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Kultur |Mittwoch, 25. Juni 2014

Theaterwerkstatt: Hier singt die Richterin

Galerie (3 Bilder)

Den Spagat zwischen dem Bewährten und der Lust am Ausprobieren wagt die Theaterwerkstatt mit ihrem Spielplan für die Saison 2014/​15. Gmünds feines Kammertheater im Spital geht in die 24. Spielzeit.

KLEINKUNST (rw). Die zurückliegende Saison bescherte der als Verein organisierten Theaterwerkstatt wiederum eine Auslastung von 90 Prozent. Das ist einfach zu ermitteln: 100 Leute passen rein. Gut voll war es eigentlich immer, sagt Vorsitzender Walter Knauß, nur das Gastspiel von Sebastian Scheuthle war dünner besucht. Der Titel war zu sperrig, vermutet Knauß: „Stand-​up-​Krise“. Scheuthle, Sohn des Clowns Nögge, kommt wieder – mit einem Programm, das er vom Vater übernommen hat: „Die vier Temperamente“ (8. November).
Walter Knauß, eines der Gründungsmitglieder der Theaterwerkstatt, ist auch als Scout unterwegs, gerne im Renitenz-​Theater und im Theaterhaus. Außerdem hilft ihm die Mundpropaganda der Künstler selbst bei der Programmgestaltung. Der Shakespeare-​Allrounder Bernd Lafrenz, der vor über 20 Jahren zum ersten Mal in der Theaterwerkstatt auftrat, ist hier ein Helfer. Und er tritt zur Freude der Gmünder Lafrenz-​Fans wieder auf mit dem „Sommernachtstraum“ (16. und 17. Januar). Ein Wiedersehen gibt es auch mit „Honey Pie“ kurz vor Weihnachten (12. Dezember). Die drei Frauen machen sich über die Popgeschichte her und drücken altbekannten Stücken ihren Stempel auf, von den Beatles bis Pink reicht das Repertoire, an Perücken wird nicht gespart, an Ironie auch nicht. Wegen der großen Nachfrage in der zurückliegenden Spielzeit kommt „Honey Pie“ noch einmal mit „Hotter than ever.“
Zu dieser Gruppe gehört eine Frau, die einem sehr bürgerlichen Brotberuf nachgeht, und jetzt ist sie solo zu erleben. Anette Heiter ist seit 20 Jahren Amtsrichterin und liest in der Theaterwerkstatt aus ihrem Buch „Der Name der Robe“ (28. Februar). Die Juristin erzählt von Richtern, die Scheidungswillige sofort nach ihren Intimkontakten befragen, von den dümmsten Ausreden von Tatverdächtigen und über Gesetze, die klingen, als hätte ein Chinese eine schwedische Bauanleitung aus dem Ungarischen ins Deutsche übersetzt. Musikalische Kommentare steuert Anette Heiter auch bei.
Ähnlich verfährt Jörg Maurer in seiner musikkabarettistischen Krimilesung „Felsenfest“ (29. November). Im alpenländischen Idyll wird gemordet, Kommissar Jennerwein kennt alle Opfer persönlich aus der Schulzeit. Möglicherweise auch den Mörder. Gevatter Tod greift bei seinen Ermittlungen immer wieder in die Tasten. „Pepper & Salt“ stellt ein ganz neues Programm vor: „Sengchron – älle wie oiner“ (17. Oktober). Das Stuttgarter Quintett bietet wieder aufregende Kompositionen aus der Vokal-​Gewürzküche. Schwäbisch hat Soul, ist sexy und saugut – hier glaubt man’s gerne.
Ein neues Gesicht ist Anna Piechotta, die mit „Komisch im Sinne von seltsam“ am 26. September in der Theaterwerkstatt den Auftakt macht. Die zierliche Sängerin und Klavierspielerin mit umwerfender Bühnenpräsenz setzt in ihren Texten auf raffinierte Pointen, ohne im Niveau auszurutschen. Sie wundert sich beispielsweise darüber, dass man heute manche Opern-​Inszenierung kaum noch vom Innenleben eines Bordells unterscheiden kann.
Das „Banana Jazz Trio“ macht nicht nur Musik, sondern plaudert auch aus dem Nähkästchen (27. März), Eva Eiselt aus Köln gilt als schon glitzernder „Rohdiamant der Kleinkunstszene“ (31. Januar). Mit dem Gastspiel von Babette Walter und Oliver Krämer erfüllt sich Knauß selbst einen Wunsch (den er gewiss mit vielen anderen teilt): Sie interpretieren Chansons von Georg Kreisler (18. April). Da geht es um viel mehr als ums Tauben vergiften.

Der Vorverkauf für die Theaterwerkstatt-​Spielzeit 2014/​15 beginnt am Dienstag, 1. Juli. Karten im i-​Punkt im Spital, Telefon 60342 50. Die Preise sind unverändert

     
Mai 2014
April 2014
März 2014

Schwäbisch verbindet

Bernd Kohlhepp alias Hämmerle rockt Elvis und begeistert sein Gmünder Publikum

Bringt man es auf den Punkt, dann heißt es wohl: Hämmerle rockt Elvis. Bernd Kohlhepp gab sich als schwäbische Reinkarnation des legendären Elvis Presley. Hätte der Hämmerle gekannt, er hätte am Samstag in der Gmünder Theaterwerkstatt Tränen der Rührung verdrückt.

Harald Pröhl

Schwäbisch Gmünd. Vor allem, als Bernd Kohlhepp dem Pubikum zum Schluss ein herrliches „Muss i denn zum Städele hinaus“ abrang, und zwar absolut gelungen, hätte sich Elvis sicher gefreut. Am Samstag indes amüsierte sich das Publikum in der gut besuchten Theaterwerkstatt köstlich zusammen mit Bernd Kohlhepp alias Hämmerle. Der Schwabe aus Bempflingen mit seiner Show „Hämmerle trifft Elvis“ zeigte, dass schwäbisch-mundartliches Kabarett nicht nur eine Zukunft hat – es hat vor allem eine höchst lebendige Gegenwart.
Hämmerle hat nicht nur Elvis’ Musik neues Leben eingehaucht, vor allem hat er dessen Texte in sinnerfülltes Schwäbisch umgeschrieben. Doch nicht nur wie sein großes Vorbild singen kann der Entertainer, selbst seine Bewegungen auf der Bühne bis zum historischen Hüftschwung sind mehr als identisch. Er ist fast besser als das Original.
Darüber hinaus gelingt Kohlhepp eine großartige Bindung zu seinem Publikum, das er gerne aktiv ins Geschehen einbaut. Zielsicher spricht er Leute an, entlockt ihnen diese oder jene Information – und baut sie ins laufende Programm ein. Hämmerle ist spontan, direkt und zupackend, und er hat spitzbübische Freude am Spiel mit seinem Publikum. Und das hatte seine Freude auch an ihm. In seltener Übereinstimmung ließen sich Publikum und Kabarettist auf eine gemeinsame Linie ein, ein jeder verstand bestens den andern. Nicht zuletzt ist das dem völkerverbindenden Schwäbisch zu verdanken, einer Sprache, die klare Gedanken klar auszudrücken versteht.
So lernt Hämmerle Benjamin und Natalie im Publikum kennen und schätzen - und setzt daraus gewonnene lokale Informationen sofort musikalisch um. „I ben von Bätrenga . . .“ schallt es ins Mikrofon, bevor er den Zustand seiner Gitarre beschreibt. „I han oina ghett wia dr Elvis – bloß mid meh Lecher dren.“ Dann gibt er den Song „Mit Baseballcap“, eine seiner Elvis-Interpretationen im Schwäbischen zum Besten. In allerbester Rock’n’Roll-Manier samt zugehöriger Baseballcap natürlich.
Eine Nachfrage nach dem Namen einer Besucherin gelingt ihm nicht auf Anhieb – die Angesprochene verweigert. Doch dass sie aus Waldstetten stamme, diese Info genügt Hämmerle zur Feststellung: „In Waldstetten wohnen lauter freundliche Menschen.“ Um mit dem „Lied vom Kühlschrank“ eine weitere eigenwillige Version des „Kings“ vorzustellen: „I reiß d’ Auga auf – ond du bisch leer.“ Hämmerle nimmt einfach nichts ernst, und nichts ist vor ihm und seiner Spottlust sicher. Mit riesigem Beifall wurde er nach einer Zugabe aus der Theaterwerkstatt verabschiedet.

© Gmünder Tagespost 16.03.2014

Februar 2014
Januar 2014

„All diese Rollen hab‘ ich selbst gespielt“

Bernd Lafrenz begeistert sein Publikum in der Gmünder Theaterwerkstatt mit „Falstaff und die lustigen Weiber von Windsor“

William Shakespeare und Bernd Lafrenz – längst werden die beiden Namen in der Gmünder Theaterszene gemeinsam wahrgenommen. Seit Jahren spielt der Freiburger Komödiant Shakespeares Dramen und Komödien, allein bewältigt er sämtliche Rollen. So auch am Wochenende in der Theaterwerkstatt mit der frei nach Shakespeare gestalteten Komödie „Falstaff und die lustigen Weiber von Windsor“.

