Feine Früchtchen.

Obst in illustrierten Pflanzenbüchern und moderner Kunst

27. Juni – 13. Oktober 2019

Paul Signac (1863-1935), Stillleben mit Obstschale, um 1920, Kohle und Aquarell auf Papier, 20,7 x 29,1 cm, Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg. Foto: Glynn Clarkson

Passend zur Remstal Gartenschau greift das Gmünder Museum in den Obstkorb: „Feine Früchtchen“ titelt die Ausstellung, die sich vom 27. Juni bis 13. Oktober der Darstellung von Obst in Buchillustrationen des 19. und 20. Jahrhunderts im Dialog mit moderner Kunst widmet. Hinter den rund 30 Exponaten stehen Leihgaben der Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg, der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart und des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd. Diese Arbeiten ergänzen Werke aus dem Sammlungsbestand des Museums.

Paul Signac (1863-1935), Stillleben mit Obstschale, um 1920, Kohle und Aquarell auf Papier, 20,7 x 29,1 cm, Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg. Foto: Glynn Clarkson
Reinette jaune, altkolorierter Kupferstich: Unterhaltungen aus der Naturgeschichte des Pflanzenreichs Teil 4, Augsburg 1812, © Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Durch die naturgetreue Illustration von Früchten entstanden an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst über Jahrhunderte prachtvoll gestaltete botanische Werke, die unseren Blick auf die Natur erweiterten. „Die Baumzucht im Großen“ von Johann Caspar Schiller aus dem Jahr 1795 etwa gilt bis heute als wichtiges Standardwerk des Obstbaus, das nicht zuletzt durch die gestochenen farbigen Aquarelle seiner Tochter Christophine fasziniert. Ein ebensolches Zeitdokument und Werk von Gültigkeit ist die 1858 von Eduard Lucas herausgegebene „Sammlung vorzüglicher Apfel- und Birnsorten“, deren Illustrationen durch ihre Ästhetik und Genauigkeit beeindrucken. Die Ausstellung zeigt diese bibliophilen Schätze als Leihgaben der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.

Die enge Wechselwirkung von Kunst und Wissenschaft dokumentieren ferner acht Bände aus der Werkreihe „Unterhaltungen aus der Naturgeschichte“, die seit 1792 vom Augsburger Verleger Gottlieb Tobias Wilhelm (1758-1811) veröffentlicht und mit üppigen Illustrationen namhafter Augsburger Kupferstecher versehen wurden; sie werden als Leihgaben aus dem Bestand des Gmünder Stadtarchivs präsentiert.

Reinette jaune, altkolorierter Kupferstich: Unterhaltungen aus der Naturgeschichte des Pflanzenreichs Teil 4, Augsburg 1812, © Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd
Rainer Fetting, Äpfel aus Karwe III, 1993, Öl auf Leinwand, 121 × 171 cm. Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg © Rainer Fetting.

Ein veränderter Blick auf die Natur sowie reizvolle Bezüge und Kontraste eröffnen sich im Dialog der Buchillustrationen mit Werken der modernen und zeitgenössischen Kunst aus der Sammlung Dr. Rainer Wild, Die Sammlung des Unternehmers, Wissenschaftlers und Stifters Wild ist weltweit einzigartig. In über 40 Jahre aufgebaut, beschäftigt sie sich ausnahmslos mit dem variantenreichen Abbild der Frucht in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Weit über 300 Gemälde und Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken sowie plastische Arbeiten und Videoinstallationen zählen zu der Sammlung, die damit in konzentrierter Form auch über ein Jahrhundert Kunstgeschichte umschließt. Der Bogen der in der Ausstellung versammelten Arbeiten spannt sich von spätimpressionistischen, kubistischen, expressionistischen und sachlichen Strömungen der Klassischen Moderne – darunter Obst- und Fruchtstillleben von Juan Gris (1887-1927), Paul Signac (1863-1935), Alexej von Jawlensky (1864-1941) und Karl Hofer (1878-1955) – bis zu zeitgenössischen Positionen, vertreten durch Werke von Katharina Fritsch (*1956) und Karin Kneffel (*1957). Die Auseinandersetzung zeigt ein bis heute ungebrochenes Interesse bildender Künstlerinnen und Künstler am gar nicht so stillen Metier des Stilllebens. Während die sinnlichen Oberflächen der Kirschen in Karin Kneffels realistischer Malerei das Auge verführen und zum Genießen einladen, changiert Katharina Fritschs hellblauer Apfel aus Gießharz in seiner extrem gesteigerten Künstlichkeit irritierend zwischen Vertrautem und Fremdem, Realität und Fiktion. Aus den Sammlungen des Gmünder Museums stammen Werke weiterer Künstler, darunter nicht zuletzt drei Arbeiten von Daniel Bräg (*1964) aus dem Zyklus „Herbarium Rosales“; dabei handelt es sich um zwischen zwei Glasplatten samt Wurzelwerk, dünnem Stamm, Zweigen und Blättern gepresste Obstbäume, die das Vanitas-Motiv neuzeitlich aufgreifen.

Rainer Fetting, Äpfel aus Karwe III, 1993, Öl auf Leinwand, 121 × 171 cm. Sammlung Dr. Rainer Wild, Heidelberg © Rainer Fetting.

Eröffnung

Donnerstag, 27. Juni 2019, 19 Uhr
Es sprechen:
Richard Arnold, Oberbürgermeister
Dr. Monika Boosen, Leiterin Museum im Prediger

Es musizieren:
Dietlinde Fuchs (Flöte) und Jürgen Schenk (Gitarre)
Celso Machado (*1953): Piazza Vittorio (Choro Maxixe), Pacoca (Choro)
aus »Musiques populaires brésiliennes«
Jaques Ibert (1890-1962): Entr'acte

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