Altes bewahren_Neues gestalten

Altes bewahren – Neues gestalten Städtebauförderung in Schwäbisch Gmünd www.stadtumbau-gd.de Älteste Stauferstadt

3 2 1 1 Sanierungsgebiete in der historischen Alstadt 1 Westlicher Stadteingang 2 Altstadtquartier I 3 Altstadtquartier II 4 Altstadtquartier III 5 Altstadtquartier IV 6 Südöstliche Altstadt 7 Nordwestliche Altstadt 8 Münsterplatz / Brandstatt 9 Vordere Schmiedgasse 10 Nordöstliche Altstadt 11 Mühlbergle ehemalige Sanierungsgebiete aktuelle Sanierungsgebiete Städtebauförderung – Ziele und Aufgaben Sanierungsverfahren Um die Lebens- und Wohnqualität in unseren Städten und Dörfern zu sichern und zu verbessern, bedarf es großer finanzieller Investitionen durch die Kommunen. Seit über 40 Jahren unterstützen der Bund und das Land Baden-Württemberg die städtebauliche Erneuerung mit hohen öffentlichen Fördermitteln. Diese Gelder tragen dazu bei, Orts- kerne zu sanieren, historische Stadtbilder zu erhalten, Verkehrsbelastungen zu reduzieren, Plätze und Parks attraktiver zu gestalten und das Wohnumfeld in benachteiligten Gebieten aufzuwerten. Die Förderung erstreckt sich nicht nur auf rein städtebauliche und gestalterische Sanierungsaufgaben. Auch wirtschaftliche, soziale und ökologische Aspekte werden berück- sichtigt. Als enger Partner der Kom- munen unterstützt die Städtebau- förderung nachhaltige Maßnahmen, die ein lebendiges und lebenswertes Umfeld für Bürgerinnen und Bürger schaffen – und zwar dauerhaft. Umso wichtiger ist die Einbindung in ein durchdachtes Stadtentwicklungskonzept. Die Städtebauförderung ermöglicht Kommunen notwendige Investitionen in ihre Stadtentwicklung und sie erzeugt wertvollen Mehrwert. Vor allem das örtliche Baugewerbe und das Handwerk profitieren von Aufträgen. Ein Euro Förderung löst rund sieben Euro an Folgeinvestitionen aus. Städtebauförderung ist daher auch ein wichtiges Instrument der Wirtschaftsförderung vor Ort. Wirtschaftliche Impulse für die Region In der ältesten Stauferstadt verbindet sich jahrhundertelange Tradi- tion mit zukunftsweisender Stadt- entwicklung – auch dank der seit den 1970er-Jahren systematisch betriebenen Stadterneuerung. Circa 40 Mio. Euro Finanzhilfen des Bundes und des Landes flossen seitdem nach Schwäbisch Gmünd, wo sie ein beeindruckendes Investitionsvolumen von über 300 Mio. Euro anstießen. Durch diese Zuschüsse konnten in der großflächigen Altstadt mit ihrem wertvollen historischen Baubestand zahlreiche Sanierungsverfahren erfolgreich durchgeführt werden. Die Städtebauförderung umfasst ein breites Spektrum an Aufgaben- und Problemfeldern. So konnten auch in der übrigen Kernstadt und in den Teilorten von Schwäbisch Gmünd mit Mitteln der Städtebauförderung städtebauliche und funktionale Missstände beseitigt werden. Die Maßnahmen reichten von der Nach- nutzung von Brachflächen bis zur Stabilisierung und Aufwertung benachteiligter Gebiete. Auf den folgenden Seiten dieser Broschüre werden die aktuellen Sanierungsprojekte vorgestellt. Besuchen Sie unseren Themenpfad auf der Landesgartenschau und in der Altstadt! An 20 Stationen können Sie die sanierten Gebäude und modernisierten Stadtquartiere an Ort und Stelle sehen! 3 9 10 11 7 4 8 5 6 2

5 4 4 3 1 2 5 6 7 9 10 13 12 11 14 15 16 17 18 19 20 Die Stationen im Überblick Auf dem Gartenschau-Gelände 1 Auftakt-Tafel 2 Bahnhofplatz 3 Remspark 4 Haus Hirzel 5 Stadtgarten 6 Congress-Centrum Stadtgarten 7 Gold und Silber / Altersgenossenplätzle 8 Fünfknopfturm und -brücke 9 Kroatensteg 10 Karl-Olga-Brücke In der Altstadt 11 Mutterhaus / Bocksgasse 12 Johannisplatz / Prediger 13 Münsterplatz 14 Kornhaus 15 Rathaus 16 Marktplatz 17 Höferlesbach 18 Rinderbacher Gasse 19 Mühlbergle 20 Ledergasse / Remsgalerie 8 Das Gelände der 25. Landesgartenschau 2014 ist direkt mit der histori- schen Altstadt von Schwäbisch Gmünd verknüpft. Durch dieses wegweisende Konzept wurden Natur, Landschaft und Wasser wieder harmonisch mit der Stadt in Einklang gebracht. Unser Themenpfad stellt auf 20 Tafeln die wichtigsten Maßnahmen dieser Durch die Verlegung der Bundes- straße 29 in den Gmünder Einhorn- Tunnel konnte der komplette west- liche Stadteingang neu gestaltet werden. Dazu gehören die dauer- hafte Anbindung des bisher wegen der hohen Verkehrsbelastung stark vernachlässigten Bereichs am Bahnhof und Stadtgarten an die Altstadt, der erweiterte Stadtgarten, die „Gamundia“-Bebauung und das neue Bahnhofsvorfeld. Hier entstanden öffentliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität. Neuordnung vor, die dank der Städte- bauförderung realisiert werden konnten. Im anschaulichen Vorher- Nachher-Vergleich dokumentieren neun Stationen Neuordnungsprojekte innerhalb des Gartenschaugeländes, zehn weitere Stationen stellen Sanierungsverfahren in der Altstadt vor. Der Themenpfad „Städtebauförderung in Schwäbisch Gmünd“ Der Themenpfad auf dem Gartenschau-Gelände Natur und Stadt begegnen sich auf neue Weise Auch das Element Wasser wird nun unmittelbar in der Stadt erlebbar: durch die Höherlegung des Josefsbachs, die ansprechende Neuge- staltung seines Mündungsbereichs in die Rems und einen naturnahen Uferweg. Eine neu entstandene Brückenlandschaft vernetzt die Um- gebung für Fußgänger und Rad- fahrer mit der Altstadt. 1