Harald Pröhl

Schwäbisch Gmünd. Selbst in den gräulichsten Themen der Dramen des Großmeisters Shakespeare finden sich so manches Mal verborgen komödiantische Elemente. Mit sicherem Gespür findet sie Bernd Lafrenz – und baut sie lustvoll aus. So versieht er die Damen Page und Fluth, sie werden von Sir John Falstaff mit gleichlautenden Liebesbriefen angebaggert, mit deutschen Namen und lässt sie auf dem „Schukhandy“ kommunizieren. Mit zwei, drei Griffen in seine ausgesucht eigenwillige „Asservatenkammer“ verwandelt sich Lafrenz in die jeweilig Angeschriebene. Kommt ein Barett zum Outfit, ist der Ritter fertig. Noch drei Plastikköpfe hinzugenommen – und sämtliche Mitspieler sind vorhanden. Denn hierin besteht die hohe Kunst des Shakespeareverehrers: Mit nur wenigen Utensilien wandelt er die leeren Bretter zur gefühlt kulissenstarrenden Bühne. Gegenstände verwendet Lafrenz multifunktional. Ein als Trockenhaube verwendeter Kochtopf findet später in Verbindung mit einem Schirmständer Verwendung als Gasherd, ein Latz wird zum wehenden Umhang. Falstaff, Prototyp des heruntergekommenen Soldaten mit adelsstolzen Ansprüchen, hat kein Geld mehr. Die beiden von ihm ins Visier genommenen Damen verfügen über solches – und der in die Jahre gekommene schmerbäuchige Raufbold hält sich für unwiderstehlich. Nur, dass die beiden Damen den dreisten Versuch erkennen und beschließen, es ihm heimzuzahlen. Ins Haus gelockt, wird er im Wäschekorb eingeschlossen. Lafrenz bewältigt die schwierige Aufgabe der Vermittlung bravourös. Unter lautstarker Mithilfe des als Chor eingesetzten Publikums wird Falstaff samt Wäschekorb in die Themse geworfen. Sein anschließender Weg durch den fürchterlichen Wald, von Lafrenz mit ein paar Zweigen ausführlich dargestellt, wird von Glockenklang begleitet. Mit „Bong“ und „Bang“ begleitet das Publikum akustisch die Wanderung. Noch eine zweites Happyend lässt Shakespeare zu. Denn die begehrte Jungfer Anne Page wird zu guter Letzt von Fenton heimgeführt. „Sie heirateten und bekamen viele, viele Kinder“, lässt Lafrenz verkünden. Und verweist zum Schluss stolz auf seine Leistung: „All’ diese Rollen hab’ ich selbst gespielt“. Viel Beifall belohnte den vielseitigen Mimen Shakespeares für zwei vergnügliche Stunden.

© Gmünder Tagespost 26.01.2014

     
Dezember 2013

Walter will Wellness

Galerie (1 Bild)

Premiere am 11. Dezember im Renitenztheater in Stuttgart und dann schon Gmünd, Theaterwerkstatt. Das neue Programm der drei Honey– Pie-​Frauen „Hotter than ever“ prickelte wie Sekt, gewürzt mit Chili-​Parodien und ging hinunter wie bestes Olivenöl.

KLEINKUNST (brd). Gut hundert Besuchern wurde von Susanne Schempp, Anette Heiter und Dorothee Götz musikalisch kräftig eingeheizt, wenn die meisten auch jenseits des Alters waren, wo sich das Balladenfeuerzeug griffbereit in der Tasche befindet. Zum Klatschen, Singen und Bärchen auf die Bühne werfen ließen sie sich allerdings gern animieren. Gute, poppige Musik, bestens arrangiert, von Vollprofis präsentiert, gekrönt mit frechen Texten, was will man mehr.
Wie schön, dass es die
Männer-​Frauen-​Klischees gibt
Die Beatles, die Stones, Madonna und Pink und noch viele andere hörten sich in der Besetzung Sopran, Mezzosopran und Alt richtig gut an, prächtig unterstützt von Bernhard („Bernie“) Birk am Klavier und Akkordeon. Pop-​Konzert-​Rituale wurden auf die Schippe genommen, wobei Anette Heiter auf das „stage-​diving“, sich ins Publikum zu werfen, doch besser verzichtete. Auch die ungeliebte Rolle der Background-​Sängerinnen war ein Thema und natürlich bekam wieder mal das starke Geschlecht ordentlich sein Fett ab. „Er ist krank“. Mit 37,3 Grad Celsius kurz vor dem Exitus! Um dann dank Fußball ganz schnell wieder „vom Weichei zum Helden“ zu mutieren. Einfach köstlich auch der Song „Walter will Wellness“. Gut eigentlich, dass es diese dankbaren Männer-​Frauen-​Klischees gibt.
Klischees pflastern natürlich auch den Weg zum Popstar. Die Drei waren sich einig, dass „blond“ auf der Karriereleiter der entscheidende Faktor sei. „Die Blonde kriegt Applaus, die andern fliegen raus!“ Dass schließlich sogar ein Haushaltsutensil wie die „Batterie“ dazu geeignet ist, einen ganzen Saal zum Mitsingen zu bewegen, war wiederum ein Beispiel für die unerschöpfliche Kreativwerkstatt dieser Frauen. Drei Zugaben ertrampelten(!) sich die begeisterten Zuhörer. Nach „Fleischkäs“ a cappella auf schwäbisch, dem versöhnlichen Bekenntnis, dass alle Männer unter zwei Meter und zehn doch ganz in Ordnung seien, und „White Christmas“ waren sie zufrieden und nahmen vergnügt vom Vereinsvorsitzenden Walter Knauß das nächste Highlight entgegen: Bernd Lafrenz und seine lustigen Weiber von Windsor gastieren am 24. und 25. Januar.

     
November 2013
Oktober 2013
September 2013
Juni 2013

„Ausverkauft“ ist wichtig

Theaterwerkstatt geht am 20. September in die neue Saison

Zehn Veranstaltungen, 100 Plätze, 100 Prozent. Das sind Zahlen der Theaterwerkstatt Schwäbisch Gmünd. Sie startet am 20. September in die nächste Saison. Ein kleines, feines Theater, das mit begrenztem Platz auf ein ausverkauftes Haus angewiesen ist.

Kuno Staudenmaier

Schwäbisch Gmünd. Vergangene Saison hat das fast immer geklappt, die 100 Plätze waren meist besetzt. „Das ist Voraussetzung, dass wir dieses Theaterprogramm bieten können“, sagt Petra Rohaczek, die zusammen mit Walter Knauss das Theater leitet. Wären da nicht zusätzlich die Einnahmen aus der Vermietung – Schulen, Ensembles und auch Privatpersonen können den Raum gegen Bezahlung einen Abend lang nutzen – wäre eine Spielzeit nicht möglich.
Bewährtes und Neues, diese Mischung soll auch in der 23. Saison für Erfolg sorgen, sagt Walter Knauss. Zum Auftakt kommt am 20. September Asita Djavadi. “Liza – My world goes round. Es geht um Liza Minelli, Mit dem Film „Cabaret“ gewann sie einen Oscar für ihre Darstellung der Sally Bowles. In dem Porträt über Liza Minnelli stellt Asita Djavadi mit ihrem Pianisten sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten des Stars auf die Bühne.
Zu den Künstlern mit Theaterwerkstatt-Erfahrung zählen auch „Pepper an Salt“ mit dem Gmünder Robert Kast (30. November), „Honey Pie“ mit dem neuen Programm „Hotter than ever“ (14. Dezember und natürlich Bernd Lafrenz (24. und 25. Januar), der zum 20. Mal in diesen Räumen spielen wird. Auch Bernd Kohlhepp (15. März) kennt sich dort aus wie in seiner Hosentasche. „Ein Selbstläufer“, meint Walter Knauss, die Karten dafür sind im Nu weg.
Erstmals da ist Krimi-Autor Jörg Maurer mit einer musikkabarettistischen Krimilesung (8. November). Ebenso Sebastian Scheuthle mit dem Programm „Stand up krise“ (12. Oktober).


 Der Vorverkauf für die neue Saison der Theaterwerkstatt beginnt am Montag, 1. Juli. Karten kosten im Vorverkauf 17 Euro, an der Abendkasse 12 Euro, ermäßigt 12 beziehungsweise 14 Euro. Den Spielplan mit allen Informationen gibt es gratis im i-Punkt und zahlreichen öffentlichen Einrichtungen.

