Daniel Bräg. Obstlandschaften

8. Juli – 30. Oktober 2011

Schwäbisch Gmünd, 2012

Zart-herb nach Wurzel, Borke und Harz von Apfelbäumen – so duftet es vom 8. Juli bis zum 30 Oktober in der Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd. Diesen ganz besonderen Geruch erlebbar macht die Ausstellung „Obstlandschaften“ des Bildhauers Daniel Bräg. Für diese Präsentation fällte der Künstler zu Jahresbeginn auf einer Gmünder Wiese alte Apfelbäume. Das Holz der Bäume baute er zu dicht geschichteten, streng quaderförmigen Stapeln auf. Jeder Stapel ein ganzer Baum. Wie stille Monumente der Natur stehen die Holzsäulen jetzt in der eigens für die Galerie im Prediger entwickelten Rauminstallation. Zusammen mit weiteren Werkgruppen Brägs konzentriert die Schau wichtige Facetten seines künstlerischen Konzepts der vergangenen 20 Jahre.

Zur Eröffnung der Ausstellung
am Freitag, 8. Juli 2011 um 19 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich in die Galerie im Prediger ein.
Der Künstler ist anwesend.

Es sprechen
Dr. Joachim Bläse Erster Bürgermeister
Simone Jung Leiterin Museum Biedermann
Dr. Gabriele Holthuis Museum und Galerie im Prediger

Schnittstellen zwischen Kunst und Natur
Was ist Natur? Und welches Bild machen wir uns von ihr? Um diese Fragen siedeln die Arbeiten von Daniel Bräg. Seit 1992 erforscht er intensiv Schnittstellen zwischen Kunst und Natur. „Der Naturbegriff“, sagt er, „hat immer mit Kultur zu tun. Alles was wir kennen, woraus wir diesen Naturbegriff bilden, ist Kultur.“ Natur ist für Daniel Bräg immer ein Ergebnis menschlicher Eingriffe, unberührte Natur gibt es nicht mehr. Das Gebiet, das sich Daniel Bräg für die Erforschung des Wechselspiels von Natur und Kunst gewählt hat, ist die „Pomologie“, die Lehre von den Obstsorten und vom Obstbau, bei der die Obstsorten beschrieben, bestimmt und systematisch eingeteilt werden. Dieses Arbeitsfeld eignet sich vor allem deshalb auf das Beste, ist das Obst zwar Naturprodukt, jedoch ein vom Menschen über Generationen hinweg kultiviertes, eigentlich natürliches Kulturgut.

Die Strukturen und Mechanismen der kulturellen Aneignung von Natur untersucht Daniel Bräg, indem er verschiedenste heimische Früchte sammelt, präpariert, ordnet, klassifiziert und präsentiert. Aus diesem Konzept entstanden in den vergangenen 20 Jahren umfangreiche, immer wieder weiterentwickelte Werkkomplexe. Ausgangspunkt bildet 1992 die Arbeit „Obstgarten“: 14 ausgediente, zersägte und sorgsam zu Quadern gestapelte Obstbäumen. 1993 folgt „Herbarium Rosales“: 80 verschiedene junge Obstbäume, die mit all ihren Bestandteilen zwischen Glasscheiben gepresst sind. Ebenfalls 1993 entstand das „Versuchsfeld für Obstgewächse“ aus 37 Hochstamm-Obstbäumen. 1997 realisiert Bräg die Installation „Goldparmäne“, die in einem Regalgeviert aus Holz und Stahl Einweckgläser mit allen Früchten dieser Apfelsorte versammelt, ganz konserviert von reif bis überreif und angefault.

Schönheit des Verfalls
Doch egal ob Daniel Bräg ganze Apfelbäume in regelmäßige Stücke zerteilt und im Ausstellungsraum aufeinander stapelt oder Früchte in verschiedenen Erhaltungszuständen einweckt – er macht in unterschiedlichen Schritten die Transformation eines Naturgegenstands in eine Kunstform ästhetisch nachvollziehbar. Ihm geht es in seinen Arbeiten nicht um die Auslese der besten Früchte oder gesündesten Bäume, sondern darum, das ganze Spektrum von Werden und Vergehen in der Natur darzustellen. Wurmstichige Äpfel oder verdorrtes Wurzelwerk vermögen in der Kunst durchaus zu besonderen ästhetischen Erfahrungen anregen. Dass dabei besonders schöne Bilder entstehen, zeigt sie Ausstellung mit fünf Fotografien der Serie „Stillleben“: Bräg hat Obstblüten in Gelatine eingelegt. Nach einem halben Jahr beginnt die Gelatine zu schimmeln. Diesen Prozess hat der Künstler fotografisch festgehalten. Im Aufeinandertreffen von Schönheit (Blüten) und Verfall (Schimmel) entsteht ein faszinierender Moment der Transformation. Solche Momente des Übergangs untersucht der Künstler in seinen Arbeiten in beinahe naturwissenschaftlicher Weise. Beispielhaft beleuchtet dies die Ausstellung auch in der Installation „Kühlschränke“, die sämtliche Erzeugnisse von Obstbäumen in Einweckgläsern oder Schalen präsentiert – von der Blüte über die Frucht bis hin zum Saft. Dass diese Erzeugnisse weiter verfallen, auch wenn sie in Teilen konserviert worden sind, ist Teil der künstlerischen Idee. Bräg will gerade nicht die Natur in ihrer Vollendung darstellen, sondern auf die Schönheit des Verfalls aufmerksam machen.

Brägs Arbeiten stehen, so überraschend und zeitgenössisch sie sich präsentieren, in einer langen Tradition der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit. Dies zeigt besonders die holländische Stilllebenmalerei aus dem 17. Jahrhundert. Wenn in diesen Früchte in all ihrer Pracht dargestellt werden, fehlt fast nie ein kleiner Hinweis auf die Vergänglichkeit alles Schönen. Befreit von der Symbolik barocker Vanitasbilder, die Prozesse der Verwesung zu Allegorien auf die Nichtigkeit des Lebens verkürzen, erhält die Vergänglichkeit der Natur bei Bräg eine aktuelle, eigene Ästhetik und Schönheit.

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr, montags geschlossen. Verlängerte Öffnungszeiten während des Festivals Europäische Kirchenmusik, 15. Juli bis 7. August: Di bis Fr 14-19 Uhr.

Katalogpräsentation mit Künstlergespräch
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog 208 Seiten,35 Euro). Die Publikation wird im Rahmen eines Künstlergesprächs vorgestellt:
Donnerstag, 22. September, 18 Uhr 

Kunstbetrachtung
Dienstag, 2. August, 15 Uhr

Angebote für Kindergartengruppen
Di und Do 11.00-12.30 Uhr, Mi, 14.00-15.30 Uhr
Anmeldungen unter Telefon 07171 603-4126

Adresse / Informationen
Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon 07171 603-4130, Telefax 07171 603-4129
museum@schwaebisch-gmuend.de, www.museum-galerie-fabrik.de

Mit freundlicher Unterstützung
Kreissparkasse Ostalb, Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft mbH

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