Unen Enkh. Holon

18. September – 22. November 2015

Schwäbisch Gmünd, 2015
Schwäbisch Gmünd, 2015

Ausstellungsansicht: Unen Enkh. Holon

Schwäbisch Gmünd, 2015

Ausstellungsansicht: Unen Enkh. Holon

Holon – unter diesem Titel zeigt der Bildhauer und Grafiker Unen Enkh, der sein Heimatland Mongolei auf der diesjährigen 56. Kunstbiennale in Venedig vertritt, in der Galerie im Prediger eine eigens für den Ausstellungsraum konzipierte und angefertigte Skulptur. Der Freiburger Fotodesigner Bernd Schumacher hat die Ausstellung einrducksvoll in einem Video festgehalten.

Der 1958 geborene Unen Enkh arbeitet mit natürlichen Stoffen, die wesentlich sind für die mongolische Nomadenkultur: Filz und Rosshaar. In Verbindung mit Hanfschnüren, Eisendraht und Kunstharz fertigt er daraus fragile plastische Objekte von sinnlicher Schönheit und einem hohen Maß an Authentizität. In ihrer exotischen Fremdartigkeit und archaischen Materialität stellen sie bewusst Bezüge zur Heimat her, die der Künstler vor über dreißig Jahren verlassen hat.

Eröffnung
Die Ausstellung wird am Freitag, 18. September, um 19 Uhr eröffnet. Der Künstler ist anwesend. Zum Werk spricht Franz Armin Morat vom Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg i. Br.

Eigene künstlerische Sprache
In der Auseinandersetzung mit der Kultur seines Heimatlandes hat Unen Enkh zu einer ganz eigenen künstlerischen Sprache gefunden. Seine oftmals metergroßen Objekte baut der Künstler auf einem Geflecht verknoteter Drähte auf. Das netzartige Drahtgeflecht vernäht er mit Filzstücken. Aus dem widerstandsfähigen und wärmenden Filz, der zugleich leicht und transportabel ist, und dem reißfesten und flechtbaren Rosshaar stellen die nomadisierenden Hirten der Mongolei ihre stabilen und schützenden Zelte her, die Jurten. Der Filz verleiht den Objekten eine teils hautig-borkige, teils brüchig wirkende Oberfläche und lässt sie wie organisch gewachsene Gebilde erscheinen. Die grazile Drahtkonstruktion gibt den Formen etwas Vages und Offenes und ermöglicht fließende Übergänge zwischen der eingefangenen Binnenform und dem Außenraum.

Bündelung des bildhauerischen Vokabulars
In der Ausstellung in der Galerie im Prediger bündelt Unen Enkh sein bildhauerisches Vokabular in der ortsspezifischen Skulptur „Holon“: Darin verkettet er Einzelobjekte und -formen zu einer mehr als 15 Meter langen, trichterförmigen Großform. Im Zentrum des Raumes, wie ein Luftschiff schwebend, wirkt sie zugleich raumgreifend wie auch raumbildend. Der Titel „Holon“ basiert auf einem von Arthur Koestler 1967 geprägten, im Rahmen integraler Theorien lebhaft diskutierten Begriff. Abgeleitet vom griechischen Wort hólos (ganz) ist damit ein Ganzes gemeint, das Teil eines anderen Ganzen ist, auch „Ganzes/Teil“ genannt. Ob bewusst oder unbewusst nehmen die Objekte Unen Enkhs auf holistische Strukturen Bezug. In ihrer einzelnen Präsenz bilden sie in Ausstellungsräumen stets Gruppierungen, beziehen sich aufeinander und stehen miteinander in Dialog. Dieses Miteinander der Einzelobjekte formuliert einen fortlaufenden Prozess, in dem jedes Objekt bereits das Potential zu einer neuen Form enthält.

Dreidimensionale „Zeichnung im Raum“
Wie alle Arbeiten des Künstlers bezieht sich auch die Skulptur „Holon“ auf den Raum. Es geht um Räumlichkeit als Ganzes und um die Balance verschiedener Aspekte, um innen und außen, stabil und fragil, leicht und schwer, hart und weich, natürlich und künstlich. Die unkonventionellen, großteils vergänglichen Materialien – mongolischer Filz, Rosshaar, Hanfschnüre und Eisendraht – geben der Form eine ganz eigene stoffliche Qualität. Sie verweisen in ihrem fragmentarischen Erscheinen auf die Zeitlosigkeit natürlicher Zyklen, auf Werden und Vergehen. Das plastische Liniengefüge des Eisendrahts lässt ein nahezu endlos fortführbares Beziehungsgeflecht entstehen, das sich jeder Begrenzung widersetzt und neue räumliche wie auch zeitliche Relationen eröffnet. Die ganze Arbeit evoziert ein Dazwischen: zwischen fester Form und Flüchtigem, Entschiedenem und Unentschiedenem, Geschlossenheit und Durchlässigkeit. Als raumgreifende, dreidimensionale „Zeichnung im Raum“ ist die Skulptur nur im Wechsel von Fern- und Nahwahrnehmung erfass- und erfahrbar – sie muss ergangen und umschritten werden.
Dieses räumliche Verständnis offenbart die Weltsicht des Künstlers: Sie wurzelt in der schier endlosen räumlichen Weite, die Unen Enkh in seiner Herkunftsheimat Mongolei persönlich erfahren und in der Wahlheimat Deutschland in ihrer Sinnlichkeit zwar nicht wiedergefunden, jedoch in sein künstlerisches Schaffen transformiert hat. Damit werden in der Arbeit von Unen Enkh elementare Fragen berührt wie: „Wo kommen wir her?“, „Was ist eigentlich Heimat?“ und „Was hinterlassen wir?“.

Biografie
Unen Enkh, gebürtig 1958 in der Mongolei, studierte von 1981 bis 1988 an der Hochschule für Angewandte und Bildende Kunst in Prag und an der Hochschule für Bildende Kunst in Budapest, wo er auch das Meisterjahr der Kunstgrafik absolvierte. Seit 1988 lebt und arbeitet Unen Enkh als freier Künstler und Illustrator in Freiburg im Breisgau. Ende der 1990er Jahre verspürte der Künstler, der bis dahin als Maler und Illustrator tätig war, den Wunsch, bildhauerisch zu arbeiten, um den Raum im Dreidimensionalen zu begreifen und nicht mehr lediglich grafisch im Zweidimensionalen zu umschreiben.

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr. Montags geschlossen.

Begleitprogramm
Blaue Stunde: Donnerstag, 29. Oktober, 18 Uhr
Führung: Donnerstag, 12. November, 18 Uhr
Lesung Gmünder Autorenkreis in der Reihe „wortReich“:
Sonntag, 22. November, 15 Uhr (Finissage)

Adresse / Informationen
Museum und Galerie im Prediger
Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon 07171 603-4130
museum@schwaebisch-gmuend.de
www.museum-galerie-fabrik.de

Link
Unen Enkh

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