
Das Erfurter Angermuseum zu Gast in Schwäbisch Gmünd
Mit der Präsentation des Gemäldes "Die Erschaffung der Menschen und Tiere" des berühmten Dürerschülers und Gmünder Künstlers Hans Baldung Grien aus dem Jahr 1532/33 ist das Erfurter Angermuseum zu Gast in Schwäbisch Gmünd. Wegen Umbauarbeiten kann das Gemälde in Erfurt bis zur Wiedereröffnung der Museumsräume 2010 nicht gezeigt werden.
Das Museums präsentiert dieses einzigartige wie rätselhafte Bild für die Dauer von ca. zwei Jahren im letzten Raum der Dauerausstellung im 3. Obergeschoss. Hier wird das Gemälde in Bezug gesetzt zu zwei Bildreihen: zu einer 12-teiligen Fotoserie mit Steinreliefs, geschaffen von der Baumeisterfamilie Parler in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts für das Portalgewände an der südlichen Chorseite des Heiligkreuzmünsters in Schwäbisch Gmünd, sowie 12 Holzschnitten von Hans Baldung Grien.
Das Projekt wird maßgeblich vom Gmünder Museumsverein gefördert.
Eröffnung
Freitag, 25. Juli um 20 Uhr, Prediger, Refektorium (Erdgeschoss).
Begleitprogramm
Den vielfältigen Fragen, die dieses rätselhafte Bild aufwirft, gehen kompetente Wissenschaftler in Vorträgen, Führungen und Kunstbetrachtungen jetzt zum ersten Mal nach. Entdecken Sie mit uns dieses einzigartige Meisterwerk.
Zum Gemälde
Hans Baldung Grien (1484/85-1545) schuft "Die Erschaffung der Menschen und Tiere" um 1532/1533 in Tempera auf Holz (H 186,5 x B 62 cm). Seit 1921 gehört das Bild durch Ankauf aus Erfurter Privatbesitz zu den Sammlungen des Angermuseums.
Bildthema ist die Schöpfungsgeschichte (Genesis), wie sie im zweiten Kapitel des Ersten Buches Moses beschrieben wird – allerdings in veränderter Reihenfolge übereinander gestaffelt. In verschiedenen Zeitebenen ist Gottvater bei der Erschaffung von Adam, Eva und den Tieren zu sehen. Besonderes Augenmerk legte Baldung auf die "Dramaturgie" seiner Komposition, auf die Körperlichkeit und die Beziehungen der Figuren zueinander sowie auf die stofflichen Qualitäten seiner gemalten Materialien, seien es Haut, Samt, Erde oder Himmel.
Zahlreiche Einzelmotive wirken rätselhaft und spannend zugleich. Als Beispiele seien die Bedeutung einzelner Tiere, die Gesten und Körpersprachen sowie der Grad an "Lebendigkeit" der einzelnen Akteure erwähnt. Im Verlauf der Ausstellung werden wir uns diesen "Geheimnissen" des Bildes widmen.
Auch die Rückseite der Holztafel wurde von Baldung bemalt. Sie zeigt im oberen Bildfeld die Halbfigur eines geharnischten Königs mit Bart und Sonnenscheibe, die ihn als Sonnengott ausweist, und auf der unteren Hälfte mit Putten besetzte Blattornamente rund um eine geflügelte Frauenfigur.
Die Bildtafel war wahrscheinlich Seitenflügel eines astronomischen Uhrgehäuses. Eine zweite zur Uhr gehörende Tafel befindet sich im Nationalmuseum in Stockholm. Diese zeigt auf ihrer Außenseite Merkur und auf der Rückseite Merkur und Saturn.
Die Holzplatte wurde im Verlauf ihrer Geschichte an drei Seiten beschnitten, sie war also ursprünglich höher und breiter. Im Rahmen einer Restaurierung des Gemäldes zwischen 1975 und 1990 entschied sich das Angermuseum, das Gesicht Gottvaters in der Szene, in der er Eva erschafft, nicht zu rekonstruieren.
Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17 Uhr, Do 14-19 Uhr, Sa, So und Feiertage 11-17 Uhr. Mo geschlossen, ebenso an Karfreitag, Heilig Abend, Silvester, Neujahr und Fasching.