Aus Geschichte und Gegenwart

Besiedelt war das Gebiet von Lindach schon in der mittleren Steinzeit, wie Fundstücke beweisen. Die auf alten Karten verzeichnete „Heerstraße“ ist vermutlich jene vor- und frühgeschichtliche Höhenstraße, die das Albvorland um Kocher und Jagst mit dem Neckartal verband.

Im Mittelalter gehörte Lindach ursprünglich zum staufischen Hausbesitz und die Burg war Niederlassung einer staufischen Ministerialenfamilie, vielleicht sogar Stammsitz der späteren Reichsministerialen von Weinsberg. In Urkunden des ersten Stauferkönig Konrads III. (1138-1152) wird zu 1138, 1150 und 1151 ein Tibertus (Tietpret, Dipracht) von Lindach als Zeuge genannt. Im Jahr 1304 übergab ein Konrad von Weinsberg einem Wolfram von Lindach Wiesen oberhalb des Dominikanerinnenklosters Gotteszell. In welchem Zusammenhang der 1404 genannte Wolfram von Lindach mit der Burg (Turm) oder dem Ort steht, ist nicht auszumachen. Der Name Lindach bedeutet so viel wie „ Siedlung im/am Lindengehölz“.

Eine dem heiligen Nikolaus geweihte romanische Kapelle wird erstmals 1356 für Lindach bezeugt, im 16. Jahrhundert dann mit einem gotischen Turm versehen. 1903 wird das Kirchenschiff abgebrochen und von Kirchenbaumeister Dolmetsch unter Verwendung der alten romanischen Buckelquadern neu erbaut. Erhalten hat sich von der alten Kapelle lediglich der Chor mit Netzrippengewölbe mit dem Allianzwappen der Diemer.

Am westlichen Dorfrand über dem Pfaffenbachtal erhebt sich das Schloss, das in seiner ursprünglichen Gestalt ein Wohnturm war, von dem nur das Erdgeschoss erhalten ist Unter dem Erdgeschoss befindet sich ein Kellerraum mit Tonnengewölbe, erbaut in frühstaufischer Zeit ( 1.Hälfte des 12. Jahrhunderts), In den Jahren 1583 und 1624 wurde die mehrmals umgebaute Anlage zum Renaissanceschloss ausgebaut. Mit dem Besitz des Turmes war der Besitz des Gerichts und damit der örtlichen Gerichtsbarkeit verbunden. So ist es verständlich, dass die Grafen von Württemberg sich bemühten, diesen Turm unter ihre Oberhoheit zu bringen. Die Rechtsverhältnisse in Lindach waren aber um einiges komplizierter. Die Lindacher Ortsherrschaft gehörte bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zum Teil zur „Waibelhube ob Gemunde“. Dieser Gerichtsverband freier Güter und Bauern im Waldgebiet nördlich der Rems geht vermutlich auf  besondere Privilegien zurück, die den Siedlern in der Stauferzeit gewährt wurden, um sie zur Rodung und Erschließung anzuregen. Im Jahr 1377 verkauften die von Rechberg unbeschadet der württembergischen Oberhoheit die Hälfte von Lindach an die Schenken von Limpurg. Nach mehrfachem Verkauf und Wiedereinlösung verkauften die Schenken mit Einwilligung Herzog Ulrich von Württemberg im Jahr 1515 den Turm mit Zubehör, das halbe Gericht, 13 Güter, die eigentlich „waibelhubig“ waren und somit entfremdet wurden, an die Familie Diemer (Diemar), die nun alle obrigkeitlichen Rechte für sich beanspruchte. Dagegen regte sich Widerstand von Seiten der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, des Dominikanerkloster, des Dominikanerinnenklosters Gotteszell und des Spitals, die seit dem 14./15. Jahrhundert Liegenschaften in Lindach besaßen. Daraus entwickelte sich die berühmt-berüchtigte Fehde zwischen Hans Diemar und der Stadt, die 1543 begann und 1554 mit einem Vergleich erst einmal beendet wurde, ehe das Tübinger Hofgericht 1574 endgültig zugunsten der Diemar entschied. Nachdem die Diemer ihre Besitzungen 1577 an Württemberg verkauft hatten, belehnte Herzog Ludwig im Jahr 1579 seinen Landhofmeister Erasmus von Laymingen mit Schloss und Zubehör,der dann auf herzogliches Drängen in Lindach die Reformation gegen den Protest der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd und des Klosters Gotteszell einführte, dem eigentlich Kirchensatz und Patronat an der Pfarrkirche zustanden. Im Jahr  1699 kam der Besitz an die von Staffhorst, dann an die von Röder, die ihn 1751 an Herzog Karl Eugen von Württemberg zurück verkauften. Obwohl der Ort dem Ritterkanton Kocher steuerbar blieb, schlug Herzog Eugen ihn organisatorisch zum Hausgut und dem württembergischen Oberamt Heubach zu; das Schloßgut mitsamt Schloß wurde 1752 an den Königsbronner Eisenwerkpächter Bletzinger verkauft, 1842 erwarben es die Grafen von Beroldingen, 1929 das Haus Württemberg, 1959 wurde es zu einem Kurhaus umgebaut. 1997 kaufte die Reformationsbewegung der Adventisten vom Siebenten Tag das Schloss und bestimmte es zu einer Begegnungsstätte.