© Gmünder Tagespost 27.06.2013

Theaterwerkstatt startet in 23. Saison

Galerie (4 Bilder)

Die Theaterwerkstatt hat ein erprobtes Erfolgsrezept: die Kombination von schon vertrauten Künstlern und neuen Gesichtern. Das Publikum mag es, und für manchen Schauspieler ist es Ehrensache, immer wieder zu nach Gmünd zu kommen.

KLEINKUNST (rw). Bernd Lafrenz, der begnadete Shakespeare-​Komprimierer, beispielsweise gibt zum 20. Mal ein Gastspiel in der einstigen Kapelle des Spitals. Damit hat es fast keine Spielzeit ohne Lafrenz gegeben, und die treuen Fans danken es. Die 23. Saison beginnt im September; der Verein Theaterwerkstatt selbst wird heuer 22 Jahre alt. Andererseits, sagt Vereinsvorsitzender Walter Knauß, will man mit der Verpflichtung von Schauspielern, die in der Theaterwerkstatt noch nie aufgetreten sind, die Neugierde aufs Programm wecken.
Das scheint Jahr für Jahr zu gelingen. Bis auf die Veranstaltung mit Peter Sodann, für die nur 40 Karten verkauft wurden, lief die letzte Saison gut. Selbst die Hesse-​Lesung von Dein Theater, zuvor schon in Lorch zu sehen, lockte noch 60 Zuschauer an, und alle übrigen Veranstaltungen waren annähernd oder total ausverkauft, was bedeutet, dass um die 100 Leute auf den Stühlen der Theaterwerkstatt saßen. Auch die Theaterwerkstatt-​Macher spüren den Trend, dass die Leute sich sehr kurzfristig entscheiden, ob sie eine Vorstellung besuchen.
Die Stühle wiederum werden zunehmen unbequem, weil sie mittlerweile arg durchgesessen sind. Bis zum 25- ​Jahr-​Jubiläum hofft der Verein, neue aufstellen zu können. Wobei man mit der Stadtverwaltung und dem Kulturbüro erfreulich gut zusammenarbeite, sagt Walter Knauß. Technisch könnte auch noch mit Beamern nachgerüstet werden, „wir brauchen halt ein bisschen Geduld.“ Immer wieder loben Künstler den Raum mit seiner feinen Akustik und die Nähe zum Publikum.
Neu im Programm sind Sebastian Scheuthle, Jörg Maurer und Dr. Dietrich Paul alias „Piano Paul“. Asita Djavadi, letztes Jahr in der Edith-​Piaf-​Rolle, kehrt zum zweiten Mal wieder, heuer als Liza-​Minnelli-​Darstellerin. Das Improtheater Stuttgart ist zwar ein neuer Name, besteht aber aus Mitgliedern von „Der kleine Grinsverkehr“, den Theaterwerkstatt-​Fans wohlbekannt.
Mit Asida Djavadi beginnt die Saison. Sie bringt die Licht– und Schattenseiten aus dem Leben Liza Minellis auf die Bühne, natürlich mit den unvergesslichen Hits wie „Cabaret“ oder „Somewhere over the Rainbow“, aber auch einige weniger bekannte Songs verleihen dem Abend eine eigene Note (20. September).
Sebastian Scheuthle ist der Sohn des Clowns Nögge, ihm ist Schwäbisch Gmünd vertraut. In der Theaterwerkstatt präsentiert er sein Solo-​Debüt. Scheuthle erfindet die Figur Gescheithle, die eine skandalöse Rede halten soll. Schon beginnt der Streit zwischen den Persönlichkeiten. „Stand up Krise“ zeigt die zwei Gesichter, die ein jeder hat (12. Oktober). Jörg Maurer präsentiert „Unterholz – eine musikkabarettistische Krimilesung“ (8. November). Hauptkommissar Jennerwein ermittelt im Fall einer gesichtslosen Frauenleiche. Man darf mit mörderischen G’stanzln rechnen.
„Pepper & Salt“ kommt wieder (30. November) mit einem weihnachtlichen Konzert in unterschiedlichen Musikstilen. Selbst instrumental wirkende Vokalmusik ist dabei, selbstredend swingende amerikanische Christmas-​Songs.
Die drei Damen von „Honey Pie“ machen sich über die Popgeschichte her und kreuzen „Paint it black“ mit „Take Five“ – das muss man gehört haben. Weder mit Perücken noch Ironie wird gespart. Honey Pie kommen mit diesem neuen Programm zwei Tage nach der Premiere im Stuttgarter Renitenz-​Theater nach Gmünd (14. Dezember).
Bernd Lafrenz bringt an zwei Abenden „Falstaff und die lustigen Weiber von Windsor“ auf die Bretter (24. und 25 Januar), Michael Speer und Frank Stöckle eilen im Sauseschritt durch 500 Jahre Literaturgeschichte und streuen Lieder dazwischen (8. Februar) – und dann kommt Hämmerle aus Bempflingen, der dieses Mal Elvis aus Memphis trifft. Bernd Kohlhepp geht der Frage nach, was Elvis gesungen hätte, wäre er als Schwabe auf die Welt gekommen (15. März). Dr. Paul alias Piano Paul ist Mathematiker und Musiker, der Doktortitel ist echt. Er geht einer ganz seltenen Kunst nach, Kabarett über Mathe und Musik: „PISA Bach Pythagoras“ heißt sein Solokabarett zur Bildungsmisere (29. März). Zum Schluss lässt das Improtheater Stuttgart sein Geschichtenfeuerwerk explodieren. Jede Szene entwickelt sich rasant aus dem Moment heraus – Theater mit der Bereitschaft zum Risiko und fähig, auf Messers Schneide zu laufen. Einfach scharf.

April 2013

Honey Pie beswingte die Theaterwerkstatt und ließ mit Sonnenblumen wedeln

Galerie (1 Bild)

Mit einer bunten Mischung aus Swing und Flower Power, eigenen Kreationen und lustigen Parodien verzauberten die drei Honigpastetchen ihr Publikum.

KLEINKUNST (wil). Thematisch hatte „Honey Pie“ alles, was Frauen bewegt, in den Mittelpunkt gestellt: die Bahn, den Mann und nützliche Alltagshilfen.
Dass Honey Pie „Back in Town“ sei, brachte am Samstag Abend die Theaterwerkstatt wieder einmal an den Rand ihres Fassungsvermögens. Mit ihrer Gitarre gab Susanne Schempp (Mezzosopran) den Ton vor und an, Anette Heiter (Alt) heizte das Publikum an und gab die Einsätze zur Mitwirkung und Sopranistin Dorothee Götz verbarg hinter ihrem Engelsgesicht eine ganz schwarze Seele.
Mit einer ersten Regieanweisung zur Publikumsmitarbeit lockerten die Damen gleich die Stimmung und das bunte Swingpotpourri tat ein Übriges, waren dies doch ihre „Zugnummern“, also Lieder wie Chattanooga Choo Choo und von anderen Zügen. Dann ging es zur Partnersuche, bis sie feststellen muss, dass der ideale Mann seinerseits die ideale Frau sucht — die sie eben nicht ist. Aber sie kann ja kochen, und so schnippelt, schneidet und mariniert sie für ihren Bernd (ein armes Opfer aus dem Publikum), damit er auf die Frage aller Fragen ja sage. Im anderen Fall gibt es eben ein leckeres Pilzgericht und wenn sie dann die Leiche in die Küche trägt, wird wieder geschnippelt, geschnitten und mariniert. Diese Textwiederholungen machten sie sich öfter zu nutze und erzeugten damit ihre eingesungenen Pointen.
Die Dritte im Bunde hat ganz andere Probleme mit ihrem Mann in der Midlifecrisis: „Walter will Wellness“ und so wurde das ganze Programm von den 50 Tibetern über Klangschalen und energetisches Müsli abgespult, bis sie am Schluss ihre Entspannung mit dem Trainer findet.
Doch nur der Wechsel sorgt für beständige Aufmerksamkeit und zum Ausflug in die Flower-​Power-​Jahre durfte das Publikum mit Plastiksonnenblumen wedeln und sich in Hippie-​Erinnerungen sonnen. Selbsterfunden dann wieder die Trilogie über nützliche Alltagsdinge. So werden die zehn Tempotaschentücher ihrem Verwendungszweck nach heruntergezählt, bis sich das letzte aus Rache in der neuen schwarzen Jeans versteckt, natürlich vor dem Waschgang. Das zweite Übel sind die verschiedenen Batteriegrößen, damit man nie die zur Hand hat, die man gerade bräuchte.
Ob hier ein Batterielegehuhn helfen kann, darf bezweifelt werden. Und schließlich: was wären wir heute ohne Handy? Selbstverständlich klingelt das Ding immer zur Unzeit. Ob am Steuer im Stau, ob beim Zahnarzt während der Behandlung — der Antworttext bleibt der gleiche, auch als sie der Anruf beim Seitensprung erreicht. Auf diese feinsinnige Art bringen die Honey Pie Künstlerinnen ihre Zuhörer zum Lachen, setzen den Reim dort drauf, wo er Ungereimtes zusammenfügt. So die Gemeinsamkeiten von Mann und Zahnbürste: zweimal täglich benutzen, aber regelmäßig wechseln.
Doch auch als ernsthafte Interpretinnen bekannter Titel erwiesen sie sich, beschränkten sich aber auf die Übernahme der Melodie. So wurde eben aus Sinatras „I did it my way“ das Lob auf den idealen Mann: „denn er kann spülen“. Und während von den Frauen mit fachmännischem Blick der Spülvorgang melodiegetreu geschildert wurde, lachten die Zuhörer Tränen.

