Schwäbisch Gmünd, 2015

Masayuki Koorida. Flowers and Seeds

12. Juni – 30. August 2015

Schwäbisch Gmünd, 2015

Masayuki Koorida, Flower, 2006, schwarzer Marmor, 17 x 40 x 35 cm. Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg, und Künstler

Schwäbisch Gmünd, 2015

Masayuki Koorida, Drops 2012, weißer Marmor, 63 x 42 x 42 cm. Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg, und Künstler

Schwäbisch Gmünd, 2015

Masayuki Koorida, White Seed, 2007, weißer Granit, 110 x 171 x 167 cm. Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg, und Künstler

Der japanische Bildhauer Masayuki Koorida ist international bekannt durch seine unverkennbaren Steinskulpturen. In Granit und Marmor ausgeführt, bestechen sie durch das Zusammenspiel von abstrakter Form, präziser Einfachheit und Ebenmäßigkeit der auf Hochglanz polierten Oberfläche. In der ersten Einzelausstellung in Deutschland rückt die Galerie im Prediger den Bildhauer vom 12. Juni bis 30. August in den Fokus. Die Werkschau in Kooperation mit der Galerie Scheffel, Bad Homburg v. d. Höhe, zeigt 12 Arbeiten aus zehn Schaffensjahren. Parallel zur Galerie-Ausstellung nimmt eine in weißem Granit gearbeitete Großskulptur am Johannisplatz einen spannungsvollen Dialog mit dem urbanen Umraum auf.
Es erscheint ein Katalog.

Eröffnung
Die Ausstellung wird am Freitag, 12. Juni, um 19 Uhr eröffnet. Der Künstler ist anwesend.
Es sprechen:
Julius Mihm, Bürgermeister
Dieter Brunner, ehem. Ausstellungsleiter Städtische Museen Heilbronn
Dr. Monika Boosen, Museum und Galerie im Prediger

Suche nach einer allgemeingültigen Sprache
Masayuki Koorida, 1960 in Kyoto geboren, studierte von 1979 bis 1983 an der Musashino Art University in Tokyo. Nach Aufenthalten in den Niederlanden und Taiwan zog er 2006 nach Shanghai, wo er bis heute seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hat.
Kooridas bildhauerisches Material ist Granit und Marmor, jeweils in Schwarz und Weiß. Der Stein verrät wenig von seiner Härte angesichts der Eleganz der weichen Formen, die der Künstler dem Material abtrotzt. Meißelnd, schleifend und schließlich polierend entstehen organisch anmutende Objekte, die an Moleküle oder Amöben erinnern, an kleinste Teilchen oder Lebewesen, unendlich vergrößert. Mit ihren vollendeten Rundungen erwecken sie zugleich den Eindruck, als könnten sie bei Berührung zerfließen oder zerplatzen – auch wenn ihre Titel sie eindeutig als „Flowers“ (Blumen) und „Seeds“ (Samen) benennen. Sie wirken fragil und doch stabil in sich ruhend, artifiziell und doch belebt. Koorida beschreibt den bildhauerischen Schaffensprozess als Vorgang, in dessen Verlauf sich Gedanken und Eingebungen auf der Suche nach einer allgemeingültigen Sprache zu einer Vorstellung, einem konkreten Bild formen. Dieser „originäre Inhalt einer Skulptur“ erhalte in seinen Plastiken durch die reduzierte gestalterische Umsetzung ein vielschichtiges Erscheinungsbild, das wiederum die Fantasie des Betrachters anrege.

Verdichtung und Vereinfachung, Sinnlichkeit und Perfektion
Material und Machart der Skulpturen lassen den besonderen bildnerischen Ansatz von Masayuki Koorida erkennen. Der mineralischen Starre des Steins stellt er eine quasi organische Beweglichkeit und Weichheit entgegen. Das Leichte ergründet er mit Schwerem. Und pure Materialmasse transformiert er in Lichträumlichkeit, indem die auf Hochglanz polierten Oberflächen seiner Arbeiten einen Spiegel abgeben für den umgebenden Raum – eine Sublimationen, die dem Stein eine transmaterielle Dimension erschließt.
Seine Skulpturen verkörpern ein Höchstmaß an Verdichtung und Vereinfachung. Sinnlichkeit und Perfektion ergänzen sich hin zum Kontemplativen. Die Werke sprechen zu den Sinnen, verführen Auge und Hand. Handschmeichlern gleich reizen sie zum Berühren. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sie kennzeichnet, ist Ihr Wirkungsradius im Raum. Sie bewirken ein Ineinandergreifen von Körper und Raum. Aber nicht mit raumholenden, ausladenden Gesten, die den Raum dynamisch besetzen, sondern indem sie sich ihren Umraum wie eine Aura, die von ihrer Ästhetik der Stille und Innerlichkeit ausgeht, aus sich heraus schaffen. Nähe und Ferne, körperliche Greifbarkeit und Abstand gegenüber dem Erhabenen, Undurchschaubaren: das sind die Pole, die vor den Skulpturen Kooridas in eins fallen.

Tradition moderner Volumenskulptur
In ihrer formalen Schlichtheit und Reduktion lassen sich die Skulpturen von Masayuki Koorida in der Tradition der modernen Volumenskulptur westlicher Prägung verorten – jener Skulpturen also, die in ihren raumbesetzenden, meist vollrunden Formen eine Antithese zur linearen Raumskulptur bilden und die von Constantin Brancusi über Hans Arp und Henry Moore bis zu Tony Cragg in die Gegenwart führen. Mit Brancusis verbindet ihn die Formreduzierung des Rumänen im Zusammenklang mit langwierig behandelten Oberflächen, die einen meditativen Charakter in Bezug auf Volumen und Raum haben, wobei Koorida auf jedwede unterschwellige Gegenständlichkeit verzichtet; mit Arp eint ihn das biomorphe Formenvokabular.

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14 -17, Do 14 -19, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr.
Montags geschlossen. Sonderöffnungszeiten zur Gmünder ART, 3.-4. Juli:
Freitag, 3.7., 14-22 Uhr, Samstag, 4.7., 11-23 Uhr.

Führungen
Donnerstag, 16. Juli und 13. August, jeweils 18 Uhr

Für Kinder und Jugendliche
Künstlerische Fotografie – Sommerferien-Workshop
ab Samstag, 15. August, 4 x samstags, für 12- bis 16-Jährige
Anmeldung: Telefon 07171 9 2515-0, Jugendkunstschule

Adresse/Informationen
Museum und Galerie im Prediger, Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd, Telefon: 07171 603-4130, Internet: www.museum-galerie-fabrik.de.

Link
Galerie Scheffel

 

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