Seit Aufhebung des Oberamts Heubach Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte der Ort zum Oberamt Gmünd, seit 1938 zum Landkreis Schwäbisch Gmünd und seit 1972 zum Ostalbkreis. In einer alten Oberamtsbeschreibung liest man „ von einem kleinen, gut aussehenden Ort auf der Hochfläche mit seinen schönen Obstbaumwiesen, seinen herrlichen Nussbäumen und den hübschen Bauernhäusern…“ oder „ Lindach, ein ansehnliches, freundliches und friedliches Dorf mit seinen rührigen und sparsamen Bewohnern“… 1934 lautet ein Bericht “Eines der schmucksten Dörfer unserer Umgebung ist das am Rande des Welzheimer Waldes gelegene Lindach. Von der Südseite des Dorfes genießt man einen herrliche Aussicht auf die Vorberge der Schwäbischen Alb, der trunkene Blick streift über blühende Felder, grünende Obstbäume, bleibt an den dunklen Wäldern des Schießtales hänge und verliert sich an den hervorragenden Kuppen der Albberge. Rings um das etwa 800 Einwohner zählende Dorf erstreckt sich ein Gürtel von Obstbäumen, daran schließen sich in bunter Reihe Äcker und Wiesen an. Der Goldschmied, der tagsüber an der Werkbank sitzt, geht abends mit Hacke und Schaufel in seinen Garten oder auf sein kleines Gut, an dem er mit großer Liebe hängt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Lindach 768 Einwohner, im Jahr 1945 waren es 780. Damals gab es noch 82 landwirtschaftliche Betriebe. Wer weder in der Landwirtschaft noch als Handwerker vor Ort sein Brot verdienen konnte, ging nach Schwäbisch Gmünd zur Arbeit. Das änderte sich ab dem Jahr 1954 mit der Gründung der Firma „Grau-Werkzeug-Bau“ und mit der 1961 folgenden Gründung der Firma “Repa GmbH Feinstanzwerk“. Viele Lindacher hatten dann ihren Arbeitsplatz im Dorf. „Lindach wandelt sich von einem reinen Bauerndorf zu einer Arbeiterwohnsitzgemeinde. Die Landwirtschaft ist beinahe unbedeutend, über die Hälfte der Bevölkerung steht in abhängiger Arbeit. In den meisten Familien arbeiten sogar Mann und Frau. Die Dorfstraßen sind geteert, überall entstehen neue Siedlungen mit schmucken Häusern, Industriebetriebe haben sich niedergelassen, Grünanlagen und moderne Kinderspielplätze entstehen. Eine aufblühende Gemeinde, über die man sich freuen kann, die aber auch Ihre Sorgen und Probleme hat“ kann man in einem damaligen Zeitungsbericht lesen.

Für die Unterbringung der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte zunächst Bürgermeister Gustav Weller und ab 1954 Bürgermeister Rudolph Martin. Die Einwohnerzahl erhöhte sich in zwei Jahren von 800 auf 1200. So wurden über die Jahre die Bau – und Gewerbegebiete „Breitne“, „Iltisfeld“, „Ebene“, „Breitwiesen“, „Gairen“  und „Osterläng“ erschlossen. In den 50er Jahren wurde ein neues Rathaus gebaut, der 1. Rathausbau nach dem Krieg im Kreis. Als Wappen der Gemeinde wurde eine schwarze, bewurzelte Linde in den Farben Schwarz und Gold festgelegt. 1961 hatte sich die Einwohnerzahl seit dem zweiten Weltkrieg verdoppelt und mit dem Neubau der Schule samt erstem Lehrschwimmbecken im Kreis wurde begonnen. 1967 wurde der 2. Bauabschnitt der Eichenrainschule errichtet.

In der Zeit der Gemeindereform entschieden sich die Lindacher zur Eingemeindung nach Schwäbisch Gmünd, die am 1. Juli 1971 in Kraft trat. Die Interessen Lindachs innerhalb der Stadt Schwäbisch Gmünd vertreten ab diesem Zeitpunkt der Ortschaftsrat und der Ortsvorsteher. In den folgenden Jahren wurden die Turn- und Gemeindehalle, ein zweiter Kindergarten, der Wasserturm sowie die Verbindungsstraße Gmünd – Lindach durch das Schießtal gebaut. Bürgermeister Martin war nun als Ortsvorsteher bis Frühjahr 1978 tätig.

Ihm folgte fast dreißig Jahre lang der im Hauptberuf tätige Schornsteinfegermeister Peter Herkommer als ehrenamtlicher Ortsvorsteher nach. In dessen Ära wurden in den folgenden Jahren die Baugebiete „In der Sue“, „Vorderer Berg“, „Hintere Gärten“, „Hinteres Iltisfeld“ und das Gewerbegebiet „Bänglesäcker“ erschlossen. Unter anderem wurde in dieser Zeit auch der zweite Erweiterungsbau der Eichenrainschule eingeweiht und der Anbau eines Vereinsraumes mit Küchenerweiterung an die Eichenrainhalle realisiert. Eine neue Aussegnungshalle sowie ein Jugendraum wurde gebaut und das Lehrschwimmbecken saniert. Im Jahr 1998 stieg die Einwohnerzahl auf über 3000 Einwohner. 2005 begann man das Grau-Areal - ein ehemaliges Industriegebiet - zum Wohngebiet umzuwidmen.

Seit 2008 ist der Bankkaufmann Klaus-Peter Funk ehrenamtlicher Ortsvorsteher von Lindach.

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