März 2013

Macbeth als Solo-​Show

Galerie (2 Bilder)

„Macbeth“ – ein Klassiker aus dem Hause Shakespeare. Am Freitag– und Samstagabend passte „Macbeth“ auf die Bühne der Theaterwerkstatt. Dort oben stand, saß und sprach nur einer: Bernd Lafrenz.

THEATER (jes). Shakespeares Königsdrama hat Rollen en masse. Schauplatz der Handlung ist Schottland im 11. Jahrhundert. Die drei Hexen Olga, Elvira und Hermine – endlich erhalten Shakespeares namenlose Hexen einen Namen – prophezeien dem schottischen Feldherren Macbeth eine Zukunft als König. Nach dem Sieg über die Norweger wird Macbeth vom schottischen König Duncan zum „Thane of Cawdor“ ernannt und sieht damit den ersten Teil der Prophezeiung der Hexen erfüllt.
Als sich dann auch noch König Duncan mit seinem Gefolge zur Übernachtung im Schloss Macbeths ankündigt, reift in der ehrgeizigen und machthungrigen Frau Macbeths ein mörderischer Plan. Der Rest der Handlung ist bekannt: Macbeth wird der neue König von Schottland, wandelt sich zum Tyrannen und muss schließlich selbst sein Leben lassen.
Lafrenz wechselt mit Leichtigkeit von der einen Rolle in die nächste, für „Macbeth“ schlüpft er in insgesamt 25 Rollen. Blitzschnell verändert er sein Outfit, da wird Macbeths farbiger Umhang rasch zum schicken Kleid seiner Gattin umfunktioniert, oder er wechselt die Rolle nur durch die Veränderung seiner Gestik, Mimik oder seiner Tonlage.
Das Publikum war begeistert, vor allem da Lafrenz es auch ohne große Worte schafft, das Publikum zu unterhalten. So kämpft die eitle Lady Macbeth minutenlang mit ihrem imaginären Nagellack, der einfach nicht halten will — und das Publikum? Das muss sich den Bauch halten vor lauter Lachen.

     

Der Macbeth in der Kugel

Volles Haus für Bernd Lafrenz mit „Schauriger Komödie“ in der Theaterwerkstatt

Es war eine wahrlich schaurige Komödie, die Freitag und Samstag Bernd Lafrenz in der Theaterwerkstatt Gmünd zum Besten gab. Ziemlich frei nach William Shakespeares „Macbeth“ arbeitete Lafrenz den dramatischen Stoff um Verrat und Macht zur lustvollen Komödie um.

Harald Pröhl

Goldfisch statt Gräuel: Bernd Lafrenz blickt in die Kugel. (Foto: hp)

Schwäbisch Gmünd. Bernd Lafrenz hat ein feines Gespür für den eigenwilligen Geist des von ihm hoch verehrten Meisters William Shakespeare aus Stratford-upon-Avon. Schon manches seiner Werke erhielt von Lafrenz den Schliff, der das üblicherweise mit zahlreichen Schauspielern besetzte Schauspiel in eine One-Man-Show verwandelte, die seit Jahren ihr begeistertes Publikum findet. In diesem Jahr ist es das finstere Drama „Macbeth“, dessen mit komödiantischem Potential versehene Elemente Bernd Lafrenz besonders in den Vordergrund spielte.
Da bietet sich natürlich die Eingangsszene mit der Weissagung der Hexen an. Nur eine Glaskugel genügt dem Mimen mit übergeschwungenem bunten Schleier und Kleinsttiere genussvoll futternd, die sonst durchaus grausig anmutende Szene zur Lachnummer zu verwandeln. Sein ironischer Kommentar „Holen wir den Macbeth in die Kugel“ bringt Freude ins Publikum.
Noch lustiger wird’s, als sich in selbem Glas vorerst nur ein Goldfisch tummelt. Mit ausdrucksvoller Mimik vorgetragene Zaubersprüche schaffen dann schlussendlich den Sprung zum „Ritter im Glas“. So ganz nebenbei erläutert Lafrenz Aufbau und Werden des Schauspiels. Seinen Brief an Lady Macbeth verfasst er mühsam um die rechten Worte und Einverständnis ringend.
In seiner Pantomime der Lady als nagelpflegendes ehrgeiziges Herzchen mit tödlichen Ambitionen tritt das böse Motiv in den Hintergrund – die Vorbereitung zum Mord wird unterhaltsames Spektakel.
Dann der Mord an sich – bei Lafrenz wird selbst die Ausführung eines blutigen Verbrechens zum amüsanten Slapstick. „Da, da, da“, begleitet er ekstatisch die vielen Dolchstöße, die den schottischen König Duncan zur Strecke bringen, „da, da, da.“ Um sich sogleich mit Selbstvorwürfen und in Ängsten mit seinem bösen Gewissen und Lady Macbeth auseinanderzusetzen.
Lafrenz rafft das „Drama“ mit schnellen Übergängen zur Persiflage seiner selbst. Selbst die Mutter von William betritt die Bühne. Ihr klagt er sein Leid als Schauspieler. „Mama, Mama – so viele Rollen auf einmal“, stöhnt er, „ich bin blockiert.“ Häufig bezieht er das Publikum in die Handlungen mit ein. Begeistert imitieren die Besucher das Türenquietschen, das den „bestialischen Mord“ begleitet.
Und Lafrenz ist zufrieden. „Das Gmünder Publikum ist wunderbar“, lobt er. Er komme immer wieder gern in diese Stadt. Und wird mit anhaltendem Beifall verabschiedet.

© Gmünder Tagespost 11.03.2013

Februar 2013
Januar 2013

Frank Stöckle in der Theaterwerkstatt: Knackig wie die Rieslingtraube

Galerie (1 Bild)

Virtuose Wortspielereien, geschliffene Phantasien oder schlicht den wortgewaltigen Kampf der Geschlechter hatte Frank Stöckle auf seinem „Wunschzettel“ und neben den Texten gab es noch musikalische Leckerbissen zur Entspannung für das Publikum.

LITERATUR (wil). Eigentlich sollten zwei Sprecher des SWR am Freitag Abend in der Theaterwerkstatt ihre Lieblingstexte präsentieren, doch die Grippe hatte Michael Speer so böse erwischt, dass Frank Stöckle den Abend allein bestreiten musste. Und er brachte trotz halber Besetzung die volle Leistung — vielleicht auch ein bisschen mehr. Als brillanter Sprecher war er auch ohne Headset bei der Lesung wie auch bei seinen Liedern bestens zu verstehen, egal ob er schwäbisch, hochdeutsch oder wienerisch sprach. Und es war nicht immer leicht, ihm zu folgen, denn vor allem die sprachspielenden Texte forderten die Zuhörer zu höchster Konzentration. Lewis Carrolls dadaesker „Zipferlake“ war nur die kuriose Einstimmung zu Walter Moers „Fönig“, einem Zungenbrecher höchster Güte. In diesem Wunsch-​Märchen hat der König drei Wünsche frei, wenn er konsequent die harten und die weichen Konsonanten vertauscht, sowie f und k auswechselt. Was dies aus Worten wie „kifften“ macht, darf jeder selbst erproben, und so wurde auch aus koller Fehle gelacht.
Mit Thaddäus Troll kam die knitze schwäbische Seele zum Vorschein, die selbstverständlich im Dialekt präsentiert wurde. Natürlich sollte dem Viertelesschlotzer sein letzter Wunsch erfüllt werden und ihm täglich von seinem Freund ein Schoppen aufs Grab gegossen werden, aber doch erst nach einem Umweg über dessen Nieren. Dass sich Stöckle mit der „Schwabendialektik“ auseinandergesetzt hat, bewies er schon bei seiner ersten, selbst verfassten Nummer, wo Schiller, Marbach und Breschdling in einem Atemzug genannt werden. Aber auch der Wiener Schmäh ist Stöckle vertraut und „In der Kellergassen“ ließ er die Zuhörer mit dem einsamen Zecher mitleiden, bevor es mit Kreisler beschwingt in den Park ging — zum Tauben vergiften. Das Makabre hatte es Stöckle angetan, so auch in den Rachegedanken von Irmgard Keun, die den unsensiblen Traummann in mehreren Szenen leiden lässt.
Schwarzer Humor war dann schon Susanne Mischkes „Tod einer Weinkönigin“, die, einst knackig wie eine reife Rieslingtraube, ihren Gatten — natürlich einen Weingroßhändler — zum Äußersten treibt, als sie einen der edelsten Tropfen des Kellers in der Mikrowelle aufwärmt und dann einen Beutel Glühfix hineinhängt. Stöckle schilderte dieses Ehedrama in der Doppelrolle als Richter und Angeklagter während des Prozesses.
Als sein Lieblingsbuch stellte er „Novecento“ von Alessandro Baricco vor, in dem es um den Zweikampf eines autodidaktischen Wunderkindes und des „Erfinders des Jazz“ geht, die auf einem Ozeandampfer ihre Genialität am Klavier messen. Mit warmer Stimme ließ Stöckle seine Zuhörer teilhaben an der prickelnden Atmosphäre in diesem Salon, ließ förmlich die imaginäre Klaviermusik hören. Doch den Abend bestimmte die leichte Unterhaltung, Lachen war Hauptsache bis hin zu den Zugaben. So beschrieb er, passend zum aktuellen Wetter, was sich zwischen plus 15 Grad und minus 273,1 Grad abspielt — bei den Lappen, mit den Autos, bei der Hauskatze oder der Flüssigkeit allgemein.
Mit einem kleinen Rückblick auf zu intensive Weihnachtsbeleuchtung und deren Folgen — bis zur Landung eines Airbus von Singapore Airlines in der Garagenauffahrt einer Bäckerei — entließ er die erheiterten Zuhörer in die kalte Nacht

