Schwäbisch Gmünd, 2018

Armin Göhringer. Synapsen

17. Februar – 13. Mai 2018

Schwäbisch Gmünd, 2018

Armin Göhringer. Synapsen, Ausstellungsansicht Galerie im Prediger. Foto © Frank Kleinbach

Schwäbisch Gmünd, 2018

Armin Göhringer. Synapsen, Ausstellungsansicht Galerie im Prediger. Foto © Frank Kleinbachk Kleinbach

Schwäbisch Gmünd, 2018

Armin Göhringer. Synapsen, Ausstellungsansicht Galerie im Prediger. Foto © Frank Kleinbach

Schwäbisch Gmünd, 2018

Armin Göhringer, ohne Titel, 2017, Holz geölt, 92 x 76 x 3 cm. © Künstler

Wenn ein Bildhauer die Kettensäge so virtuos zu handhaben weiß, wie Armin Göhringer, entsteht daraus eine ganz neue, faszinierende Formenwelt. Mit untrüglichem Gespür für den Werkstoff Holz schafft er komplexe, kraftgeladene und zugleich fragile Skulpturen, die nicht sichtbare Phänomene der Natur visualisieren. Abzulesen ist dies vom 17. Februar bis 13. Mai die Galerie im Prediger in der mit „Synapsen“ überschriebenen Ausstellung. Der Titel ist gleichsam programmgebend für das ganze Werk des Künstlers. Denn in Göhringers Skulpturen halten und bedingen sich alle Teile gegenseitig, stehen in einem energetischen Verhältnis. Das Arbeitsprinzip des Künstlers lassen 22 ausgewählte Arbeiten erkennen: elf großformatige, teils überlebensgroße Bodenskulpturen und drei kleinformatige Objekte für Sockel, dazu fünf Wandreliefs sowie drei Papierarbeiten. Die Werke umspannen die Jahre 2004 bis 2017, mithin eine 14-jährige Schaffensphase des Bildhauers. Sieben Arbeiten waren noch nie ausgestellt und sind folglich erstmals zu sehen. Zur Werkschau erscheint eine Broschüre.

Eröffnung
Freitag, 16. Februar 2018, um 19 Uhr
Es sprechen
Julius Mihm, Bürgermeister
Dr. Sabine Heilig, Kunsthistorikerin, Galerie Cyprian Brenner
Dr. Monika Boosen, Leiterin Museum und Galerie im Prediger

Seit mittlerweile über 30 Jahren hat sich Armin Göhringer der bildhauerischen Arbeit mit Holz verschrieben und den Werkstoff zu seinem „Alter Ego“ gemacht. Geboren 1954 in Nordrach (Schwarzwald), gehört er heute zu den führenden Holzbildhauern Deutschlands. In seinen Skulpturen untersucht Göhringer den Holzstamm, dessen Masse, Volumen und Raumbeziehung. Es geht ihm darum, inneren und äußeren Raum sichtbar zu machen. Sein Werkzeug ist die Kettensäge. Die Skulpturen schneidet er aus dem massiven Block: hohe Stelen, die auch in der Landschaft bestehen, raumgreifende Skulpturen unterschiedlichen Formats und Wandarbeiten, wobei er oft bis an die Grenzen des Materials geht. Der spezifische Ausdruck des Holzes bleibt in den Spuren der Säge und kleinen Ausbrüchen erhalten. Die Skulpturen färbt er meist mit schwarzem Pigment ein, teils auch mit Leinöl, um die Ausstrahlung der Werke zu unterstreichen, aber nicht in ihrer naturalistischen, dekorativen Eigenschaft. Denn primär geht es dem Bildhauer um die Form.

Der Schnitt in das Holz erfolgt in einem partnerschaftlich zu nennenden Dialog mit dem Werkstoff, den er als lebendig begreift und der dem Bildhauer „wie ein Bruder“ ist. Beim Sägen ergründet er den Baumstamm. Jeder Baum entwickelt im Laufe seines Wachstums Reaktionskräfte, die sich im Stamm als nicht sichtbare Zug- und Druckkräfte ausbilden. Mit Einfühlungsvermögen spürt den im Holz schlummernden Kräften nach, im tiefen Wissen über die Art, wie sich das Holz angesichts der es bestimmenden Kräfte verhält. Diese sind beim Längsschnitt um ein mehrfaches größer als beim Schnitt quer zur Faser. Besonders die Druckkräfte interessieren den Bildhauer.

