
Seit etwa 150 Jahren ergänzen die Gmünder Altersgenossenvereine die lange Reihe der schwäbischen Traditionen. Auch wenn es bei den zahlreichen Festen, Ausflügen und Veranstaltungen sehr beschwingt und lustig zugeht, steckt hinter all der guten Stimmung und der lockeren Atmosphäre doch ein ernster Hintergrund. Schließlich stellte der Dichter Taddäus Troll bereits vor vielen Jahren die These auf, dass ein Schwabe mit 40 Jahren „gscheit“ werden würde. Das gilt es selbstverständlich zu feiern und so gründen Jahrgangskameraden meist mit 30 Jahren ihren eigenen AGV. So gibt es ab dem zweiten Juniwochenende jedes Jahr was zu feiern, denn dann beginnen die Festlichkeiten. Erst zelebrieren die 40er ihre Gscheitheit, in der Woche darauf feiern dann die 50er und so geht das weiter bis zu den 80ern.
Der erste schriftlich belegte Jahrgangsverband geht auf das Jahr 1863 zurück. Im bald darauf folgenden 20. Jahrhundert wurde fleißig weitergefeiert, die einzige Unterbrechung stellte der 2. Weltkrieg dar. Es ist eine erstaunliche Leistung der beharrlichen Gmünder, dass sie diesen aufwendigen Brauch, der zwei schreckliche Kriege überdauert hat, bis heute fortsetzen – schließlich muss dazu jedes Jahr ein neuer Verein gegründet werden, was eine gute Organisierung und auch ein wenig Disziplin voraussetzt.
Natürlich gibt es in den Vereinen neben den Jahrgangsfesten auch andere Aktivitäten. So geht man, je nach Alter, auch mal gemeinsam ins Kino, macht kleinere Städtereisen oder Weinproben und ab und zu trifft man sich auch in einem der zahlreichen Wirtshäuser unserer Stadt. Leider schrumpft die Zahl der AGV-Mitglieder langsam, aber stetig; das ist ein echtes Problem, da man immer eine Mindestanzahl an Leuten benötigt, um die Unkostenbeiträge niedrig und die Säle oder Busse voll zu halten. Um die Gründung neuer Vereine mit vielen Mitgliedern zu koordinieren wurde im Millenniumsjahr deshalb 2000 ein Dachverband gegründet.
Florian Klei