Aktion Noteingang

Aktion "NOTEINGANG" - Was ist das eigentlich?

Alltag kann gefährlich sein – für alte oder junge Menschen, für Geflüchtete oder Einheimische, für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, für Menschen mit und ohne Handicap.

Was sie im Notfall brauchen ist Schutz, schnell, unkompliziert und zuverlässig.
Diesen Schutz möchten wir, der Stadtjugendring Schwäbisch Gmünd e.V. und die Jugendkulturinitiative Schwäbisch Gmünd e.V. mit der Aktion „NOTEINGANG“ in Schwäbisch Gmünd aufbauen.

Wir möchten Schutzräume schaffen, die einen "NOTEINGANG" für Menschen bieten, die belästigt oder bedroht werden, Gewalt ausgesetzt sind und in der Notsituation Hilfe benötigen. Dies können z.B. eine alte Frau sein, der die Handtasche gestohlen wurde, ein junges Mädchen,
das belästigt wurde oder auch ein junger Mann mit Fluchthintergrund, der beschimpft wurde.
Es soll ein Netz von Schutzräumen entstehen. Je mehr Schutzräume existieren, desto wirksamer wird das Netz sein.
Die Aufgabe der Schutzräume besteht darin, Menschen in Not Schutz und die Möglichkeit in Ruhe zu telefonieren zu geben, ein beruhigendes Gespräch zu führen, ein Glas Wasser anzubieten, einfach zu signalisieren: du bist nicht allein. Fühlt sich jemand belästigt oder bedroht kann er*sie sich in einen Schutzraum begeben und wird dort sofort verstanden und unterstützt.

Es liegt auch eine Telefonliste bereit, mit Ansprechpartner*innen, die nach der Akutsituation weiterhelfen.
Doch bei der Aktion „NOTEINGANG“ geht es noch um mehr.

Mit der Aktion „NOTEINGANG“ möchten wir einen Denkanstoß geben und ein Zeichen setzen. Wir möchten erreichen, dass es wieder selbstverständlich wird, Menschen in Notsituationen Hilfe und Solidarität entgegen zu bringen.

Jede*r soll sich angstfrei bewegen und am gesellschaftlichen Leben in Schwäbisch Gmünd teilhaben können.
Wir möchten daran erinnern, dass die Voraussetzungen dafür sind, dass sich die Menschen im Rahmen des Grundgesetzes respektvoll, tolerant und offen begegnen.
Neben direkter Hilfe in Gewaltsituationen und dem Schaffen von Schutzräumen möchten wir mit der Aktion auf gesellschaftliche Problemlagen wie sexualisierte Gewalt, Sexismus, Homophobie, Rassismus oder auch allgemein körperlicher Gewalt aufmerksam machen. Durch die öffentliche Thematisierung möchten wir einen Diskurs anregen und Sensibilität schaffen. Bürger*innen sollen sich ermutigt fühlen, bei diskriminierenden Aussagen und Situationen einzuschreiten, nicht wegzuhören und das Geschehen nicht zu dulden.
NOTEINGÄNGE senden ein klares Signal. Jeder „NOTEINGANG“ zeigt an, Gewalt wird hier nicht toleriert. Hier wird hingesehen und gehandelt. Je mehr NOTEINGÄNGE es gibt, je größer ist das Zeichen.

Wir wollen Gewalt aus der Anonymität führen.

Wie erfolgt die Umsetzung?

Verantwortlich für die Aktion sind der Stadtjugendring Schwäbisch Gmünd e.V. (SJR) und die Jugendkulturinitiative Schwäbisch Gmünd e.V. (JKI)
Die soziale Verantwortung von Menschen, Läden, Restaurants und Kneipen in Schwäbisch Gmünd ist jedoch ein wichtiger Bestandteil bei dieser Aktion.
Ein wichtiger Schritt ist die Gewinnung von Kooperationspartner*innen. Im Rahmen der Aktion werden Ladenbesitzer*innen, Gaststätten, Tankstellenbetreiber*innen, Verantwortliche in Kultur, - Kirchen – und Sozialeinrichtungen und anderen Institutionen persönlich und schriftlich angesprochen. Ihnen wird die Aktion erklärt und sie erhalten einen Folder mit weitergehenden Informationen.

