Die Dauerausstellung

mit den Highlights der Sammlung

Auf zwei Etagen führt ein großzügiger, chronologisch angelegter Rundgang durch alle Epochen der Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünds und ermöglicht eine Zeitreise durch Kunst und Kultur: von einer Replik der Figur des "Löwenmenschen" und Funden der Römerzeit über eine staufische Madonna bis zu Grafik von Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien; von Elfenbeinarbeiten Johann Michael Mauchers und Porträts des spätbarocken Malers Johann Georg Strobel über den Kirchenschatz des Heilig-Kreuz-Münsters bis zur Malerei und Skulptur des 19. und 20. Jahrhunderts, unter der sich Werke so bedeutender Künstler wie Emanuel Leutze, Wilhelm Widemann, Hermann Pleuer, Jakob Wilhelm Fehrle, Reinhold Nägele und Erich Heckel finden.

Römer

Jupiterstatuette, Bronze mit Silber- und Kupfereinlagen, 2. Hälfte 2. Jh. n. Chr., H 11,8 cm. Bild: Museum im Prediger

Die Römerabteilung widmet sich umfassend den Themen Begräbnis- und Badekultur, dem Götterkult und dem Leben am Limes in Obergermanien in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Ein lebendiges Bild davon vermitteln Funde vom Kastell und Bad am Schirenhof sowie ausgewählte Objekte aus den Gräbern des Brandgräberfriedhofs, dem bislang einzig vollständig ergrabenen in Baden-Württemberg. Ein herausragendes Zeugnis der Provinzialkunst der römischen Kaiserzeit und der Götterverehrung ist eine Jupiterstatuette aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus. Die rund 12 cm hohe Bronzefigur mit Silber- und Kupfereinlagen wurde 1926 in Schwäbisch Gmünd im Remsschotter gefunden. Das Gesicht trägt die Züge von Kaiser Antonius Pius (Regierungszeit 138–161), dem Gründungskaiser es gesamten Schirenhofareals und aller nachfolgenden rätischen Kastelle in der Region. Jupiter war für die Römer der oberste Himmelsgott, Beschützer des Staates, des Heeres und des Kaiserhauses.

Jupiterstatuette, Bronze mit Silber- und Kupfereinlagen, 2. Hälfte 2. Jh. n. Chr., H 11,8 cm. Bild: Museum im Prediger

Staufer

Rundbogenrelief mit Drachen von der Westfassade der Johanniskirche, Sandstein mit Resten farbiger Bemalung. Foto: Joachim Haller

Einen wichtigen Platz in der Präsentation nimmt die Spätromanik ein, die Zeit der Staufer. Sie stellt zugleich einen frühen Höhepunkt in der Stadtgeschichte Gmünds dar. Vor allem ein Bauwerk dokumentiert bis heute diese Epoche: die Johanniskirche. Belegt wird sie durch originale Bauplastik, die bei einer ersten durchgreifenden Renovierung der Kirche durch Repliken ersetzt wurde und dann ins Museum gelangte.

Rundbogenrelief mit Drachen von der Westfassade der Johanniskirche, Sandstein mit Resten farbiger Bemalung. Foto: Joachim Haller

Mittelalter

Schweißtuch der Hl. Veronika, 1419, Leimfarben auf Fichtenholz

Eine Reihe überregional bedeutender Werke beleuchten das späte Mittelalter. Das älteste Gmünder Tafelbild und dazuhin eines der frühesten datierten schwäbischen Tafelbilder überhaupt stellt das »Schweißtuch der Hl. Veronika« dar, das die Jahreszahl 1419 aufweist. Die Fichtenholztafel (39 x 21,5 cm) ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich, denn sie ist beidseitig bemalt: die Vorderseite zeigt in Leimfarbenmalerei das Schweißtuch der Hl. Veronika; die Rückseite trägt in Harzölmalerei das wohlerhaltene jüngere Bild einer Hl. Kümmernis. Das Veronikabild war vermutlich der Predella eines Münsterretabels eingefügt, das bei dem Einsturz der beiden Münstertürme 1497 zerstört wurde; so lässt sich die weder stilistisch noch inhaltlich, weder maltechnisch noch in der Erhaltung übereinstimmende doppelseitige Bemalung erklären. Zugeschrieben wird das Werk Eitel Martin, einem in Gmünder Urkunden zwischen 1413 und 1438 mehrfach genannten Maler.