Dezember 2012

Komik auf höchstem Niveau

Bernd Kohlhepp interpretierte auf seine Art den Schiller-Klassiker „Die Räuber“

Zwei Tafeln, ein Stuhl, den „Sterbeteppich“ seiner Tante und zwei Leitern: Mehr benötigte Kohlhepp nicht für sein Stück „Die Räuber oder so“ auf der Bühne der restlos ausverkauften Gmünder Theaterwerkstatt. Mit Schwindel erregenden Rollenwechseln und perfektem Einsatz seiner Gestik und Mimik sorgte der Künstler mit seiner Interpretation des Schiller-Klassikers „Die Räuber“ für beste Stimmung und zahllose Lacher im Publikum.

PATRICIA MÜLLER

„Wir müssen heute schnell machen, ich muss um halb elf nach Rottweil fahren“, eröffnete Bernd Kohlhepp den Abend. Und diese Zeitknappheit zog er humoristisch durch sein rund zwei Stunden langes Kabarett-Schauspiel-Crossover.
Kohlhepp, der unter anderem als Herr Hämmerle bekannt ist, hatte sich für den Abend Friedrich Schillers Klassiker „Die Räuber“ vorgenommen. Ob als Franz von Moor mit hängendem Augenlid, als dessen sterbender Vater, als holde Amalia von Edelreich oder als ganze Räuberbande: „Ich muss hier alles alleine machen – das Stück spielt man sonst zu mehreren“, erklärte Kohlhepp.
Sein Stück erzählte die gesamte Geschichte der Tragödie, die Grenzen zwischen seiner Interpretation und dem tatsächlichen Werk ließ der Künstler aber gekonnt verschwimmen. Immer wieder kommentierte Kohlhepp die Szenen, erzählte, was er persönlich von den einzelnen Charakteren hält, verband das Geschehen mit Geschichten aus seinem Leben und seiner Kindheit und war dabei so intelligent komisch, dass sich ihm niemand entziehen konnte. Lautstarke Lacher der Leute im Publikum begleiteten den gesamten Abend.
Als Kulisse für die einzelnen Szenen diente ihm eine große Tafel, die er passend mit Kreide bemalte – dort entstand während des Abends die Burg des Grafen Moor, eine Schenke, ein Weizenfeld, ein Bildnis der Amalia von Edelstein und eine ganze Bildergalerie. Gekonnt ging das eine ins andere über. Seine Zuhörer bezog Kohlhepp zu jeder Zeit mit ein – so malte er für das Bildnis Karl von Moors in der Bildergalerie beispielsweise die Karikatur eines Besuchers aus der ersten Reihe.
In Sekundenschnelle wechselte Kohlhepp von lustigen Einlagen auf ernsthaft vorgetragene Passagen des Schiller-Klassikers, genauso schnell wechselte er die Rollen. Dazu bestach er durchaus auch mit geschmeidiger Beweglichkeit, beispielsweise als Amalia, große Gestik, faszinierende Mimik, Pantomime in Zeitlupe oder nachgeahmt die Geräusche von Amalias Taftkleid oder der röchelnden Atemzüge des alten Grafen von Moor. Kohlhepp füllte die Bühne mit seiner Darbietung – darunter unter anderem eine Gesangseinlage als Amalia auf der Leiter. Auf dem „Sterbeteppich“ – ein Erbstück von seiner Tante – starb er während des Abends mehrere Male in unterschiedlichen Rollen. „Mir ist scheißegal, ob Sie das sehen möchten, ich spiel das jetzt“. Schließlich sei das Stück eine Tragödie, was ihn zu alternativen, glücklicheren Schlussszenen verleitete: Eine verrückter und komischer als die andere.

© Gmünder Tagespost 16.12.2012

November 2012

Flucht aus Normalien

Stefan Österle stellte Hermann Hesses Persönlichkeit in der Theaterwerkstatt vor

Die einzigartige, von inneren Gegensätzen bestimmte Individualität Hermann Hesses, dessen Eigensinn und Vorlieben zeigte der Schauspieler Stefan Österle von „Dein Theater Stuttgart“ in brillanter Darstellungsweise dem interessierten Publikum in der Theaterwerkstatt.

Jutta Rund

Schwäbisch Gmünd. Zitierte Texte ausHermann Hesses Gedichten, Briefen, essayischer Prosa und Kurzgeschichten fügten sich mit biografischen Informationen und Stefan Österles vielschichtigem Schauspiel zu einem ganzheitlichen Bild über den Dichter, der während des Nationalsozialismus in Deutschland verpönt und doch schon zu Lebzeiten berühmt war, sogar unter anderem mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Hesses Liebe zur Musik, die er aber nur singen und pfeifen konnte, war Stefan Österles Einstieg in den Abend. Genussvoll am Tisch sitzend im hellen Sommeranzug, pfeifend und Luftgeige spielend genoss Hesse/Österle die eingespielte Musik. 1877 in Calw geboren, stammte er aus einer kleinbürgerlichen engstirnigen Familie, doch hatte der weitgereiste Großvater Souvenirs aus fernöstlichen Ländern und eine Bibliothek, die sich Hermann Hesse als Schüler zu Nutze machte und die sein Interesse an Literatur weckte. Es war etwas Wildes, eigensinniges im Wesen des 13-Jährigen, sodass seine Eltern ihn für vier Monate in eine Nervenheilanstalt schickten. Schauspieler Österle ließ seine eigene Person in die Hesses fließen.
Hesse war ein exzellenter Denker, Satiriker und Humorist, der differenziert und deutlich zu verschiedenen Themen der Gesellschaft und des Lebens Stellung nahm. „Seltsam im Nebel zu wandern, Leben ist Einsamkeit. Kein Mensch kennt den andern, jeder ist allein.“ 1902 erschien sein erster Gedichtband, seiner Mutter gewidmet. In dieser Zeit unternahm er auch seine erste Italienreise. Die Lust zu reisen hat Hesse immer wieder erfasst, auch in der Zeit, als seine Frau in psychotherapeutischer Behandlung und sein Sohn krank war. Erst seine dritte Ehe funktionierte. Weltbekannt geworden ist Hesse durch seinen 1927 erschienen Roman „Steppenwolf“, der Geschichte eines tiefen seelischen Leidens. Nach seiner Indonesienreise schrieb er: „Wir sollen uns nicht bekehren lassen, sondern uns öffnen und weiten“ Aufsätze und Mahnrufe in der Presse gegen den Krieg hatten zur Folge, dass Hesse zum Verräter und Entarteten abgestempelt wurde. Sensibel und anschaulich zitierte Österle Hesses Beschreibung vom Sterben des Vaters.
Schublade auf, Bart angeklebt, graues Gel ins Haar gestrichen, schon war Stefan Österle einige Jahre weitergezogen und lebte als reifer Hesse im Tessin. Das Lösen von Konventionen und Dogmen war nicht nur in seinem Werk ein Thema: individualistisch zog sich Österle bis auf die Unterwäsche aus, stand Posing und auf Händen, turnte herum und hüpfte pfeifend von der Bühne.
Im zweiten Teil des Abends gab sich Österle als Hesse den Maler: „Malen ist wundervoll – es befreit von verfluchter Willenswelt“. Hesse sah sich als Mensch der Wandlung, diese Botschaft konnte Österle hervorragend den Zuschauern vermitteln. Als Naturliebhaber wandte er sich seinem Garten an der Casa Hesse zu. „Mit der Reife wird man immer jünger“. Differenziert beschreibt Hesse sein Altern, das er nicht wahrhaben will. 1962 starb er an einer Gehirnblutung. Stefan Österle zeigte seine Schauspielkunst, indem er mit Hesses Person eins wurde und mit wenigen Mitteln als Ein – Mann – Theater das ganze Leben und Wirken des Individualisten transparent machte. Regisseur Friedrich Beyer kann mit diesem Theaterabend wieder einen großen Erfolg verbuchen.

