Peter Lang.

Schnurschlag zwischen Himmel und Erde

Peter Lang, Blaue Stunde, Patagonien 2011, Öl auf Leinwand, 200 x 570 cm. © Künstler

8. Februar – 28. Juni 2020

Mit Peter Lang, geboren 1965 und in Gleißenberg (Oberpfalz) zuhause, kommt einer der renommiertesten deutschen Landschaftsmaler der Gegenwart nach Schwäbisch Gmünd. Im Rückgriff auf die traditionelle Malerei und Künstlervorbilder wie Caspar David Friedrich gewinnt er dem Sujet neue Aspekte ab und eine Position, die in ihrer Ästhetik einen qualitätvollen Beitrag zur zeitgenössischen Landschaftsmalerei darstellt. Wie Cézanne malt Peter Lang am liebsten „sur le motif“. Seine Motive erschließt er sich auf ausgedehnten Reisen in ursprüngliche Naturlandschaften. Zuletzt reiste er im Winter 2018/2019 für ein halbes Jahr an Polarkreis nach Island, um im Bann von Gletschern, Vulkanen und Fjorden den Farbenzauber des Nordlichts einzufangen.

Die Ausstellung zeigt großformatige Gemälde von Reisen nach Patagonien und Island sowie aktuelle Grafiken und Zeichnungen von der letzen Islandreise. Daneben entsteht eine eigens für die Galerie im Prediger konzipierte Bodenarbeit aus über dreihundert handgesägten Douglasien- und Eichenbohlen. Die Ausstellung wird am Freitag, 7. Februar, um 19 Uhr eröffnet. Es sprechen Museumsleiter Dr. Max Tillmann und Ausstellungskurator Joachim Haller. Der Künstler ist anwesend.

Peter Lang, Blaue Stunde, Patagonien 2011, Öl auf Leinwand, 200 x 570 cm. © Künstler
Peter Lang, Hoher Himmel, Patagonien, 2011, Öl auf Leinwand , 200 × 570 cm. © Künstler

„In meinen Arbeiten gehe ich vollkommen weg vom Erzählerischen, hin zum wirklichen Klang“, sagt Peter Lang über seinen künstlerischen Ansatz. Die realistische Naturnachahmung einer Landschaft liegt ihm fern. Seine Intention ist vielmehr, in seinen Bildern Naturstimmungen spürbar werden zu lassen. Es geht ihm um die Wiedergabe von Licht, Luft und Witterungsphänomenen und darum, den Stimmungen von Tages- und Jahreszeiten nachzuspüren. Wie die Maler von Barbizon, die im 19. Jahrhundert in die Natur zogen, um diese unmittelbar auf die Leinwand zu bannen, sucht auch Peter Lang den unmittelbaren Eindruck vor der Natur. Die Motive erschließt er sich auf ausgedehnten Reisen in abgelegene, elementare Naturlandschaften jenseits aller zivilisatorischer Prägungen.
Seine mitunter sechs Meter langen Bilder fertigt Peter Lang in einer ganz eigenen, von ihm entwickelten Technik, die zu seinem unverwechselbaren künstlerischen Markenzeichen geworden ist: Über eine mit Eitempera abstrakt angelegte Landschaft zieht er mit einer pigmentgetränkten Schlagschnur, einem im Maurer- und Zimmererhandwerk für Markierungsarbeiten verwendeten Hilfsmittel, hunderte feine horizontale Farblinien. Auf diese Weise verwandelt er Landschaft in absolute Malerei, in die Vibration der farbigen Erscheinungen. Es sind radikal leere Bilder, die, vom Himmel dominiert, vor allem aus Horizont und Weite bestehen. Der Mensch ist aus den Bildern gänzlich verschwunden – und steht doch offenbar im Mittelpunkt: weniger als Beobachter denn als Betrachter, der auf die Schönheit aber auch Verletzlichkeit der Natur zurückgeworfen und zur Reflexion aufgefordert wird.
Peter Langs Landschaften sind ein Echo auf Naturerlebnisse. Sie bestechen durch eine extreme atmosphärische Verdichtung und meditative Qualität. Sie erweitern den Horizont – und das wortwörtlich. In seinen Bildern löst er das den Horizont umfassende Außen auf. Kein Weg führt tiefenperspektivisch in das zu den Seiten hin offene Bild. Der Horizont, der in feinen Farbnuancen, mal akzentuiert, mal nahtlos im Himmel aufgeht, ist aufgelöst. Dem Geschlossenen stellt der Künstler das Offene im Denken und in der Wahrnehmung gegenüber. Die Grenze der tatsächlichen Naturerfahrung öffnet sich hin zum ungreifbar Transzendenten.