Schweißtuch der Hl. Veronika, 1419, Leimfarben auf Fichtenholz
Savator mundi / Die wahre Länge Christi, Tempera, Öl auf Holz, 1487 (Ausschnitt) © Museum im Prediger
Savator mundi / Die wahre Länge Christi, Tempera, Öl auf Holz, 1487 (Ausschnitt) © Museum im Prediger

In den Bildfindungen der Kunst eine absolute Rarität ist das Tafelbild »Die Wahre Länge Christi«, das nicht weniger als den Anspruch erhebt, das Abbild und die Wahre Länge Christi darzustellen oder, wie es der Maler selbst auf der 1487 datierten Holztafel vermerkt hat: »ain gleichnus der person cristi / die leng vnd gros«. Christus steht dem Betrachter als zwei Meter hohe Gestalt gegenüber. Die Linke hält die Kristallweltkugel, die Rechte ist segnend erhoben. Neben den bloßen Füßen Christi, der über einem grauen Kleid einen dunkelroten Schultermantel trägt, kniet ein kleines Stifterpaar.

Die größten Tafeln stellen zwei Flügelbilder eines verlorenen Altarschreines dar, die um 1500 datieren: die Geburt Christi und die Anbetung der Könige.

Savator mundi / Die wahre Länge Christi, Tempera, Öl auf Holz, 1487 (Ausschnitt) © Museum im Prediger

Schnitzwerke der Spätgotik

Hl. Sippe, Werkstatt oder Umkreis Daniel Mauch, um 1520
Hl. Sippe, Werkstatt oder Umkreis Daniel Mauch, um 1520

Das früheste Schnitzwerk der Spätgotik ist eine um 1330 in Lindenholz gefertigte sitzende Muttergottes.
Eine ganz herausragende Stellung unter den etwa 160 in ganz Mitteleuropa nur noch erhaltenen Palmeseln nimmt das Gmünder Exemplar ein, sowohl nach Qualität als auch nach Erhaltungszustand und Geschichte . Das um 1500 geschnitzte hölzerne Ensemble aus Tier, Reiter und Wagen, das Christus auf einem Esel reitend darstellt, wurde von einem unbekannten Bildhauer erschaffen. Vom Mittelalter bis zum Jahr 1801 stand die Figurengruppe im Mittelpunkt großer Prozessionen in Schwäbisch Gmünd, mit denen die Kirchengemeinde den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem und den gleichzeitigen Beginn der Passion öffentlich nachstellte.

Ein Glanzlicht spätgotischer Schnitzkunst offenbart sich in einer um 1520 entstandene Hl. Sippe, die dem bekannten Ulmer Bildschnitzer Daniel Mauch (* um 1477 in Ulm; † 1540 in Lüttich) zugeschrieben wird.

Hl. Sippe, Werkstatt oder Umkreis Daniel Mauch, um 1520

Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Maria mit Kind auf der Rasenbank, um 1505/1507, Holzschnitt.

Zu den kulturgeschichtlich bemerkenswertesten Objekten zählt die Preistafel vom Gmünder Büchsenschießen des Jahres 1480. Auf der großen Tafel sind die Preise abgebildet samt den Münzwerten und kleinen Gmünder Standarten im traditionellen Weiß-Rot. Das Richtschwert der Stadt Schwäbisch Gmünd, eine um 1600 entstandene Arbeit des Solinger Klingenschmieds Peter Munsten, symbolisiert auf eindrückliche Weise das Recht der Freien Reichsstadt Gmünd auf Ausübung der Gerichtsbarkeit.

Ein besonders eingerichtetes Grafik-Kabinett zeigt eine Auswahl des Sammlungsbestandes an Blättern von Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien.

Umfassend präsentiert sind das Gmünder Gold- und Silbergerät, die religiöse Kunst und das Kunsthandwerk der Renaissance und des Barock. Zum ersten Mal überhaupt zu sehen ist der Gesamtbestand an Minnekästchen: Diese Kästchen sind außen und häufig auch innen aufwendig mit Blüten- und Pflanzenmotiven bemalt und zeigen in vielen Fällen auf oder im Deckel ein sich die Hände reichendes Paar. Die Filigran- und Rosenkranzproduktion und der Schmuck, vor allem Gmünder Ringschmuck, bilden weitere Schwerpunkte.

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Maria mit Kind auf der Rasenbank, um 1505/1507, Holzschnitt.

