu schreiben, die den ästhetischen Richtlinien der sowjetischen Kulturfunktionäre entsprach, litt Sofia Gubaidulina seit Mitte der 1960er Jahre unter ideologischen Anfeindungen. 1975 gründete sie gemeinsam mit anderen Komponisten die Gruppe „Astraea“, die auf seltenen Instrumenten der russischen Volksmusik improvisierte und so zu neuen musikalischen Erfahrungen gelangte, was ihr Schaffen wesentlich beeinflusste. Ihr Erfolg im Westen wurde vor allem von Gidon Kremer unterstützt, der ihr Violinkonzert „Offertorium“ 1981 uraufführte. Seit über zwei Jahrzehnten gehört Sofia Gubaidulina zu den führenden Komponisten Russlands der Ära nach Schostakowitsch.

„Musik darf nie bequem sein, nicht museal, nicht beschwichtigend. Sie muss aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen.“ Diese Worte beschreiben das Leitbild Helmuth Rillings. Mit Kompetenz und Charisma, mit Überzeugungskraft und Begeisterung macht Rilling geistliche Musik neu erlebbar, insbesondere und vorbildlich in seinen viel gerühmten Gesprächskonzerten. Mit dem Namen Helmuth Rilling verbindet sich die Gründung und künstlerische Leitung der Bachakademie Stuttgart und ihrer Ensembles sowie die Pflege und beeindruckende Interpretation der Musik Johann Sebastian Bachs in der ganzen Welt. Darüber hinaus trug Rilling auch entscheidend zur Wiederentdeckung der romantischen Chormusik bei. Durch regelmäßige Kompositionsaufträge fördert er zudem die zeitgenössische Musik.
Die Stadt Schwäbisch Gmünd ehrte Helmuth Rilling für sein Engagement um die Interpretation, Vermittlung und Förderung geistlicher Musik. Den Preis überreichte Oberbürgermeister Wolfgang Leidig beim Festkonzert am 19. Juli. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Martin Petzoldt, Leipzig.
Helmuth Rilling ist dem Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd seit Anbeginn verbunden. Er gastierte beim Festival mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart in diesem Jahr zum sechsten Mal und ist zudem seit 1989 Mitglied des Festival-Kuratoriums.

Der Schweizer Komponist Klaus Huber erhielt für seine herausragenden Verdienste und sein progressives Engagement um Komposition und Lehre zeitgenössischer Musik den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2007. Der Preis wurde dem Komponisten anlässlich der deutschen Erstaufführung seines Werkes „Miserere hominibus“ am 21. Juli verliehen. Klaus Huber ist einer der wenigen Komponisten seiner Generation, die sich auf dem Feld der geistlichen Musik herausfordern lassen. Seine Musik rührt an existenzielle Fragestellungen, nutzt Mittel der abendländischen wie außereuropäischen Musiktraditionen und erreicht eine politische Bedeutsamkeit, wie sie selten zu finden ist. Sowohl mit seinem Werk als auch in der Lehre ist Huber äußerst einflussreich auf die nachfolgende Generation.

Für seine Maßstäbe setzenden Interpretationen der europäischen Orgelliteratur und seine Improvisationskunst verlieh die Stadt Schwäbisch Gmünd dem Pariser Organisten Daniel Roth den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2006. Oberbürgermeister Wolfgang Leidig überreichte den Preis am 29. Juli im Anschluss an Daniel Roths Festkonzert. Prof. Peter Reifenberg (Mainz) würdigte in seiner sehr persönlich gefärbten und bewegenden Laudatio Daniel Roth als „organiste honnête“, der sich nach dem Vorbild Widors „von jedem falschen Virtuosentum abgrenzt“. „Compassion“ sei für Roth „das Schlüsselwort zur Gestaltung großer Orgelmusik“.





Preisträger waren im Zeitraum 1999-2005 die Komponisten Dieter Schnebel (1999), Petr Eben (2001), Krzysztof Penderecki (2003) und Arvo Pärt (2005), der Kammersänger Peter Schreier (2000), der Stockholmer Chordirigent Eric Ericson (2002) und der Stuttgarter Dirigent Frieder Bernius (2004).
Der Komponist Petr Eben ist am 24.10.2007 in Prag verstorben. Ein Nachruf erschien u.a. in der Zeitschrift Musica Sacra (6/2007).


„Tradition und Fortschritt gelten gewöhnlich als Gegenbegriffe. Das Traditionelle ist das, was sich abgesetzt und verfestigt hat - was alt geworden ist. Das Fortschrittliche dagegen ist das Vorangehende, „Progressive" - also was sich bewegt, in seiner Bewegung auch überrascht, und zum Neuen führt.
Allerdings sind die beiden Begriffe doch mehr ineinander verwickelt, als es zunächst scheint. (...) Hier sei auf einen theologischen Begriff von Tradition verwiesen, und zwar auf den der altjüdischen und auch der frühchristlichen Theologie. Da bedeutete Tradition: Empfangen und Weitergeben. Also geht es einmal darum, das Überkommene aufzunehmen, anzunehmen, seine Gehalte verinnerlichend zu bewahren, zum anderen aber darum, dieses Überkommene weiterzuführen, anderen zu übertragen und übersetzen - was zugleich ein Überschreiten beinhaltet: nicht bei dem stehenbleiben was ist, sondern es aufheben als ein Lebendiges und es grenzüberschreitend weiterreichen. Das bedeutet, das Überkommene eben nicht als Sedimentiertes, sondern als Potential zu sehen, und dafür zu sorgen, daß die ihm innewohnende Kraft wirksam zu werden vermag.“ (Dieter Schnebel)
