Schwäbisch Gmünd, 2018

Hermann Pleuer. Ein schwäbischer Impressionist

11. März bis 10. Juni 2018

Schwäbisch Gmünd, 2018

Bahnhofshalle im Alten Stuttgarter Bahnhof,1907, Öl auf Karton, 38,5 x 48,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger

Schwäbisch Gmünd, 2018

Abschied am Bahngleis, 1897, Öl auf Leinwand, 121 x 150 cm, Sammlungen Museum im Prediger

Schwäbisch Gmünd, 2018

Einfahrtshalle im Alten Stuttgarter Bahnhof, 1905, Öl auf Leinwand auf Karton, 34,7 x 47,8 cm, Sammlungen Museum im Prediger

Schwäbisch Gmünd, 2018

Vor den Einfahrtshallen des Alten Stuttgarter Bahnhofs, 1907, Öl auf Leinwand, 80,5 x 100 cm, Sammlungen Museum im Prediger

Schwäbisch Gmünd, 2018

Badende Frauen – Mondscheinidylle, 1895, Öl auf Leinwand, 130 x 90 cm, Sammlungen Museum im Prediger

Schwäbisch Gmünd, 2018

Dorfstraße von Beihingen bei Mondschein, 1898, Öl auf Leinwand, 44,5 x 60 cm, Sammlungen Museum im Prediger

Schwäbisch Gmünd, 2018

In der Maschinenhalle, 1902, Öl auf Karton, 42 x 53,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger

Hermann Pleuer, der 1863 in Schwäbisch Gmünd geboren wurde und 1911 mit nur 47 Jahren starb, gehört zusammen mit Otto Reiniger (1863-1909), Christian Landenberger (1862-1927) und Heinrich von Zügel (1850-1941) zu den wichtigsten Vertretern des Impressionismus in Süddeutschland. Weithin berühmt wurde er durch seine Eisenbahnbilder, die »hinter Monets Bildern der Gare Saint-Lazare nicht zurückstehen« (Julius Baum). Hermann Pleuer war jedoch nicht nur der »Maler der Eisenbahn«, wie er oft verkürzt dargestellt wird. Darüber hinaus hat er im Figurenbild mit Badenden im Mondschein und im Landschaftsbild mit Motiven vornehmlich seiner Heimat hervorragende Werke geschaffen.

Mit 62 Gemälden gibt die Ausstellung einen vertiefenden Einblick in alle Schaffensphasen des Künstlers. Ausgangspunkt bildet der gesamte, mittlerweile 31 Gemälde umfassende Werkbestand in den Sammlungen des Gmünder Museums. Substantielle Unterstützung findet die Ausstellung durch Leihgaben aus dem Besitz der Stiftung Schloss Fachsenfeld, des Kunstmuseums Stuttgart, der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen sowie aus Privatbesitz.

