Schwäbisch Gmünd, 2015

Klaus Simon. Sichten – Skulpturen, Fotografien, Drucke

22. Februar – 25. Mai 2015

Schwäbisch Gmünd, 2015

Klaus Simon, geboren 1949 in Bad Godesberg und heute in Krefeld lebend, sieht sich als „Grenzgänger zwischen Stadt und Wald“. Seit Mitte der 1970er Jahre ist der Baum zentrales Thema und Basis seiner künstlerischen Arbeit. Mit seinem über Jahrzehnte gewachsenen skulpturalen Schaffen hat er die Holzbildhauerei in Deutschland maßgeblich neu formuliert und geprägt. Vom 20. Februar bis 25. Mai 2015 „sichtet“ die Galerie im Prediger Simons vielschichtiges Werk: Skulpturen, Drucke und Fotografien – auch von Gmünder Naturdenkmalen, die eigens zur Ausstellung entstehen – geben einen Einblick in die profilierte Position des Künstlers. Es erscheint ein Katalog.

Einheit von Kunst und Natur
Die Kunst von Klaus Simon entwickelt sich an der Grenze von Wachsen und Vergehen, von Natur und Kultur, von Baum und Skulptur. Das Atelier des Künstlers ist vor allem die Natur. Klaus Simon spürt kranke, abgestorbene oder entwurzelte Bäume auf, die durch seine Hand ein neues Leben und eine neue Sinngebung erfahren. Das Weiterleben des Baumes im Kunstwerk ist sein Anliegen. Er behandelt jeden Baum als Individuum, studiert dessen Wachstum und Lebensprägung. Durch die Bearbeitung mit der Kettensäge, deren Spuren sich im Holz stets zu erkennen geben, durch Einschnitte, Aushöhlung und Schälung legt Klaus Simon den Kern des Baumes frei. Dabei spürt er der dem Baum innewohnenden Struktur nach, lotet dessen Form und Potentiale aus, um dem Baum, um der Natur, um einem gelebten Leben eine neue Kunst-Gestalt zu geben im Einklang mit sich selbst und oftmals bezogen auf einen konkreten Ort. Im Bearbeitungsprozess sucht er nach einer Synthese von gewachsener und gestalteter Form. Baum und Skulptur bedingen sich. Form und Gehalt, Organisches und Konstruktives, Kunst und Natur fallen in seinen Skulpturen in eins. Die so gewonnenen Skulpturen präsentieren sich dem Betrachter als abstrakte Zeichen und doch mit klar benennbaren Assoziationen wie „Boot“, „Arche“ oder „Torso“. Klaus Simon vergleicht seine Eingriffe in den Baumorganismus gern mit der Arbeit eines Chirurgen, der zugleich verletzt und heilt: „Man heilt, indem man schneidet. Jeder hat Angst vor der Operation, aber andererseits auch die berechtigte Hoffnung, nach einem gelungenen Schnitt wieder Genesung zu finden. Vielleicht versucht meine Skulptur so einen elementaren Prozess zu verkörpern.“

Ganzheitlich orientierter Denkansatz
Neben den Skulpturen behandelt der Bildhauer das Kernthema seiner Kunst in weiteren Medien und auf weiteren Ebenen – in eigenwilligen Drucktechniken und in Fotografien, die beide seinen ganzheitlich orientierten Denkansatz unterstreichen.
Wie Bildhauerei, Holzschnitt und Druck in einem Werk zusammenfinden, zeigt beispielhaft die Arbeit „Kopf oder Zahl“ aus dem Jahr 1987, die in der Ausstellung zu sehen ist: Aus einem umgestürzten, monumentalen Buchenstamm entstand eine zehnteilige, gesägte Holzskulptur; den fünf Stammtrommeln entnahm der Künstler die Kerne, die wiederum als überdimensionale Stempel für Drucke Wachstumsprozess und Krankheitsbild des Baumes bezeugen.
Mittels seiner fotografischen Arbeiten schließlich verweist der Bildhauer seine Skulpturen wieder zurück auf ihren Ursprung, ihren natürlichen Ort. Mit der Mittelformatkamera  richtet er seinen Blick auf Bäume, die aufgrund ihres außerordentlich hohen Alters von oft 200 bis 300 Jahre und mehr, ihres Wuchses und ihrer markanten Gestalt als Naturdenkmale eingetragen sind und in ihrer Solitärfunktion besonderen Schutz genießen. Um diese Bäume in ihrer individuellen Gestalt zu erfassen, nimmt der Künstler sie in einem additiven Verfahren auf: Er fotografiert die Bäume in drei bis vier unterschiedlichen Abschnitten entlang des Stamms, von der Wurzel bis zur Krone; besonders weit ausladende Exemplare erfasst er in zwei parallel verlaufenden fotografischen Bahnen. Durch die großformatigen Silbergelatineabzüge, die von den Aufnahmen entstehen, und das Komposit der Bilddarstellung erhalten die Bäume eine unvergleichlich lebendige Präsenz, die deren Rinde und Astwülste, Verknorpelungen und Blitzeinschläge, ja deren Charakter, Kraft und Verletzlichkeit sichtbar werden lässt. Umgehbaren Plastiken gleich werden die Bäume mittels der Fotografien zu einem skulpturalen Ereignis.

Klaus Simons ganzheitliche und komplexe Arbeit mit dem Baum ist ein sinnlicher wie geistiger Austausch mit der Natur. In ihrer Demut vor der gewordenen Natur sind seine entstehenden Arbeiten, ob Skulpturen, Fotografien oder Drucke, universelle Zeichen, die Raum und Zeit einschließen und an die Einheit von Mensch und Natur appellieren.

Biografie
Klaus Simon studierte Kunst und Design in Köln, später Kunstgeschichte und Philosophie in Bonn, bevor er von 1976 bis 1982 die Düsseldorfer Kunstakademie besuchte. Lehraufträge und Ausstellungen im In. und Ausland begleiten seine künstlerische Laufbahn.

 

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