Termine und Veranstaltungen

April
22
2017
Samstag, 22. April 2017 bis Sonntag, 18. Juni 2017, Galerie im Prediger
Ausstellung »Stephan Hasslinger. Paisley«

„Es ist im Grunde die Magie, die mich am Ornament fasziniert“, sagt Stephan Hasslinger. Diese Faszination für das Ornament sowie stoffliche Muster transformiert der Freiburger Bildhauer in zuweilen über zwei Meter hohe, säulenartige Keramiken. Die Arbeiten haben auf den ersten Blick den Anschein, als seien sie mit creme- und pastellfarbenen Garnen gestrickt oder gehäkelt. Zugleich verströmen sie eine verführerische Pracht und Schönheit, die vom 22. April bis 18. Juni 2017 die Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd erfahrbar wird. Unter dem Titel „Paisley“ sind 18 Arbeiten von Stephan Hasslinger zu sehen. Ausgangspunkt ist die nach dem "Paisley"-Muster benannte Arbeit, die eigens für die Ausstellung in der Galerie im Prediger entstanden und für den Titel Pate stand.

Mode als Ideenreservoire
Der Bezugsrahmen für Stephan Hasslingers Arbeiten ist die weite Welt der Mode und des Textilen. Darauf verweisen schon die Titel seiner Werke wie „Lady Gagas Kleid verkehrt“, „Bustier“, „Strickleib“ oder „Tricoter Rouge“. Der bildhauerischen Arbeit des Künstlers gehen Zeichnungen, übermalte Fotografien und Collagen voraus. Als Fundus dienen ihm Modejournale, -kataloge und -zeitungen. Kleidermuster, Schuhe, Handtaschen, Gürtel, Stoffe und Schmuck werden ausgewählt, aus dem Zusammenhang geschnitten und in Notizbücher geklebt – Hasslingers über Jahre gewachsenes Ideenreservoire. Mittels Zeichnungen, durch motivische Verfremdungen und zuweilen gezielte Vergrößerungen von Details gelangt er zu abstrakten Mustern, die, wie Hasslinger selbst sagt, die „Zünder“ sind auf dem Weg zu den Artefakten.
Format und Gestalt der Skulpturen entstehen im Dialog mit dem Material. Fingerdicke Tonstränge werden zu unterschiedlichsten Mustern geformt, dann gebrannt, glasiert, manchmal auch lackiert und je nach Größe aus Teilen zusammengesetzt. Die größeren Arbeiten werden um ein konstruktives Ton-Gerüst aufgebaut. Es bildet die Grundlage für die Skulpturen, die der Künstler in einem zweiten Schritt darauf anbringt. Damit beschreitet Stephan Hasslinger einen Sonderweg innerhalb der plastischen Gestaltung: Das Werk entsteht hier nicht als additive Materialschichtung aus einem festen Kern heraus, sondern, dem Skelettbau nicht unähnlich, als Konstruktion einer äußeren Haut um ein grundsätzlich leeres Inneres herum. Eindrucksvoll verdeutlichen das die überlebensgroßen Keramiken, die seit Ende der 1990er Jahre eine zentrale Rolle im Werk des Künstlers spielen. Alle Arbeiten Stephan Hasslingers – ob rundplastische Bodenskulptur oder Wandobjekt – beschäftigen sich mit der Bildung von Volumina und den Wechselspiel von Innen und Außen, von Offen und Geschlossen, von Fläche und Ornament, von Leere und Masse. Ein wichtiges Gestaltungsmittel, das als verbindendes Element von Skulptur und Malerei dient, ist die Farbe, die der Künstler der Natürlichkeit des Tonmaterials entgegensetzt.

Fantasie und Originalität
Stephan Hasslinger ist ein Experimentator, der die Grenzen des Möglichkeiten auslotet: die des Materials Ton aber auch die von Skulptur. Seine skulpturale Arbeit bezieht sich auf Körper und Raum und wirkt durch eine spannende Auseinandersetzung mit den Verformungskräften und tektonischen Möglichkeiten des Tonmaterials. Das aus der Modewelt Aufgelesene bleibt in Stephan Hasslingers Arbeiten zwar erahnbar, mutiert jedoch zu fremden, befremdlichen Objekten, die das Fantastische berühren und die Realität in eine Wirklichkeit eigener Ordnung transformieren. In ihrer Mehrdeutigkeit und Faktur entziehen sich die Arbeiten jeder Konvention und einfachen Formel. Sie verschwistern Skulptur und Malerei, Gegenständlichkeit und Abstraktion, sind körperbezogen und tektonisch, hermetisch und durchbrochen. Stephan Hasslingers Werke bestechen durch ihre Mischung aus Fantasie und Originalität, Humor und Ironie sowie kunsthistorischen Bezugsfeldern. Dazu gehört der innovative Umgang mit dem Motiv des Ornaments, das er seiner rein dekorativen Wirkung entzieht und in eine hybrid-wuchernde räumliche Textur überführt. Und dazu zählt eine gewisse Affinität zum Barock, die sich sowohl in der Bewegungsdynamik, Raumauffassung und Farbästhetik als auch in der repräsentativen Pracht und Sinnlichkeit der Arbeiten zeigt.

Eigenständiger Position
Stephan Hasslinger, 1960 in Marburg an der Lahn geboren, studierte nach einer Ausbildung zum Steinmetz von 1985 bis 1993 Bildhauerei an den Hochschulen für Künste Bremen und Berlin, unter anderem bei Lothar Fischer und David Evison, dessen Meisterschüler er war. Zunächst arbeitete er in Stahl, bevor in ihm 1993 ein Werkstipendium am renommierten "European Ceramic Work Center" im niederländischen `s-Hertogenbosch die Begeisterung für den Werkstoff Ton weckte. Seitdem bildet der Ton das Ausgangsmaterial für seine Boden- und Wandobjekte. In über zwei Jahrzehnten entstand ein ebenso originäres wie originelles Werk, das in der zeitgenössischen Bildhauerei eine feste und eigenständige Position einnimmt. Zahlreiche Stipendien und Preise begleiten seine künstlerische Laufbahn, darunter 2006 der „Große Preis der Stadt Vallauris/Cannes für zeitgenössische Keramikskulptur“ und erste Preise für Kunst-am-Bau Wettbewerbe.

Führung
Donnerstag, 18. Mai, 18 Uhr

Künstlergespräch
Sonntag, 28. Mai, 15 Uhr

Für Kinder und Jugendliche
(Kooperation mit der Jugendkunstschule)
Sa, 27.5., 11.15-13.15 Uhr: Dein Kinder-Kunstwerk des Monats, 8-14 Jahre
Weitere Angebote: www.gmuender-vhs.de/Jugendkunstschule

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa, So und Feiertage 11-17 Uhr.
Pfingstmontag wie feiertags. Montags geschlossen

Veranstaltungsort:

Galerie im Prediger
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon: 07171 603-4130
museum@schwaebisch-gmuend.de
www.museum-galerie-fabrik.de

Veranstalter:

Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Museum und Galerie im Prediger
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon: 07171 603-4130
museum@schwaebisch-gmuend.de
www.museum-galerie-fabrik.de
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