Pressemeldungen der Stadt Schwäbisch Gmünd

Januar
11
2016
Keine Heimat für den Hass: Oberbürgermeister Richard Arnold beim Neujahrsempfang

In seiner Rede beim Neujahrsempfang des Stadtverbands Musik und Gesang und der Stadt Schwäbisch Gmünd am Sonntag, 10. Januar, im CongressCentrum Stadtgarten in Schwäbisch Gmünd hat Oberbürgermeister Richard Arnold auch zu den aktuellen Geschehnissen in Gmünd und Köln und zur Flüchtlingsdebatte Stellung bezogen...

Liebe Gmünderinnen, liebe Gmünder,
liebe Gäste,
liebe Freunde unserer Stadt,

ich weiß, Sie erwarten jetzt nach der Brandstiftung auf dem Hardt, nach den Herausforderungen der vergangenen Monate und nach den unverzeihlichen Übergriffen in Köln von mir an dieser Stelle deutliche Worte zu unserer Willkommenskultur, zur Aufnahme von Flüchtlingen und zur Situation des Zusammenlebens in unserer Stadt.

Lassen Sie mich vorab klarstellen:

- Wir reichen allen Menschen in Not und in schwierigen Situationen die Hand

- Wir heißen alle Menschen, die sich in unsere Gesellschaft einbringen wollen, mit offenem Herzen willkommen

- Aber: Keine offene Hand und kein offenes Herz finden bei uns Menschen, die Hass säen und Brände legen - sei es in der Tat oder auch in Worten!

- Ich sage es mit allem Nachdruck und aller Deutlichkeit: Wer dem anderen nicht mit Respekt, Achtung und Würde begegnet, hat in Schwäbisch Gmünd keine Heimat

- Ich stehe als Oberbürgermeister für eine offene, lebendige Bürgergesellschaft die alle Menschen umfasst. Wir lassen auf unserem Gmünder Weg keinen zurück. Nicht nur die Flüchtlinge und Asylbewerber. Sondern auch die Menschen in unserer Stadt, die ohne Ausbildung sind, die keinen Arbeitsplatz haben, die in schwierigen persönlichen, wirtschaftlichen oder sozialen Verhältnissen stehen.


Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
lassen Sie mich heute zum Neujahrsempfang 2016 eine einfache Frage stellen:

Was hat Sie im vergangenen Jahr glücklich gemacht?
An welche Momente erinnern Sie sich gerne zurück?

Bei allen Unterschieden in ihren Antworten bin ich mir sicher dass all diese Momente etwas gemeinsam haben:
Sie haben diese Stunden, diese Augenblicke mit anderen geteilt - mit ihrer Familie, mit ihrem Partner, mit ihren Freunden.
Es waren die Stunden, in denen wir mit anderen gemeinsam am Tisch gesessen sind, in denen wir mit anderen in guten Gesprächen waren, in denen wir mit anderen gefeiert haben. Bei einer Hochzeit. Bei einem Geburtstag. Bei Festen und Veranstaltungen im Verein. Bei Konzerten. Oder beim gemütlichen Treff am Weinfass beim Gmünder Sommer.
Unsere Gesellschaft sei oft trunken von Konsum, von Überfluss, von Luxus, von Augenschein und Eigenliebe, mahnte Papst Franziskus in seiner Weihnachtsbotschaft.
Er rief dazu auf, einfach, ausgewogen und geradlinig zu leben.
Ist dies nicht gerade die Erfahrung, die wir derzeit zunehmend machen? Dass nicht der Konsum, dass nicht das Berauschen am Überfluss uns glücklich machen, sondern die einfachen Dinge: Das Zusammensein mit Familie, mit Freunden, das Gespräch, die Begegnung, das gemeinsame Feiern.
Der Glücks-Autor Eckart von Hirschhausen hat es so formuliert:
„Man kauft sich Dinge, die man nicht wirklich braucht, von Geld, das man nicht wirklich hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht wirklich mag.“
Ich habe den Eindruck, liebe Gmünderinnen und liebe Gmünder, dass wir in den vergangenen Jahren uns dieses Glücks in den einfachen Dingen des Alltags immer bewusster werden. Ein gutes Essen mit Lebensmitteln und Zutaten aus unserer Region bei einem guten Gespräch zusammen mit unseren Freunden zum Beispiel.