7 6 Auch im Bereich des Bahnhofs machte die Verlegung der Bundes- straße 29 in den Gmünder Einhorn- Tunnel den Weg frei für eine zu- kunftsweisende städtebauliche Neuordnung. Das Bahnhofsgebäude war 1861 mit dem Bau der Remstalbahn errichtet worden und leitete mit seinen mehrfach veränderten Anlagen die nordwestliche Stadterweiterung Was gezielte Städtebauförderung leisten kann, zeigt der westliche Stadteingang von Schwäbisch Gmünd. Das Gebiet zwischen Bahnhof, Congress Centrum, Stadtgarten und dem Mündungsbereich Josefsbach / Rems war durch den mehrspurigen Ausbau der Lorcher- / Remsstraße (B29) in den 1970er-Jahren zerschnitten, stark belastet und ohne Ziel des Stadtumbaus war es, den Bahnhof als einladendes Entree zur Innenstadt zu inszenieren. Das Herzstück bildete dabei die Aufwertung des Bahnhofsvorfelds als öffentlichen Raum – eine Art Visitenkarte Schwäbisch Gmünds für alle Besu- cher, die mit der Bahn anreisen. Dank der attraktiven Verknüpfung mit der historischen Altstadt wird der Bahnhof nun als Bestandteil der Innenstadt wahrgenommen. Der in Verbindung mit der Landes- gartenschau 2014 realisierte Stadt- umbau eröffnete einmalige Chan- cen. Dank der Verlegung der B29 (Gmünder Einhorn-Tunnel) konnte der komplette westliche Stadteingang grundlegend neu gestaltet und aufgewertet werden. Der bis- her stark vernachlässigte Bahn- hofsbereich und der Stadtgarten wurden dauerhaft an die Altstadt angebunden. Der Stadtgarten konnte nördlich der Rems (Rems- park) erweitert werden. ein. Durch das gegenüber erbaute Postgebäude entstand 1910 eine introvertierte Platzsituation, die keinerlei Bezug zur historischen Altstadt aufwies. Der Ausbau der vorgelagerten Lorcher Straße zur B29 verstärkte diese Trennwirkung in den 1970er-Jahren zusätzlich. Verbindung zur historischen Alt- stadt. Der städtebauliche Funktionsverlust zog fehlende Investitions- bereitschaft, erhebliche Gebäudemängel und Leerstände nach sich. Bahnhofplatz Remspark Der Bahnhof als Visitenkarte der Stadt Neue Freiräume für Mensch und Natur Bei der Sanierung wurden die Bahnsteige barrierefrei umgebaut. Die großzügig erweiterte Bahnhofsunterführung fungiert jetzt auch als Verbindung zum nördlich der Gleis- anlagen gelegenen Bereich. Dazu gehört unter anderem das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs, das jahrelang brachlag und heute von Sport- und Bildungseinrichtungen genutzt wird. Wo früher Verkehrs- und Brückenbauten dominierten, prägt heute der nicht nur städtebaulich, sondern auch stadtgeschichtlich bedeutende Mündungsbereich des Josefsbachs in die Rems das Bild. Durch seine Freilegung und attraktive Inszenierung hat Schwäbisch Gmünd ein wichtiges Identifikationsmerkmal zurückgewonnen: Aus der Mündung „Gamundia“ leitet die Stadt ihren Namen ab. Heute laden der um den Remspark erweiterte Stadtgarten, die Grabenallee und der Josefsbach zum naturnahen Entspannen und Genießen ein. 3 2