Der Elfenbeinschnitzer Johann Michael Maucher

Johann Mochael Maucher (1645-1701), Pulverflasche, um1680, Elfenbein

Zu den künstlerischen Höhepunkten des Barock zählen unzweifelhaft die Arbeiten des Elfenbeinschnitzers und Bildhauers Johann Michael Maucher (* 1645 in Schwäbisch Gmünd; † wohl 1701 in Würzburg), der als „Meister der Kleinkunst von gesamteuropäischem Format" gilt. Sein Schaffen repräsentieren eine Prunkschale aus Elfenbein, ein Radschlossbüchsenpaar und eine Pulverflasche, der eine wilde Tierszene eingeschnitten ist. Darin haben sich Jagende und Gejagte in einem kreisenden Knäuel verbissen. Zwischen Löwe, Rind und Bär kämpft die Meute der Hunde. Weder Anfang noch Ende hat dieses komplexe Bild, das sich in einem dreidimensionalen Rund zu einem bewundernswerten Ganzen formt. Im gewaltigen, elf Meter hohen Orgelprospekt mit überlebensgroßen Figuren im Heilig-Kreuz-Münster hat sich Johann Michael Maucher zudem ein bildhauerisches Denkmal gesetzt.

Johann Mochael Maucher (1645-1701), Pulverflasche, um1680, Elfenbein

Gmünder Filigran

Rosenkranzanhänger, Schwäbisch Gmünd, 18. Jahrhundert, Silberfiligran, Email

Einen breiten Raum nimmt das Filigran ein, mit dem das Gmünder Kunstgewerbe im 18. und 19. Jahrhundert weithin bekannt wurde. Filigran bedeutet wörtlich so viel wie »gekörnter Draht« und bezeichnet feine Schmiedearbeiten aus Metallfäden. Das bevorzugte Material ist Silber, deren dünngezogene und gezwirbelte Drähte das Ausgangsmaterial vielfältiger Arbeiten darstellen. Das Filigran diente zur Fassung von Rosenkranzperlen oder verschiedenartiger Anhänger, es gab dem Kopf einer Haarnadel ihre Gestalt oder einer Florschnalle. Filigran fand demnach im religiösen Bereich genauso Anwendung wie im volkstümlichen Schmuck.

Rosenkranzanhänger, Schwäbisch Gmünd, 18. Jahrhundert, Silberfiligran, Email

Kirchenschätze

Madonna Immaculata
Madonna Immaculata, 1755-1757, Franz Anton Lang (gest. 1769), Augsburg, Madonna: Silber teilvergoldet, Glassteine, Perlmut, Email, H 128 cm © Museum im Prediger

Den Abschluss des ersten Teils der Dauerausstellung bildet die Präsentation der kirchlichen Schätze aus dem Heilig-Kreuz-Münster, der Franziskuskirche und dem Heiliggeistspital. Der Kirchenschatz des Heilig-Kreuz-Münsters zählt mit seinen Objekten vom 14. bis ins frühe 20. Jahrhundert zu den bedeutendsten Baden-Württembergs und ermöglicht ein Schwelgen in Gold, Silber und edlen Steinen kostbarer Monstranzen, Kelche und Reliquiare. Die Kirchenschätze stehen im Dialog mit barocken Skulpturen und Gemälden aus Gmünder Kirchen und Kapellen stehen: Darunter findet sich ein „Heiliger Nikolaus“ von Johann Thaddäus Sauter aus dem Jahr 1734; das Bild war wohl das Altarblatt des Nikolaus-Altars der Spitalkapelle. Ferner eine „Kreuztragung“ des Barockmalers und Freskanten Johann Michael Franz (1715-1793); das Tafelbild aus dem Jahr 1792 kam vom Kapuzinerkloster (Abbruch 1810) auf den Salvator, später ins Spital und danach in den Sammlungsbestand des Gmünder Museums. Mit diesen Gemälden vereint sind Skulpturen, die den Weg vom Depot an die Öffentlichkeit gefunden haben und nun zum ersten Mal ausgestellt sind: zu diesen Kleinodien gehören ein „Heiliger Rochus“ aus Lindenholz aus der 1. Hälfte 18. Jahrhunderts, der in freigelegter Vergoldung neu erstrahlt und ein Gottvater (Gnadenstuhl), eine seltenes Werk aus der 1. Hälfte 18. Jahrhunderts. Einen ganz besonderen Platz hat auch ein „Heiliger Leopold“ gefunden: die Ende des 17. Jahrhunderts datierte Holzskulptur eines unbekannten Bildhauers, die den Heiligen in Rüstung mit Markgrafenhut und Hermelinzier zeigt, stand früher als vermeintlicher Heiliger Florian im Refektorium und weckt nach ihrer Restaurierung neue Aufmerksamkeit.

