Wegbegleiter. Schuheisen aus dem Sammlung Michaele und Conrad Stütz

Schuheisen, Moskau, Roter Platz, 1987

6. – 8. und 14. Januar 2006

Sie gehören mittlerweile leider der Vergangenheit an. Ihre Töne sind verstummt. Anlass dazu, sie in Erinnerung zu rufen - die Schuheisen.

Schuheisen wurden als Schutz für Absätze und Sohle auf die Schuhe genagelt. Sie begleiten den Träger auf vielen Wegen - bis sie sich eines Tages selbständig machen und irgendwo liegen bleiben. Völlig unbeachtet verlieren sie ihren Glanz und rosten vor sich hin bis sie sich ganz auflösen.
Nicht immer. Bergen sie doch eine unheimliche Ästhetik. Der Gehende hat sie durch seine eigene Art des Bewegens geformt und verändert. Jedes Eisen ist ein Individuum. Nur wenn es den Gehenden nicht lange begleitet hat, ist es mit anderen verwechselbar.
Vor über 20 Jahren konnten Michaele und Conrad Stütz die vielen schönen Formen nicht mehr länger dem Verfall preisgeben. Die Eisen wurden aufgehoben und in einer Kiste gesammelt. Als die Kiste voll war, wurden sie auf ein Brett genagelt. Als in Zeiten der Peristroika auf dem abgeschirmten Roten Platz in Moskau auch Schuheisen gefunden wurden, entstand die Idee, den Fundort zu dokumentieren. Unbeabsichtigt entstand dadurch eine Dokumentation über Reisewege in Europa und in der ganzen Welt.
In Amerika sind die Wegbegleiter aus Plastik, in Japan ziemlich klein. Man findet sie in der Stadt, in den Bergen und am Meer. Die Fundorte sind so vielfältig wie die Formen. Sie wurden seriell gefertigt oder vom Schuster von Hand geformt. Da kommen Erinnerungen an das Hufeisen. Wurden Hufeisen gefunden, war dies ein Glückssymbol. Kann dies auch auf Schuheisen zutreffen? Vielleicht doch – weil sie so selten geworden sind. Abgelaufene Eisen kann man nicht kaufen.
Sie könnten viele Geschichten erzählen vom Gehen, vom Innehalten, von unterschiedlichen Untergründen und Geräuschen. Geräusche machen sie selbst. Man bewegt sich nicht lautlos mit diesen Wegbegleitern. Die Klangstrukturen sind sehr unterschiedlich. Eigentlich müsste der Träger hören, sobald ihn der Wegbegleiter verlässt. Aber es wird den Schuheisen nicht die Wichtigkeit des Besitzens, sondern die Schutzfunktion zugesprochen. Anders der Sammler. Er lässt die Eisen nicht liegen. Er ist auf Spurensuche.
In über 20 Jahren kamen über 1400 unterschiedliche Eisen zusammen. Jeder in anderer Form. Dokumentiert mit Fundort und Zeitpunkt es Findens. So lassen sich immerhin die Bewegungen des Sammlers dokumentieren.
Die Zeiten haben sich geändert. Wir bewegen uns lautlos mit Sneakers durch die Welt. Die Schuheisen sind vom Aussterben bedroht. Gefunden werden nur noch sehr wenige. (© für den Text: Michaele & Conrad Stütz).