Schwäbisch Gmünd, 2014

Thomas Heger und Hans Schüle. Feldversuch – Malerei und Skulptur

19. September - 23. November 2014

Schwäbisch Gmünd, 2014

Thomas Heger / Hans Schüle, Feldvesuch, Galerie im Prediger

Schwäbisch Gmünd, 2014

Thomas Heger, Lichtläufer, 2005, Öl auf Leinwand. © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Schwäbisch Gmünd, 2014

Hans Schüle, Fraktal #1, Stahl/Lack, 57 x 53 x 46,5 cm. © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Feldversuche kennt man aus der Landwirtschaft, wo sie dazu dienen, auf einem abgegrenzten Stück Land verschiedene Wachstumsfaktoren zu testen, zum Beispiel die Fruchtbarkeit von Saatgut. Dass ein Feldversuch auch in der Kunst durchaus fruchtbar sein kann, zeigt die Galerie im Prediger. „Feldversuch“ heißt die Ausstellung, die vom 19. September bis 23. November erstmals Malerei von Thomas Heger und Skulpturen von Hans Schüle zusammenbringt – und damit einen spannenden Dialog eröffnet. Der zeigt: bei aller Gegensätzlichkeit der Gattungen und Eigenständigkeit der beiden künstlerischen Positionen gibt es durchaus Verbindendes zwischen den beiden Künstlerwerken. Dem spürt die Werksschau nach.

Eröffnung
Freitag, 19. September 2014, um 19 Uhr.
Die Künstler sind anwesend.

Es sprechen:
Julius Mihm, Bürgermeister
Nikolai B. Forstbauer, Ressortleiter Kultur Stuttgarter Nachrichten
Dr. Monika Boosen, Museum und Galerie im Prediger

Thomas Heger: Illusionsräume zwischen Abbild und Abstraktion
Auf der einen Seite des Feldversuchs steht Thomas Heger: Dessen Gemälde changieren zwischen Abbildhaftigkeit und Abstraktion, leben vom Wechselspiel von Linie und Farbe, von Fläche und Raum. Farben und Formen werden auf der Bildfläche zueinander in Beziehungen gesetzt. Die Bildelemente entfalten Spannung, Harmonie und räumliche Wirkungen. In eine abstrakte Grundordnung hinein platziert Heger Gegenstände des Alltags; in den letzten Jahren waren es vor allem Glasgefäße, Teller oder Schalen, die scheinbar schwerelos durch den Bildraum tanzen und schweben. In seinen neueren Bildern malt er Gärten, Wiesen und Felder sowie Städte als autonome Landschaftsräume, durch die zu Miniaturen geschrumpfte Menschen „wandern“. Jedes Festhalten der Dinge im Raum wird jedoch verweigert, schon weil sie sich der trainierten Wahrnehmung widersetzen. Mittels perfekt angelegter Form- und Farbüberlagerungen wie durch ungewohnte Perspektiven und widersprüchliche Proportionen gelingen Illusionsräume, die angestammte Sehgewohnheiten befragen und zu einer Neubewertung anregen. Damit erweitern Hegers Gemälde das klassische Genre des Stilllebens und Landschaftsbildes gleichermaßen.

Hans Schüle: Dynamische Auseinander-setzung mit Gegensätzen
Auf der anderen Seite Hans Schüle: Aus Metallen wie Aluminium, Messing, Kupfer oder Stahl formt er allansichtige, dreidimensionale, mitunter hoch komplexe Gebilde. Diese weisen einerseits rudimentäre Affinitäten zu biomorphen Formen, andererseits zur Technik auf. In den Werkgruppen der „Hybride“ und „Fraktale“, die in der Ausstellung im Mittelpunkt stehen, transformiert er den mikroskopischen Blick auf natürliche Strukturen und Lebensformen in zum Teil monumentale Skulpturen. Die „Hybride“ entstehen aus zersägten und miteinander verschweißten Stahlrohr-Ringen; in der Addition entstehen filigrane bauchige Netzstrukturen, die an sich ausbreitende organische Zellkulturen oder Molekülmodelle erinnern. Die aus Stahl gefertigten „Fraktale“ bilden tableauartige Schichtungen und Verschränkungen, die sich energetisch in den Raum ausweiten. Dennoch stellen diese Schöpfungen keine Analogien zu jedweder Natur her: sie sind abstrakte Formensprache, versehen mit vielfältigen Assoziationen, beschreiben Metaphern auf dem Feld der Imagination, sind eine dynamische Auseinandersetzung mit Gegensätzen: zwischen kühlem Industrieprodukt und organischer Form, Statik und schwellendem Wachstum, Schwere und Leichtigkeit. Schüles Objekte entwickeln ein Eigenleben im Raum, in dem sie sich malerisch-installativ bewegen und den sie durchdringen, ob am Boden, an Wänden oder von der Decke.

Im Dialog: Vielfältiger Perspektivwechsel
Das Gegenüber der Künstlerwerke lässt einen vielschichtigen Dialog entstehen. Beide Künstler loten den Raum aus, den sie befragen und mit ihren Mitteln zu durchdringen suchen. Beider Werk oszilliert zwischen Transparenz und Geschlossenheit. Und beide eröffnen in ihren Arbeiten einen stetigen Fokus- und Perspektivenwechsel.

Thomas Heger, 1961 in Giengen an der Brenz geboren, studierte zunächst an der Freien Kunstschule Stuttgart (1983-84), dann Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (1984-90). Zahlreiche Stipendien und Preise begleiten seine künstlerische Karriere, die überdies von Lehrtätigkeiten geprägt ist: als Dozent an der Freien Kunstschule Stuttgart (seit 1987) und als Professor an der Hochschule für Kunst und Design Halle, Burg Giebichenstein (2006-2007). Thomas Heger lebt und arbeitet heute in Stuttgart.

Hans Schüle wurde 1965 in Neckarsulm geboren. Nach einer Ausbildung und Tätigkeit als Grafiker (1987-91) studierte er Malerei und Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München und Hochschule der Künste Berlin (1991-97). Der Internationale Werkstattpreis der Kunststiftung Erich Hauser Rottweil (2000) und das Stipendium des Else-Heiliger-Fonds der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin (2004) gehören zu seinen Auszeichnungen. Hans Schüle lebt und arbeitet heute in Hohenfels (nördlicher Bodensee).

Öffnungszeiten
Während der Landesgartenschau (bis 12. Oktober 2014):
Mo / Di / Mi / Fr 14 -17 Uhr, Do 14-19 Uhr, Sa / So / Feiertage 11-17 Uhr.
Darüber hinaus:
Di / Mi / Fr 14 -17 Uhr, Do 14-19 Uhr, Sa / So / Feiertage 11-17 Uhr.
Montags geschlossen.

Führung
Donnerstag, 16. Oktober, 18 Uhr

Künstlergespräch und Finissage
Sonntag, 23. November, 15 Uhr. Moderation: Joachim Haller.
Musikalischer Ein- und Ausklang: Uwe Werner, Saxophon

Angebote für Schulen und Kindergärten
nach Vereinbarung unter Telefon 07171 603- 4126, Museum im Prediger

Adresse/Informationen
Museum und Galerie im Prediger, Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd, Telefon: 07171 603-4130, Internet: www.museum-galerie-fabrik.de.

Links
Thomas Heger
Hans Schüle

 

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