© Gmünder Tagespost 26.11.2012

Oktober 2012

Ein Mozart-​Abend mit Peter und Franz Sodann

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Weltruhm erlangte er nach seinem Tod, finanzielle Erfolge blieben ihm für immer versagt, sein Leben war ein Kampf gegen die Ignoranz und Intrigen seiner Zeit. Peter und Franz Sodann näherten sich mit ausgewählten Texten Wolfgang Amadeus Mozart.


THEATER (wil). Wie sehr das Schattentheaterfestival an den kulturellen Kräften Gmünds gezehrt hat, konnte man am Samstagabend in der nur mäßig gefüllten Theaterwerkstatt feststellen. Nur OB Arnold zeigte noch Kondition und gab einer Veranstaltung die Ehre, die wahrhaft besseren Besuch verdient gehabt hätte.
Dabei hatte die szenische Lesung von Vater und Sohn Sodann durchaus etwas Schattenhaftes, Schemenhaftes. Mit Einspielungen aus dem Figaro und Don Giovanni, einigen Klavierkonzerten und schließlich dem Requiem gaben sie ihren Texten die nötigen Ruhepausen, ließen über die Stationen im Leben Mozarts nachdenken.
Sie hatten eine gute, anspruchsvolle Auswahl getroffen, ließen Mozart selbst, seine Zeitgenossen und seine Bewunderer zu Wort kommen, zitierten vor allem aus den Briefen, der unerschöpflichen Schatztruhe jener Zeit. Franz Sodann, eindeutig der „Regisseur“ des Abends, bestach mit klarer Artikulation und präziser Textsetzung, Peter Sodann gab der Lesung durch seine Art die Stimmung. Wo man manchmal einen Hauch Undeutlichkeit zu spüren glaubte, zeigte sich im Text das Unbedeutende im Leben, was scheinbar unkonzentriert wirkte, belegte das Zufällige, das sich wie beiläufig ereignete. So brachte der große Schauspieler die Dramatik in das Geschehen, der Sohn sorgte für die klare Linienführung in den Dialogen, die es dem Publikum leicht machte, den Lebensbildern zu folgen.
Sie begannen natürlich mit dem Wunderknaben, der nie Kind sein durfte, der mit 13 Jahren vor dem Papst auftrat und seiner Schwester in breitem Dialekt von seinen lausbubenhaften Gefühlen schrieb.
Ausführlich beleuchteten sie das Verhältnis zum Fürstbischof von Salzburg, seinem Dienstherrn und Brötchengeber, von dem sich Mozart nur eingeengt fühlte, und machten Station in München, wo er vergeblich auf eine Anstellung hoffte und in Mannheim, wo sich der junge Mann auslebte. Mit trefflich gewählten Texten wurde hier ein Psychogramm erstellt, das gleichzeitig erheiterte und bedrückte. Nach dem Abstecher nach Paris und dem Tod der Mutter landete Mozart wieder in Salzburg, bevor er sich mit 25 Jahren aufmachte, nach Wien zu gehen und Constanze Weber zu heiraten. Die enge Beziehung der Eheleute, die schlechte finanzielle Lage, die Zurückweisung durch diverse Hofschranzen, allen voran Salieri — alles ließen Franz und Peter Sodann lebendig werden. Heitere Einschübe, wie Mozart das Ballettverbot des Kaisers in seinem Figaro umgeht, wie genial er in einer Nacht eine ganze Ouvertüre aufs Papier wirft, weil er komplette Kompositionen schon Note für Note im Kopf hatte, damit belebten die beiden Schauspieler ihre Textauswahl, schufen durch die Stimmmodulation die richtigen Gefühle.
Und die Dramatik am Schluss, das erwartete Sterben in Armut wurde mit Mozarts letztem, unvollendeten Werk unterlegt, dem Requiem.

     

Die Theaterwerkstatt macht sich fein

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Die Theaterwerkstatt im Spital wird noch ein bisschen präsenter vor dem ersten Stück der Saison, dem Mozart-​Abend mit Peter Sodann und Franz Sodann am 20. Oktober. Ab sofort hat sie eine eigene Internetseite.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Man ruft sie unter www​.the​ater​w​erk​statt​.gd. auf. Dort findet man das aktuelle Programm. Der Auftritt mit der eigenen Domain wurde geschaffen von Volker Klei, Amt für Medien und Kommunikation. Natürlich liegt das gedruckte Angebot weiter im i-​Punkt und an anderen Stellen aus. Vorteil für den Verein Theaterwerkstatt: Er kann die Seite selbst pflegen, Bilder und Texte einstellen oder ergänzen. Und vielleicht, darauf hofft Theaterwerkstatt-​Vorsitzender Walter Knauß, lassen sich dann eher Überschneidungen von Veranstaltungen vermeiden, welche die selbe Klientel ansprechen. Die Gmünder Theaterfreunde können sich jetzt eigentlich ganz glücklich schätzen – sie finden jetzt erfreulich abgestimmte Spielstätten vor, seit der Predigersaal wieder eröffnet wurde – vom kleinen Kammertheater wie der Theaterwerkstatt mit 100 Plätzen bis zum Stadtgartensaal mit deren 1000, in der Mitte der Prediger mit rund 400.
Der Veranstaltungskalender ist das Kernstück der Theaterwerkstatt-​Seite. Er listet zum einen alle Veranstaltungen auf, die in der Spital-​Spielstätte über die Bühne gehen, zum anderen geht er speziell auf das Programm des Vereins Theaterwerkstatt ein (beispielsweise in den Rubriken „Erwachsenentheater“ und „Kindertheater“). Informationen über den Verein und ein Kontaktformular findet man auch. Noch vorbereitet wird der Online-​Kartenverkauf, sagt Volker Klei – nicht allein für die Theaterwerkstatt, sondern für alles, was der i-​Punkt an Veranstaltungen zum Verkauf anbietet. Das Layout orientiert sich an der städtischen Homepage. Ebenfalls in Vorbereitung ist eine App fürs Smartphone.
Aber jetzt zur Theater-​Hardware: Zur neuen Spielzeit ist die Garderobe der Theaterwerkstatt renoviert und neu eingerichtet worden, in viel Eigenarbeit übrigens. Sie ist jetzt hell und richtig präsentabel. Auch Promis wie Peter Sodann können sich dort wohlfühlen.

© Rems-Zeitung 12.10.2012

     

Theaterwerkstatt jetzt online

Die kleine Bühne hat ein neues Programm: mit dabei ein Tatortkommissar

Rechtzeitig zur neuen Theatersaison 2012/2013 erstellte die Theaterwerkstatt Schwäbisch Gmünd eine eigene Internetseite. Unter www.theaterwerkstatt.gd ist nun immer das neueste Programm vermerkt. Ein erstes Highlight gibt’s am 20. Oktober um 20 Uhr mit dem ehemaligen Tatortkommissar Peter Sodann.

Nadja Dobelmann

Schwäbisch Gmünd. Vor etwa einem Jahr feierte die Theaterwerkstatt Schwäbisch Gmünd ihr 20-jähriges Bestehen. Für die Zukunft hat sie in Zusammenarbeit mit Volker Klei vom Amt für Medien und Kommunikation in Schwäbisch Gmünd, eine Internetseite gestaltet, auf welcher ab sofort alle Informationen und Termine zur Theaterwerkstatt zu finden sind.
Das Kernstück der Homepage ist der Kalender, in welchem die neuen Veranstaltungen, Bilder, Texte und Videos selbstständig von der Theaterwerkstatt eingetragen werden können. Darüber hinaus gibt es einen Bereich mit Rezensionen aus Zeitungen und anderen Online-Medien. Auch die Entwicklung im Verkauf schreitet voran, denn es soll bald ein Onlineverkauf für die Tickets eingerichtet werden. Wer etwas fragen, loben oder kritisieren will, kann dies nun über das Kontaktformular auf der Homepage tun. Auch die Jugend wird bedacht, denn es sind Jugendnachmittage im Gespräch, in welchen Jugendliche eine Einführung ins Theaterspiel erhalten sollen. Damit stehen den kommenden Veranstaltungen nun nichts mehr im Wege.
„Mein Schicksal ist leider mir so widrig“ lautet der Titel der nächsten Aufführung. Darin taucht Peter Sodann, der ehemalige Tatort-Kommissar Ehrlicher, mit seinem Sohn Franz Sodann in das Leben des Wolfgang Amadeus Mozarts – Komponist des Figaro, der Zauberflöte und des Requiems – ein. War er Wunderkind, Komponiermaschine, Wahnsinniger oder doch Genie? Anhand von Briefen, Zeugnissen, zeitgenössischen Kritiken und unter Begleitung ausgesuchter Kompositionen wird Mozart für einen Abend wieder lebendig.
Was die Renovierung anbelangt, wurde die Garderobe gründlich geputzt, neu gestrichen und bestückt, wobei die Mitglieder der Theaterwerkstatt fleißig Hand anlegten.

