Über das Schwörhaus

Musikschule

Ein Ereignis, von dem am Ende des Mittelalters zum ersten Mal berichtet wird, hat unserem Musikschulgebäude seinen Namen gegeben: Der Schwörtag.Damals wurden alljährlich die Ratsherren und anschließend der Bürgermeister neu- oder wieder-gewählt. Auf diese Wahlen folgte der Schwörtag der ganzen Stadtgemeinde: Die Räte und Zunftmeister versprachen dem Bürgermeister Gehorsam, der Bürgermeister seinerseits schwor, der Stadt Nutzen zu bringen und Schaden von ihr zu wenden. Diese gegenseitige eidliche Verpflichtung war die Grundlage des rechtlichen Zu-sammenhalts der Stadtgemeinde.


Das Schwörhaus steht auf zwei tonnenartigen Gewölben, die eine lange Geschichte hinter sich haben. Diese trugen einst ein romanisches Haus aus der Zeit um 1200, das direkt an der alten staufischen Stadtmauer stand. Sie dienten lange Zeit als Gefängnisse, wovon eingeritzte Inschriften zeugten wie: "Morgen werde ich hinge-richtet wegen Hexerei, 14. Februar 1541". Zu anderen Zeiten wurden dort Marktwa-ren gelagert.

Nach einem Brand im 16. Jahrhundert entstand auf den alten erweiterten Grundmau-ern unser heute bekanntes Haus. Bis ca. 1870 führte an der Nordseite ein zwei-läufiger gedeckter Treppenaufgang direkt in den Schwörsaal hinauf.

In der "Beschreibung des Oberamts Gmünd" von 1870 fanden wir den folgenden Text über das Schwörhaus, das lange Zeit als "Schmalzgrube" bekannt war:

"Die sog. Schmalzgrube bei der Franziskanerkirche, ein sehr schönes, im frühen Renaissancestil massiv erbautes Gebäude; das erste Geschoß ist in sorgfältiger Rustika ausgeführt und mit drei Portalen versehen, über dem mittleren schmäle-ren, reich verzierten ist das Wappen der Stadt nebst großer Inschrifttafel und der Jahreszahl 1589 angebracht.

Im Inneren finden sich noch manche Spuren der frühern Einrichtung, im unteren Stock Gewölbe, im oberen ein durch das ganze Gebäude gehender, von fünf prächti-gen Eichenholzsäulen in der Mitte geteilter Saal.

Die Schmalzgrube ist aus dem von der Stadt erkauften älteren Könisbronner Hof entstanden; das geräumige, mit einem ummauerten Hof versehene Gebäude wurde zur Abhaltung des Schwörtags, an welchem sich die Gemeinde im Hof, der Rath oben im Saal versammelte, und auch sonst zu Gemeindeversammlungen benützt. Eine Gmünder Chronik schreibt: 1308 ist das Steinhaus beim Königsbronner Hof, so vorhin Kai-sers Barbarossa Tag gewesen, erneuert worden mit einem Wappenschild und Jahrs-zahl; wäre diese Notiz beglaubigter und deutlicher, so könnte die Existenz eines Gebäudes worin die Hohenstaufen gelegentlich Hof hielten, nachgewiesen werden. Vom Königsbronner Hof ist wohl glaublich, daß er kaiserliches Gut gewesen und als solches dem Kloster geschenkt wurde.

Im Königsbronner Hof saß der Visirer, d.h. Umgelder und deßhalb wurde er auch der Visirhof genannt; im Jahr 1589 brannte er ab. In dem hierauf 1591 neuerbau-ten Hause wurden unten Gewölbe für Handelsartikel und besonders auch für die Schmalzwage eingerichtet, woraus sich der Name "Schmalzgrube" entwickelte.

Im Saal des "Schwörhofs" führten späterhin die Franziskaner mit ihren Latein-schülern Schauspiele auf und auch jetzt dient das Lokal zum Theater."

Die Geschichte des Hauses im Überblick:

1380 Erste Erwähnung des Hauses
1589-99 Wiederaufbau nach Brand
17. Jh. Schwörhaus
18. Jh. Lateinschule (1756), Theater, Lager
19. Jh. Kaserne, Kohlendepot, Gefängnis, Komödienhaus, Synagoge
ab 1904 Handelsschule
ab 1954 Pestalozzischule
1976 restauriert, seitdem Musikschule

Ulrike Menzel

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