9 8 Das heute Villa Hirzel genannte Gebäude liegt exponiert im neu ge- stalteten Remspark. Mit der in die „Gamundia“-Bebauung integrierten Hauptpost und dem Bahnhofsge- bäude ist es historisches Zeugnis der nordwestlichen Stadterweiterung. Exemplarisch zeigt das direkt an der Rems gelegene Gebäude, wie eine gelungene Sanierung mit einer sinnvollen Nachnutzung verbunden werden kann. Der Stadtgarten und das Stahlsche Schlösschen mit Garten wurden in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Johann Michael Keller erbaut. Sie waren ein Geschenk des damaligen Bürgermeisters Georg Franz Stahl an seine Frau. Der nach französischem Vorbild angelegte Garten erstreckte sich damals vom Rokokoschlösschen in östlicher Richtung bis zum kunstvoll gearbeiteten Gartentor und war mit Pavillon, Gewächshaus, Springbrunnen und Zierbeeten in 16 Feldern ausgestattet. Dank Bürgerstiftung und Denkmalpflege konnte eine seltene Sonnenuhr als SteinpyramiDas Schicksal des Haus Hirzel ist eng verknüpft mit der verkehrlichen Entwicklung am westlichen Stadt- eingang. Durch den vierspurigen Ausbau der B29 in den 1970er-Jahren ins Abseits geraten, rückte das ehemalige Wohn- und Fabrikgebäude nach zeitweiligem Leerstand im Vorfeld der Landesgartenschau 2014 wieder in den Fokus. Nach einem Investorenauswahlverfahren wurde Das ortshistorisch wie städtebaulich bedeutsame Gebäude entstand vor 1875 als kleineres Wohnhaus. 1906 wurde es vom Architekten Carl Baas für den Fabrikanten Theodor Hirzel umgebaut und durch einen Fabrik- anbau ergänzt. Nach der vorüber- gehenden Vermietung an das Zollamt logierte hier nach dem Zweiten Weltkrieg die Silberwarenfabrik Forster & Graf. 1972 wurde das Anwesen an die Stadt verkauft. de renoviert werden. Auch spätere Elemente wie der um 1906 von Wilhelm Wiedemann entworfene Geigerbrunnen sind erhalten. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb die Stadt die Anlage vom Fabrikanten Gustav Hauber, der 1889 sein Wohnhaus anstelle der Orangerie erbauen ließ. Erst mit der Anlage des „Neuen Stadtgartens“ in den 1980er-Jahren wurde der Garten nach Westen erweitert; dafür musste die Alte Stadthalle von 1899 weichen. Haus Hirzel Stadtgarten Dank Städtebauförderung zu neuem Leben erweckt das Gebäude mit Unterstützung der Städtebauförderung saniert und durch einen ovalen Anbau ergänzt. Heute ist die Villa Hirzel ein multifunktionales Haus mit Veranstaltungspavillon, Hotelbetrieb und Gastronomie in attraktiver Lage. Die Verlegung der B29 und der Rückbau der Lorcher Straße ermöglichten eine Erweiterung des Stadtgartens über die Rems hinaus. Im Rahmen der verkehrlichen Neuordnung konnte ferner nach Osten der Bereich der ehemaligen Bahnhofstraße bis zum Josefsbach an den Stadtgarten ange- bunden werden. Die Bahnhofstraße wurde in „Am Stadtgarten“ umbe- nannt. Neuordnung nach Rückbau der Bahnhofstraße Die Erweiterungen binden den his- torischen Stadtgarten ein, dessen barocker Charakter neu interpretiert wurde. Ergänzt durch die sorgfäl- tigen Übergänge zur historischen Altstadt, entstand ein Stadt- und Grünraum von hoher Qualität. Die sanierte Fünfknopfturmbrücke und die Josenbrücke bilden eine direkte Wegeverbindung vom Stadtgarten in die historische Altstadt. Parallel zur Neuordnung des Rems- parks und der städtebaulich markanten Inszenierung des Bereichs Gamundia konnten mit Unterstützung der Städtebauförderung zahlreiche Brücken saniert oder neu gebaut sowie die Übergangszonen neu gestaltet werden. Heute führen ein Goldenes und ein Silbernes Band vom Remspark zum Stadtgarten: die neue Rokokobrücke Brückenlandschaft über den Josefsbach und die neue Bahnhofsbrücke über die Rems. Im Bereich des Josefsbachs sind es die Fünfknopfturmbrücke, der Kroatensteg, die Karl-Olga-Brücke und der Schillersteg. Der Fehrlesteg führt als modern gestalteter Fußgängerweg von der Altstadt und der Remsstraße zum nördlichen Remsufer. Von dort aus gelangt man zum nahe gelegenen Fehrleparkhaus und zum Bahnhof sowie zur Felsenkapelle „St. Salvator“ und in das Taubental. 5 4

11 10 Das 1984 erbaute Congress Centrum Stadtgarten (CCS) liegt mitten im Gelände der Landesgartenschau 2014 und ist als zentral gelegener Veranstaltungsort mit einbezogen. Zur Standortsicherung benötigt das CCS einen flexibel nutzbaren Anbau. Während der Landesgartenschau dient der Rohbau der räumDer Mündungsbereich des Josefsbachs in die Rems ist nicht nur städ- tebaulich, sondern auch stadthistorisch von großer Bedeutung. Aus der Mündung „Gamundia“ leitet Schwäbisch Gmünd seinen Namen ab. Vor dem Stadtumbau war die Mündung durch Brückenbauwerke der früher hier verlaufenden Bundesstraße 29 komplett verstellt und nicht wahrnehmbar. Die Verlegung der B 29 ermöglichte auch hier eine wegweisende städtebauliche Neu- ordnung. Dank der geänderten Verkehrsführung konnte der neu Nach der Landesgartenschau erfolgt der Endausbau des neuen Veranstaltungsgebäudes entsprechend den zeitgemäßen Anforderungen im Bereich Tagungskultur. Durch den modernen Anbau bietet das CCS Unternehmen, Veranstaltern und Messen künftig mehr Platz und kann den aktuellen Bedarf an Tagungs- und Seminarräumen für kleinere Veranstaltungen gezielt abdecken. Der Neubau des „Forum Gold und Silber“ markiert als Solitär den Mündungsbereich und die Nahtstelle zwischen historischer Altstadt und westlichem Stadteingang. Die eindrucksvolle Metallhülle changiert zwischen Gold und Silber. Damit erinnert sie an die Bedeutung Schwäbisch Gmünds als Gold- und Silberstadt und an die Tradition des Facettenschliffs bei der Edelsteinlichen Erweiterung als Blumenhalle für zwölf wechselnde Ausstellungen. Durch diese Zwischennutzungslösung konnte der kostenintensive Bau einer temporären Ausstellungshalle vermieden werden. gestaltete Mündungsbereich als zentrales Element der Freiraumkonzeption ebenso großzügig wie aufmerksamkeitsstark inszeniert werden. Die attraktive bauliche Gestaltung des Mündungsbereichs und die hohe Aufenthaltsqualität am neuen Rems- strand spiegeln die große Bedeutung dieses Ortes wider. Einladende Sitz- stufen am neuen Platz machen das Element Wasser hautnah erlebbar. Die Bezeichnung „Altersgenossenplätzle“ verweist auf die einzig- artige Tradition der Altersgenossenvereine und deren Jahrgangsfeste in Schwäbisch Gmünd. Congress Centrum Stadtgarten Gold und Silber / Altersgenossenplätzle Standortsicherung für Schwäbisch Gmünd und die Region „Forum Gold und Silber“ als symbolträchtiger Blickanker Mit Unterstützung durch die Städtebauförderung wird so die Zukunft des Congress Centrums Stadtgarten als attraktiver Tagungsort für Schwäbisch Gmünd und die gesamte Region nachhaltig gesichert. verarbeitung. Das Untergeschoss des Kubus öffnet sich zum Platz hin mit einer gastronomischen Nutzung. Dort wurde der noch erhaltene Teil der mittelalterlichen Stadtumwehrung freigelegt und architektonisch eindrucksvoll eingebunden. 7 6