Sobald sich eine Kneipe, ein Laden oder eine andere Einrichtung bereit erklärt, als Kooperationspartner*in bei der Aktion NOTEINGANG mitzumachen und einen Schutzraum zu bieten, erhält er *sie den Aufkleber „NOTEINGANG“, den er *sie gut sichtbar an der Türe oder dem Schaufenster anbringt. Weiter erhält jeder NOTEINGANG ein Handout mit Verhaltenstipps für den Ernstfall (Umgang mit akuter psychischer Belastung) und eine Telefonliste mit weiterreichenden Kontakttelefonnummern, sowie die Möglichkeit, seine*ihre Mitarbeiter*innen an Workshops und Schulungen teilnehmen zu lassen, damit er *sie lernen kann, im Ernstfall sicher und souverän Hilfestellung leisten zu können.
Von Zeit zu Zeit führt der Standortpartner Aktionen durch, um das Projekt in den Köpfen der Kinder lebendig zu halten und führt hin- und wieder Befragungen unter den teilnehmenden Geschäften durch.

Es ist geplant, in regelmäßigen Abständen Infoveranstaltungen zu relevanten Themen anzubieten.
Die Verantwortlichen der Aktion werden bei ihren Kooperationspartner*innen nachfragen, ob es Vorfälle gab und diese in einer Statistik festhalten.
Es ist von großer Wichtigkeit, dass die Aktion NOTEINGANG in Schwäbisch Gmünd bekannt wird. Einerseits, damit in Not geratene Menschen wissen, wo sie unkompliziert und schnell Hilfe erhalten, anderseits aber auch, um die Bevölkerung zu sensibilisieren und zu ermutigen, hinzuschauen und einzugreifen und nicht wegzuhören und das Geschehen nicht zu dulden.

Hilfeleistung für Menschen in Not ist Bürgerpflicht und eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
Die Öffentlichkeitsarbeit geschieht einerseits über die klassischen Wege wie Presse, Internet und Facebook.
Andererseits werden verschiedene Gremien und Organisationen über die Aktion informiert und eine gute Zusammenarbeit mit ihnen angestrebt.
Weiter sind verschiedene Aktionen geplant, um die Aktion in den Köpfen aller Gmünder und *Gmünderinnen lebendig zu halten.

Wie werde ich ein NOTEINGANG?

Als Schutzräume bieten sich Läden, Gaststätten, Tankstellen, öffentliche Gebäude…an. Alle Schutzräume werden mit einem Aufkleber „NOTEINGANG“ an der Türe gekennzeichnet.
Es müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein, dass man ein NOTEINGANG werden kann:

  • Die Geschäftsräume liegen im Erdgeschoss und sind von der Straße aus sichtbar
  • Die Tür ist während der Öffnungszeiten nicht verschlossen und ist ohne Klingeln zu öffnen
  • Regelmäßige Öffnungszeiten
  • Kein anonymer Geschäftsraum. Ein*e Ansprechpartner*in sollte immer vor Ort sein.

Bei Interesse wenden Sie sich einfach an die Geschäftsstelle des Stadtjugendrings. Alle weiteren Details werden dann in einem persönlichen Gespräch besprochen.

Wo gibt es NOTEINGÄNGE?