Hermann Pleuer wurde als Sohn eines Goldwarenfabrikanten geboren. Nach dem Besuch der Stuttgarter Kunstgewerbeschule (1879-1881) und der Stuttgarter Kunstakademie (1881-1883) folgte von 1883 bis 1886 ein Studium an der Kunstakademie in München bei Prof. Otto Seitz.
Seine Malerei ist geprägt von einer realistischen Grundhaltung und der Wirklichkeitstreue der Farben und Töne. Sein Frühwerk von 1886 bis 1893 charakterisieren Interieur- und Aktdarstellungen sowie Porträts und Bilder der Stuttgarter Künstlerboheme. Vorherrschend ist eine an die Gegenstandsformen gebundene, glättende Malweise, in der die Farbe fast aufgezehrt wird von der kühlen Schönheit grauer, dunkler Tonwerte, die Figuren und Formen erst bei näherem Hinsehen zu erkennen geben. Schon die Bilder dieser ersten Periode offenbaren das formale Urthema, das Hermann Pleuers ganze Malerei durchzieht: das Streben, Licht aus tiefem Dunkel entstehen zu lassen.
In einer zweiten Phase von 1893 bis 1900 treten Mondscheinidyllen in den Vordergrund, in denen sich der realistische Grundton auflockert. Es sind Nachtlandschaften im Mondschein, in denen Pleuer den nächtlichen Zauber einsamer, licht- und schattendurchsponnener Dorfstraßen oder das Motiv badender Frauen an einem Weiher in nuancenreichen, weich schimmernden Grün- und Blautönen ausbreitet. Dabei verzichtet er auf unerhebliche Details, fasst sie zu Hauptformen zusammen und spielt, wie das Mondlicht, mit den farbigen Tonwerten auf den Dingen. In dieser Phase malt Pleuer auch erste Pleinair-Landschaften, die von einem atmosphärischen Lichtspiel, einer hellen Palette und einem lockereren Pinselstrich getragen werden.
Die dritte Phase bestimmt die Entfaltung des Themas Eisenbahn, zu dem das erste Bild 1896 entstand. Die kompromisslose Aufrichtigkeit, mit welcher er sich dieser Motivwelt bemächtigt, ist beispielhaft für die Kunst jener Tage und erlangte gerade deshalb bleibende Geltung und Bedeutung. Pleuer wird der einzige deutsche Maler bleiben, der die Reize des Eisenbahnbetriebs entdeckt und malerisch durchdrungen hat.
Die Motive fand er im Umfeld der Reparaturwerkstätten am Stuttgarter Nordbahnhof und des alten Stuttgarter Bahnhofs. In zahlreichen Gemälden, bei Regen und Schnee, bei Sonnenschein und Nacht, aus der Vogelschau oder der Perspektive eines Schwellenlegers – immer wieder umkreiste er dieses Sujet. Dabei interessierte ihn der farbige Schein der Dinge weniger als ihr Wesen, das sich dahinter verbirgt. Freilich lag ihm auch daran, die vielen Möglichkeiten, die dieses Thema bietet, auszuschöpfen: den Glanz der spiegelglatten Schienen, den Dunst der staubgeschwängerten Luft, die Brechung und Verfärbung des Lichts im aufwirbelnden Dampf der Lokomotiven. Während in den frühen Eisenbahnbildern der 1890er Jahre das Dunkle noch überwiegt, lichten sich in den späteren Werken die Farben. Nur mittelbar aus dem Gegenstand gewonnen, leben Pleuers Eisenbahnbilder aus dem elementaren Gegeneinanderströmen von schweren opaken Farbmassen und transparenten farbigen Tönen, aus der Spannung von statischen und dynamischen Momenten und nicht zuletzt aus dem großzügig in Szene gesetzten Spiel von mit breitem Pinsel gesetzten Rhythmen, welche die Fläche in Atem halten. Die späten Eisenbahnbilder bekunden am ehesten Pleuers Verbindung zum französischen Impressionismus, freilich ohne flirrendes Farbspiel und ohne jemals eine Formauflösung anzustreben. Sie bilden den Abschluss einer langen und weitgespannten Entwicklung, die von Anbeginn im Zeichen einer sich stets erneuernden Auseinandersetzung mit der Realität stand.

Hermann Pleuer mußte zeitlebens um Anerkennung ringen. Erst durch das Mäzenatentum von Franz Freiherr von Koenig-Fachsenfeld, den er 1896 kennenlernte, besserten sich seine äußeren Lebensbedingungen und ab 1900 wuchs auch das Verständnis für seine Malerei. In seinem Nachruf auf den frühen Tode des Künstlers 1911 schrieb Theodor Heuss:
»Dessen aber sind wir gewiß: in 20 und 30 Jahren, wenn sich die Bäche der neuesten Kunstmacherei und -rederei verlaufen haben, wird man seinen Namen nennen unter den wenigen großen Malern, die aus unseren Tagen der Zukunft gehören.«

Begleitprogramm
Führungen
Öffentliche (ohne Voranmeldung):
Sonntag, 25.3., 22.4,10.6. (Finissage), jeweils 15 Uhr
Sonntag,13.5. (Internationaler Museumstag),16 Uhr
Donnerstag, 5.4. und 24.5., jeweils 18 Uhr

Exklusiv für Mitglieder des Gmünder Museumsvereins:
Dienstag, 20.3.,19 Uhr

Führungen für Gruppen und Schulklassen
nach Voranmeldung, Telefon 07171 603-4130

Für Kinder und Jugendliche
In Kooperation mit der Jugendkunstschule
Eine Reise ins Blaue – Freies Malen
im (Groß-)Eltern-Kind-Workshop, 6-9 Jahre
Samstag,17.3.,14-17 Uhr, Jugendkunstschule im Kepplerhaus

Dein Kinder-Kunstwerk des Monats
Samstag, 28.4.,11.15-13.15 Uhr, 8-14 Jahre,
Treffpunkt: 10.50 Uhr Jugendkunstschule im Kepplerhaus
Anmeldungen: Gmünder VHS, Telefon 07171 92515-0
Weitere Angebote der Jugendkunstschule:
www.gmuender-vhs.de/Jugendkunstschule

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14 -17 Uhr, Do 14 -19 Uhr,
Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr. Montags geschlossen,
ebenso Karfreitag (30. März) und 3. Mai. Oster- und
Pfingstmontag wie feiertags.

Eintritt
4,50 Euro / 3,50 Euro / Kinder und Jugendliche (bis 18)
sowie Inhaber Museums-Pass-Musées frei

Information
Museum und Galerie im Prediger
Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon 07171 603-4130
www.museum-galerie-fabrik.de

Für die finanzielle Unterstützung danken wir
Eduard-Dietenberger-Stiftung
Kreissparkasse Ostalb

  Flyer zur Ausstellung zum Herunterladen  (PDF-Datei, 0,47MB)
 

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