Pressemeldungen

April 2016

3. April bis 28. August, Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd:
Emanuel Leutze. In Deutschland blühen meine Rosen nicht – zum 200. Geburtstag des deutsch-amerikanischen Historienmalers

Schwäbisch Gmünd (sv) – „Mein Weg führt mich in diesem Winter nach Amerika zurück. In Deutschland blühen meine Rosen doch mal nicht“, schreibt Emanuel Leutze in einem Brief an seinen Freund, den Schwäbisch Gmünder Fabrikanten und späteren Museumsgründer Julius Erhard, bevor er im Januar 1859 sein Heimatland endgültig Richtung Amerika verlässt. Dort avancierte sein Gemälde „Washington Crossing the Delaware“ bei der Präsentation 1851 in New York zur Sensation und wird eine Ikone der amerikanischen Nation. Als prägende Figur der Düsseldorfer Malerschule und führender amerikanischer Historienmaler des 19. Jahrhunderts schrieb Leutze Kunstgeschichte.
Den 200. Geburtstag Emanuel Leutzes würdigt seine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd vom 3. April bis 28. August mit einer umfassenden Ausstellung im Museum im Prediger. Ausgangspunkt der Präsentation ist der gesamte Bestand an Werken Emanuel Leutzes in den Sammlungen des Gmünder Museums, das mit mittlerweile zehn Ölgemälden, einem Stahlstich von „Washington Crossing the Delaware“ sowie Zeichnungen, Grafiken und Skizzenbüchern über die weltweit größte Kollektion zum Werk des Künstlers verfügt. Ergänzt um hochrangige Leihgaben eröffnen rund 60 Arbeiten profunde Einblicke in Leutzes vielfältiges Schaffen, das sich vom raffiniert komponierten Historienbild über das Porträt bis zum Genre spannt; dazu vermitteln Briefe des Künstlers ein ganz persönliches Lebensbild. Leihgaben sind u. a. aus dem Clemens Sels Museum Neuss, der Galerie Paffrath Düsseldorf, dem Kunstmuseum Stuttgart, der Staatsgalerie Stuttgart sowie der Stiftung Sammlung Volmer Wuppertal zu sehen.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (112 Seiten, deutsch / englisch, 20 Euro).

Eröffnung
Die Ausstellung wird am Sonntag, 3. April, um 11 Uhr durch Oberbürgermeister Richard Arnold im Festsaal des Prediger eröffnet. Zur Ausstellung spricht Museumsleiterin Dr. Monika Boosen. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnungsveranstaltung durch den Countertenor Robert Crowe und die Pianistin Feng Wu.

