Judaika-Produktion in Schwäbisch Gmünd

Chanukkaleuchter

2. Juli – 30. Novermber 2003

Erstmals wird in einer Sonderausstellung in der Ott-Pauserschen Fabrik ein bislang vernachlässigter Teil der Gmünder Gesellschafts- und Gewerbegeschichte beleuchtet, der stets auch einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Zweig ausmachte: die Produktion von Judaika. Eingerichtet ist die Präsentation bis 30. November 2003 im Erdgeschoss (Fallhammerraum) der ehemaligen Silberwarenfabrik.

Schwäbisch Gmünd war und ist die einzige Stadt in Baden-Württemberg, die kontinuierlich seit dem 18. Jahrhundert bis heute Judaika produzierte und noch produziert und in alle Welt vertrieb. Und – was ebenfalls einzigartig ist – sogar während des Zweiten Weltkrieges und der Verfolgung von Juden sind in den Gmünder Silberwarenfabriken jüdische Kultgeräte als „Sonderware“ hergestellt und vertrieben worden. So gehörten beispielsweise in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts unzweifelhaft zwei Varianten eines Chanukkaleuchters sowie ein Bsamimturm zur Produktpalette der Firma Josef Pauser, die von 1928 bis zur Stillegung der Fabrik 1979 von Emil Pauser geführt wurde – damit ist die Ott-Pausersche Fabrik das einzige erhaltene, heute museal genutzte Baudenkmal, das dieses breite Spektrum der Gold- und Silberschmiedekunst repräsentiert und auf diese Weise die Verbindung von Geschichte und Gegenwart erlebbar macht.

Und auch die 1875 gegründete und 1992 aufgegebene Firma Otto Wolter fertigte Chanukkaleuchter, Bsamimbehälter, Kidduschbecher und Früchtedosen; diese Produkte gehörten aber nicht zum regulären Programm, sondern wurden als "Bückware", d.h. unter dem Ladentisch über Händler ins Ausland, vor allem nach Holland, verkauft.

Zu sehen sind in der Sonderausstellung insgesamt 20 Objekte, darunter Chanukkaleuchter, Bsamimbehälter, Sabbatleuchter und Kidduschbecher sowie Gesenke und Pfaffen zur Herstellung von Chanukkaleuchtern der Firma Pauser. Ergänzt wird die Ausstellung durch Musterblätter mit Varianten von Chanukkaleuchtern und andere Judaikaobjekte der Firmen Deyhle, Kühn, Wanner und Grimminger. Das älteste Stück der Ausstellung ist der Chanukkaleuchter aus der Produktion der Firma Ott, entstanden um 1900. Daneben steht als jüngstes Objekt ein Chanukkaleuchter aus der Produktion der Silberwarenfirma A. Möhrle aus dem Jahr 2002.