David Nash.

Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen

21. September – 26. November 2006

Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

"Holz ist mein Lehrer und es leitet mich", sagt der britische Bildhauer David Nash. Der 1945 geborene Künstler gehört zu den weltweit bedeutendsten Bildhauern der Gegenwart; zugleich ist er einer der meistbeachteten Vordenker und Akteure der internationalen Land-art.

Die Ausstellung in der Galerie im Prediger, auf dem Johannisplatz und in der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd zeigt rund vierzig Wand- und Bodenarbeiten, Reliefs und monumentale Skulpturen des Künstlers; ein großer Teil der Arbeiten ist eigens für die Gmünder Schau entstanden. Mit der Präsentation wird Nashs exzellentes bildhauerisches Können mit „seinem Material“ Holz ebenso ins Blickfeld gerückt wie die vielfältigen inhaltlichen Bezüge zu seinem Umfeld.

Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

Die Arbeiten richten das Augenmerk vor allem auf Nashs Auseinandersetzung mit den Themen Natur und Wachstum, Vergänglichkeit und Spiritualität. Dies kommt zum einen schon im Ausstellungstitel zum Ausdruck: Er thematisiert die natürlichen plastischen Dimensionen im Wachstum von Bäumen – das der Stämme, der Äste und Wurzeln. Anschaulich werden so Nashs Denk- und Arbeitsprinzipien, die Kunst in die Natur und deren Wachstumsprozesse zurückkehren lassen. Zum anderen zeigen sich Nashs künstlerische Ansätze und Vorstellungen auch in der Ausstellungskonzeption, in die nicht nur der Galerieraum einbezogen ist: Die Arbeiten im einstigen Langhaus der ehemaligen Dominikanerkirche stehen darüber hinaus im unmittelbaren Dialog mit Skulpturen, die vis à vis auch in der Johanniskirche zu sehen sind – der spätromanischen, ältesten noch erhaltenen Kirche Gmünds. Die Verbindung zwischen beiden Ausstellungsräumen vermittelt eine Kugel-Skulptur, die während der Ausstellungsdauer auf dem Johannisplatz präsent ist.

Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

Wie wohl kein anderer Bildhauer unserer Zeit hat sich David Nash der bildnerischen Auseinandersetzung mit dem Holz verschrieben. Seit 1967 lebt er in der rauen Gegend von Nord-Wales, wo neben Einzelskulpturen vor allem auch Arbeiten in der und für die Landschaft entstehen. Stets von Neuem inspiriert wird David Nash durch die Landschaft, die ihn rund um den Snowdonia National Park umgibt: mit ihren strukturreichen Schieferbergen, der nahen Conwy-Mündung der Irischen See und den strengen klimatischen Bedingungen. Auf seine innovative Kraft in Verbindung von Kunst und Natur haben zahlreiche Einzelausstellungen in Europa, den Vereinigten Staaten und Ostasien verwiesen. Werke im öffentlichen Raum befinden sich in Belgien, Dänemark, England, Finnland, Frankreich, Japan, Niederlande, Schottland, den Vereinigten Staaten, Wales und nicht zuletzt in Schwäbisch Gmünd. Hier nimmt vor dem Chor der Augustinerkirche die Arbeit "Black Cross" ein "Zwiegespräch" mit der benachbarten Sakralarchitektur auf.ormte Körper "aus den Fugen" gerät.

Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

Das Werk von David Nash ist bestimmt von zyklischen Ganzheitsvorstellungen. Holz ist dabei sein bevorzugter Werkstoff, das er mit Sägen, Eisen und durch Feuer und Wasser bearbeitet. Dabei sucht Nash nach Formen, die allgemeinverständlich sind. Grundlegende Bausteine seiner Skulpturen sind geometrische Basiselemente: Pyramide, Kugel und Würfel besitzen für David Nash eine innere Klarheit und Würde, vor allem dann, wenn ihre Erscheinung allein auf diese abstrakte Grundform reduziert wird. Mit der Kugel, der Pyramide und dem Würfel sind jene geometrischen Basiselemente benannt, auf die David Nash sein plastisches Werk immer wieder neu und anders fokussiert. Es sind die drei Grundbausteine der abstrakten Formen, die symbolisch für Bewegung, Richtungsgebung und Bodenständigkeit stehen. Ähnlich sinnbildlich ist der Titel der Ausstellung zu verstehen: "Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen". Der Baumstamm wächst in die Länge, die Äste in die Breite, und die Wurzeln in die Tiefe. Damit ist die Dreidimensionalität auf den Punkt gebracht, am Beispiel des natürlichen Wachstums seines Materials: dem Baum.

Die Form gestaltet Nash im Einklang mit der Struktur des Holzes. Auf der Suche nach einer Einheit zwischen der Vorgabe durch die Natur und den Bearbeitungsmöglichkeiten des Holzes, nimmt der Künstler sich selbst zurück, um der Natur den Vortritt zu lassen. Die natürliche Gestalt des Wachstums berücksichtigt er in seinen Werken ebenso, wie er die naturgegebenen Veränderungen des Werkstoffes nach der Bearbeitung – durch Reißen, Verbiegen und Verfärben – als Bestandteil seiner Arbeit ansieht. Die Intervention durch den Künstler wird deutlich sichtbar, die Lebendigkeit und Ursprünglichkeit des Materials bleiben jedoch erhalten. Auch im Zustand der geformten Skulptur entfaltet sich das Potential der Natur, wenn starre, geometrische Formen allmählich beginnen, sich während des Trocknungsprozesses zu verlebendigen und der klar geformte Körper "aus den Fugen" gerät.

Installationsansicht »David Nash. Trunks Thicken, Branches Lengthen, Roots Deepen«, 21. September bis 26. November 2006 Galerie im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
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