Zur Ausstellung
Emanuel Leutze wurde am 24. Mai 1816 in Schwäbisch Gmünd geboren. 1825 wandert die Familie nach Amerika aus und lässt sich in Philadelphia, Pennsylvania, nieder. Dort erhielt er seine erste professionelle Ausbildung bei dem englischen Maler John Rubens Smith (1775-1849) und begann seine künstlerische Laufbahn als Porträtist. 1841 kehrte Leutze, mittlerweile 25 Jahre alt, nach Deutschland zurück, um an der Düsseldorfer Kunstakademie Historienmalerei zu studieren. Indem er den für die Düsseldorfer Malerschule charakteristischen Naturalismus, die streng durchkomponierte Lichtführung und die Detailgenauigkeit mit seinem Sinn für dramatische Effekte verband, gelang es ihm, der Düsseldorfer Historienmalerei zu internationalem Ruhm zu verhelfen. „Washington Crossing the Delaware“ (1851), dessen erste Fassung (1850) in der Kunsthalle Bremen 1942 durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, bildet nicht nur den Höhepunkt dieser Werkgruppe, sondern wurde zur Inkunabel der amerikanischen Historienmalerei schlechthin. Nach einer kleineren Version dieses monumentalen Gemäldes wird 1853 ein Stahlstich gefertigt, dessen Verbreitung den Ruhm des Bildes und seines Schöpfers begründet; einen solchen Stahlstich schenkt Leutze seinem Freund Julius Erhard, mit dessen Sammlung er in den Bestand des Gmünder Museums gelangt. Am 18. Juli 1868 starb der Künstler mit nur 52 Jahren in Washington. Leutzes breitgefächertes Œuvre umfasst Historiengemälde, Porträts, Genreszenen und Landschaftsdarstellungen.
Wie keine andere Künstlerpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts vereint Emanuel Leutze auf ideale Weise die Besonderheiten der amerikanischen Malerei einerseits mit der europäischen Maltradition und den Charakteristika der Düsseldorfer Malerschule andererseits. Sein künstlerischer Werdegang wurde entscheidend geprägt von seinen Düsseldorfer Jahren 1841 bis 1858. Von Carl Friedrich Lessing (1808-1880) zu einer dem demokratischen Bürgertum verpflichteten Malerei angeregt, führte Leutze nicht nur neue politische Inhalte, sondern auch innovative kompositorische und koloristische Elemente in die Düsseldorfer Malerschule ein. Leutzes bis heute gültiger künstlerischer Ruhm gründet sich vor allem auf die Historienmalerei; darin galt er als einer der besten unter den damals Lebenden. Man rühmte seine lebendige Gewandtheit in der Komposition (Wiegmann, 1854), ein „rundes, saftiges, lebensfrisches Kolorit" (Müller von Königswinter, 1854) und Walter Cohen, sonst der Historienmalerei keineswegs geneigt, rühmt 1915 „eine der Ursprünglichkeit nicht entbehrende kraftvolle Farbengebung“. In seinen Historienbildern thematisiert Leutze sowohl die amerikanische als auch die europäische Geschichte und greift einzelne Momente im Leben bedeutender historischer Personen und entscheidende Szenen heraus. Dem Leben und Werk der „Gründerväter“ Amerikas, Christoph Columbus und George Washington, widmet er Bilderzyklen. Aufgrund seines psychologischen Einfühlungsvermögens gelingen ihm in seinen historischen Figuren Charaktere von überzeugender lebendiger Präsenz, die weit in Richtung Gefühl und Wahrheit vordringt.
Neben der Historienmalerei nehmen in Leutzes Werk vor allem die Porträts einen wichtigen und besonderen Platz ein. In seinen Bildnissen bündelt sich eine große technische Perfektion mit einer starken Ausdruckskraft. Das wird schon in einem seiner frühesten Porträts deutlich, einem Damenbildnis von 1837, das zu den frühesten Werken der Ausstellung zählt. Mit besonderer Freude hat Leutze sich den Darstellungen von Freunden und Bekannten sowie von Familienmitgliedern gewidmet. Das um 1842 gemalte Porträt seiner zukünftigen Schwiegermutter Maria Lottner zeigt ebenso eine einfühlsame Charakterisierung und eine zarte Kolorierung wie das 1858 entstandene Bildnis seines Schwagers Heinrich Lottner. Malerischer Höhepunkt ist das Doppelporträt „Die Bernsteinkette“ aus dem Jahr 1847, das seine Frau Juliane mit der Tochter Ida auf dem Arm zeigt und durch eine besondere Lichtführung und grandiose Farbgebung besticht.

Begleitprogramm zur Ausstellung
Öffentliche Führungen (ohne Voranmeldung):
So, 24.4., 12.6., 10.7. und 28.8. (Finissage), je 15 Uhr

Führung für Mitglieder und Freunde des Gmünder Museumsvereins
Di, 12.4., 19 Uhr

Führungen für Gruppen und Schulklassen
nach Voranmeldung, Telefon 07171 603-4130

Blaue Stunde
Do, 30.6., 28.7., jeweils 18 Uhr mit Gabriele Rösch M. A.

Matinee
„Emanuel Leutze und die Porträtmalerei“
So, 3.7., 11 Uhr mit Gabriele Rösch M. A.

Zeichenwerkstatt für Erwachsene
„Kopieren nach Leutze“ mit Helga Koenig:
Do, 28.4., 15.30 -17 Uhr
Information / Anmeldung: Museum, Tel. 07171 603-4130

Für Kinder und Jugendliche
„Wir im Boot mit Leutze“, Kids-Club, (5-10 Jahre):
Sa, 28.5. und 30.7., je 11 Uhr.
Information / Anmeldung: Museum, Tel. 07171 603-4130
„Du, Dein Pinsel, Zeichenstifte …“ (6-8 Jahre)
Sa, ab 4.6., 8 x, je 9.30-11 Uhr, JKS im Prediger
„Gritzegrau und kunterbunt“ Kunstwerkstatt (3-6 Jahre):
Do, ab 2.6., 7 x, je 16.15-17.30 Uhr, JKS im Prediger
Information / Anmeldung:
Jugendkunstschule, Gmünder VHS, Tel. 07171 92515-0

Allgemeines
Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14 -17, Do 14 -19, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr.
Mo geschlossen. Pfingstmontag wie feiertags

Eintritt
4,50 Euro / 3,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 J. frei

Adresse / Informationen
Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon 07171 603-4130, www.museum-galerie-fabrik.de

Emanuel Leutze, Tizians Lagunenfahrt, 1857, Öl auf Leinwand, 95 x 123,5 cm, Museum im Prediger      
 

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