Schwäbisch Gmünd, 2012

Das Fabrikmuseum

Die Silberwarenfabrik Ott-Pauser, 1845 errichtet und 1986 als erhaltenswertes Kulturdenkmal in das Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen, ist das älteste, noch erhaltene Fabrikgebäude in Schwäbisch Gmünd. Und, was ebenfalls einmalig ist, nur noch die Ott-Pausersche Fabrik repräsentiert heute einen zentralen und traditionsreichen Gewerbezweig Gmünds, der seit dem Mittelalter florierte und bis in die Gegenwart hinein ablesbar ist: das Gold- und Silberschmiedegewerbe.
 
Seit 1992 museal genutzt, vereint das Denkmal in einzigartiger Weise Historisches mit Gegenwärtigem – eine authentische, in allen wesentlichen Teilen im Original erhaltene Fabrikanlage zum einen, mit wechselnden Präsentation von Schmuck, Kunsthandwerk und Musterbüchern zum anderen.
In der Silberwarenfabrik Ott-Pauser kann der Besucher nacherleben, wie ein Gmünder Gold- und ­Silberarbeiter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gearbeitet hat. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass die Fabrikationsanlagen in allen wesentlichen Teilen noch heute bestehen. Zu sehen sind Friktionsspindelpressen, Drahtziehbänke, Fall- und Krafthämmer und Walzwerke, die über eine Transmissionsanlage von einem großen Gasmotor angetrieben wurden. Ein solcher Gasmotor ist in ­einem Nebengebäude der Fabrik zu besich­tigen; der Motor konnte im Jahr 2000 nach einer umfangreichen Restaurierung wiederaufgebaut werden.

Daneben geben Arbeitstische mit Werkzeugen, Geräten und ­Maschinen Auskunft darüber, wie Schmuckstücke und Silberwaren ziseliert, graviert, montiert und poliert wurden. Eingerichtet wurden auch die Werkstätten eines Goldschmieds, eines Etuimachers und eines Guillocheurs.
 
Aber nicht nur die Produktion charakterisiert die Silberwarenfabrik Ott-Pauser. Das Comptoir mit der kompletten Büroeinrichtung, mit Büchern, Telefon, Rechen- und Schreibmaschine, ist noch so anzutreffen, als habe es der Chef gerade verlassen.

Schwäbisch Gmünd, 2012