Nicht erst seit Hape Kerkeling wissen wir Gmünder beim Blick auf unsere Dreikaiserberge, dass das Erleben in der Natur, die Besinnung auf das Wesentliche, das spirituelle Erlebnis in unserer einmaligen Landschaft, mehr Glück und Zufriedenheit bringen kann, als noch so viel Besitz, Eigentum und Konsum.

Bei vielen hieß es in den vergangenen Jahren beim Stadtjubiläum 2012, beim Stadtumbau, bei unserer Landesgartenschau, bei den vielen ehrenamtlichen Projekten und beim Engagement für sozial Schwächere nicht etwa: „ Ich bin dann mal weg“, sondern „ich bin dann mal da“!
Sie liebe Mitbürgerinnen und liebe Mitbürger, haben sich eingemischt, Sie haben Verantwortung übernommen und Sie haben sich um das Wohl unserer Stadt gekümmert.

Das Glück ist oft schlicht, sehr geehrte Damen und Herren!

Das Einfache, das Schlichte, das Geradlinige, das Franziskus von uns fordert, ist deshalb kein Verzicht und keine mühsame Askese, sondern macht uns glücklich!
Aber: Es braucht dazu auch immer den anderen. Es braucht immer die Begegnung und das Vertrauen. In der Liebe, in der Partnerschaft oder in der Familie und bei Freunden.
Ich bin mir sicher, dass einer Stadt, in der vor allem diese Glücksmomente zählen, auch andere Herausforderungen leichter fallen. Wer weiß, wie spannend und wir erfüllend die Begegnungen mit anderen Menschen sein können, der heißt auch gerne Gäste bei sich und in der Stadt willkommen. Und wenn man weiß, dass immer noch mehr Konsum, noch mehr Luxus und noch mehr Geld auch nicht glücklicher machen, dann hilft man Schwächeren gerne und gibt von seinem Überfluss ab. So kommen Nachhaltigkeit, ein schonender Umgang mit unseren Ressourcen, ein Klima von Toleranz, Offenheit, Barmherzigkeit und Gastfreundschaft von ganz alleine in unserem Alltag – gleichsam durch die Hintertür des Glücks. Freilich: Dies alles fällt nicht vom Himmel. Wir müssen unablässig daran arbeiten und gemeinsam darum ringen.
Deshalb werden wir auch in Schwäbisch Gmünd in diesem Jahr wieder für viele Begegnungen sorgen, für Orte an denen man sich gerne trifft, für viele Gespräche und Raum für ihre Ideen und Projekte.
Es wird ein Jahr, in dem wieder viele „Glücksmomente“ auf uns warten – freilich Glücksmomente, die wir alle uns stets auch hart erarbeiten müssen. Beim Gmünder Sommer, bei den Veranstaltungen zum Leutze-Jahr, beim Festival Europäische Kirchenmusik, bei den vielen Veranstaltungen, bei Hilfsprojekten und im Ehrenamt. Hier nenne ich als erstes natürlich unser großes Stauferfestival mit den Schwörtagen und der Aufführung der Staufer-Saga