Armin Göhringers Skulpturen vereinen lineare und flächige Aspekte – und dies immer in einem spannungsvollen Dialog. Ihre Formgebung basiert auf der Gegenüberstellung von Vertikalen und Horizontalen. Sie bestehen aus der Kombination von Blöcken und umrahmten Leerräumen, von Masse und Luft, von Undurchschaubarkeit und Durchblick, von Materie und Transparenz. Die Arbeiten basierten auf einem Formkonzept, das stets aus einem einzigen Stück Holz realisiert wird. Bestand das Formenspektrum anfangs aus Objekten mit linearen und gitterartigen Strukturen, erweitert sich dies seit 2005 um Arbeiten, die lineare und blockhafte Aspekte vereinen. Dabei reduziert er den Holzstamm auf elementare Formen, auf filigrane, fingerdünne Stäbe und Stege mit Kuben und Quadern als Kopfstück. Die aus dem Block des Stammes wie aus einem Sockel wachsenden dünnen Stäbe übertragen die ihnen innewohnenden Druckkräfte nach außen auf die frei beweglichen Kopfstücke. Aufgrund dieser energetischen Spannung drücken die Stege die Köpfe gegeneinander, so dass im Verbund ein sich gegenseitig stabilisierendes Gesamtgefüge entsteht. Nach diesem Muster sind komplexe Variationen mit oft mehreren, teilweise hängenden Kopfstücken entstanden, mal vertikal, mal horizontal ausgerichtet. „Kopf“ und „Körper“ nennt der Künstler diese Dualität, die sich in den Skulpturen des Bildhauers in einem fein austarierten Gefüge offenbart: von Tragen und Lasten, Druck und Gegendruck, Stabilität und Fragilität, Statik und Dynamik. „Ich selbst bin Regung, Kraft, Wille, Ruhe, Intellekt und Gefühl", sagt Armin Göhringer über die Polarität alles Wesenhaften.

Die Berücksichtigung des Leerraums, die Gleichwertigkeit von Volumen und Raum ist ein entscheidender Aspekt in Armin Göhringers Schaffen. Die durch das Aufsägen des Holzstamms entstehende Leere sieht er als Kraftfeld, als unsichtbares Potential. Das negative Volumen wird zum dynamischen Gestaltungsprinzip und verbindet den immateriellen und den materiellen Raum zu einem energetischen Erlebnis. Skulptur und Raum treten in einen Dialog. Das Licht beispielsweise, das durch die Schwärzung der Holzoberflächen vom Material regelrecht aufgesogen und in die Leerräume der Skulpturen hineingezogen wird, verhilft den Formen zu räumlicher Präsenz und lässt sie im Spiel von Licht und Schatten lebendig erscheinen.
Armin Göhringer ist aber auch Zeichner, wenngleich er als Bildhauer längst seinen Weg gemacht hat. Der flache Bildträger ist ihm unerlässlicher Fixpunkt all seiner künstlerischen Erkundungen. Er schafft es, im Papier ähnliche, vergleichbare und doch eigenständige Wahrnehmungen und Eindrücke wie in den Skulpturen zu erzielen. Und mitunter kombiniert er auch die Materialien. Zu diesem Gestaltungsbereich gehören die reliefartigen Werke, bei denen handgeschöpftes Hanfpapier und Holz verbunden werden. Dabei trägt der Büttenbogen den Abdruck eines vom Künstler bearbeiteten Holzstücks. Dabei wird man gewahr, dass Papier nichts anderes ist als zerronnenes Holz – Holz, das es einmal war.

Zum Künstler
Armin Göhringer studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main (1976-1982). Zunächst der Malerei zugewandt, entdeckte er Mitte der 1980er Jahre die dreidimensionale Arbeit. Nach anfänglich figürlichen Arbeiten fand er zu Beginn der 1990er Jahre zu seiner bis heute gültigen abstrakten Formensprache in Holz. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sowie Preise unterstreichen sein Renommee.

Begleitprogramm
So, 25.3.,15 Uhr: Skulptur wird Klang. Der Berliner Jazzmusiker und Klangkünstler Wilfried Kirner musiziert auf einer Skulptur von Armin Göhringer, der für Gespräche zur Verfügung steht.
Do,12.4.,18 Uhr, Führung
So,13.5.,15 Uhr, Führung (Internationaler Museumstag)

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa, So und Feiertage 11-17 Uhr.
Montags geschlossen, ebenso Karfreitag (30.3.).

Information
Museum und Galerie im Prediger, Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch
Gmünd, Telefon 07171 603-4130, www.museum-galerie-fabrik.de

 

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