Festival Europäische Kirchenmusik 2010

„Jung und Alt“ weckt überragende Publikumsresonanz

Phänomenal, bestechend, ein Glückstreffer – solchermaßen lobte die Kritik den Open-Air-Auftritt des Barbara Bürkle Quintetts, mit dem am Wochenende das 22. Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd zu Ende ging. 23 Konzerte und vier Gottesdienste bescherten vom 16. Juli bis 8. August intensive Musik-Erlebnisse zum Thema „Jung und Alt“. Zusammen mit den Festivalmachern zog Oberbürgermeister Richard Arnold ein Fazit der drei sommerlichen Festivalwochen. Rund 15.200 (VJ 14.300) Besucher ließen sich in insgesamt 43 Veranstaltungen von dem Thema „Jung und Alt“ begeistern. Mit 9.167 verkauften Karten wurde das drittbeste Ergebnis seit Bestehen des Festivals erreicht; zugleich wurden zum vierten Mal in Folge mehr als 9.000 Karten abgesetzt. Beide Faktoren zusammen weisen auf eine erfreuliche Kontinuität und Verstetigung des Besucherzuspruchs auf sehr hohem Niveau. Annähernd die Hälfte der Konzerte war ausverkauft. Vielfach konnte die Nachfrage nur durch eine Zusatzbestuhlung befriedigt werden. Dabei konnte sich das Festival auf ein mittlerweile äußerst treues Stammpublikum verlassen: 7.165 Karten, und damit 78% der verkauften Karten, gingen bereits im Vorverkauf weg, so viele wie bislang noch nie in der Geschichte des Festivals.

Diese großartige Bilanz bestätigt nicht nur das Festival Europäische Kirchenmusik in seinem Rang als überregional bedeutendes Musikfestival und kulturelles Aushängeschild Schwäbisch Gmünds. Dieses Ergebnis unterstreicht auch das Festivalkonzept mit seiner engagiert programmatischen Ausrichtung, das im Miteinander von Altem und Neuem, von Historischem und Innovativem die Vielfarbigkeit geistlicher Musik erleben lässt. „Mit dieser Kontinuität gelingt es überzeugend, neue, attraktive und unverwechselbare Akzente im Programm zu setzen, die dem Festival überregionale Aufmerksamkeit garantieren“, so Oberbürgermeister Richard Arnold. Im 23. Festivaljahr widmet sich das Programm vom 15. Juli bis 7. August 2011 dem Thema „Träume und Visionen“.

Überwältigende Konzert-Erlebnisse

„Jung und Alt“ – dieses Thema wurde beim diesjährigen Festival in vielen Klängen und Stimmen erlebbar: in Konzerten mit Meisterwerken der Musikliteratur, Neubearbeitungen und zeitgenössischen Kompositionen ebenso wie im gemeinsamen Musizieren von Stars der internationalen Musikszene mit aufstrebenden, jungen Talenten.

Einen begeisternden Auftakt erlebte das Festival mit Monteverdis „Marienvesper“, aufgeführt vom RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann. Vom Publikum und der Kritik gleichermaßen enthusiastisch aufgenommen wurde das Konzert mit dem SWR Vokalensemble Stuttgart: Unter seinem Chefdirigenten Marcus Creed präsentierte der Chor unter anderem Vokal-Transkriptionen berühmter Werke Johann Sebastian Bachs und hat damit die Zuhörer „ergriffen und fortgezogen in eine andere Welt“ (Südwest Presse); im Rahmen des Konzerts erhielt Markus Creed für seine herausragenden und stilverpflichteten Interpretationen geistlicher Musik zugleich den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2010.

Großartige Akzente setzten ebenso der Kammerchor und die Klassische Philharmonie Stuttgart unter Frieder Bernius mit Schumanns Oratorium „Szenen aus Goethes Faust“, Sigiswald Kuijken und „La Petite Bande“ (Brüssel) mit einem konzertanten Bach-Programm, die von Wolfgang Katschner dirigierte Capella Angelica und Lautten Compagney Berlin mit den „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz sowie das Hilliard Ensemble, das zusammen mit „Singer Pur“ Highlights aus eintausend Jahren Vokalmusik präsentierte. Für einen überwältigenden Konzertabend, der „zu einem Juwel des Festivals geriet“, so die Kritik, sorgten der Bachchor Stuttgart und die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, die unter Jörg-Hannes Hahn Bernsteins „Chichester Psalms“, Strawinskys „Psalmensinfonie“ und Werke von Kantscheli und Pärt musizierten. Als Publikumsmagnet erwies sich in der Reihe der Orgelkonzerte das Gastspiel von Olivier Latry (Paris), dessen Konzert mit stürmischem Applaus und stehenden Ovationen bedacht wurde.