13 12 Turm und Brücke mit den begleitenden Mauern sowie das Torhaus bilden das letzte erhaltene Ensemble der ehemaligen äußeren westlichen Stadtummauerung und Wehranlage von Schwäbisch Gmünd. Die denkmalgeschützte Fünfknopfturmbrücke entstand 1828 aus wie- derverwendetem Sandstein und war ursprünglich einem Doppeltor vorgelagert. Kasematten der alten Wehranlage sind noch im Osten erhalten. Die Brücke wurde später verstärkt und erweitert, zuletzt 1988 wegen des wachsenden Schwer- lastverkehrs durch neue Gehwegplatten auf Spannbetonbindern. Zu den Aufgaben der Stadterneuerung gehört es, die möglichen Förder- programme zu bündeln. Dabei gilt der Grundsatz, die Fachförderung vorrangig einzusetzen. So wurde der Josefsbach mit Unterstützung aus der Fachförderung aufwendig höher- gelegt und renaturiert. In vergangenen Zeiten nutzte die Gmünder Bürgerschaft seine tief eingeschnittene Böschung wie eine Art Wehrgraben als Verteidigungsanlage. Heute lädt eine naturnah gestaltete Uferpromenade mit Terrassen und Sitzstufen zum innerstädtischen Erholen ein und macht das Element Wasser direkt erlebbar. Der ebenfalls denkmalgeschützte Fünfknopfturm gehört zu den noch erhaltenen sechs Wehrtürmen der äußeren Stadtmauer, die im 19. Jahr- hundert niedergelegt wurde. Ur- sprünglich enthielt sie 22, zählt man den am Fünfknopfturm vorgelager- ten Wehrturm „Unteres Tor“ mit, sogar 23 Türme. Wegen seiner Dach- gestaltung mit knopfartigen Aufsätzen nennt der Volksmund diesen Turm auch „Knöpflesturm“. Der bis Ende der 1990er-Jahre noch bewohnte Wehrturm wird dem Burgenbautypus des 12./13. Jahrhun- derts zugeordnet, wie er im Elsass und in der Pfalz bekannt ist. Die äußere Schale bilden Buckelquader mit Zangenlöchern, die Innenseiten Auch die öffentlichen Bereiche und Plätze im Umfeld der Wegeverbindungen entlang des Josefsbachs wurden saniert und neu gestaltet: Der nun „Am Bockstor“ genannte Platz liegt im Osten zur Bocksgasse hin, auf der Westseite erstreckt sich der umbenannte „Sparkassenplatz“. Die Oberflächen wurden mit Possehl- Belag versehen, einem thermoplastischen, kraftstoffresistenten Raubelag mit großer Rutschfestigkeit. Bei der Sanierung 2013 wurde die Brücke vom Autoverkehr befreit und für die Nutzung als Geh- und Radweg auf die frühere Gewölbebreite zurückgebaut. Um das historische Erscheinungsbild wiederherzustellen, wurde das Geländer durch eine Natursteinbrüstung ersetzt. Neben der Sanierung der Fünfknopf- turmbrücke wurden mit Unterstützung aus der Städtebauförderung das Torhaus denkmalgerecht saniert und die angrenzenden öffentlichen Flächen neu gestaltet. Der ursprüngliche Kroatensteg wurde zurückgebaut und übergangsweise durch eine Behelfsbrücke ersetzt. Die jetzige filigrane Neukonstruktion einer einfeldrigen Betonrahmenbrücke führt die Bocksgasse über den Graben hinaus weiter und stellt eine wichtige Verbindung in der Ost-West-Achse am westlichen Rand der historischen Altstadt dar. Die Städtebauförderung unterstützte die Neugestaltung von Straßen und Plätzen sowie die Sanierung und den Neubau der Brücken. Fünfknopfturm und -brücke Kroatensteg Zeuge historischen Wandels: der „Knöpflesturm“ Sanierung und Aufwertung der Umgebung mit jüngerer Verbretterung im Halb- giebel zeigen zum Teil noch origi- nales Fachwerk. Große Teile des Dachstuhls und des Innengerüstes stammen aus der Erbauungszeit. Dachwerk und Innengebälk datie- ren 1424–25, die aus Ziegel gemau- erten Dacherker entstanden vermutlich im 16. Jahrhundert. 1930 mussten die Kupferknöpfe nach einem Blitzschlag erneuert werden. 2014 wurden hauptsächlich die Sand- steinmauern und das Dachwerk saniert sowie die 1967 eingebrachte Glocke renoviert. Die 1959 im Erdge- schoss eingebaute Trafostation wurde an einen anderen Standort verlegt. Heute können Besucher den Turm nach unterschiedlichen Nutzungen wieder als Teil der westlichen Wehranlage erleben. Im Osten schließt sich der südliche Teil der Robert-von-Ostertag-Straße an. Sie säumt hier von der Villa Förster bis zum Fünfknopfturm ein Teilstück des gründerzeitlichen Villengürtels der historischen Altstadt. Im Westen bildet der nördliche Teil der Uferstraße die Verbindung zum Stadtgarten. 9 8

