Schwäbisch Gmünd, 2018

Impulse. 30 Jahre Stiftung Gold- und
Silberschmiedekunst in Schwäbisch Gmünd

15. April – 28. Oktober 2018

Schwäbisch Gmünd, 2018

Norman Weber, Armreif

Schwäbisch Gmünd, 2018

Marianne Schliwinski, Brosche

Schwäbisch Gmünd, 2018

Peter Bauhuis, Gefäß

Schwäbisch Gmünd, 2018

Ulrike Knab, Brosche

Impulse heißt vom 15. April bis 28. Oktober im Silberwarenmuseum Ott-Pauser die Ausstellung, mit der die Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst Schwäbisch Gmünd ihr 30-jähriges Jubiläum feiert. Der Titel ist gleichsam Programm, initiierte die Stiftung in dieser Zeit doch vielfältige Projekte zur Förderung der Gold- und Silberschmiedekunst. Neben Ausstellungen, Wettbewerben und Ankäufen zählte dazu auch die Etablierung eines Stadtgoldschmieds. Mit dieser Auszeichnung gastierten seit 1989 insgesamt 15 renommierte Stadtgoldschmiede in Schwäbisch Gmünd. Zusammen mit Arbeiten der diesjährigen, 16. Stadtgoldschmiedin versammelt die Ausstellung 70 Stücke. Das Spektrum umfasst Schmuck und Gerät und reicht von der traditionell emaillierten Brosche bis zum unkonventionellen Halsschmuck aus unterschiedlichsten Materialien, vom klassischen Leuchter, Kaffee- und Mokkaservice bis zum Gefäß, das die Grenzen des Metallgusses auslotet. Obwohl individuell und in ihrer Zeit gestaltet, verliert sich bei den Arbeiten der Begriff Zeitgeist: neben Qualität und Kreativität zeugen sie von zeitloser Schönheit. Die Exponate stammen aus Künstler-, Privat- und Museumsbesitz, darunter insbesondere Stücke, die von der Stiftung für die Sammlungen des Gmünder Museums erworben wurden. Daneben vermitteln Arbeiten aus Workshops, Plakate, Bücher und weitere Dokumente die Intensität der Stiftungsaktivitäten in den vergangenen drei Jahrzehnten.
Zur Ausstellung erscheint im Verlag ARNOLDSCHE Art Publishers ein Katalog (Deutsch/Englisch, 144 Seiten, 34 Euro).

Eröffnung
Die Ausstellung wird am Sonntag, 15. April, um 11 Uhr durch Oberbürgermeister Richard Arnold und Landrat Klaus Pavel eröffnet. Zur Ausstellung spricht Dr. Christianne Weber-Stöber, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e. V. Hanau. Das Trompetenduo Jannis Barth und Samuel Knies spielt klassische und moderne Stücke für Bläser.

Zur Ausstellung
Seit 1989 beruft die Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst in Schwäbisch regelmäßig einen Stadtgoldschmied, seiner Zeit eine einmalige Einrichtung in Deutschland. Die Ernennung verfolgt das Ziel, dem eigenen Edelmetallhandwerk in Kursen und durch Ausstellungen mit herausragenden Silberschmieden oder Schmuckgestaltern Impulse zu geben.
Erster Schwäbisch Gmünder Stadtgoldschmied war 1989 Max Fröhlich aus Zürich. Seither brachte die Einrichtung regelmäßig international renommierte Gestalter nach Schwäbisch Gmünd. In der Folge wurden dazu berufen: Nikolaus Kirchner, Nürnberg (1989/90), Johann Müllerperth, Pforzheim (1991), Klaus D. Eichler, Nürnberg (1991/92), Marianne Schliwinski, München (Mai 1993), Walter Storr, Bremen (Sept. 1993), Deganit Stern-Schocken, Jerusalem (1994), Berthold Hoffmann, Nürnberg (1995),  Bettina Menrad-Maier, Bremen (1996), Brigitte Moser, Baar (1998), Ulrike Knab, Hannover (2002), Petra Dömling, Paris (2004), Norman Weber, Kaufbeuren (2011), Peter Bauhuis, München (2014) und Paul De Vries, Niederlande (2017).
Mit Simone ten Hompel (Jg. 1960) wird diese Tradition in diesem Jahr fortgesetzt: Die aus Bocholt stammende und in London lebende Silberschmiedin erhält vom 8. Juli bis 28. Oktober im Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik eine Einzelausstellung; zudem gibt sie vom 9. bis 13. Juli einen Workshop.