Peter Lang, Hoher Himmel, Patagonien, 2011, Öl auf Leinwand , 200 × 570 cm. © Künstler
Peter Lang, Stjörnusstigi Í Alheiminum, 2019 Island, Aquatinta, Pinselätzung, 9/15. © artist

Neben den Gemälden zeigt die Ausstellung Zeichnungen und Radierungen – künstlerische Medien, die das Schaffen von Peter Lang seit Anbeginn mitbestimmen und dessen Gerüst bilden. Im Gegensatz zu den Gemälden leben diese Arbeiten von einem gänzlich anderen, emotionalen Zugriff. Im Duktus expressiv und gestisch, leben sie von einer spontanen Umsetzung des Naturvorbilds. Die für die Ausstellung ausgewählten Radierungen zeugen davon, dass hier ein Meister der Radierung arbeitet, der das ganze Repertoire an Verfahren und Techniken kennt und beherrscht. So erreicht Peter Lang eine stark ausgeformte Plastizität und nuancierte Licht- und Schattenwirkung in der Mezzotinto- und fein gestufte Tönungen und Linienführungen in der Aquatinta-Technik. Auf den Zeichnungen sind oft nur Andeutungen von Landschaften zu sehen: die Ahnung eines Bergs. Klippen, die aus dem Meer ragen. Oder ist es scharfkantiges Gestein im Schnee? Denkbar sind: steil stürzende Klüfte, schroffe Felsen, urtümliches Land. Das Halbrund einer Bucht: Wolken, Wasser, Wellen – vielleicht? Manchmal sind es nur Verwirbelungen, ein Gewirr von Linien, Ströme, ein Steigen und Fallen, ein Aufscheinen und Dunkeln, verwischtes Grau, tiefes Schwarz.

Peter Lang, Stjörnusstigi Í Alheiminum, 2019 Island, Aquatinta, Pinselätzung, 9/15. © artist

Rauminstallation

Die Linie als prägnantes Element im malerischen und grafischen Werk des Künstlers, schlägt sich auch in der Bildhauerei nieder, die an den Minimalismus und die Konzeptkunst der 1960er-Jahre denken lässt. Augenscheinlich wird dies in der Bodenarbeit aus über dreihundert handgesägten, gleichförmigen Eichen- und Douglasienbohlen, die Peter Lang eigens für unsere Galerie in intensiver, mehrtägiger Arbeit aufgebaut und inszeniert hat. Entstanden ist die Installation in der direkten Auseinandersetzung mit dem Raum und dessen Geschichte als vormalige Klosterkirche: der Titel „Aus der Krypta“ verweist darauf. In dieser Arbeit konzentriert sich der Sinn des Künstlers für Material, Form, Geometrie, Ordnung bzw. Struktur – Prinzipien, die sich auch in den Gemälden und Grafiken finden:vReduktion und horizontale Schichtung hier wie da. Hier wie da die lineare Struktur. Und hier wie da sollen nicht zuletzt die Assoziationskräfte des Betrachters und der Betrachterin freigesetzt werden.

Biografie

Peter Lang bei der Arbeit im Radierzimmer. © artist

Peter Lang studierte freie Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München (1987-1993). Seit 1993 arbeitet er als freischaffender Künstler. Zahlreiche Ausstellungen in renommierten Galerien und Museen im In- und Ausland begleiten seine künstlerische Laufbahn. Seine Werke finden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen und sind regelmäßig auf den großen Kunstmessen vertreten. Malreisen führten ihn unter anderem nach Spanien (2000), Norwegen (2006), Chile (2010-2011), Island (2012/13, 2018/19), Patagonien (2011) und Österreich (2017).

Peter Lang bei der Arbeit im Radierzimmer. © artist
ZUM BILD