15 14 Eine abwechslungsreiche Brückenlandschaft über dem Josefsbach vernetzt die historische Altstadt von Schwäbisch Gmünd mit der Umgebung. Dazu gehören auch die sanierte Karl-Olga-Brücke und der erneuerte Schillersteg. Die Karl-Olga-Brücke wurde 1904 erbaut und ist weitgehend original erhalten. Das künstlerisch hochwertig gestaltete Bauwerk steht unter Im Süden schließt sich der Schillersteg an. Nach ersten Planungen sollte der Brückenbau von 1906 er- halten und saniert werden. Die festgestellten Schäden waren allerdings so hoch, dass diese Sanierung finanziell nicht vertretbar gewesen wäre. Aus Gründen der Hochwassersicher- heit wurde 2011 entschieden, den Bachweg um 70 Zentimeter anzu- heben – auf die Höhe des zwei- jährlichen Hochwassers. In diesem Abschnitt wurde der Bachquerschnitt also verringert, musste aber Denkmalschutz. Nach einer Prüfung wurde die umgehende Sanierung, Nutzungseinschränkung oder Erneuerung der Brücke diskutiert. Die Entscheidung fiel für eine Sanierung in mehreren Phasen. Dank der Städte- bauförderung und des Landesamts für Denkmalpflege konnte die dringend notwendige Sanierung begonnen werden. Karl-Olga-Brücke Erweiterung des Erlebnisraums Josefsbach weiter flussaufwärts ausgeweitet werden. Um diese Erweiterung des Erlebnisraums Josefsbachs realisieren zu können, war es erforderlich, den alten Schillersteg abzubrechen. Der neue Übergang entstand als Blockträgerbrücke in reiner Holzbauweise. Auf dem 27 Meter langen und 2,50 Meter breiten Steg sind Granitplatten auf blockverleimten Brettschichtholzträgern verlegt. Die Städtebauförderung unterstützte die Neugestaltung des Bereichs Rems und Josefsbach mit dem Neubau bzw. der Sanierung der Brückenbauwerke. Der Themenpfad in der Altstadt 10

17 16 1782 errichtete Johann Michael Keller das Bauwerk in der Bocksgasse 20 als repräsentatives Handelsgebäude. Die Bezeichnung „Mutterhaus“ geht auf die Gründung der Kongre- gation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul im Jahr 1852 zurück. Die schnell wachsende Gemeinschaft benötigte bald mehr Platz und nahm mehrere Umbaumaßnahmen vor. Etwa 1860 wurde das Nachbargebäude Bocksgasse 22 neu errichtet. 1891 wurde das Mutterhaus nach Untermarchtal verlegt. Danach wurden die Gebäude Der Johannisplatz ist einer der geschichtsträchtigsten Plätze in Schwäbisch Gmünd und beherbergte einst den Johannisfriedhof. Eingefasst wird er von der Westfassade der Johanniskirche und der Ostfassade des Prediger, die mit ihm ein städtebaulich einmaliges Ensemble im Spannungsfeld zwischen Romanik und Barock bilden. Die wechselvolle Geschichte des Prediger als ehemaligem Dominika- nerkloster reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Nach der Auflösung 1802 wurden die Gebäude als Kaserne genutzt, exerziert wurde damals auf dem Johannisplatz. Später wur- den Notwohnungen eingebaut. 1973 wurde der Prediger nach DiskussioDank der finanziellen Unterstützung durch die Städtebauförderung konn- te das Areal Mutterhaus saniert und umgestaltet werden. Die Gebäude an der Bocksgasse wurden denkmal- gerecht saniert, während sich die Gebäude im Pfeifergässle als nicht erhaltungsfähig und -würdig erwie- sen. Die dortige Neubebauung mit Mit Unterstützung der Städtebau- förderung wurde der Prediger 2010 –13 durchgreifend saniert. Gebäudetechnik, Brandschutz und Sicherheitstechnik wurden modernisiert, eine energetische Sanierung erfolgte und der Saalbereich im ehemaligen Kirchenschiff wurde umgestaltet. Die Sicherung, Außen- sanierung und Aufwertung des Prediger als Museum und Ort der Begegnung belebt die Altstadt und stärkt ihre Funktion als kultureller und bürgerschaftlicher Mittelpunkt. als Altenheim genutzt. In den 1950er-Jahren wurde im rückwärtigen Grundstücksteil am Pfeifergässle ein entsprechender Neubau errichtet. Zuletzt befand sich das Gebäude an der Bocksgasse, das die Kongregation 1976 im Erbbaurecht an ein Immobilienunternehmen übergeben hatte, in einem äußerst desolaten Zustand. Erst 2010 konnte die Kon- gregation wieder über die Gebäude verfügen, um die Sanierung einzuleiten. nen über einen Abbruch wegen des baufälligen Zustands zum Kulturzentrum umgebaut. Das bis dahin umfangreichste Sa- nierungsprojekt der Stadt fand als gelungenes Beispiel für eine Nachnutzung im historischen Bestand viel Beachtung. Hauptnutzer waren das städtische Museum, die Stadtbücherei und die Volkshochschule. Neue Säle und Ausstellungsräume im ehemaligen Kirchenschiff und die Überdachung des Innenhofs schufen repräsentative Räume für die bürgerschaftliche und kulturelle Nutzung. Auf dem Johannisplatz entstand die erste größere Fußgängerzone der Stadt. Mutterhaus / Bocksgasse Johannisplatz / Prediger Modernes Wohnen in der historischen Altstadt Sanierung im Rahmen der Städtebauförderung Wohnungen unterschiedlicher Größe stärkt die Attraktivität der Altstadt als Wohnstandort. Der Innenhof über der rückwärtigen Tiefgarage erinnert in seiner Frei- flächengestaltung an den früheren Klostergarten des Mutterhauses. 12 11 Foto: Martin Hoiker, architektur:labor

