Rolf Szymanski und Emil Schumacher.

Rolf Szymanski und Emil Schumacher. Ein Bildhauer und ein Maler im Dialog

10. September – 28. November 2004
Ausstellungsansicht: Rolf Szymanski und Emil Schumacher. Ein Bildhauer und ein Maler im Dialog © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Ausstellungsansicht: Rolf Szymanski und Emil Schumacher. Ein Bildhauer und ein Maler im Dialog © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Emil Schumacher (geb. 1912, gest. 1999) und Rolf Szymanski (geb. 1928 und in Berlin lebend) kannten sich insbesondere aus ihrer gemeinsamen Zeit an der Berliner Akademie der Bildenden Künste. Dass das Werk dieser beiden herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des späten 20. Jahrhunderts mehr verbindet, als man vermuten könnte, ist in beeindruckender Weise in der Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd zu sehen: Gezeigt werden 24 klein- bis großformatige Skulpturen von Rolf Szymanski aus den 60er bis 90er Jahren und 33 Gouachen, Zeichnungen und bisher noch nicht gezeigte Aquatinta-Blätter von Emil Schumacher, die die 70er bis 90er Jahre umspannen, darunter einzigartige Reiseskizzen aus dem Irak, aus Marokko und Tunesien. Auf einen allgemeinen Dialog hin ausgerichtet, ermöglicht die Ausstellung in einmaliger Weise die Begegnung zweier künstlerischer Positionen.

Rolf Szymanski gehört zu den prägenden, figurativ arbeitenden Bildhauern der Gegenwart, Emil Schumacher ist der wichtigste Vertreter des deutschen "Informel", dessen Werk in der europäischen Kunstgeschichte nach 1945 eine herausragende Stellung einnimmt. Während Emil Schumacher von der Abstraktion ausgeht und Gegenständliches nurmehr assoziiert wird, ist das bei Rolf Szymanski umgekehrt: seine Bildhauerei geht von der Gegenständlichkeit aus und variiert die Form bis hin in abstrakte Formationen.

Zu den Grundvoraussetzungen im Werk beider Künstler gehört eine kraftvolle, eruptive Spontaneität, in der Zufall, Emotion und Veränderbarkeit eine Rolle spielen. Beide bauen ihre Arbeiten auf dem kubistischen Prinzip der Collage auf und integrieren darin Fundstücke – ob Objekte oder Literarisches. Und gemeinsam ist Szymanskis Plastiken wie Schumachers Bildern die lebendige Strukturierung der Oberflächen.

Im Zentrum von Szymanskis Kunst steht das Menschenbild – und hier fast ausschließlich die weibliche Figur, bei der er von einem Kern ausgeht, den er nach außen hin in klumpige Formationen auflöst. Die aus Gips oder Ton entstehenden Plastiken leben von den Modellierungsmöglichkeiten, die sich vor allem im Übereinanderspachteln und Aufschichten mit Gips ermöglichen: Additiv und fragmentarisch zusammengesetzt, schrundig und krustig an der Oberfläche, verdichten sich in Szymanskis Figuren facettenhaft verschiedene Sichten und Ansichten zu einem Gesamtbild mit Brüchen und Sprüngen, hin zu einer amorph erscheinenden Masse.

In Schumachers Werk spielt die Natur eine bedeutende Rolle, auch wenn sich das Sichtbare nicht unbedingt und vordergründig im Bild niederschlägt; Natur ist Emil Schumacher, wie er einmal formulierte, "… nur der Anlass, das Hintergründige darzustellen": Landschaft und Menschen, Tiere und Pflanzen sind die Themen, die sich aus einem informellen Gestus heraus als offene Formkürzel konkretisieren und häufig die gesamte Bildinszenierung bestimmen. Linie und Fläche bilden in Schumachers Bildern ein komplexes, klar strukturiertes wie spontan-improvisatorisch angelegtes Spannungsfeld, innerhalb dessen insbesondere die Linie Akzente setzt und im Zusammenspiel mit der Farbe und teils "kunstfremden" Elementen wie Erde, Sand, Textilien u.a.m. Form und Raum definiert.

Ausstellungsansicht: Rolf Szymanski und Emil Schumacher. Ein Bildhauer und ein Maler im Dialog © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
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