Folgende Kooperationspartner*innen unterstützen uns und bieten einen NOTEINGANG:

  • Bistro Schlupfloch, Franziskanergasse 17, GD
  • Hinz und Kunz, Ledergasse 50, GD
  • Le Clochard, Kalter Markt 18, GD
  • bunter Hund, Buhlgässle 5, GD
  • Kebaphaus, Hintere Schmiedgasse 1, GD
  • Sanitätshaus und Orthopädietechnik OrthoTecLeicht, Predigergässle 2, GD
  • Röttele MännerMode, Kalter Markt 27, GD
  • unverpackt GD, Kalter Markt 12, GD
  • Gmünder Weltladen, Kalter Markt 29, GD
  • Buchhandlung Schmidt, Ledergasse 2, GD
  • VR- Bank Ostalb eG, Ledergasse 27, GD
  • Buchhandlung Fiehn, Buhlgäßle 6, GD
  • toom Baumarkt, Graf-von-Soden-Str. 9, GD
  • Heidi Wäschemoden
  • Café Mikro, Vordere Schmiedgasse 17, GD
  • Bonbole - Gmünder Bonbonmanufaktur, Kappelgasse 2, GD
  • Jugendkulturzentrum Esperanza, Benzholzstraße 8, GD
  • Escobar, Ledergasse 22, GD
  • Gyros Anestis, Freudental 4, GD
  • Stadtbibliothek, Spitalhof 1, GD
  • Seniorenzentrum St. Anna, Katharinenstraße 34, GD
  • Salvatorschenke, Nepperbergstraße 6, GD
  • AOK - Die Gesundheitskasse Ostwürttemberg, Pfeifergässle 21, GD
  • LBS Südwest, Bahnhofplatz 1, GD
  • Stadtteilbüro West, Heinrich-Steimle-Weg 1, GD
  • DRK Kreisverband, Weißensteiner Straße 40, GD
  • Stadtteilbüro Süd, Klarenbergstraße 33, GD
  • Haus am Königsturm - Jugendhaus, Königsturmstraße 13, GD
  • Mrs. Sporty, Parlerstraße 9, GD
  • Aidshilfe, Traubengäßle 3, GD
  • IG Metall, Türlensteg 32, GD
  • KKF/Brazil, Hirschgässle 7 A, GD
  • Bassano, Johannisplatz 4, GD
  • Abwärts, Parlerstraße 9, GD
  • Mobile Jugendarbeit, Nepperbergstraße 7, GD
  • Gmünder VHS, Münsterplatz 15, GD
  • Städtischer Jugendraum Lindach, Schloßstraße 31, Lindach
  • Städtischer Jugendraum Herlikofen, Kerkerstraße 26, Herlikofen
  • Städtischer Jugendraum Hussenhofen, Rupert-Mayer-Straße, Hussenhofen
  • Städtischer Jugendraum - Jugendhütte Bargau, Himmelreichstraße, Bargau
  • Städtischer Jugendraum Weiler, Pfarrer-Haug-Straße 23, Weiler i.d.B.
  • Städtischer Jugendraum Degenfeld, Filstalstraße 17, Degenfeld
  • Irene Mangerie Tattoo, Nikolausgasse 1, GD
  • Generationentreff Spitalmühle, Spitalhof 3, GD
  • a.l.s.o., Goethestraße 65, GD
Gewalt hat viele Gesichter Informationen und Definitionen zu den unterschiedlichen Arten von Gewalt
  • Sexistische Übergriffe und Sexismus
    Der Drink, der einer Frau aufgeredet wird, den sie eigentlich nicht trinken möchte, aus Höflichkeit dann aber doch zusagt. Der Klaps auf den Po, der „eigentlich nur ein Kompliment sein sollte“. Das Hinterherpfeifen und Rufen. Die Rechtfertigung dafür, der Ausschnitt sei tief und der Rock kurz. Das sind nur wenige Beispiele für Verhaltensweise, die keine Lappalien sind, sondern Frauen diskriminieren, ausschließen, verletzen.
  • Rassismus
    Wenn eine Person aufgrund ihrer Hautfarbe nicht in einen Club eintreten darf, weil ihr oder ihm unterstellt wird, sich nicht benehmen zu können oder Menschen aufgrund ihrer Herkunft direkt beschimpft und/oder körperlich angegangen werden ist es für die meisten offensichtlich, dass es sich um Rassismus handelt. Alltagsrassimus zeigt sich oftmals jedoch auch unterschwelliger. Als „fremd“ wahrgenommene Personen werden bewusst ignoriert und übersehen, abwertende Sprüche und Kommentare in der Nähe aber auch Abwesenheit über Asylbewerber*innen oder andere als „fremd“ wahrgenommene Personen, Benachteiligung bei der Wohnungssuche oder das Benutzen von diskriminierenden Worten sind hierfür nur wenige Beispiele. Ihnen ist gemeinsam, dass sie Menschen aufgrund einer nicht selbstgewählten Herkunft abwerten und ausschließen und deshalb dagegen klar Stellung bezogen werden muss.
  • Diskriminierung von Menschen mit Behinderung
    „Bist du behindert?“ mag für viele, oft junge Menschen im alltäglichen Sprachgebrauch verankert sein. Dass hier jedoch eine körperliche Eigenschaft als Schimpfwort benutzt wird, ist den meisten dabei nicht bewusst. Auch abwertende Kommentare oder der schräge Blick Menschen gegenüber, welche andere Fähigkeiten oder aufgrund einer Einschränkung ein anderes Aussehen haben zählen dazu. Neben diesen aktiven Übergriffen zählen nicht barrierefreie Zugänge oder was Verweigern von Hilfe aber auch die Unterschätzung von Menschen mit Behinderung zu Verhaltensweisen, welche eine ganze Personengruppe aus unserer Gesellschaft ausschließt.
  • Homophobie
    In Deutschland können homosexuelle Paare seit 01. Oktober 2017 heiraten. Es gibt viele Prominente, die sich offen zu Homosexualität bekennen. Und dennoch ist es weiterhin Alltag, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Das beginnt dabei, „schwul“ als Schimpfwort zu gebrauchen, geht über verächtliche Blicke und Kommentare gegenüber homosexuellen Paaren, Männern, welche sich „weiblich“ und Frauen, welche sich „männlich“ kleiden bis hin zu körperlicher Gewalt gegenüber Homosexuellen.

