Pressemeldungen der Stadt Schwäbisch Gmünd
April
18
2012
Mittwoch, 18. April 2012
Neue Straßennamen-Zusatzschilder in Gmünd
Schwäbisch Gmünd (sv). Oftmals tragen die Straßen und Gassen in der Gmünder Innenstadt seit Jahrhunderten ihren Namen. Aber nicht alle Straßennamen erklären sich von selbst, so dass es für die Bürger und Gäste der Stadt oft interessant ist, spontan mehr über Bedeutung und Ursprung eines Straßennamens zu erfahren. Die Bürgerstiftung der Stadt Schwäbisch Gmünd hat daher schon vor fünf Jahren damit begonnen, mit Zusatzschildern die Herkunft gewisser Straßennamen zu erläutern. Am 19. April wurden nun um 11 Uhr an der Einmündung Franz-Schubert-Straße / Klarenbergstraße weitere Straßenzusatzschilder vorgestellt; zum einen die Franz-Schubert-Straße und die Georg-Stütz-Straße zum anderen die Rosenstraße, Fischergasse und Ledergasse. Alle Texte wurden von Stadtarchivar Dr. Klaus Jürgen Herrmann und von Werner Debler formuliert. Bei der Präsentation der neuen Schilder an der Franz-Schubert-Straße waren neben diesen beiden Autoren der Texte Oberbürgermeister Richard Arnold, Alexander Groll von der Bürgerstiftung, Raynulf Jehle, Geschäftsführer des Bauvereins, Anton Nann vom Aufsichtsrat des Bauvereins und Hermann Hieber vom Baubetriebsamt mit dabei. Das Projekt der Bürgerstiftung wird dabei jeweils von Spenderinnen und Spendern finanziert. So stiftet der Bauverein Schwäbisch Gmünd das Schild an der Franz-Schubert-Straße - es ist bereits das dritte Straßenschild, das der Verein nach der Justinus-Kerner-Straße und dem Jörg-Ratgeb-Weg unterstützt. Der Geschichtsverein engagiert sich beim Schild an der Georg-Stütz-Straße - auch er hat bereits vier Straßenzusatzschilder gesponsert. Die Zusatzschilder an der Rosenstraße, Fischergasse und Ledergasse stiftet die Bürgerstiftung Schwäbisch Gmünd selbst - sie hat bisher insgesamt 18 bezahlt. Zusammengenommen wächst die Zahl der Schilder im Stadtgebiet damit auf insgesamt 39 Zusatzschilder.
Über weitere private Sponsoren freut sich die Bürgerstiftung sehr - ein Schild kostet jeweils 150 Euro.
Infos zu den einzelnen Namen:
Georg Stütz
“Heimat” war der Leitbegriff, dem die gesamte literarische Produktion des Schwäbisch Gmünder Lehrers Georg Stütz untergeordnet war. Er verfasste zahlreiche heimatgeschichtliche Artikel in den Gmünder Zeitungen, ein dreibändiges Heimatbuch und eine Chronik Gmünds im Ersten Weltkrieg. “Stütz war ein von christlichen Werten geprägter konservativer und patriotischer Schriftsteller, der mit seinen heimatkundlichen Büchern ganz gewiss nicht nur informieren, sondern auch die Liebe der Menschen zu ihrer Stadt wecken wollte.
Der 1864 als Lehrersohn in Schlechtbach bei Gschwend geborene Stütz entschied sich ebenfalls für den Lehrerberuf. Ab 1898 wirkte er in Gmünd an der Mädchen-Volksschule. 1948 ist er in Gmünd gestorben.
1919 brachte Stütz sein heimatkundliches Wanderbuch heraus, das in der zweiten Auflage als Band II des “Heimatbuchs für Gmünd und weitere Umgebung” firmierte (1924). 1920 folgte der spätere erste Band, der Führer durch die Stadt (zweite Auflage 1926). Was der dritte Band unter dem Titel “Heimatbilder aus Natur und Kultur” enthalten sollte, deutet die Verlagsanzeige in Bd. II von 1924 an: die Ur- und Frühgeschichte (Archäologie war ein besonderes Steckenpferd von Stütz), “Sagen und Märchen, Sitte und Gebräuche”. Realisiert wurde nur der Teil über die Sagen, ergänzt durch ein neunseitiges Kapitel “Heimatliche Flurnamen”.1927 erschien die Erstausgabe dieses Buchs: “Sagen der Heimat” im Selbstverlag des Verfassers.
Stütz ging es um heimatkundliche Erkenntnisse, aber nicht präsentiert in akademisch-wissenschaftlicher Form. Sein Ansatz war vielmehr ein pädagogisch-popularisierender, der die emotionale Hinwendung zur Heimat in den Mittelpunkt stellte. Die um 1900 entstandene Heimatbewegung übte aus konservativer Perspektive Zivilisationskritik - der als bedrohlich empfundenen Moderne stellte man das Bild einer heilen traditionalen Welt gegenüber. Sagen betrachte man als altes Volksgut, das es ebenso zu pflegen galt wie Trachten oder traditionelle Bauweise. So heißt es denn auch im Vorwort der Sagensammlung: “Die Sage flieht die Eisenbahn und die Fabrik, aber in abgelegenen Dörfern und vereinsamten Bauernhöfen ist sie immer noch heimisch”.
Ledergasse
Die Ledergasse bezieht ihren Namen von den Gerbern, die hier seit Beginn des 15. Jahrhunderts ansässig waren und ihr Gewerbe ausübten und deren Zunfthaus sich noch bis zum Jahr 1874 in dieser Straße befand. An der Ledergasse lässt sich die Veränderung der Sozial – und Gewerbestruktur über die Jahrhunderte gut ablesen. Den Gerbern folgte im 19. Jahrhundert im westlichen Bereich der städtische Schlachthof, dann wurden dort Obst – und Gemüse angebaut, bis die Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts diese aufkaufte. Um 1900 wurde der Mühlbach verdolt und eine Lindenanpflanzung im westlichen Teil angelegt. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts „ fielen diese Grünanlagen dem Fahr – und Parkverkehr zum Opfer, die Verlegung des Kaufhausstandorts Horten…brachte weitere städtebauliche Veränderungen… Auch heute noch ist … die Straße von einem Hausbestand gesäumt, der immer noch…ein Bild von älterer Bau – und Sozialstruktur wiedergeben kann.
Fischergasse
Bezeichnete früher statt der Straße einen ganzen Bezirk zwischen dem Waisenhaus und der äußeren Stadtmauer. Hier standen die Häuser der Fischer, das Arenbad und eine Mühle.
Rosenstraße
Die Rosenstraße ist eine „Stadtmauerdurchbruchstraße“ in Verlängerung des Kalten Marktes und trug früher den Namen Entengraben. Die Straße bezieht ihren Namen von der 1882 niedergebrannten Wirtschaft und Brauerei zur Rose.
