Joseph Stephan Wurmer.

Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik

5. Februar – 24. April 2022

Ausstellungsansicht „Joseph Stephan Wurmer. Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik“. © Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.
Ausstellungsansicht „Joseph Stephan Wurmer. Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik“. © Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.

„Es gibt kein anderes Material, das so viele Eigenschaften wie Holz hat“, sagt Joseph Stephan Wurmer über den bildhauerischen Werkstoff, dem er sich seit annähernd dreißig Jahren leidenschaftlich verschrieben hat. Das Holz ist ihm ein partnerschaftliches Gegenüber geworden, das er intensiv erkundet und vielfältig gestaltet: in seiner Substanz und Struktur, Formbarkeit und Widerständigkeit, Verletzlichkeit und Farbe. Heute gehört er zu den renommierten Holzbildhauern seiner Generation. Seine Skulpturen und Wandobjekte sind in namhaften privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten und werden regelmäßig in Ausstellungen und auf Messen präsentiert.
Mit 30 ausgesuchten Boden- und Wandobjekten aus 15 Jahren gibt die Ausstellung in der Galerie im Prediger einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Bildhauers.

Ausstellungsansicht „Joseph Stephan Wurmer. Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik“. © Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.

Eröffnung

Freitag, 4. Februar 2022, 19 Uhr

Joseph Stephan Wurmer, Lichter Raum LVI, 2018, Zeder, Ø 70 cm. © Künstler, Foto: Mile Cindríc
Joseph Stephan Wurmer, Lichter Raum LVI, 2018, Zeder, Ø 70 cm. © Künstler, Foto: Mile Cindríc

Unter den zeitgenössischen Bildhauern, die heute mit dem Material Holz arbeiten, nimmt Joseph Stephan Wurmer einen ganz eigenen Platz ein. Seine Position lässt sich in der Nähe konstruktiver Kunst verorten. Tektonischer Strenge und eine respektvolle Annäherung an die Eigenheiten des Holzes prägen sein mittlerweile gut dreißig Jahre umfassendes Werk. In seinem Umgang mit dem Material lässt der Bildhauer Holz Holz sein, wobei er auf dessen Verfremdung, etwa durch eine farbige Fassung oder durch Feuer, verzichtet. Die Skulpturen haben ihren Ursprung im meist frisch gefällten Baumstamm. Und sie sind fast ausschließlich aus einem Stück gearbeitet. Neben diversen, Schreinern vertrauten Werkzeugen ist die Kettensäge sein wichtigstes Arbeitsgerät. Jeder Sägeschnitt und jede Bearbeitung erfolgt im Wissen um die eigengestalterischen Kräfte des Holzes, zu denen vor allem Schwundrisse beim Trocknungsprozess gehören. Je nach Holzart muss er mehr oder weniger auf das Material reagieren. Dadurch tritt der Austausch und der Dialog mit dem Material unverkennbar an die Stelle eines vorgefasten, nur logisch-rationalen Denkens und Tuns, was sich in jeder Arbeit widerspiegelt.

Joseph Stephan Wurmer, Lichter Raum LVI, 2018, Zeder, Ø 70 cm. © Künstler, Foto: Mile Cindríc
Ausstellungsansicht „Joseph Stephan Wurmer. Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik“. © Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.
Ausstellungsansicht „Joseph Stephan Wurmer. Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik“. © Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.

Hölzer wie Pappel, Weide, Zeder, Ahorn und Platane sind Wurmers bevorzugtes Material, dem er abstrakte Formkörper abringt: kompakte Kegel, Kugeln, Quader, Würfel oder auch Zylinder. Sie werden durch Schnitte geöffnet, in ihrer Substanz teils gänzlich ausgehöhlt, teils in Schichten aufgebrochen – Raum wird gelichtet. Dem kompakten, festen Holzblock nimmt er dessen Gewicht und schafft so einen Raum, der durch und um die verbleibende Masse zirkuliert. Die Skulptur wird in Relation zu vielfältigen Raumvorstellungen thematisiert: zu Frei-, Um-, Hohl- und Zwischenräumen. Hülle, Raum, Schutz und ihre Beziehung zueinander sind die Aspekte, die in den skulpturalen Arbeiten von Joseph Stephan Wurmer aufgespürt und studiert werden können. Die Auseinandersetzung mit der Beziehung von Innen und Außen folgt der Auffassung, dass es immer ein Inneres gibt, wo Oberfläche sichtbar wird, und dass beides in einem generativen Verhältnis zueinander steht. Die umgreifenden und umgriffenen Formen haben für den Bildhauer die gleiche Bedeutung und bestimmen den Schöpfungsprozess.