Weiterführende Informationen zu allen Arten von Gewalt erhalten Sie bei
Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

Demokratiezentrum Baden-Württemberg

Wo finde ich Hilfe?

Niemand ist alleine. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen. Hier eine Übersicht über verschiedene Ansprechpartner*innen für unterschiedliche Problemlagen:

Weißer Ring e.V. Ostalbkreis - Hilfe für Kriminalitätsopfer, Bundesweites Opfer-Telefon 116 066, tägl. 7:00-22:00

Bundesweites Hilfetelefon - Gewalt gegen Frauen, Tel. 08000 116 016, rund um die Uhr, anonym und kostenlos

Frauen helfen Frauen e.V. Schwäbisch Gmünd, Notruf-Telefon 07171 399 77,  Mo 17:00-19:00 und Do 9:30-11:30

Aids-Hilfe Schwäbisch Gmünd, Info-Telefon 07171 19 4 11, rund um die Uhr

Kontaktstelle gegen sexuellen Mißbrauch von Jungen und Mädchen, Tel. 07361 503 14 73, Mo, Mi, Do, Fr 8:15-11:45 und Mo, Di, Mi, Do 14:00-16:00

Kinderschutzbund OV "Altkreis Schwäbisch Gmünd e.V.", Tel. 07171 666 86, Mo, Di, Fr 9:00-11:00

Rassistische, antisemitische und rechte Gewalt - Leuchtlinie - Beratung für Betroffene von rechter Gewalt, Tel. 0711 88 89 99 33, Fr. 9:00-17:00

Beratungsstelle für Menschen, die von rechtsextremen Äußerungen oder Handlungen betroffen sind - Fachstelle "kompetent vor Ort" - Demokratie-zentrum Baden-Württemberg, Tel. 07042 83 17 30

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