Liebe Gäste unseres Neujahrsempfangs, liebe Freunde von Musik und Kultur:
Wir sehen es heute Abend hier im Stadtgarten ja in Reinform: Wo findet man sonst so viel Glück und Erfüllung wie im gemeinsamen Musizieren, beim gemeinsamen Singen, beim Konzertieren zusammen mit anderen begeisterten Musikerinnen und Musikern?
Wenn wir heute Abend also auf 50 Jahre Stadtverband Musik und Gesang zurückblicken, dann hat dies für uns eine ganz besondere Bedeutung. Gerade hier in Schwäbisch Gmünd weiß man, wie wichtig Musik, gemeinsames Musizieren, wie erfüllend ein Kulturerlebnis sein kann. Musik, Gesang, Kultur und Kunst sind – ebenso wie übrigens unser Sport und viele andere bürgerschaftlichen Projekte – kein schickes Plus, kein schicker Luxus, sondern essentieller Bestandteil einer offenen und lebendigen Stadtgesellschaft. Herzlichen Dank deshalb an dieser Stelle an alle, die nicht nur heute Abend hier auf der Bühne für viele erfüllte Glücksmoment sorgen, sondern auch an die vielen Menschen, die an den 50 Jahren Erfolgsgeschichte unseres Stadtverbands Musik und Gesang mitgewirkt haben. Auf der Bühne und dahinter. Lassen Sie mich an dieser Stelle stellvertretend einen besonderen Dank und einen besonderen Gruß an unseren Rudolf Böhmler richten, der sich über viele Jahre hinweg in außergewöhnlichem Maß für seine Heimatstadt engagierte hat und der jetzt seinen 70. Geburtstag – auch zusammen mit vielen Gästen aus Politik, Verwaltung und Kultur – in Gmünd feiern durfte. Lieber Rudi: Danke für Deinen Einsatz und für Deine Unterstützung unseres Kulturlebens. Und ein noch größerer Dank für Deine durchaus auch kritischen Worte bei unseren Neujahrsempfängen und deine kritische Begleitung – auch meiner Arbeit.
Lassen Sie mich hier eines unterstreichen: Ich halte eine kritische, aber konstruktive Auseinandersetzung für unsere Bürgergesellschaft für unerlässlich. Wenn ich heute Abend von den Gmünder Glücksmomenten gesprochen habe, geht es mir nicht um eine liebliche, klebrige Harmonie-Soße, die über alles gegossen wird. Wir müssen stets um die besten Lösungen ringen. Wir müssen für unsere Überzeugungen einstehen und Farbe bekennen. Und wir müssen in bester demokratischer Tradition unsere Entscheidungen kritisch diskutieren. Solange - liebe Gmünderinnen und Gmünder – solange nicht individuelle Interessen im Vordergrund stehen, sondern das Wohl unserer Stadtgemeinschaft insgesamt.

Dazu muss man sich freilich auch einbringen, mitmachen, sich für die Entwicklung seiner Stadt interessieren. Schwäbisch Gmünd hat hier eine außergewöhnlich aktive Bürgerschaft. Die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, wie sie auch Papst Franziskus kritisiert, findet hier nur wenig fruchtbaren Boden. Wir werden die Herausforderungen bis 2020 nicht meistern, wenn wir uns alle ins Private zurückziehen.
Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich im vergangenen Jahr eingebracht. Sie haben sich engagiert. Sie haben mitgemischt. Ich will Ihnen allen Danken.
Dem Gemeinderat und den Ortschaftsräten für den Mut, für die verantwortungsvollen Diskussionen und Entscheidungen – zum Jahresende beispielsweise auch mit der Gmünder Erklärung, die sie alle auch heute Abend draußen im Foyer unterschreiben können.
Ich sage Dank den Unternehmen und Macherinnen und Machern unserer Wirtschaft, die das Rückgrat unseres Wohlstands in Gmünd bilden.
Ich sage Dank den vielen Aktiven in den Vereinen, in den Nachbarschaftshilfen, in den Kirchen, den Verbänden, den Hilfsprojekten – den Menschen, die einfach anpacken, statt nur zu jammern.
Ich sage Dank den Kolleginnen und Kollegen der Verwaltung, hier in der Stadt, wie aber auch in der guten Zusammenarbeit mit den anderen Verwaltungen, allen voran des Landkreises, lieber Klaus Pavel.
Ich will mich hier auch persönlich für die Zusammenarbeit mit unseren Dezernenten, mit Dr. Joachim Bläse und Julius Mihm bedanken. Wir ringen täglich hart um den besten Weg für Gmünd – und dieses inzwischen schon in bester Freundschaft. Dies ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Danke!
Lassen Sie uns nun auch heute Abend noch feiern. Gehen Sie im Gespräch aufeinander zu. Lernen Sie den anderen kennen. Geben Sie mit ihrer Offenheit und mit ihren Begegnungen dem Hass, der Zwietracht, den Hetzern und Angstmachern keine Chance. Schwäbisch Gmünd wird auch 2016 eine gastfreundliche, diskussionsfreudige, vielfältige, bunte, offene, liebenswerte und lebendige Stadt bleiben. Und wir werden vor allem die Schwächeren und Hilfsbedürftigen nicht vergessen – egal, ob sie aus einem Kriegsgebiet zu uns gekommen oder hier geboren sind.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Ihren Freunden ein gesundes, gesegnetes und glückliches Jahr 2016.


 
 

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