Alois Hahn

Umschlag des Briefs von Alois Hahn an seinen Onkel
StadtA GD, A3 Nr. 2308

Alois Hahn war der Sohn des Gemischtwarenhändlers Xaver Hahn. Er und seine Brüder wanderten in den 1860er Jahren nach Chicago aus.

1871 schreibt Alois Hahn an seinen Onkel, den Stadtpfleger Carl Hahn in Gmünd: Er berichtet von wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Amerika, macht sich aber auch Sorgen um seine Verwandten in der Heimat: 1870/71 war Württemberg am Deutsch-Französischen Krieg beteiligt.

StadtA GD, A3 Nr. 2308

Chicago den 25. April 1871

Geehrter Herr Onkel!

Ich habe Ihnen vor ein paar Monaten einen Brief geschickt, ich denke Sie werden denselben nicht erhalten haben, oder hat in mein Vater erhalten und mir nicht geschrieben. Vielleicht haben die Briefträger gemeint von meinem Bruder, Karl, welcher hier ist.

Mir geht es wirklich ziemlich gut, ich arbeite wieder. Dagegen haten wir diesen Winter sehr schlechte Zeiten hier. Ich hate ein paar Monaten keine Arbeit, so daß ich nichts verdienen konnte und mein erspartes Geld fortgegangen ist.

Ich habe an Sie eine Bitte zu richten, wenn sie so gut sein wollen und sie mir besorgen, geehrter Onkel. Es werd Ihnen wohl bekannt sein, daß ich schon zweimal Geld nach Deutschland geschickt habe, um dort daßselbe auf die Bank zu thun. Da ich das hörte daß dies der Fall nicht war, ich möchte es nicht haben wenn es verloren ginng, für welches ich so lange gearbeitet habe. Möchten Sie vielleicht so gut sein und mir ein bißchen beistehen daß das Geld in Bereitschaft werden kann, so wenn ich es einmal brauche, benutzen kann. Ich werde Ihnen dafür dankbar sein.

Wie geht es bei Euch in Deutschland? Ich glaub ihr habt wirklich auch schlechte Zeiten durch diesen Krieg [den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71], da sie bei uns auch nicht glänzend sind. Dieser Krieg mußte vor Deutschland ein blutiger gewesen sein, wie ich gehört habe. War Karl auch bei diesem Feldzuge, ist er gesund und wohl nach Hause gekommen welches ich im am besten wünsche. Sie können vielleicht mir auch Auskunft geben wie es bei meinem Vater geht, da ich seit einem Jahr keinen Brief von ihm bekommen habe. Ich hätte es doch nicht geglaubt, daß er so bald nach meiner lieben Mutters Tod heirathen werde, das hätte ich von ihm nicht gedacht.

Ich will nun vor diesmal mein Schreiben enden, da ich nicht mehr viel Zeit habe fortzusetzen. Wenn Sie mir je schreiben möchten, so will ich meine Adresse hiebei legen, wenn Sie das thun wollen aber nur bald, denn ich weiß nicht wie lange ich hier bleibe.

Es gefallt mir nicht sehr gut in Chicago denn es sind zu [viele] Mezger und andere Arbeiter hier.

Ich grüße Euch alle herzlich

Euer dankbarer Diener

Alois Hahn

 

Grüßet auch Onkel Dakter in Ellwangen wenn Ihr zu Ihm kommt, wenn Ihr es gleichet zu thun.

Ich wünsche Euch Glück und Segen und alles Gute.

 

[Transkription unter Benutzung von: Johannes Schüle, Auswandern. Schwäbisch Gmünder Auswanderer und ihre Briefe in die Heimat, Schwäbisch Gmünd 2010.
Erläuterungen/Ergänzungen in eckigen Klammern, Satzzeichen sowie Groß- und Kleinschreibung zur Erleichterung des Leseflusses angepasst]

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