Kurzporträt der Stadtgoldschmiede und Stadtgoldschmiedinnen
Max Fröhlich, 1908 in Ennenda (Schweiz) geboren und 1997 in Zürich verstorben, interessierten vor allem Gießtechniken, die er auch in seinen Schmuckstücken einsetzte. Besonders die kaum bekannte Ashanti-Gießtechnik hatte es ihm angetan. Er selbst beschrieb sein Schaffen einmal mit den Worten: „Ich schaffe mit Vorliebe einfache Dinge, einfach im Sinne der Überschaubarkeit… mich fasziniert das Plastische in straffen Oberflächen, zum anderen die Struktur und Eigenart des Materials.“ Diese Einfachheit, gepaart mit Eleganz und Authentizität, zeichnete das Werk und die Person Max Fröhlich bis ins hohe Alter aus.
Nikolaus Kirchner, 1952 in Berchtesgaden geboren und heut in Nürnberg zuhause, wurde in Kaufbeuren und an der Akademie in Nürnberg ausgebildet und ist als Goldschmied in der Werkbund Werkstatt in Nürnberg tätig. Er war der erste Schmuckschaffende Stadtgoldschmied in Schwäbisch Gmünd. Die höchst aufwändige und äußerst sensible Technik des Emaillierens steht bei seinen Broschen im Mittelpunkt. Die Oberflächen seines Ansteckschmucks gleichen kleinen Bildausschnitten und sind in ihrer Komposition einmalig.
Johann Müllerperth, 1957 in Neu Sankt Anna (Rumänien) geboren und seit vielen Jahren in Schmie bei Maulbronn ansässig, ist dem klassischen Juwelenschmuck verpflichtet.  Bei seinem   Aufenthalt in Gmünd im Mai 1991 stand die Vermittlung von Goldschmiedetechniken und somit die Vermittlung des lebensnotwendigen Rüstzeugs für den Schmuckgestalter, auf dem Programm. Anfangs experimentierte er mit eloxiertem Aluminium. Inzwischen stehen aber Gold, Platin und vor allem edle Steine im Mittelpunkt seines Schmuckschaffens, das von kleinteilig gestalteten Oberflächenstrukturen lebt.
Klaus Dieter Eichler, 1954 in Eisfeld (Thüringen) geboren, absolvierte seine Ausbildung in Kaufbeuren und Nürnberg und hatte sich dort zunächst als Metallgestalter und Silberschmied niedergelassen. Die geradlinige, betont funktionale Formensprache war ihm bei der Fertigung seiner Leuchter, Kannen und verschiedenen Tischaccessoires eine wichtige Maßgabe, ebenso die Ausführung in den unterschiedlichsten Metallen wie Messing, Tombak, Kupfer und Silber. Heute arbeitet er im Atelier Arnold & Eichler an großen Raumprojekten mit, die in erster Linie für sakrale Räume geschaffen werden.
Das Einbinden von Bruch- oder Fundstücken – seien sie aus Glas oder Holz, aber auch Fotografien von Persönlichkeiten – spielt bei Marianne Schliwinski eine große Rolle. Geboren 1944  in Sankt Peter Ording, absolvierte sie ihre Ausbildung in Worpswede und München. 1981 gründete sie mit Jürgen Eickhoff die Galerie Spektrum in München, die sich seit 2017 in Karlsruhe befindet. An international bedeutenden Einrichtungen wie der Rhode Island School of Design Providence (USA) oder der Alchimia – Contemporary Jewellery School Florenz (Italien) ist sie eine gefragte Expertin. Ihr Schmuckprojekt 1993 in Schwäbisch Gmünd stellte sie unter das Motto „Beziehungen“.
Walter Storr, 1937 in Pforzheim geboren und 2015 in Bremen verstorben, war in erster Linie als namhafter Besteck Designer tätig, das er in erster Linie für die in Bremen ansässige Firma Wilkens & Söhne entwarf. Seine Besteckserie „Rotondo poliert“ und „Angolo“ aus dem Jahre 1996 sind sehr beliebt, für das Modell „Angolo“ erhielt Walter Storr die Auszeichnung der FORM. Bekannt wurde Walter Storr aber auch durch einen 1963 für Wilkens entworfenen Pokal. Bei seinem Aufenthalt als Stadtgoldschmied ging es um das Entwerfen von Besteck, was den Studierenden der Fachhochschule einen ganz neuen Gestaltungsaspekt ermöglichte.
