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Tagebuch

Auswahl: Vorbereitung • Tag: 010203040506070809101112Abschluß

Abschlußbericht

von Hermann Gaugele

Europa wir(d) kommen!

Wieder ist ein Schüleraustausch erfolgreich zu Ende gegangen. Der fünfte, der inzwischen seit 1995 vom Gmünder Jugendhaus, mit Schülerinnen und Schülern aus Schwäbisch Gmünd und Umgebung, organisiert worden ist. Eine 18-köpfige Reisegruppe war vom 21.05. bis 01.06.2004 zu Gast in Sile am Schwarzen Meer, unweit von Istanbul, herrlich untergebracht im 4 Sterne Grand Hotel mit einem traumhaft, schönen, hauseigenen Pool, in unmittelbarer Nähe vom Strand und dem malerischen Fischerhafen des Ortes. Zum ersten Mal mit dabei, Macher und Schreiberlinge des Jugendportals, inklusive der benötigten technische Ausrüstung um den Austausch vor Ort zu dokumentieren.

Zunächst war alles wie gewohnt. Unterkunft und Verpflegung passten, die Gastfreundschaft der Türken war wieder einmal sprichwörtlich und auch in diesem Jahr aller Orten spür- und erfahrbar. Alte Freunde haben uns begrüßt und besucht, die Neuen ebenso willkommen geheißen, der Gruppe ein Gefühl von Heimat, Geborgenheit und Nähe vermittelt.

Das Besuchsprogramm war scheinbar wie gewohnt. Aber eben nur scheinbar.

Die Details machten den Unterschied. Ein Besuch in einer privaten Universität, die in den letzten zwei Jahren am Ortsrand von Sile gebaut worden war, lieferte Hinweise und  vermittelte viel von dem »neuen« Lebensgefühl und der »Aufbruchsstimmung« der Türken:

Speziell ausgerichtet auf die Belange des europäischen Marktes, werden vor allem Fremdsprachen, BWL und VWL gelehrt, für alle die es sich leisten können. 4000 $ kostet die Studiengebühr pro Jahr. 300 Studierende sind es im Moment. An Bewerbern herrscht dennoch kein Mangel. Die Anlage soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden und am Ende bis zu 3000 Studierenden Platz bieten. Dies hat natürlich Auswirkungen. Großzügige Anlagen, neue Gebäude und modernste Ausstattung kennzeichneten das Bild der Universität. Auch für die Kommune fällt da natürlich etwas ab.

Die Straßen zur Stadt sind tadellos in Ordnung (bisher oft noch die Ausnahme in der Türkei).

Ein modernes Management, gepaart mit der für die Türken typischen Freundlichkeit, rundete das Bild ab. Wir waren sehr beeindruckt. Interessant in diesem Zusammenhang, ist auch die Tatsache, dass die Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd etwa zur selben Zeit gleichfalls einen Besuch an der Universität Siles unternahm. Dabei ging es um ein konkretes Kooperationsprojekt zwischen deutschen und türkischen Studenten.

Verantwortliche im Landratsamt und Rathaus, die speziell für den Aufenthalt unserer Gruppe zuständig waren, sind uns diesmal offiziell zugeteilt worden und betreuten uns intensiver als gewohnt. Gemeinsam wurde am ersten Abend ein schriftliches Besuchsprogramm ausgearbeitet. Für den Transport der Gruppe war gesorgt. Busse der Universität, vom Bürgermeister und Landratsamt, standen für die verschiedenen Ausflüge kostenlos zur Verfügung.

Hätten es einige der »Türkeineulinge« nicht angesprochen, wäre es den restlichen Mitreisenden gar nicht oder vermutlich erst später  aufgefallen, dass sich in der Türkei scheinbar ein Wandel vollzieht. Die Marschrichtung heißt Europa. Nachdem bei den vergangenen Besuchen die Kommunikation vorwiegend in türkischer Sprache ablief und die Schülerinnen und Schüler Gmünds, die des Türkischen mächtig waren übersetzen mussten, konnten die Gespräche diesmal in englischer Sprache geführt werden.

Auch den Jugendlichen fielen die verstärkten Bemühungen unserer türkischen Gastgeber auf. Bürgermeister und Landrat hatten unsere Gruppe ins beste Restaurant der Stadt, zum Empfang und zur Verabschiedung eingeladen.

Eines der Hauptanliegen der Organisatoren des Jugendhauses ist es auch andere Gmünder Gruppierungen oder Institutionen aus Schwäbisch Gmünd für einen Austausch mit Sile zu bewegen. Waren beim vergangenen Besuch im Jahre 2002 die Vertreter der Gmünder Schulen angesprochen und beim Austausch dabei, so waren in diesem Jahr erstmals Mitglieder des Musikvereins Herlikofen bei der Reisegruppe, um den beim Gegenbesuch des Jugendorchesters von Sile, im vergangenen Jahr in Schwäbisch Gmünd entstandenen Kontakt,

zu vertiefen. Mit im Gepäck hatten die »Herliköfer« als Gastgeschenk eine Trompete und die Einladung zum 75 jährigen Jubiläum im Juli 2005.

Wenn alles klappt, werden im nächsten Jahr wieder 25 Musikanten aus Sile ca. eine Woche

in Schwäbisch Gmünd verbringen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits nach den Sommerferien an.

Zieht man ein Fazit, so kann man diesen Austausch wieder einmal als großen Erfolg bezeichnen. Eines der großen Ziele war es, Brücken zwischen zwei so unterschiedlichen Völkern zu bauen. Dass die Türken darin wahre Meister sind, wissen wir schon lange.

Dies haben wir nicht nur bei der Fahrt über den Bosporus sehen können.

Seit vielen Jahren leben sie als »ehemalige« Gastarbeiter und Mitbürger in Deutschland, als Pendler kehren sie in den Ferien immer wieder in ihre »Heimat«, die Türkei zurück.

Gerade im direkten Umgang mit uns und bei den persönlichen Begegnungen, haben sie sich bei diesem Besuch als wahre Meister des Brückenbaus erwiesen. War ein Abwarten oder eine kleine Distanz in der zwischenmenschlichen Begegnung spürbar oder waren die deutschen Besucher wie gewohnt eine Spur zu kühl, die entwaffnende Freundlichkeit und Wärme der Türken schafften sofort ein ganz persönliches Gefühl der Beziehung und Nähe.

Bleibt zu hoffen, dass dieser Austausch weiter fortschreitet und die Bemühungen durch intensivere Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland belohnt werden.

Wer sich einen Eindruck vom deutsch-türkischen Schüleraustausch machen möchte,

kann dies auch weiterhin im Internet unter www.jugendportal-gd.de tun.

Deutsch-Türkischer Schüleraustausch 2004