© Gmünder Tagespost 11.10.2012

     
Juni 2012

Große Namen im kleinen Theater

Theaterwerkstatt präsentiert das Programm für die neue Spielzeit

Ein kleines Theater bereichert seit mehr als zwei Jahrzehnten die Gmünder Kulturlandschaft. Bürgerliches Engagement steht hinter der Theaterwerkstatt, die jetzt den Spielplan für die nächste Saison präsentiert.

Kuno Staudenmaier » 

Schwäbisch Gmünd. Walter Knauß und Petra Rohaczek haben das Erbe des langjährigen Theaterwerkstatt-Motors Ernst Kittel angetreten, der aber immer noch interessierter Besucher ist. Geblieben ist die finanzielle Gratwanderung, die Eintrittsgelder allein würden nicht ausreichen, eine Spielzeit zu finanzieren. Auch der kleine Verein Theaterwerkstatt Schwäbisch Gmünd – es sind 30 Mitglieder – kann kaum eigene Mittel aufbringen. Zwei Sponsoren und die Vermietung der Räume helfen dem Theater über die Runden. Von der Stadt gibt es einen Zuschuss für Heizung und Strom. Rohaczek und Knauß sehen aber weiter eine Nische für diese Einrichtung, mit einer Mischung aus Klassik, Musik und Kabarett. Zehn Vorstellungen sind geplant, Start für die Saison 2012/2013 ist am Samstag, 22. September um 20 Uhr. Asita Djavadi steht auf der Bühne, vielen Gmündern bekannt als Hauptdarstellerin des Kolping-Musicals „Sweet Charity“ im vergangenen Jahr. „Piaf – die Suche nach Liebe“ heißt ihr aktuelles Programm. Gemeinsam mit dem Pianisten Wolfgang Maier lässt sie viele bekannte Chancon wieder aufleben.
Am 20. Oktober beleuchten Peter Sodann, bis 2007 Kommissar Ehrlicher, und sein Sohn Franz Sodann in einer szenischen Lesung mit Einspielungen ausgewählter Werke Mozarts sein Leben und seinen Tod.
Gmünd-Bezug gibt es beim Auftritt am 10. November, Andrea Weiss und Robert Kast singen Chancons schwäbisch, deutsch, englisch und französisch.
Feste Größe in der Theaterwerkstatt ist „Dein Theater“ aus Stuttgart. Zum 50. Todestag von Hermann Hesse hört man am 23. November ein Mosaik aus Kurzgeschichten und Essay. In den weiteren Aufführungen begegnen Besucher Bernd Kohlhepp („Die Räuber oder so“ am 14. Dezember), Michael Speer und Frank Stöckle („Wunschzettel“ am 19. Januar), Pepper and Salt („Mir singed älles“ am 23. Februar), Bernd Lafrenz („Macbeth – eine schaurige Komödie frei nach Shakespeare“ am 8. und 9. März), Honey Pie („Back in Town, 20. April) und Showbuddies (Improvisationstheater am 4. Mai).

 Programme und Karten gibt es im i-Punkt und in der Theaterwerkstatt. Bei Abos ab fünf Aufführungen erhalten Besucher 20 Prozent Ermäßigung.

© Gmünder Tagespost 29.06.2012

     

Gefällig und manchmal rabenschwarz

Gmünds Kleinkunstszene muss nicht darben, gewiss nicht. Die Theaterwerkstatt holt regionale Talente und Könner von außen auf die intime Bühne in der Theaterwerkstatt, die für manchen schon zum großen Sprungbrett wurde.

KLEINKUNST (rw). Jeden Monat ein bis zwei Aufführungen, beginnend im September, endend im Mai, dieses Ziel setzten sich die Macher des Theaterwerkstatt-​Vereins für ihr Programm in der Saison 2012/​13, sagen Walter Knauß und Petra Rohaczek. Literatur, Schauspiel, Kabarett und Gesang auf hohem Niveau sollen für gute Unterhaltung bürgen – und der Theaterwerkstatt ein volles Haus bescheren. Die Theaterwerkstatt will ein jüngeres Publikum ansprechen, ein Mittel dazu ist das frei wählbare Abonnement. Wer sich ein Fünferpack aus den beiden Aufführungsreihen zusammenstellt, kann mit 20 Prozent Ermäßigung gegenüber dem Einzelpreis der Vorstellungen rechnen. So will man auch die fällige Preiserhöhung kompensieren.
Den Anfang am 22. September macht Asita Djavadi, den Gmündern wohlbekannt als Hauptdarstellerin des Kolping-​Musicals „Sweet Charity“: Die Sängerin und Schauspielerin singt Chansons von Edith Piaf, ja sie lässt die Sängerin wieder aufleben. „Je ne regrette rien“, das können hinterher vermutlich auch die Zuhörer unterschreiben.
Eine szenische Lesung über Mozarts Leben und Tod präsentieren Franz Sodann und Peter Sodann (20. Oktober). Vater und Sohn Sodann laden ein, in das Mysterium Mozart einzutauchen. Untermalt wird die Lesung durch ausgewählte Kompositionen.
Andrea Weiß und Robert Kast machen Kabarett-​Pop und sind „Stilsicher“, so der Titel ihres Programms (10. November). Es geht auch um die Fragen, wie glamourös die Maultasche ist und was das Charisma von Tanja Gönner ausmacht. Beide sind sich sicher, dass die Schwaben mehr Stil haben, als Stefan Mappus vermuten lässt. Emotional tiefgründig und musikalisch erstklassig ist das Duo auch.
Hermann Hesse ist seit 50 Jahren tot. Aber so richtig lebendig für eine Generation wurde er sowieso erst nach seinem Ableben – die verschlang in den späten 60-​ern, frühen 70- ​ern Hesses Romane „Demian“ und „Steppenwolf“. Hesse war einer der populärsten und erfolgreichsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Stefan Österle von Dein Theater, bekannter Gast in der Theaterwerkstatt, kommt mit „Reiselust – Flucht aus Normalien§ (23. November). Ein Mosaik aus Gedichten, Kurzgeschichten und essayistischer Prosa. Erhellend für den modernen Menschen.
Bernd Kolhep, bekannt als Hämmerle, geht am 14. Dezember weiter zurück in die Literaturgeschichte mit „Die Räuber oder so.“ Ein Mann, alle Rollen: Er kriegt die Amalie ebenso hin wie die ganze Räuberbande. Nochmals literarisch wird’s am 19. Januar mit den Schauspielern und SWR–Sprechern Michael Speer und Franz Stöckle. In „Wunschzettel“ lesen sie ihre Lieblingstexte. „Salt und Pepper“ kommen wieder mit „Mir singed älles“ (23. Februar). Die drei Herren und zwei Damen kommen rasant in musikalische Fahrt, auch auf Spanisch, Englisch, Hochdeutsch, aber immer gefällig.
Theaterwerkstatt ohne Bernd Lafrenz? Schlecht denkbar. Am 8. März ist er nach einigen Jahren mal wieder Macbeth: Shakespeare total, einer für alle Rollen.
„Honey Pie“ ist „Back in Town“ (20. April), aber in einer modifizierten Version. Die drei Damen packen gerne rabenschwarze Chansons aus. Im letzten Dezember war das Haus ausverkauft, anzunehmen, dass sie auch im nächsten Frühjahr die Theaterwerkstatt füllen. Urkomisches zum Schluss: die „Showbuddies“ (4. Mai) ziehen aller Register des Improvisationstheaters. Immer wieder anders, immer wieder neu.

Der Vorverkauf für die Saison 2012/​13 der Theaterwerkstatt in Schwäbisch Gmünd beginnt am Montag, 2. Juli, im i-​Punkt im Spital (Tel. 07171 /​603 4250).

© Rems-Zeitung 26.06.2012

     
Mai 2012

Kehrreime gegen Kernwaffen

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Dein Theater mit bunter Schlagerrevue: Was singt man, wenn um einen herum alles in Schutt und Asche fällt?d

Wie weit driften reale Politik und heile Schlagerwelt auseinander, welche Themen bewegen die leichte Muse und was passiert derweil in der Welt?

