Von der Vergangenheit in die Zukunft

Schwäbisch Gmünd, 2014

Die Stadt Schwäbisch Gmünd ist älteste Stauferstadt mit einer reichen kulturellen Vergangenheit. Da sie in den Kriegen weitgehend unzerstört geblieben ist, finden sich auf engstem Raum bedeutende Bauwerke aller europäischen Architekturepochen vor allem in Kirchenbauten. Die Tradition als Gold- und Silberschmiedestadt ist bis heute erlebbar und lebendig, zum Beispiel in Schmuckfabriken, Schmuckdesignwerkstätten sowie in der Ott-Pauserschen Silberwarenfabrik oder im Museum im Prediger mit dem Münsterschatz.

Diese reiche Vergangenheit wirkt in die Gegenwart. Die Tradition als Kulturstadt setzt sich fort in vielfältigen Aktivitäten, zum Beispiel in Kultur-, Musik- und Gesangvereinen und dem jährlichen Höhepunkt, dem Europäischen Kirchenmusikfest. Aus der klösterlichen Tradition entwickelte sich Schwäbisch Gmünd zu einer wichtigen Bildungsstadt. Dazu gehören Sonderschulen ebenso wie berufliche Schulen, die Pädagogische Hochschule sowie aus der Gold- und Silberschmiedetradition Fachschulen und die Hochschule für Design. Für lebenslanges Lernen für Jung und Alt, für vielfältige Begabungen und Berufe hat deshalb Schwäbisch Gmünd eine gute Tradition.

Wie in kaum einer anderen Stadt sind die in der Vergangenheit entwickelten Traditionen in der Bevölkerung breit verankert. Dies wurde im Stauferjubiläum mit der Aufführung der „Staufersaga“ deutlich. Dies ist auch in den Jahrgangsfesten erlebbar, die dem sozialen Zusammenhalt und Miteinander dienen.

Zwei historische Ereignisse 2013/2014 werden in die Zukunft der Stadt hineinwirken und die Lebensqualität wie die Attraktivität verbessern: der Bau des Straßentunnels und die Landesgartenschau.

Der Bau des Umgehungstunnels hat wesentliche verkehrliche Vorteile verbunden mit weniger Stau und damit weniger Umweltbelastungen. Diese Umfahrungsstraße eröffnet zugleich neue städtebauliche Perspektiven für die Innenstadt, vor allem dem historischen Stadtkern. Die baulichen Weichen dazu wurden gestellt und die Bebauung teilweise bereits realisiert. Vor allem wurden auch im Hinblick auf die Landesgartenschau die neu entstehenden öffentlichen Plätze und Erlebnisräume weitgehend fertig gestellt.

Die Landesgartenschau wurde zu einem wesentlichen Impuls, um die Innenstadt als Erlebnisraum aufzuwerten. Die historisch gewachsenen Qualitäten sind jetzt für jedermann besser sichtbar; zugleich ist die historische Innenstadt als großer Gemeinschaftsraum für Begegnungen, für Arbeiten, Wohnen und Leben neu erlebbar. Zum anderen werden durch die Gestaltung der Rems und des Josefsbach das Naturelement Wasser mit der gewachsenen Kultur der Stadt verbunden. Damit eröffnen sich ganz neue öffentliche Erlebnisräume.

Zukunftsperspektiven für Schwäbisch Gmünd 2020

Schwäbisch Gmünd, 2014

Es gibt nur eine Konstante, die der konstanten Veränderung. Diese Veränderungsperspektiven lassen sich nur bedingt vorhersagen, da wir alle von externen Einflüssen abhängig sind, die die Stadt und die Bürgerschaft in vielfältiger Weise berühren, beeinträchtigen und beeinflussen, die wir aber nur wenig steuern können. Dazu gehören vor allem drei globale Entwicklungen:

