Madonna – Unsere Liebe Frau
Marienbildnisse aus acht Jahrhunderten
3. Mai – 13. Oktober 2013
„Von der Gestalt der Jungfrau weiß man nichts“, notiert der Kirchenlehrer der Spätantike, der Heilige Augustinus (354-430). Gut dreizehn Jahrhunderte später aber, um 1800, dichtet der Romantiker Novalis: „Ich sehe dich in tausend Bildern / Maria lieblich ausgedrückt.“ In dieser Zeit entwickelte sich das Marienbild zum häufigsten Gegenstand der christlichen Kunst und verlieh der Marienverehrung bildhaften Ausdruck. Immer wieder hat die Gottesmutter Künstler aufs Neue fasziniert und zu zahllosen Bildfassungen in Skulptur, Malerei und Grafik angeregt. Die Art der Gestaltung der Gottesmutter, ihre Attribute, ihre Gestik und ihr Gewand – sie alle sind Ausdruck und Aspekte sinnlich transformierter Spiritualität.
Von den vielfältigen inhaltlichen Zusammenhängen, in denen Maria dargestellt ist, zeugen auch die Marienbildnisse in den Sammlungen des Gmünder Museums, denen sich die Ausstellung erstmals umfassend widmet. Ergänzt um großzügige Leihgaben aus kirchlichem, musealem und privatem Besitz vermitteln rund 70 Skulpturen, Gemälde, Grafiken sowie kunsthandwerkliche Arbeiten aus acht Jahrhunderten das breite Motivspektrum der Marien-Darstellungen – vom Bildnis der Jungfrau und Mutter Gottes über den Bildtypus der Schmerzensmutter und hoheitsvollen Herrscherin bis zur in den Himmel Auffahrenden.
Das älteste Stück der Ausstellung ist eine thronende Maria mit Kind aus Sandstein aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Das Bildwerk der thronenden Gottesmutter mit Kind spiegelt zugleich den frühesten Darstellungstypus der Maria wider; dieses Motiv entwickelt sich in der Folge des Konzils von Ephesus (431), das Christi Mutter offiziell den Rang der Theotokos, der jungfräulichen Gottesgebärerin verlieh. Zu den vielen Glanzpunkten der Schau zählen eine romanische thronende Madonna mit Kind aus dem Besitz des Ulmer Museums sowie die spätgotische Skulpturengruppe „Christus und Maria“, die das Landesmuseum Württemberg zur Verfügung stellt. Eine aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammende Madonna vom Hauptportal des Heiligkreuzmünsters verkörpert den Typus der stehenden Madonna, der neben dem Thronbild um 1200 entsteht; er charakterisiert Maria als herrscherliche Frau und Himmelskönigin und tritt häufig in der Bauplastik und in Altären. Darstellungen von Lebensstationen Mariens – darunter der Verkündigung, der Christgeburt und Anbetung, der Schmerzensmutter und der Himmelfahrt – zeigen ausschnitthaft eine seit dem 12. Jahrhundert wachsende und auch durch Legenden beeinflusste Marienfrömmigkeit. Eine besondere Bilderfindung mit Anfängen im späten 13. Jahrhundert und weiter Verbreitung im Spätmittelalter stellt die Figurengruppe der Anna selbdritt dar, welche die heilige Anna mit Maria und dem Jesuskind zeigt: eine um 1520 gefertigte Figurengruppe der Sammlungen des Gmünder Museums bringt diese Darstellungsweise zum Ausdruck. Hans Baldung Griens Holzschnitt „Maria auf der Rasenbank“ (1505/1507) vergegenwärtigt Maria als Repräsentantin des paradiesischen Urkosmos und steht beispielhaft für ein seit dem 14. Jahrhundert beliebtes Thema besonders der deutschen Kunst.
Zu einem bedeutenden Motiv der Barockzeit gehört der Bildtypus der „Immaculata“, der die Gestalt Mariens auf einer Mondsichel stehend zeigt – präsent in der Ausstellung durch eine überlebensgroße, prunkvoll gestaltete Statue des renommierten Augsburger Gold- und Silberschmieds Franz Anton Lang, entstanden 1755/1757. Das berühmte Gnadenbild von Einsiedeln ist durch einen Holzschnitt des Schweizer Buchdruckers und Kupferstechers Johann Jost Hiltensperger (1711-1792) vertreten. Eine lebensgroße Verkündigungsgruppe des Bildhauers Jakob Wilhelm Fehrle aus dem Jahr 1922 schlägt den Bogen in das 20. Jahrhundert. Das jüngste Werk stammt vom Gmünder Silberschmied Hermann Stadelmaier: eine um 1960 gefertigte schlichte silberne Madonnenfigur.
Eröffnung
Die Ausstellung wird am Freitag, 3. Mai, um 19 Uhr mit einer Marienandacht im Heilig-Kreuz-Münster festlich eröffnet. Es sprechen Münsterpfarrer Robert Kloker, Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse und Museumsleiterin Dr. Monika Boosen. Münsterorganist Stephan Beck musiziert.
Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Rahmenprogramm
Ein umfangreiches Programm bestehend aus Führungen, Vorträgen und Angeboten für Kinder und Schulklassen vertieft die Ausstellung.





