Schwäbisch Gmünd, 2014

Kreuzgänge – Orte gebauter Stille

Ausstellung im Prediger-Kreuzgang

Schwäbisch Gmünd, 2014
Schwäbisch Gmünd, 2014
Schwäbisch Gmünd, 2014
Schwäbisch Gmünd, 2014
Schwäbisch Gmünd, 2014
Schwäbisch Gmünd, 2014

Einst war der Kreuzgang im „Prediger“ ein Ort der Kontemplation und verband die wichtigsten Funktionsräume eines Dominikanerklosters: Kirche, Schlafräume und Speisesaal. Heute, nach einer 700-jährigen wechselvollen Bau- und Nutzungsgeschichte, durcheilen ihn Besucher zu Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen, die er erschließt. An seine ehemalige Funktion als Herzstück einer klösterlichen Anlage erinnert nun eine eigens zur Landesgartenschau eingerichtete Fotoausstellung. Die Schau unter dem Titel „Kreuzgänge – Orte gebauter Stille“ zeigt Fotografien von 22 beispielhaft ausgewählten Kreuzgängen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz – und schafft so eine Begegnung mit dem Zauber, der suggestiven Schönheit und der Ästhetik, die bis heute von der klösterlichen Architektur ausgehen.

Der Kreuzgang ist der quadratische, überdachte Umgang um den Innenhof eines Klosters. Er bildet topographisch und funktional das Herzstück der mittelalterlichen Klosteranlage. Der Kreuzgang dient der Erschließung der umgebenden Kloster- oder Konventsgebäude. Ursprünglich war er einer der wichtigsten Aufenthaltsräume des Klosters und damit das zentrale Kommunikationszentrum, das für praktische und liturgische Aktivitäten und zum Unterricht genutzt wurde. Die offene Hoffläche konnte auch als Klostergarten oder Friedhof dienen.
Die Bezeichnung deutet auf die Bezüge zu den biblischen Beschreibungen des Paradiesgartens (Genesis, Kap. 2) und des Neuen Jerusalems (Offenbarung, Kap. 20) hin. Die erste zeichnerische Darstellung eines Kreuzganges findet sich im Klosterplan von Sankt Gallen, gezeichnet um das Jahr 820; der Kreuzgang ist hier das Zentrum eines idealisierten Klosters.
Der Kreuzgang schafft einen Raum des Abgeschlossenseins.  Die vier Gänge stehen für die vier Elemente. Im Kreuzgang schreitet der Mönch das Irdische ab. Kreuzgänge sind Orte der Meditation, der Stille – gebaute Stille. In der Blütezeit des abendländischen Mönchtums gab es davon Abertausende, heute sind in Europa und Lateinamerika über zweitausend ganz oder teilweise erhalten.

Der „Prediger“, heute Kulturzentrum der Stadt und Museum, umfasst die ehemalige Dominikanerkirche St. Maria Magdalena sowie das ehemalige Kloster mit Innenhof und Kreuzgang. Nachweisen lässt sich die Niederlassung des Dominikanerordens in Schwäbisch Gmünd seit 1294. Mitte des 14. Jahrhunderts ist der Kirchenbau vollendet und das Kloster entwickelt sich zum geistlichen Mittelpunkt der Stadt. In das zweite Viertel des 18. Jahrhunderts fällt der Klosterneubau durch Dominikus Zimmermann. Ab 1762 wird die ursprüngliche gotische Klosterkirche durch den Stadtbaumeister Johann Michael Keller barockisiert und 1764 fertig gestellt.
1802, nach dem Fall der Freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd an Württemberg, müssen die Dominikaner ihr Kloster verlassen. Das Konventsgebäude wird Kaserne, die Kirche Holzmagazin und dann Pferdestall. Das riesige Deckenbild von Johann Anwander fällt der Zerstörung anheim. Der ehemalige Mönchsfriedhof an der Südseite wird erst zur Dunglege, später zum Exerzierplatz für die Soldaten umfunktioniert. Der ehemalige Konvent und die ehemalige Kirche dienen bis zum Ende des 1. Weltkriegs als Kaserne. Dann kauft die Stadt den Komplex auf. Zwischenzeitlich genutzt als Notunterkunft für Flüchtlinge nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, als Parteizentrale für die örtliche NSDAP und später für sozial schwache Familien, wird das Gebäude Anfang der 1970er Jahre gravierend umgebaut und renoviert und dient seit seiner Neueinweihung am 23. März 1973 als Kulturzentrum. Vom Klostergebäude sind der Innenhof und vor allem der Kreuzgang mit Refektorium noch weitgehend erhalten.

Ausgewählte Kreuzgänge
Baden-Württemberg: Benediktinerabtei Alpirsbach, Zisterzienserabtei Bebenhausen, Klosterkirche Fürstpropstei St. Vitus Ellwange, Kloster Großcomburg, Zisterzienserinnenabtei Heiligkreuztal, Benediktinerabtei Hirsau, Benediktinerabtei Lorch, Zisterzienserabtei Maulbronn, Zisterzienserabtei Salem, Benediktinerinnenkloster Urspring, Zisterzienserinnenabtei Wald.
Bayern: Benediktinerkloster Feuchtwangen, Kreuzgang Dom zu Eichstätt.
Hessen: Zisterzienserabtei Arnsburg, Zisterzienserabtei Eberbach, Karmeliterkloster Frankfurt.
Niedersachsen: St. Michael (Michaeliskirche) Hildesheim, ehemalige Benediktinerabtei.
Nordrhein-Westfalen: Aachener Dom, Bonner Münster, St.-Paulus-Dom Münster.
Rheinland-Pfalz: Benediktinerabtei Maria Laach, Hohe Domkirche St. Peter  zu Trier.

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