  • Der Globalisierungsprozess wird sich im 21. Jahrhundert fortsetzen. Die bedeutet immer offenere Grenzen für Waren, Dienstleistungen, Finanzströme, Informationen, aber auch für Menschen. Sie werden vor allem dort hingehen, wo sie für sich und ihre Familien bessere Zukunftschancen sehen. Daraus folgt, dass wir nicht nur in einem globalen Wettbewerb um die Vermarktung der besten Produkte, um Investitionen und Arbeitsplätze stehen, sondern auch einen wachsenden Wettbewerb um die besten Köpfe erleben. Sie werden in die attraktiven Städte gehen, die ihnen hohe Lebensqualität und gute berufliche Chancen versprechen.
  • Der gesellschaftliche Wandel wird sich fortsetzen. Die Stadtgesellschaft wird heterogenen, internationaler und damit bunter mit pluralen Lebensstilen, die zugleich Ausdruck der Individualität in einer freiheitlichen Gesellschaft sind. Wir erleben mehr Single-Haushalte, aber auch mehr Interesse an gesellschaftlicher Teilhabe, Mitwirkung an politischen Entscheidungsprozessen gefördert durch soziale Medien sowie ehrenamtliches bzw. freiwilliges Engagement.
  • Infolge des demografischen Wandels wird die Bürgerschaft nicht nur internationaler und heterogener, sondern auch älter. Dies wird die größte Herausforderung in Deutschland und in weiten Teilen Europas. Die Zahl der älteren nicht mehr Erwerbstätigen nimmt laufend zu; die Zahl der Erwerbstätigen und die Zahl der Kinder und Jugendlichen nimmt laufend ab. Deshalb wird es mehr denn je einen Wettbewerb um junge gut ausgebildete Fachkräfte geben, die die Zukunftsfähigkeit der Stadt als Wirtschaftsstandort sichern. Ansonsten sind die Unternehmen mehr denn je gezwungen, ihre Produktion in die Wachstumsmärkte, vor allem in Asien und Lateinamerika zu verlagern.

Aus diesen drei Entwicklungen folgt: Die Zukunftsfähigkeit hängt wesentlich davon ab, dass es viele Familie mit Kindern gibt, die sich in der Stadt dank einer kinderfreundlichen Stadtgesellschaft wohl fühlen, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut geregelt ist, die Wohnungen erschwinglich sind, das Miteinander der Generationen gelebt wird, gute Bildungschancen für alle eröffnet werden und die Stadt sich durch hohe Lebensqualität dank Kultur und gesunder Umwelt auszeichnet.

Arbeitsplätze dank nachhaltigem Wirtschaftswachstum

Heute leben auf unserem Globus rund 7 Milliarden Menschen. Auch wenn die Bevölkerung in Europa älter wird und schrumpft, so wächst die Weltbevölkerung weiter. Sie wird bis zum Jahre 2020 rund so viele Einwohner mehr haben, wie die gesamte Bevölkerung der EU, nämlich ca. 500 Millionen Menschen. Dieses Bevölkerungswachstum ist ein wesentlicher Treiber für Wirtschaftswachstum. Dies verbindet sich mit dem verständlichen Streben nach besseren Lebensbedingungen der Milliarden von Menschen in Entwicklungsländern, das wiederum weiteres Wachstum nach sich zieht. Umso wichtiger ist es, dass sich Städte wie Schwäbisch Gmünd als „Entwicklungslabor“ für nachhaltiges Wachstum verstehen. Dies vor allem in den Entwicklungsfeldern, die stark nachgefragt sind und deshalb weltweit wachsen werden: Energie, Mobilität, Bauen, öffentliche Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Bildung in einer Wissensgesellschaft.

Um vorhandene Stärken und Möglichkeiten zu erkennen und neue Potentiale zu entwickeln auf der Grundlage der globalen Entwicklungen und Megatrends für wirtschaftliches Wachstum, bedarf es eines umfassenden Ansatzes: ein Stadtentwicklungskonzept, das sich aus sechs Handlungsfeldern ableitet und mit den beteiligten Arbeitsgruppen und im Dialog mit der Bürgerschaft entwickeln lässt: Leben in der Stadt, Miteinander der Generationen und Nationen, Wirtschaft und Arbeitsplätze, Urbanität und Umwelt, Bildung und Wissenschaft, Finanzen und Verwaltung.

 

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