Innovationen und Talentförderung

Mehrfach standen erneut innovative Projekte im Fokus des Festivals, darunter die Uraufführung aus dem 11. Internationalen Kompositionswettbewerb im Eröffnungsgottesdienst, die Musiktheater-Premiere von Haydns Opernfragment „Philemon und Baucis“ mit der griechischen Komponistin Konstantia Gourzi und dem „Ensemble Oktopus für Musik der Moderne“, der Konzertabend mit dem chinesischen Sheng-Virtuosen Wu Wei und ein „klingendes Kloster“, bespielt vom Ensemble Cosmedin und jungen Talenten.

Das stete Anliegen des Festivals, junge Interpreten zu fördern, verfolgten zwei Meisterkurse: ein Meisterkurs für Orgelimprovisation mit Hayo Boerema (Rotterdam) und ein Meisterkurs für Chordirigieren mit Hans-Christoph Rademann (Dresden).

Vernetzung in der Stadt

Neben den lokalen Festival-Ensembles (Philharmonischer Chor, Collegium Vocale und Motettenchor) waren Kindergärten, Schulen und Seniorenheime sowie die Pädagogische Hochschule mit Kinderuni und Seniorenhochschule mit von der Partie. Auch zwei von der Stadt-Jugendkapelle begleitete Mitsing-Konzerte für Jung und Alt auf dem Münster- bzw. Johannisplatz sorgten für eine breite Vernetzung des Festivals in der Stadt.

Musikvermittlung und Medienresonanz

Darüber hinaus vermittelten überdurchschnittlich gut besuchte Künstlergespräche, Konzerteinführungen und ein Musikforum ein vertiefendes Verständnis musikalischer Inhalte. Vielfältig berichteten die Medien über das Festival: Das Eröffnungswochenende wurde vom SWR-Fernsehen in der „Landesschau KulTour“ porträtiert, das Hörfunkprogramm SWR4 war Gast bei der Orgelführung für Kinder und nicht zuletzt zeichnete der Südwestrundfunk acht Konzerte für das Hörfunkprogramm SWR2 auf. Das Festival Europäische Kirchenmusik wird veranstaltet vom Kulturbüro der Stadt Schwäbisch Gmünd.

 

Festivalprogramm 2010

Thema: „Jung und Alt“

Fr, 16.7.2010, 14 Uhr, Kulturzentrum Prediger
Musikforum zur Uraufführung aus dem 10. Kompositionswettbewerb Zeitgenössische Geistliche Musik

 

Fr, 16.7.2010, 17 Uhr, Münsterplatz Schwäbisch Gmünd
„Geh aus mein Herz und suche Freud“ – Mitsingkonzert für Jung und Alt

Fr, 16.7.2010, 19 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Ökumenischer Eröffnungsgottesdienst
Uraufführung aus dem 10. Kompositionswettbewerb Zeitgenössische Geistliche Musik, Junger Kammerchor Baden-Württemberg, Jochen Woll

Sa, 17.7.2010, 15 Uhr, Augustinuskirche
Cappella-Kinderchöre der Augustinuskirche Schwäbisch Gmünd
Kinder-Musical „Ich will das Morgenrot wecken – David wird König“

Sa, 17.7.2010, 20 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
RIAS Kammerchor & Akademie für Alte Musik Berlin, Ltg: Hans-Christoph Rademann: Monteverdi: Marienvesper

So, 18.7.2010, 17 Uhr, Kloster Lorch
Ensemble Diabolus in musica (Tours)
Machaut: Messe de Nostre Dame

Di, 20.7.2010, 20 Uhr, St. Franziskus
Solo-Recital Wu Wei (Mundorgel) & Lesung
East meets West: Musik aus dem alten und neuen China

Mi, 21.7.2010, 20 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
SWR Vokalensemble Stuttgart
Marcus Creed dirigiert Vokalbearbeitungen von Knut Nystedt, Sven-David Sandström, Clytus Gottwald und Samuel Barber, Verleihung des Preises der Europäischen Kirchenmusik 2010 an Marcus Creed