Die gebürtige Israelin Deganit Stern Schocken, Jahrgang 1947, studierte unter anderem an der Bezalel Academy in Jerusalem und unterrichtete viele Jahre am Shenkar College in Ramat Gan. Ihr Ansteck- und Halsschmuck erzählt Geschichten, häufig auch  politische, die Bezug nehmen auf die aktuelle Situation in ihrer Heimat. Gold und Silber werden stilvoll mit Architektur vereint: „Schmuckdesign beschäftigt sich – wie Architektur – mit Verengung, Funktion, Bewegung und Materialien.“ In ihrem Workshop 1994 zum Thema „Zaun“ stand die Auseinandersetzung mit den politischen Gegebenheiten in Israel im Vordergrund.
Berthold Hoffmann, 1955 in Heidelberg geboren, als Silberschmied ausgebildet, lebt und arbeitet in Nürnberg. Seit 1985 fertigt er Objekte der Alltagskultur aus Metall: Tafelgeräte aus Sterlingsilber und Gefäße aus Gusseisen, um die in Deutschland ein regelrechter Kult entstanden ist. Der Während seiner Arbeitswochen im Jahre 1995 stand die Herstellung gusseiserner Gefäße im sandgussverfahren im Mittelpunkt. Der Werkstoff des Gusseisens hat neben dem Silber einen festen Platz im Schaffen des Künstlers. Seine massiven, gusseisernen Kochgefäße gehören bei vielen Starköchen und guten Restaurants zur Grundausstattung. Aber auch Fondue-Sets, Pfannen und Töpfe für den Gourmet in der ganz privaten Küche stehen zur Auswahl.
Edle Metalle und schöne Steine gehören zum Repertoire der 1955  in Stuttgart geborenen und heute in Bremen lebenden Schmuckgestalterin Bettina Menrad-Maier. Bei ihren klar konturierten Broschen, Ringen und Ketten steht das Spiel mit unterschiedlichen Metallen wie Gold, Silber oder auch Kupfer im Vordergrund, gerne variiert sie die Oberflächenstrukturen des Materials. Ihr Seminar 1996 stand unter dem Motto „Schmuck fürs Gewand“.
Eine bedeutende Vertreterin des Avantgarde Schmucks ist die Schweizer Künstlerin Brigitte Moser, geboren 1945 in Baar (Kanton Zug). Moser selbst beschreibt ihre Werke mit den Worten: „Meine Schmuck-Objekte sind mit Passion ausgeführte Zeichen und Symbole. Sie sind zum Anfassen, Berühren und Spüren“. Die Schmuck-Objekte Brigitte Mosers sind aus außergewöhnlichen Werkstoffen gefertigt und teilen uns oft eine kleine Botschaft mit.  Für ihr Seminar 1998 wählte sie einen für sie sehr typischen Titel: „Herzblut“.
Ulrike Knab, in Döbeln geboren, absolvierte ihre Ausbildung an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau und in Jerusalem, heute arbeitet sie als Goldschmiedin und Galeristin in Hannover. Sie war im April 2002 zu Gast in Schwäbisch Gmünd, die Schüler des Berufskollegs machte sie damals mit der Miteinbeziehung von Fundstücken in ihre Schmuckgestaltung vertraut. In den Broschen, Ketten und Ringen der Künstlerin herrschen bunte Welten vor, die die vielfältigsten Fundstücke, oft belanglos weggeworfene Alltagsgegenstände oder Bruchstücke fremder Kulturen bieten. Sie werden in einen neuen Kontext gestellt und erzählen als Schmuckstück eine ganz eigene Geschichte.
Petra Dömling, 1973 in Würzburg geboren, hat früh ihr Herz an die „Stadt der Liebe“ verloren: 15 Monate ihres Studiums verbrachte sie an der Staatlichen Hochschule der Schönen Künste Paris. Bei ihren Schmuckkollektionen stehen Begriffe wie „Weiblichkeit“, „Zärtlichkeit“ und „Poesie“ im Vordergrund. Petra Dömling selbst sieht in ihren spielerisch anmutenden Ringen, Ketten und Ohrschmuck die Reflektion von Einflüssen und Gedanken ihrer Umgebung. Als Stadtgoldschmiedin im April 2004 beschäftigte sich die Designerin mit der Poesie im Selbstbildnis in ihrem Seminar an der Fachschule für Schmuck und Gerät.