Ausstellungsansicht „Joseph Stephan Wurmer. Raum lichten – Holz im Spannungsfeld von Konstruktion und Dynamik“. © Foto: Museum im Prediger, Joachim Haller.
Joseph Stephan Wurmer, Dialog der Äste II, 2016, Weide zweiteilig, 237 × 39 × 53 cm. © Foto: Mile Cindríc.
Joseph Stephan Wurmer, Dialog der Äste II, 2016, Weide zweiteilig, 237 × 39 × 53 cm. © Foto: Mile Cindríc.

Neben dem Verhältnis von Innen und Außen, von umfassender Hülle und umfassten Hohlraum gehört dazu vor allem die wechselseitige Durchdringung von Raum- und Materialkörper. Transparenz und Licht werden zum zentralen Gegenstand der bildhauerischen Auseinandersetzung erhoben. Explizit ablesen lässt sich dies an den Skulpturen der Werkreihe „Lichter Raum“, die gewissermaßen ein Markenzeichen von Joseph Stephan Wurmer sind. In unterschiedlichen Formen und großer Bandbreite lotet der Künstler in diesen Arbeiten virtuos das Verhältnis von Leerraum und umfassender Oberfläche aus. Er holt den inneren Raum des Holzes hervor, indem er es durch mehr oder weniger dichte Einschnitte zum Raum hin öffnet. Dadurch wird der Innenraum zum eigentlichen Energiezentrum der Skulpturen. Zugleich artikuliert sich das Plastizität bildende Licht als bildhauerischer Leitgedanke. In ihrer Struktur zielen diese Skulpturen auf einen Innenraum, der einen Lichtraum entstehen und den Betrachtenden am Prozess der Raumwerdung teilhaben lässt.

Joseph Stephan Wurmer, Dialog der Äste II, 2016, Weide zweiteilig, 237 × 39 × 53 cm. © Foto: Mile Cindríc.
Joseph Stephan Wurmer, Lichter Raum LI, 2018, Zeder, 25 × 24 ×24 cm. © Künstler
Joseph Stephan Wurmer, Lichter Raum LI, 2018, Zeder, 25 × 24 ×24 cm. © Künstler

Ihre Kraft und Schönheit beziehen die Skulpturen von Joseph Stephan Wurmer im Weiteren durch die Polarität des Organischen und Konstruktiven. Das Organische des Holzes bleibt immer deutlich sichtbar – und riechbar. Dem organischen Material ringt er geometrische Formen ab, wobei diese aus den Vorgaben der Natur gewonnen und an ihr ausgerichtet sind. Er geometrisiert das Lebendige und verlebendigt das Geometrische. Die Natur steht spannungsvoll gegen die Künstlichkeit, das natürlich Gewachsene gegen das gewollt Gemachte, die amorphe Naturform gegen die gestaltete Menschenform. In seiner Auseinandersetzung mit dem Naturmaterial Holz sucht Stephan Wurmer die Gegensätze und weist zugleich auf die Gefährdung des Natürlichen hin.

Joseph Stephan Wurmer, Lichter Raum LI, 2018, Zeder, 25 × 24 ×24 cm. © Künstler

Vita

Joseph Stephan Wurmer, Porträt. Foto: Mile Cindric
Joseph Stephan Wurmer, Porträt. Foto: Mile Cindric

Der Bildhauer und Zeichner Joseph Stephan Wurmer wurde 1956 in Frauenwahl (Niederbayern) geboren. Heute lebt und arbeitet in Nürnberg. Von 1978 bis 1984 studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, die ihn 1983 mit dem Akademiepreis auszeichnete. Zu seinen weiteren Auszeichnungen gehören der Debütantenpreis des Kultusministerium Bayern (1990), der Wolfram von Eschenbach-Förderpreis (1999), der Kunstpreis der Sparkasse Nördlingen (2007) und der Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten (2008). Seit 1991 sind seine Werke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen und auf Messen präsent. Viele seiner Arbeiten finden sich im öffentlichen Raum und in öffentlichen Sammlungen, darunter die Kunstsammlung Deutscher Bundestag Berlin und die Bayerische Staatsgemäldesammlung München.

Joseph Stephan Wurmer, Porträt. Foto: Mile Cindric
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