Stadtgeschichte

Kaiser Karl V. in Schwäbisch Gmünd

Kaiser Karl V.
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Kaiser Karl V.

Mit zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die jemals die Stadt Gmünd besuchten, gehörte Kaiser Karl V. (1500–1558). Im Februar 1532, auf einer Winterreise, traf der Kaiser in Gmünd ein. Es handelte sich um eine dreitägige Staatsvisite. In der Stadt war alles für den höchsten Staatsbesuch vorbereitet. Am Unteren Tor, in der heutigen Ledergasse, standen zwölf vornehme Mitglieder der Krämerzunft in Harnisch mit ihrem Hauptmann Ehrenwache. Vier Mitglieder der Schmiedezunft am Leonhardsfriedhof, vier weitere am Rinderbacher Tor und vier Mitglieder der Binderzunft hielten Wache am Waldstetter Tor. Nachmittags gegen 16 Uhr näherte sich der Kaiser mit glänzender Gefolgschaft von Westen her seiner altgäubig gebliebenen Reichsstadt. Das städtische Ratsprotokoll spricht von 1000 Pferden.

Es war, um den historischen Termin genau festzuhalten, der Sonntag Invocavit 1532, der 18. Februar. Ehrfürchtig empfingen der gesamte Rat der Stadt, die Zunftmeister, die Priesterschaft und schließlich auch das gemeine Volk „Kayser Carolus den funfften, unnser aller gnedigster Herr“ am Unteren Tor. Bürgermeister Bernhard Meylin überreichte dem Kaiser symbolisch die Schlüssel der Stadt und hieß ihn herzlich willkommen. Rat und Zunftmeister geleiteten den hohen Gast zu seinem Quartier im Augustinerkloster – von dort ging es zum Heilig-Kreuz-Münster, wo man gemeinsam das Te Deum anstimmte.

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Kaiser Karl V.

Ratsprotokoll Kaiser Karl V.
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Ratsprotokoll Kaiser Karl V.

Am folgenden Tag wurde die diplomatische Kür anlässlich dieses Staatsbesuchs fortgesetzt. Als offizielles Gastgeschenk überreichte man dem Herrscher einen vergoldeten Becher – 60 Gulden war er wert, wie das Ratsprotokoll akribisch vermerkte, - und aufgefüllt mit 100 Gulden. Diesen Besuch erachtete man als günstige Gelegenheit in eigener Sache: Der Rat versuchte nämlich bei Karl einen Torzoll durchzudrücken, sowie die Erlaubnis zu erhalten, bei den städtischen Untertanen auf dem Land ein Ungelt, eine Art Getränkesteuer, erheben zu dürfen. Der Kaiser, der offenbar solche „Überfälle“ von anderen Besuchen in verschiedenen Städten kannte, antwortete hinhaltend diplomatisch und ließ, da er des Deutschen kaum mächtig war, ausrichten: „Ir kaiserliche Majestät lassen antworten, sie (d. h. der Rat) wolle sich darauff erkundigen …. uff den (nächsten) Reichstag“.

Am dritten Tag folgte das übliche Huldigungszeremoniell auf dem alten Rathaus. Dem Kaiser hatte man eine Art Thron gebaut, „ein Stul mit umbehengten gemalten Tuchen“, und um 11 Uhr vormittags, als alle Glocken läuteten, versammelten sich die Bürger und schworen. Kaiser Karl war sichtlich angetan von soviel Loyalität in der katholischen Reichsstadt. Huldvoll ließ er durch seinen Kanzler antworten, er wolle „allergnadigster Herr und Schyrmer“ der Reichsstadt sein. Noch am selben Tag reiste der hohe Herr mitsamt Gefolge über Ellwangen nach Dinkelsbühl ab.

(Text: Klaus Herrmann, 2017)

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Ratsprotokoll Kaiser Karl V.

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