Madonna Immaculata, 1755-1757, Franz Anton Lang (gest. 1769), Augsburg, Madonna: Silber teilvergoldet, Glassteine, Perlmut, Email, H 128 cm © Museum im Prediger

Emanuel Leutze und die Düsseldorfer Malerschule

Emanuel Leutze, Tizians Lagunenfahrt, 1857, Öl auf Leinwand, 95 x 123,5 cm
Emanuel Leutze, Tizians Lagunenfahrt, 1857, Öl auf Leinwand, 95 x 123,5 cm

Die Forsetzung findet die Dauerausstellung im zweiten Obergeschoss. Hier führt der Weg von Pferdebildern Johann Wilhelm Baumeisters zum großen Werkkomplex der berühmten Düsseldorfer Malerschule, darunter Andreas und Oswald Achenbach, Carl Friedrich Lessing und Emanuel Leutze (Schwäbisch Gmünd 1816 – Washington 1868), von dem das Gmünder Museum den weltweit größten Bestand an Werken besitzt. Leutzes Gemälde »Washington Crossing the Delaware« (1851, New York, Metropolitan Museum), das in der Ausstellung als Stahlstich zu sehen ist, gilt als Inkunabel der amerikanischen Historienmalerei und gehört gewissermaßen zu den Staatsmonumenten der USA.

Emanuel Leutze, Tizians Lagunenfahrt, 1857, Öl auf Leinwand, 95 x 123,5 cm

Wilhelm Widemann-Kabinett

Wilhelm Widemann (1856-1915), Emailprunkstück "Meeresleben", um 1905, Silber, Gold, Email, Muschel, Perlen

Eine besondere Würdigung erfährt das Werk des 1856 in Schwäbisch Gmünd geborenen Wilhelm Widemann (gest. 1915 in Berlin). Widemanns künstlerischer Schwerpunkt waren Bronzereliefs, virtuos gearbeitete, form- und figurenreiche Prunkemails und Tafelaufsätze sowie Tischdekorationen etwa für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und für das Kronprinzensilber. Dazu kamen zahlreiche Bauplastiken. Widemann zeichnete sich mit diesem umfangreichen Spektrum sowohl im Kunstgewerbe als auch in der Kunst aus. Er war Mitarbeiter unter anderem von Paul Wallot, arbeitete in Berlin am Reichstagsgebäude, am Bodemuseum, am Palais des Reichspräsidenten und am Berliner Dom.

Wilhelm Widemann (1856-1915), Emailprunkstück "Meeresleben", um 1905, Silber, Gold, Email, Muschel, Perlen

Pleuer und der schwäbische Impressionismus

Hermann Pleuer, Bahnhofshalle im Alten Stuttgarter Bahnhof, 1907, Öl auf Karton, 38,5 x 48,5 cm
Hermann Pleuer, Bahnhofshalle im Alten Stuttgarter Bahnhof, 1907, Öl auf Karton, 38,5 x 48,5 cm

Die schwäbische Freilichtmalerei ist mit Werken von Friedrich von Keller (1840–1914), Christian Landenberger (1862–1927) und Otto Reiniger (1863–1909) vertreten, vor allem aber durch den in Schwäbisch Gmünd geborenen Hermann Pleuer (1863–1911). Mit seinen Bahnhofsbildern griff Pleuer ein typisch impressionistisches Motiv auf; daran interessierte ihn weniger der farbige Schein der Dinge als ihr Wesen, das sich dahinter verbirgt. Pleuer wird jedoch nicht nur der »Maler der Eisenbahn« gezeigt, wie er oft verkürzt dargestellt wird; zu sehen ist auch, dass er im Figurenbild mit Badenden im Mondschein und im Landschaftsbild mit Motiven vornehmlich seiner Heimat hervorragende Werke geschaffen hat.

Hermann Pleuer, Bahnhofshalle im Alten Stuttgarter Bahnhof, 1907, Öl auf Karton, 38,5 x 48,5 cm

Moderne im Südwesten

Peter Jakob Schober (1897-1983), Mädchen aus der Rue St. Paul, 1930, Öl auf Leinwand

Über Skulpturen des Gmünder Bildhauers Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974) führt die Ausstellung schließlich zur Malerei von Reinhold Nägele (1884–1972), Erich Heckel (1883–1970), Paul Mahringer (1904–1969) und Peter Jakob Schober. Peter Jakob Schober, 1897 in Gschwend geboren und 1983 in Beilstein-Billensbach verstorben, gehört zu den Malern der Klassischen Moderne Südwestdeutschlands, die konsequent ihren Weg zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit gegangen sind. Sein Gemälde »Mädchen aus der Rue St. Paul«, mit dem er vertreten ist, entstand während eines Studienaufenthalts in Paris (1929 bis 1932), wo er sich intensiv mit dem Werk Paul Cézannes auseinandersetzte.

Peter Jakob Schober (1897-1983), Mädchen aus der Rue St. Paul, 1930, Öl auf Leinwand
ZUM BILD