Walter Giers.

Schlüsselwerke/Sammlerstücke

10. Mai – 5. Augustl 2007

Walter Giers, Kleine blaue Musik, 1990, Elektronik, Acrylglas, Holz, Museum im Prediger, Dauerleihgabe des Landes Baden-Württemberg. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

"Die Lichtkunst von Walter Giers – obwohl strategisch durchdacht und ästhetisch organisiert – sie vibriert, sie schubst, öffnet, entfacht. Sie ändert eine Art zu sehen, verbindet sich mit dem Denken, ist kaum mit Worten zu fassen und ist dennoch kein Traum." So würdigt kein Geringerer als der Stuttgarter Gestalter Kurt Weidemann die Kunst des Gmünder Medienkünstlers Walter Giers. Vom 10. Mai bis 5. August präsentiert die Galerie im Prediger "Schlüsselwerke/Sammlerstücke" des Künstlers – und ehrt Walter Giers damit zum 70. Geburtstag. Zu sehen sind insgesamt 25, aus verschiedenen Schaffensperioden stammende Arbeiten, die sich heute in weithin bekannten Ausstellungshäusern und Sammlungen (u.a. ZKM Karlsruhe, Museum Ritter, Daimler-Chrysler Kunstbesitz) und in Privatbesitz befinden. Ergänzt wird die Ausstellung in der Galerie im Prediger durch Arbeiten aus dem Bestand des Gmünder Museums und durch großformatige Objekte, die den Prediger-Innenhof mit einbeziehen.

Walter Giers, 1937 im pfälzischen Mannweiler geboren und in Schwäbisch Gmünd zuhause, gilt als Pionier der so genannten "electronic art". Schon früh stieß er mit seinen mal hintergründig-witzigen, mal poetisch-meditativen elektronischen Objekten in Bereiche vor, die traditionelle Gattungsgrenzen sprengten und erweiterten. Von 1992 bis 1993 lehrte Walter Giers an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Im Jahr 1995 gründete er in Schwäbisch Gmünd das Büro "Licht und Klang im öffentlichen Raum", das nicht nur für weltweit konzipierte Lichtinstallationen, sondern auch für experimentelle Musikprojekte und ausgezeichnetes Industriedesign steht. So wurde das Beleuchtungssystem für den Schwäbisch Gmünder Marktplatz 2001mit dem „Product Design Award“ ausgezeichnet. Mit Einzelausstellungen war Walter Giers in zahlreichen Museen vertreten, u.a. in Saarbrücken, Stuttgart, Amsterdam, München, Köln und Toronto. Als „visionäres Multitalent“, das in seiner Arbeit den Lichtkünstler, Designer, Jazzmusiker, Komponisten und Regisseur vereint, wurde er 2003 von der Kunststiftung Baden-Württemberg mit dem renommierten Maria Ensle-Preis ausgezeichnet.

Walter Giers, Kleine blaue Musik, 1990, Elektronik, Acrylglas, Holz, Museum im Prediger, Dauerleihgabe des Landes Baden-Württemberg. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
Walter Giers, Mr. Brabbel, 1968, Teile eines Röhrenradios, bemalt, geschäumtes Polystyrol, Drähte, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

Die elektronischen Kunstobjekte von Walter Giers sollen vor allem eines: den Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes "ansprechen". Seit vier Jahrzehnten arbeitet er an teils stärker bildhaft teils skulptural erscheinenden "elektronischen Spielobjekten", wie Walter Giers seine Arbeiten einmal genannt hat. Aus optischen und akustischen Elementen technischer Bausteine kreiert er ein Instrumentarium immer wieder neuer Klang-, Licht-, Bewegungs- und Dialog-Erlebnisse: wie "Mr. Brabbel" (1968), "Musik für 64 Lautsprecher" (1976) oder "Kleine blaue Musik" (1990). Die Qualität der so entstandenen Objekte liegt zum einen im hohen ästhetischen Reiz ihrer formalen Zusammensetzung – vom Plexiglas, das mal monochrom mal mehrfarbig ist, den elektronischen Bauteilen, Sendern, Empfängern, Transistoren, Verstärkern oder unzähligen Glühlämpchen. Zum anderen in den kurzen Lichtfolgen, zufallsgenerierten Klangsequenzen oder Sprachfragmenten, die beim Betrachter Erlebnisse, Erfahrungen und Emotionen auslösen. Viele Arbeiten sind durch Zufallsgeneratoren gesteuert. Durch die immer neuen Variationen eines komplexen elektronischen Innenlebens entwickelt sich eine eigensinnige, nicht vorher geplante Eigendynamik, die unabhängig aus sich selbst heraus bestehen kann.

Walter Giers, Mr. Brabbel, 1968, Teile eines Röhrenradios, bemalt, geschäumtes Polystyrol, Drähte, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
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