Do, 22.7.2010, 20 Uhr, Augustinuskirche
Joseph Haydn/Konstantia Gourzi: Philemon und Baucis
Ein szenisches Musiktheater-Projekt

Fr, 23.7.2010, 18.30 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Orgelkonzert Josep Maria Mas y Bonet (Barcelona)

Fr, 23.7.2010, 21.30 Uhr, Johanniskirche
Jazztrio Greetje Bijma (voc), Klaas Hoek (harmon), Hans Fickelscher (perc)
„Summer Songs“ für Stimme, Harmonium und Percussion

Sa, 24.7.2010, 20 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Kammerchor und Klassische Philharmonie Stuttgart
Frieder Bernius dirigiert Schumanns „Faust-Szenen“

So, 25.7.2010, 10.15 Uhr, Augustinuskirche
Gemeindegottesdienst „Mass of Joy“

So, 25.7.2010, 17 Uhr, Hohenrechberg
Midori Seiler (Violine) & Christian Rieger (Cembalo)
Mysteriensonaten von Biber und Cembalowerke von Ligeti

Di, 27.7.2010, 20 Uhr, Augustinuskirche
Ensemble Polyphonie T, Ltg. Manfred Schreier
Palestrina: Missa Papae Marcelli & Schnebel: Missa est

Mi, 28.7.2010, 20 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Philharmonischer Chor Schwäbisch Gmünd, Sinfonietta Tübingen
Mozart: Messe c-moll (Fassung Robert Levin)

Do, 29.7.2010, 20 Uhr, Kloster der Franziskanerinnen
10 Jahre Kloster der Franziskanerinnen
Ein klingendes Haus mit Ensemble Cosmedin und jungen Talenten

Fr, 30.7.2010, 18.30 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Abschlusskonzert Internationaler Meisterkurs Orgelimprovisation (Hayo Boerema, Rotterdam)

Fr, 30.7.2010, 21.30 Uhr St. Franziskus
Stummfilm „Visages d’enfants“ mit Live-Musik: Holger Ebeling (Klavier) & Matthias Graf (Violine)

Sa,31.7.2010, 20 Uhr, Augustinuskirche
Sigiswald Kuijken & La Petite Bande (Brüssel)
Instrumentalkonzerte von Johann Sebastian Bach (Violinkonzert BWV 1041, Brandenburgisches Konzert Nr. 5, Tripelkonzert BWV 1044, Suite Nr. 2

So, 1.8.2010, 9.30 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Gemeindegottesdienst mit St. Michael-Chorknaben und Cantate Domino

So, 1.8.2010, 17 Uhr, Hohenstadt
Ensemble Svetilen
Orthodoxe Vokalmusik aus Russland

Di, 3.8.2010, 20 Uhr Augustinuskirche
Lautten Compagney Berlin
Schütz: Musikalische Exequien; Kantaten von Bach und Buxtehude

Mi, 4.8.2010, 20 Uhr, Augustinuskirche
Hilliard Ensemble & Singer Pur
Tausend Jahre Musikgeschichte. Vokalmusik für bis zu 10 Stimmen

Do, 5.8.2010, 20 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Bachchor Stuttgart, KMD Jörg-Hannes Hahn
Bernstein: Chichester Psalms; Strawinsky: Psalmensinfonie; Pärt, Kancheli

Fr, 6.8.2010, 18.30 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Orgelkonzert Olivier Latry (Paris)

Fr, 6.8.2010, 21.30 Uhr, Johanniskirche
Quartet New Generation: Virtuose Flötenmusik

Sa, 7.8.2010, 15 Uhr, Heilig-Kreuz-Münster
Orgelführung für Kinder mit Münsterorganist Stephan Beck

Sa, 7.8.2010, 21 Uhr, Münsterplatz
Barbara Bürkle Quintett
„Everything Allowed“ – Jazz, Latin, Soul & Gospel Openair

So, 8.8.2010, 10.30 Uhr, Augustinuskirche
Ökumenischer Schlussgottesdienst
Collegium Vocale Schw. Gmünd mit Mitgliedern des Meisterkurs Chordirigieren, Ltg: Hans-Christoph Rademann

 
 

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Klaus Stemmler
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