19 18 Die Neugestaltung des Münsterplatzes war ein wichtiger Baustein des Sanierungsverfahrens Münsterplatz / Brandstatt von 1991 bis 2007. Mit den anschließenden Quartieren um- fasste es einen zentralen Teil des staufischen Stadtkerns. Zwischen 1991 und 2007 konnten in diesem Quartier dank Unterstützung der Städtebauförderung mehrere einzigartige öffentliche Gebäude modernisiert und instandgesetzt sowie Straßen und Platzräume neu gestaltet werden. Das Kornhaus prägt als eines der bedeutenden Baudenkmale das Stadtbild Schwäbisch Gmünds. Der stattliche freistehende Fachwerkbau wurde 1507 errichtet und diente als Korn- und Nahrungsspeicher. Bauliche Mängel und Nutzungsänderungen machten bereits mehrfach umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Zuletzt wurde das Im Sanierungsverfahren wurde der Münsterplatz zur Fußgängerzone umgestaltet. So entstand ein angemessenes Umfeld für das bau- und kunstgeschichtlich hochrangige Heilig-Kreuz-Münster. Gleichzeitig wurde damit das Herzstück im Netz der innerstädtischen Fußgänger- zonen fertiggestellt, das mit seinen ineinandergreifenden öffentlichen Räumen heute große Teile der Alt- stadt umfasst. Die erhaltende Erneu- erung mit Modernisierung des pri- vaten und öffentlichen Gebäude- bestandes war ein weiterer Schwer- punkt. Dazu gehörten die umfas- sende Sanierung von Rathaus, StadtIn der für die Altstadt typischen Abfolge ineinandergreifender Stra- ßen- und Platzräume zeichnet sich der Kornhausplatz durch eine wichtige Eingangsfunktion zum historischen Zentrum aus. Dieser städtebaulich hochwertige Platzraum rund um das beherrschende Kornhaus konnte durch die Neugestaltung im Zuge des Sanierungsverfahrens „Münsterplatz/Brandstatt“ aufgewertet und in der Aufenthaltsqualität nachhaltig verbessert werden. Dieses Gebiet wies erhebliche städtebauliche, strukturelle und funktionale Defizite auf. Der private und öffentliche Gebäudebestand zeigte gravierende Mängel. Das gesamte Quartier war außerordentlich stark mit Parksuchverkehr belastet und wurde aufgrund fehlender Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität von Platz- und Straßenbereichen mehr und mehr abgewertet. bis dahin von städtischen Dienststel- len genutzte Erdgeschoss in einen Ausstellungsraum umgestaltet. Die gegenüberliegende „Pauser’sche Fabrik“ konnte nur dank öffentlicher Fördermittel von der Stadt erworben werden. Durch die Ein- richtung eines Silberwaren- und Bijouterie-Museums gelang es, das älteste Fabrikgebäude der Stadt dauerhaft zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heute ist die Pauser´sche Fabrik ein einmaliges, authentisches Zeugnis der Industriegeschichte von Schwäbisch Gmünd. Münsterplatz Kornhaus Neue Lebensqualität in der Altstadt Städtebauliche Aufwertung des Kornhausplatzes archiv, Kornhaus und „Pauser’scher Fabrik“ mit Einrichtung eines Silberwaren- und Bijouterie-Museums. In den Gebäuden der ehemaligen Klösterle- und Pestalozzischule entstand das Haus der Volkshochschule am Münsterplatz. Das Areal Brandstatt, nach dem historischen Stadtbrand von 1793 ein städtebauliches Provisorium mit Stellplatznutzung, wurde neu geordnet. Eine Wohnbebauung trägt dazu bei, die Altstadt als beliebten Wohnstandort zu erhalten und aufzuwerten. 14 13

21 20 Das Gebäude wurde 1760 als Bürger- haus für Franz Melchior Debler erbaut. Der Umbau zum Rathaus erfolgte 1783–85 durch den Architekten Johann Michael Keller, der das barocke Stadtbild prägte. Im 19. Jahrhundert führte wachsender Raumbedarf zu mehrfachen Umbauten. Die rückwärtige Erweiterung Der Marktplatz von Schwäbisch Gmünd zählt zu den schönsten und größten in Süddeutschland. Bedeutende Bauwerke von Romanik über Barock bis zur Neuzeit bilden eine einzigartige Kulisse. In den 1980er- Jahren wurde der Platz zur Fußgängerzone umgestaltet. Heute bildet er das Zentrum eines großflächigen Netzes von Fußgängerzonen und verkehrsberuhigten Bereichen mit ineinandergreifenden Straßen- und Platzräumen. 2011 wurde das Rathaus aufgrund der veränderten funktionalen Anforderungen an eine moderne Verwaltung und erheblicher Bau- mängel mit Mitteln der Städtebau- förderung umfangreich saniert. Neben den notwendigen Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen sowie einer energetischen Verbesserung wurden ein Aufzug für die barrierefreie Erschließung eingebaut, die Sitzungssäle neu gestaltet und das Erdgeschoss zum Servicezentrum mit Infotheke und Bürgerbüro umgebaut. Die erhaltende Erneuerung ist das vorrangige Ziel. Eine Neubebauung kommt nur aus zwingenden Gründen in Betracht, etwa wenn Erhaltung und Nutzung bautechnisch nicht oder nur mit unvertretbar hohem Aufwand möglich sind. Beispiele für Neubauten sind die Gebäude Marktplatz 15 (Haus „Josefle“) und der Neubau Marktplatz 11 zur Bocksgasse, der eine Baulücke schloss. mit Lichthof und Galerien von 1906 – 08 griff die barocke Formensprache auf. Als das Nachbargebäude Marktplatz 3 („Haus Rettenmayr“) in die Rathausnutzung mit einbezogen wurde, sorgte ein Überbau für eine direkte Verbindung. Die Gebäude am Marktplatz stehen im Spannungsfeld zwischen Denkmalpflege und aktuellen Erfordernissen hinsichtlich Nutzung und wirtschaftlicher Erhaltungsfähigkeit. Rathaus, Grät, Spital und Amtshaus sind Beispiele für denkmalgerechte Sanierungen im öffentlichen Bereich. Ein herausragendes Beispiel für ein privates Sanierungsprojekt ist das Gebäude Marktplatz 11. Der bedeu- tende Profanbau aus dem Spätbarock /Rokoko konnte nur dank Mitteln der Städtebauförderung und Denkmalpflege saniert werden. Rathaus Marktplatz Respektvoller Umgang mit einem Baudenkmal Wertschätzung für alten Baubestand Heute präsentiert sich das Rathaus als ein räumlich modernes und kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen. Die Umgestaltung ist ein gelungenes Beispiel für den respektvollen Umgang mit einem hochrangigen Baudenkmal. Beim Sanierungsprojekt Marktplatz 27, 29, 31 ließ der bautechnische Zustand eine Erneuerung im Bestand nur bei den Gebäuden 27 und 29 zu, bei 31 nur im rückwärtigen Teil. Der vordere Teil musste durch einen am Bestand orientierten Neubau ersetzt werden. Die Fassade zum Marktplatz und damit das Erscheinungsbild blieben erhalten. 16 15 Fotos: LBBW / Siegfried Gragnato

