Schwäbisch Gmünd, 2017

Bruno Feger. Augenblick, verweile doch

30. September – 26. November 2017

Schwäbisch Gmünd, 2017

Blickfang vor der Galerie: Bruno Feger, Hagebutten 6-8-14, 2014, Stahl, farbig gefasst, 2-teilig

Schwäbisch Gmünd, 2017

Blick in die Ausstellung, im Vordergund: Gräser 12-9-17, 2017, Stahl, 3-teilig

Schwäbisch Gmünd, 2017

Paradiesbaum 16-8-17, 2017, Stahl farbig gefasst, 350 x 165 x 160 cm.

Schwäbisch Gmünd, 2017

Blick in die Ausstellung, links: Blüte 4-3-98, 1998, Holz, farbig gefasst

Schwäbisch Gmünd, 2017

Letzte Worte – mehr Licht, 2013, Stahl, Neon

Dem „Gerade jetzt“, dem Augenblick im steten Fluss von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – ihm Ausdruck zu verleihen, ist das Anliegen des Bildhauers Bruno Feger. Transparent wird Fegers künstlerischer Ansatz vom 30. September bis 26. November in der Galerie im Prediger: Unter dem Titel „Augenblick, verweile doch“ sind ausgewählte Arbeiten zu sehen, die einen Bogen über das Schaffen des Bildhauers spannen. Im Zentrum steht ein neu entstandener Paradiesbaum, Symbol und Träger der menschlichen Träume vom verlorenen Glück wie auch der mythischen Einheit mit der Natur.

Die Ausstellung wird am Freitag, 29. September, um 19 Uhr durch Oberbürgermeister Richard Arnold eröffnet. Zum Werk des Künstlers spricht Dieter Brunner, der ehemalige Ausstellungsleiter der Städtischen Museen Heilbronn. Zur Ausstellung Museumsleiterin Dr. Monika Boosen.

Über Wachsbilder, Blüten in Holz und Stahlworte fand Bruno Feger vor gut 30 Jahren zu seiner in der Reflexion des Themas Natur unverwechselbaren Formensprache. In wochenlanger Arbeit montiert und verschweißt er hunderte fast mosaikhaft kleine, rechteckig geteilte Stahlplättchen, die er zuvor aus einer industriell gefertigten Stahlplatte geschnitten hat, zu großformatigen, teils farbig gefassten Skulpturen: zu Hagebutten, Lilien und Kirschen, zu Gräsern und Tulpen. Dieser Herstellungsprozess ist in Fegers Werk sowohl konstruktiv als auch konstitutiv, geht es im doch darum zu zeigen, dass, wie er sagt „Teilung und Zusammensetzung ein Widerspruch, aber lebensnotwendig sind“. Die Formen der einzelnen Pflanzen erfasst der Bildhauer nicht im Detail, sondern im Gesamt. Er abstrahiert und reduziert sie auf Grundformen und -linien ihres Erscheinens in der Natur, lässt den jeweiligen Urtypus aber erkennen. Im natürlichen Zyklus des Blühens und Verwelkens hält er sie in der Üppigkeit ihres Wachstums fest: in sattem Grün die Gräser, in prall leuchtendem Rot die Hagebutten, Kirschen und Tulpen. Dabei setzt der Bildhauer nicht auf die körperliche Masse, sondern auf die Haut, die Oberfläche der Objekte. Trotzt ihrer monumentalen Größe wirken die Skulpturen leicht. Zugleich visualisieren sie Vitalität, Wachstum und Kraft. Daraus eröffnet sich eine eigentümliche Ambivalenz, entsteht doch Zartes und Vergängliches aus dem harten und dauerhaften Material Stahl.


Bruno Fegers pflanzliche Gebilde entfalten schon durch ihre Größe eine starke Präsenz. Unterstrichen wird diese durch die farbige Fassung, welche die Arbeiten zuweilen erhalten. In ihrer Farbigkeit und monumentalen Ausdrucksstärke lassen sie an Pop-Art denken, insbesondere an die Metamorphosen Claes Oldenburgs, in denen es dem Künstler gelang, die Intensität gewöhnlicher Dinge zu erhöhen und die Kraft der Gegenstände neu anschaulich zu manchen. In ihrer stählernen Materialität, nicht welkend und faulend, verkörpern sie einerseits Beständigkeit und Unvergänglichkeit. Andererseits haben sie vieles gemein mit klassischen Vanitas-Kunstwerken, etwa den Stillleben mit Früchten und Blumen des Barock, die ihre größte Schönheit just in jenem Moment entfalten, in welchem das Welken und Faulen bereits begonnen hat. Damit verweisen sie auf die Zeitgebundenheit alles Seins und darauf, dass Werden nicht denkbar ist ohne Vergehen – dass nur die Vergänglichkeit unvergänglich ist.

Die Skulpturen Bruno Fegers beruhen auf einer intensiven Beschäftigung und einer tiefen emotionalen Berührtheit des Künstlers mit der Natur, mit Pflanzen und Blumen. Es geht ihm um das Verstehen der „von Hingang lebenden Dinge“ (Rainer Maria Rilke), und darum, der unausweichlichen Vergänglichkeit alles Natürlichen eine künstlerische Form zu geben. Dabei dient Bruno Feger die Natur in mehrfacher Weise: zunächst als Ort und Motiv der künstlerischen Inspiration; dann als Vorbild für seine Arbeitsweise und nicht zuletzt als Ort der künstlerischen Präsentation. Gerade die in der Landschaft aufgestellten Skulpturen des Künstlers betonen das ambivalente Verhältnis von Kunst und Natur: Zum einen ist es die Kunst, die Natur, indem sie als Resonanzraum dient, erst zum Sprechen bringt. Zum anderen verweist die künstlerisch hergestellte Situation darauf, dass Kunst verschwundene Natur nicht als Natur zurückholen oder ersetzen kann.

Biografie
Bruno Feger, geboren 1962 in Haslach/Schwarzwald, studierte zunächst Architektur an der Hochschule der Künste Berlin (1982-87), bevor er zur Kunst fand. Heute lebt und arbeitet er in der Nähe von Freiburg im Breisgau, wo er sich in einem Gewerbepark nach eigenen Plänen sowie in eigner Regie und Handarbeit ein Wohnatelier gebaut hat. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Kunstpreis der Stadt Hanau (1998) und der Preis der Stadt Mörfelden-Walldorf (2002). Seit 1989 sind seine Objekte in zahlreichen Ausstellungen zu sehen – vor allem im öffentlichen Raum, wo sie immer wieder große Aufmerksamkeit und Anerkennung finden. Daneben hat er zahlreiche Kunst-am-Bau-Aufträge verwirklicht.

Begleitprogramm
Do, 26.10., 18 Uhr: Führung
So, 19.11, 15 Uhr: Lesung des Gmünder Autorenkreises im Rahmen der Literatutage „wortReich“
Sa, 30.9. und 28.10., 11.15-13.15 Uhr: „JKS@Museum – Dein Kinderkunstwerk des Monats“, in Kooperation mit der Jugendkunstschule. Anmeldung: Gmünder VHS, Münsterplatz 15, Telefon 07171 92515-0

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr. Montags geschlossen.

Adresse / Informationen
Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon 07171 603-4130
www.museum-galerie-fabrik.de

Die Ausstellung wurde gefördert durch
Kreissparkasse Ostalb


 

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