KLEINKUNST (wil). Mit ausgewählten Ohrwürmern aus den vergangenen fünfzig Jahren und einer pfiffigen Umsetzung deren Botschaften gaben die vier Akteurinnen von „Dein Theater“ eine sinnschwere Geschichtsstunde.
Was singt man, wenn um einen herum alles in Schutt und Asche fällt, der Zweite Weltkrieg sich seinem schrecklichen Ende nähert? Rudi Schuricke gab 1943 darauf die Antwort und ließ auch die rote Sonne im Meer versinken, allerdings bei Capri.
Der von Friedrich Beyer gelungen konzipierte Rückblick auf fünfzig Jahre deutscher Geschichte im Spiegel ihrer Schlager wird von Ella Werner in geläufigem Berlinerisch beplaudert. Sie stellt die leichte Muse als echte Blondine vor, unbekümmert von allem, was um sie herum so passiert, ja manchmal schon von trotziger Fröhlichkeit. Und da hat Ella Werner viel aufzuzählen, von den Ereignissen der Nachkriegszeit, die sie teils bitter kommentiert bis zum Stakkato der Geschehnisse in den letzten Jahren, die ja alle miterlebten. Ironisch und zynisch setzt sie die Schlagertitel dagegen, die Gesine Keller dann mit der Gitarre aufgreift, unterstützt von Martina Schott und Barbara Mergenthaler, die mit Schnurrbart und wechselnden Mützen die Männer auf der Bühne repräsentiert.
Während Deutschland in Schutt und Asche liegt, wird weinend der Skandal im Harem besungen, werden die Amis als „Lieblings-​Sieger“ vor allem der Berliner angehimmelt. Mit dem berühmten Koffer in Berlin, dem Heimweh nach dem Kurfürstendamm und dem Insulaner galten drei Hits jener Zeit der belagerten Hauptstadt. Doch es war kein Schnulzenabend, den die vier Damen boten. Mit sehr eigenwilliger Interpretation präsentierten sie die Vorlagen, ließen auch mal das r bedrohlich rollen oder spielten dazu einfach ihre Geschichte und führten dadurch jede Ernsthaftigkeit ad absurdum.
„Die Beine von Dolores“, erst 1951 entstanden, performte Ella Werner zu einer Liebeserklärung an das eigene Bein und aus dem Traumboot der Liebe machte sie einen gesungenen Orgasmus.
Wurde die Auslandssehnsucht der Deutschen 1945 auch jäh getrübt, so musste man eben bereisen, was man nicht besetzen konnte. Ein weiterer Block Nachkriegsschlager galt dem Ausland, von Paris über Pisa bis zum Zuckerhut. „Addio Donna Grazie“ mit dem Koffer unter dem Arm und dem Abschiedswinken rührte fast schon zum Mitweinen, aber Suger Baby gab es als fetzige Tanznummer. Trotz aller Lehrinhalte ließ der Abend nie auch nur einen Hauch von Belehrung spüren, mit Schwung und klangvollen Stimmen führten die Akteurinnen über jede Klippe zwischen Sein und Sollen. Auf die Erwähnung Adenauers folgte „Oh mein Papa“ und der Regierungswechsel 1969 wurde mit „Wunder gibt es immer wieder“ kommentiert.
Während der Ölkrise und den Flugzeugentführungen, Martin Luther Kings und Robert Kennedys Ermordung, PLO, ETA und IRA sang Roy Black „Schön ist es auf der Welt zu sein“ und alle sangen mit. Und während junge Frauen nach Selbstständigkeit streben schallte es aus der Disko „Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin“. Von 1943 bis 1997 spannten sie ihre Bogen, schossen viele Pfeile ab und trafen meist auch. Sie folgten dem geänderten Musikstil, vom schmachtenden Solo der 50-​er Jahre zum bassdröhnenden Beat unserer Zeit.
Absolut abgefahren und rhythmisch brutal durchgehackt quälte Gesine Keller ihre Gitarre durch Farin Urlaubs „Mach die Augen zu“ – mit dem Kommentar, dass dies nun das Ende der leichten Muse sei: der absolute Schwachsinn. Doch geschickt fingen die Vier das Publikum wieder ein, führten es mit ihren Zugaben behutsam zurück in die Geborgenheit des Schlagers und ließen es bei Marmor, Stein und Eisen vor allem das dam-​dam gefühlvoll mitsingen. Ella Werner gestaltete den Babysitter-​Boogie als heulendes Kleinkind noch zu einem besonderen Schlusspunkt und mit „Schön war die Zeit“ endete der Abend mit einer treffenden Aussage.

Februar 2012

Elf Rollen und ein Mime

 

Bernd Lafrenz spielt Shakespeare, und der "Sturm" erschüttert die Theaterwerkstatt

 

Wozu braucht er ein Ensemble, wozu Bühnentechnik? Bernd Lafrenz bewältigt solche Kleinigkeiten wie ein Shakespeare-​Stück locker im Alleingang und da das Publikum ohnehin nur rumsitzt, kann es zur Not auch mal mithelfen.

THEATER (wil). In der Theaterwerkstatt herrschte von Donnerstag bis Samstag wieder Ausnahmezustand und Shakespeares „Sturm“ tobte durch die Besucherreihen.
Elf Rollen spielt Bernd Lafrenz allein und zwar so, dass man jederzeit weiß, wen er gerade darstellt. Durch eine Kopfbewegung, eine andere Körperhaltung oder ein Requisit wechselt er die Figur, spielt den gefangengenommenen Herzog von Mailand und seine Wächter gleichzeitig im Dialog. Prinzessin Miranda ist so ein zartes Wesen, dass Lafrenz sie gleich durch einen Store ersetzt mit dem er plaudert – oder den er auf der Bühne zusammengekauert warten lässt.
Doch das Stück allein scheint den Omnipräsenten nicht auszulasten, er gibt dem Publikum noch eine Einführung in Shakespeares Rezeptionsgeschichte. Als Ariel wirbelt er über die Bühne, doziert über die 1761 in Biberach erfolgte Uraufführung des „Sturms“ als erstem Shakespeare-​Stück in Deutschland überhaupt und lässt den großen Meister durch ein Bild mit Mundausschnitt gar selbst zu Wort kommen. Als sein eigener Dolmetscher lugt er immer wieder um den Rahmen und sorgt mit der immer freier werdenden Übersetzung für erste Heiterkeit. Und die Gebildeten im Publikum können auch noch die Shakespeare-​Zitate und –Titel mitzählen.
Doch dann widmet er sich Prospero, dem verbannten Herzog von Mailand, der seiner Tochter die Lebens– und Familiengeschichte erzählt und damit auch das Publikum informiert.
An seiner Insel fahren die Verräter Alonso, König von Neapel, dessen Bruder Sebastian und Prosperos Bruder und Nachfolger auf dem Thron, Antonio vorüber. Rasch erteilt er dem Luftgeist den Befehl, das Schiff mittels Sturm zum Stranden zu bringen und die drei seiner Insel zuzuführen.
Und dieser Sturm wird gewaltig, er ist nicht nur Titel des Stücks sondern auch Hauptteil der Publikumsbeschäftigung, wie sie bei Lafrenz üblich ist. Mit Stangen wird das Schiff im Zuschauerraum installiert, die Taue verteilt und die tobenden, wogenden Wellen eingeteilt. Mit „wosch“ von rechts und „zusch“ von links tobt das Meer und schunkeln die Zuschauer – „aber bitte aufpassen, dass es nicht zu einer Lokomotive wird“, warnt der Regisseur. Mitten im Saale spielt er den Kapitän und sprüht im Abgang noch etwas Wasser aus dem Steuerrad auf die Leute, damit das Erlebnis intensiver wird. Die würdigen Honoratioren müssen sich ebenso mit ihrem Schicksal abfinden wie Hofnarr Trinculo und der besoffene Kellermeister Stefano, die mit dem raubauzigen Inselbewohner Caliban über das Eiland ziehen.
Grandios stellt Lafrenz die hohen Herrschaften vor und spielt sie sogleich im Quartett, versteckt sich als Caliban in seiner Multifunktionshose um Sekunden später als Trinculo herauszuschlüpfen und beschwingt weiter zu spielen. Und dann ist da noch Alonsos unschuldiger Sohn Ferdinand, der sich in Miranda verliebt und mit Zahnstochern seine Sysiphus-​Arbeit verrichtet, die ihm Prospero aufgetragen hat, um sich der Hand Mirandas würdig zu erweisen. Gags, Tricks und Überraschungen gehören zu Lafrenz Bühnenausstattung wie der Donner zum Gewitter, und so sind die Richter, die über die Verräter urteilen sollen, in die Innenseite seines Mantels genäht.
Nach knappen zwei Stunden ist das Recht wieder hergestellt, das Liebesglück besiegelt und auch der vielbeschäftigte Ariel erhält seine Freiheit – aber erst nach langanhaltendem Applaus für eine wieder einmal großartige Aufführung.

© Rems-Zeitung 01.02.2012

     
 

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