23 22 Die ehemalige Rinderbacher Vorstadt entstand während der Stadterwei- terungen im 14. Jahrhundert. Hier im Sanierungsgebiet „Südöstliche Altstadt“ wird maßgeblich die erhaltende Erneuerung des Gebäude- bestandes verfolgt. Mit Unterstüt- zung der Städtebauförderung wurde unter anderem das Gebäude Höferlesbach 28 grundlegend erneu- ert. In der Turmgasse 15 entstand nach Brandschaden ein Neubau. Die Rinderbacher Gasse bildet die Hauptachse der Rinderbacher Vorstadt, die als südöstliche Stadterweiterung ab dem 14. Jahrhundert entstand. Das Sanierungsverfahren sollte die Altstadt als Wohnstandort stärken und aufwerten. Das Thema neues Bauen in historischer Umgebung wurde hier sehr unterschiedlich umgesetzt. Wo die Vorgängerbauten nicht erhalten Ein Großteil dieser Areale stand nach dem Niedergang des Industriezweigs im 20. Jahrhundert zur Disposition. Etwa das 1974 auf dem Areal der ehemaligen Silberwarenfabrik Kuhn errichtete CityCenter, das 2000 in Richtung Höferlesbach erweitert wurde. Das Areal Deyhle unterhalb des Königsturms wird einer Neuordnung zugeführt. Das Gelände der ehemaligen Schmuck- warenfabrik Heyd am Höferlesbach war eine der letzten großen BrachDie Sanierung des Gebäudeensembles Rinderbacher Gasse 22/22a und 22/1 ist das jüngste Beispiel für eine durchgreifende Erneuerung. Das im 14. Jahrhundert errichtete Gebäude 22/22a gehört nach bauhistorischen Untersuchungen zu den ältesten Fachwerk-Wohngebäuden in Schwäbisch Gmünd und damit zur Erstbebauung der Rinderbacher Vorstadt. 1863 entstand das Rückgebäude 22a als Hopfentrockenhaus und wurde später zur Bijouterie-Fabrik umgebaut. Der Übergang von der handwerklichen Fertigung zur industriellen Produktionsweise veränderte die Altstadt im 19. Jahrhundert spürbar. Fabriken für die Edelmetallverarbeitung entstanden auf Freiflächen oder wurden erweitert. werden konnten, entstanden neue Wohngebäude. Die Neubebauung Rinderbacher Gasse 39 erstreckt sich mit begrüntem Innenhof über einer Tiefgarage bis zum Höferlesbach und leitete eine großflächigere Erneuerung ein. Die späteren Neubauten Nr. 38, 31 und 24 ersetzen punktuell nicht erhaltungsfähige Gebäude. Höferlesbach Rinderbacher Gasse Hochwertiger Wohnraum auf ehemaligen Fabrikarealen Hochwertiges Wohnen in alter Bausubstanz flächen. Wegen der vom Verkehr abgeschirmten Lage eignet es sich für eine hochwertige Wohnbebau- ung, die zur Stärkung des Wohnstandorts Altstadt beiträgt. Die Satteldächer und kleingliedrigen Fassaden der barrierefreien Wohnungen greifen traditionelle Architekturelemente auf. Der städtebauliche Spannungsbogen zwischen mittelalterlichem Wasserturm und neuzeitlichem CityCenter wird durch ansteigende Gebäudehöhen veranschaulicht. Das Gebäudeensemble war nach langem Leerstand vom Verfall bedroht. Dank Zuschüssen der Städtebauförderung konnte es durchgreifend saniert und einer hochwertigen Wohnnutzung zugeführt werden. 18 17