Norman Weber, 1964 in Schwäbisch Gmünd geboren, hat die Faszination der Gold- und Silberschmiedekunst früh für sich entdeckt. Er zählt heut zu den wichtigen Vertretern der  Avantgarde Schmuckszene. Nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste in München, machte sich der Schmuckgestalter selbständig, seit 2011 lehrt er an der Berufsfachschule in Kaufbeuren-Neugablonz. Die Modeschmuckwelt dieser Stadt faszinierte Weber schon früh, er liebt das Spiel mit Echtheit und Imitation. Gerne werden auch ironische Anmerkungen in die Schmuckstücke mit eingebunden, wie sie auch in den hier gezeigten Stücken zu finden sind. In seinem Workshop 2011/12 lud der Künstler alle Interessierten zur Spurensuche realer und fiktiver Biografien ein.  
Peter Bauhuis, 1965 in Friedrichshafen geboren, ist Künstler, Goldschmied und Autor. Er absolvierte eine Ausbildung als Gold- und Silberschmied in Hanau und studierte dann an der Akademie in München, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Ähnlich wie Max Fröhlich, findet Bauhuis besonderen Gefallen am Gießen von Gerät oder Schmuck. Sein Workshop im Mai 2014 beschäftigte sich mit dem Wachsguss im Verfahren der verlorenen Form. Besonders angetan hat es ihm das gleichzeitige Gießen unterschiedlicher Metalle – Silber verschiedener Legierungen, Kupfer, Gold – umso eine reizvolle Farbigkeit der Oberfläche zu erzeugen. Viele Arbeiten des Künstlers verweisen auf Einflüsse fremder, archaischer Kulturen und erwecken diese zu neuem Leben.  
2016 hatte der 1958 in Mierlo in den Niederlanden geborene Silberschmied Paul De Vries Gelegenheit, Silberschmiedetechniken in der Silberschmiedewerkstatt im Arenhaus zu vermitteln. Zudem gab es eine große Ausstellung zum Werk des Gestalers, das von amorphen Formen geprägt ist und an Silber in Bewegung denken lässt. Der Künstler selbst sieht das Silberschmieden als das Erzählen einer Geschichte, die sich aus der Verformung des Materials ergibt.
Auch 2018 steht die Stadtgoldschmiedin der Silberschmiedekunst nahe: Simone ten Hompel, 1960 in Bocholt geboren, lebt und arbeitet heute in London und wird im Juli ihren offenen Workshop „Worte schmieden“ in der Silberschmiedewerkstatt im Arenhaus abhalten. Das vielseitige Werk der Künstlerin überzeugt durch seine vielseitigen und immer wieder variierten Gestaltungsansätze: Becher, die leicht aus dem Gleichgewicht geraten, große, betont technoid gestaltete Schalen mit überraschenden Accessoires, Krüge, die zweckentfremdet, vom Zeitlauf geprägt sind, Störeffekte aufweisen. Eine silberne Teekanne geht die Verbindung mit Lavastein ein, es gibt unzählige Löffel, die nicht unbedingt zum Aufnehmen von Speisen oder Flüssigkeit dienen, sondern kleine Kunstobjekte sind, die man einfach an die Wand hängen kann.

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa, So und Feiertage 11-17 Uhr, montags geschlossen,

Führungen
Auf Anfrage bei Ulrike Kleinrath, Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst in Schwäbisch Gmünd im Kulturbüro, ulrike.kleinrath@schwaebisch-gmuend.de, Telefon 07171 603-4118

Adresse und Informationen
Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik
Milchgässle 10, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon 07171 38910
museum@schwaebisch-gmuend.de
www.museum-galerie-fabrik.de

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