Schwäbisch Gmünd und die Juden im Mittelalter

Schwäbisch Gmünd, 2014

Foto: Prade

Das jüdische Ghetto befand sich nördlich des Königsturms.

Eine der für uns heute wichtigsten Quellen zur frühen Stadtgeschichte Gmünds, die spätstaufische Reichssteuerliste von 1241/42, erwähnt eine – im Vergleich zu anderen schwäbischen Städten – zumindest finanziell überdurchschnittliche große oder vermögende Judensiedlung.

Ihre rechtliche Stellung hatte sich gegen Ende des 13. Jahrhunderts im Mainzer Reichslandfrieden von 1236 gefestigt: Die Juden wurden zu königlichen Kammerknechten und damit besonderem Königsschutz unterstellt. Da die Juden aber konsequent aus dem allgemeinen Wirtschaftsleben ausgeschlossen blieben, stand ihnen als Erwerbsmöglichkeit nur der Geldverleih gegen Zinsen offen, der den Christen durch das kanonische Recht verboten wurde.

Die mittelalterliche jüdische Siedlung, die im Lauf des 15. Jahrhunderts von der Rinderbacher Gasse bis zum Kornhaus und dem Königsturm verlief und deutlichen Ghettocharakter aufwies, bildete den Schwerpunkt ihrer Siedlung. Rund um den Königsturm lassen sich der Judenfriedhof, die Synagoge und die Mikweh – das traditionelle Reinigungsbad – nachweisen, das man bei Umbauarbeiten im Januar 1991 wieder entdeckte. Der früher so genannte Judenhof wurde erst in nationalsozialistischer Zeit nach 1935 in Imhofstraße umbenannt.

Im Winter 1348/49 fand auch in Gmünd wie in den meisten Reichsstädten und vielen Territorien Süddeutschlands in der Nachfolge der europäischen Pestzüge ein Judenpogrom statt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verschlechterte sich die Stellung der Judenschaft in Süddeutschland allgemein, was nicht ohne Auswirkung auch auf die Gmünder Juden blieb. In den 60er Jahren bestand die Tendenz, Juden den Aufenthalt in der Stadt verbieten zu wollen, ein Unterfangen, das im Jahr 1464 Kaiser Friedrich III. der Stadt noch energisch verbat. Im Mai 1498 regelte Kaiser Maximilian  I. das Zusammenleben der Schwäbisch Gmünder Obrigkeit mit ihren Juden noch einmal.

Nach zähen Verhandlungen und einem Darlehen von 700 Gulden an den immer geldhungrigen Kaiser erteilte Maximilian I. Schwäbisch  Gmünd am 24. Februar 1501 von Nürnberg aus die Freiheit, Jüdinnen und Juden aus der Stadt und ihrem Territorium vertreiben zu dürfen. 1521 ist dann der Schlusspunkt erreicht: Kaiser Karl V. wandelte die befristete zehnjährige Ausweisung in ein ewiges Stadtverbot um. Von da ab bis zum Ende der Reichsstadt im Jahr 1802 durften sich in Schwäbisch Gmünd und seinem Territorium keine Juden mehr niederlassen oder Handel treiben.

(Klaus Jürgen Herrmann, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Schwäbisch Gmünd, 2014

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Urkundenbuch (Kopie aus Staatsarchiv Ludwigsburg, B 177 S Bü 4)

25. Februar 1501
Urkunde Kaiser Maximilians gegen die Juden in Gmünd, Abschrift

 

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