25 24 Das erste förmliche Sanierungsver- fahren in Schwäbisch Gmünd wurde 1979–2001 im Mühlbergle durch- geführt. Das historisch stark überformte Quartier präsentierte sich als desolater Hinterhof zum Marktplatz. Lagergebäude, kleine, nicht sanierungsfähige ehemalige Hand- werkerhäuser, ein Kino und provisorische Parkplätze prägten die Ausgangssituation. Der Name Ledergasse geht auf die Gerber zurück, die Anfang des 15. Jahrhunderts die nordwestliche Stadterweiterung besiedelten: die Georgs- oder Josenvorstadt. Ihre Hauptachse bildet die Ledergasse. Ursprünglich war nur die Südhälfte Verkehrsraum, in der Nordhälfte lagen der offene Mühlkanal und Gärten. Nach dem Niedergang des Gerberhandwerks prägte eine kleinteilige Handwerker- und Wohnnutzung das Quartier. Um 1900 wurde der Mühlkanal verdohlt. Die Neubebauung im Innenbereich des Quartiers am Mühlbergle basiert auf einem Wettbewerb und umfasst mit Läden, Büros, Innenstadtwohnungen und privater Tiefgarage un- terschiedliche Nutzungen. Die öffent- lichen Flächen wurden verkehrsberuhigt bzw. in eine Fußgängerzone umgewandelt. In den Randbereichen des Quartiers – Marktplatz, Kappelgasse und Kalter Markt – lag der Schwerpunkt auf der erhaltenden Erneuerung. Die von Bund und Land geförderte Neuordnung wertet die Ledergasse deutlich auf. Der Bau der Remsgalerie definierte ihren Abschluss im Übergang zum Gamundia-Bereich neu. Das Einkaufszentrum mit ca. 8.000 m² Verkaufs- und Nutzfläche sowie 162 Stellplätzen trägt wesentlich zur Wiederbelebung als Flanier- und Einkaufsmeile bei. Für eine durchgreifende Neuord- nung waren umfangreiche Ordnungs- maßnahmen mit Grunderwerb, Abbrüchen und Grundstücksneuordnung notwendig. Das Sanierungsverfahren wurde wegen des zum Teil schwierigen Grunderwerbs in mehreren Phasen umsetzt. In den 1970er-Jahren entstand das Kaufhaus „Horten“ anstelle des Schlachthauses am westlichen Ende der Ledergasse, was das historische Bild stark veränderte. Die Kaufhausnutzung wurde 2000 aufgegeben, der Gebäudekomplex stand leer und die Ledergasse geriet zunehmend ins Abseits. Mühlbergle Ledergasse / Remsgalerie Erfolgreiche Revitalisierung eines Altstadtquartiers Wiederbelebung einer geschichtsträchtigen Hauptachse Die überwiegend denkmalgeschützte Gebäudesubstanz wurde saniert; im Einzelfall ersetzten maßstäblich eingepasste Neubauten die nicht erhaltungsfähigen Gebäude. Das Mühlbergle ist ein frühes Beispiel für die Revitalisierung eines vom Niedergang bedrohten Altstadtquartiers. Die Architektursprache der Neubebauung leistet einen spannenden, zeitgemäßen Beitrag angesichts der schwierigen Herausforderung, eine größere Baumasse in die gewachsene Altstadtstruktur einzufügen. Die alleeartige Gestaltung und platzähnliche Auszonungen verleihen der Hauptverbindungsachse zwischen westlichem Stadteingang und staufischem Stadtkern Großzügigkeit und eine hohe Aufenthaltsqualität. Ein künstlicher Bachlauf erinnert an den früheren Mühlkanal. Auch der neue zentrale Omnibushalt (ZOH), der die Bushaltestellen am unteren Marktplatz entlastet, belebt die Ledergasse. 19 20

27 26 Gemeinsam in die Zukunft In Baden-Württemberg blickt die Städtebauförderung auf eine über 40-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Seit den 1970er-Jahren hat Schwäbisch Gmünd ca. 40 Mio. Euro an Finanzhilfen erhalten, die Maßnahmen von der „klassischen“ Sanierung über die Konversion von Gewerbe- und Militärbrachen bis zur Stabilisierung sozial benachteiligter Gebiete ermöglichten. Schwäbisch Gmünd ist auch weiterhin auf öffentliche Förderung angewiesen. Innerhalb der Altstadt muss der wertvolle historische Gebäudebestand erhalten und gesichert werden. Die Stärkung und Aufwertung der Wohnnutzung, die Bewältigung der anhaltendene Strukturveränderungen im Einzelhandel und des demografischen Wandels sind weitere große Herausforderungen. Der Themenpfad dokumentiert beispielhafte Projekte in der histo- rischen Altstadt und würdigt die großzügige Unterstützung durch Bund und Land. Besonderer Dank gilt den zuständigen Stellen des Landesministeriums für Wirtschaft und Finanzen und des Regierungspräsidiums Stuttgart. Städtebauförderung als zukunftsweisende Daueraufgabe Dringender Handlungsbedarf besteht auch beim Gebiet „Hardt“ südöstlich der Kernstadt. Dort teilt sich der umfangreiche Mietwohnungsbestand in zwei Quartiere, die vernetzt, stabilisiert und nachhaltig aufgewertet werden müssen. In der nordöstlichen Altstadt steht das Gebiet der Schmiedgassen für eine Weiterentwicklung an. Auch hier ist die Unterstützung der Städtebau- förderung gefragt. Foto: Gerd Zipper Ausblick

Stadt Schwäbisch Gmünd Stadtsanierung, Stadtgestaltung, Entwicklungsmaßnahmen Marktplatz 1 73525 Schwäbisch Gmünd Telefon: 07171 603-6102 Telefax: 07171 603-6199 stadtplanungsamt@schwaebisch-gmuend.de www.schwaebisch-gmuend.de Auf dem Gartenschau-Gelände 1 Auftakt-Tafel 2 Bahnhofplatz 3 Remspark 4 Haus Hirzel 5 Stadtgarten 6 Congress-Centrum Stadtgarten 7 Gold und Silber / Altersgenossenplätzle 8 Fünfknopfturm und -brücke 9 Kroatensteg 10 Karl-Olga-Brücke 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Die Stationen im Überblick In der Altstadt 11 Mutterhaus / Bocksgasse 12 Johannisplatz / Prediger 13 Münsterplatz 14 Kornhaus 15 Rathaus 16 Marktplatz 17 Höferlesbach 18 Rinderbacher Gasse 19 Mühlbergle 20 Ledergasse / Remsgalerie Älteste Stauferstadt

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