Geschichte

Historischer Mittelpunkt des Erholungsortes ist die Ruine Rechberg. Am 22. Januar 1179 stellte Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein Privileg für das Kloster Rot aus, wobei sich unter den Zeugen auch ein Ulricus de Rehperc befand. Es handelt sich hier zweifelsohne um die älteste Erwähnung des heute noch lebenden Geschlechts in dessen Besitz sich die Burg bis Mitte des Jahres 1986 befand und schließlich von einem Göppinger Privatmann gekauft wurde.

Die mächtigen Mauern und Türme versetzen den Besucher in die Geschichte zurück, als hier das Stammland des staufischen Kaiserhauses war. Nachweislich haben aber bereits schon die Römer den heutigen Rechberg befestigt. Am Fuß des Berges verlief jedenfalls die so genannte „Frankengasse“ von Lorch über Rechberg-Hinterweiler nach Heidenheim.

Burg Hohenrechberg vor dem Brand von 1865
Burg Hohenrechberg vor dem Brand von 1865

Die in staufischer Zeit errichtete Stammburg der Herren von Rechberg bildete sowohl den historischen als auch den administrativen Mittelpunkt des gesamten Bezirkes. Geschichte und Schicksal dieses Geschlechts, das zeitweise die Marschallwürde des Herzogtums Schwaben innehatte, prägten die Entwicklung des bürgerlichen Gemeinwesens durch die Jahrhunderte.

Die Burg erfuhr zu verschiedenen Zeiten Umbauten und Erweiterungen. Seit dem Jahre 1322 erscheint in Urkunden der Name „Hohenrechberg“. Im Jahre 1473 verlieh Kaiser Friedrich der III. den Herren von Rechberg den Blutbann mit eigenem Stock und Galgen. Die gesamte Herrschaft Hohenrechberg bestand gegen Ende des 15. Jahrhunderts aus den fünf Ämtern Hohenrechberg, Eislingen, Eschach, Wengen und Heuchlingen.

Die Wirren des Bauernkrieges überstanden Burg und bürgerliche Siedlung unbeschadet. Da sich seit dem Jahre 1585 die Herrschaft nicht mehr in ihrer Stammburg aufhielt, residierten hier nun als ihre Vertreter die Obervögte. Im Jahre 1638 gelang es den Herren von Rechberg, ihre Besitzungen zu einer reichsfreien Herrschaft des Römischen Reiches und des Schwäbischen Kreises zu machen. Sowohl 1648 im Dreißigjährigen Krieg als auch 1796 in den Französischen Revolutionskriegen wurde die Burg zwar von den Franzosen besetzt, jedoch nicht zerstört.

Die heutige Kirche auf dem Hohenrechberg ließ Graf Bernhard Bero in den Jahren 1686/88 erbauen. Den Gottesdienst hielten hier vor allem Gmünder Barfüßer. Über Jahrhunderte war die Markung von Rechberg zum Teil im Besitz rechbergischen Dienstmannen wie auch von Gmünder Bürgern. Die bürgerliche Ansiedlung um die Burg, die nach einem Blitzschlag am 6. Januar 1865 abbrannte, entstand wohl beim Vorderweiler, der z.B. im Jahre 1405 allein existierte. Das Dorf Rechberg-Hinterweiler wie -Vorderweiler kam bei der Auflösung der selbständigen Ritterkantone im Jahre 1807 zum württembergischen Oberamt Gmünd und ist seit dem Jahre 1975 als Ortsteil in die Stadt Schwäbisch Gmünd integriert.

Der seit 1979 staatlich anerkannte Erholungsort Rechberg liegt in herrlicher Landschaft am Fuße des Rechbergs, einem der „Drei Kaiserberge“ am besonders reizvollen Nordrand der Schwäbischen Alb. Rechberg ist bereits seit dem 15. Jahrhundert Wallfahrtsort, wobei das Ziel der Pilger die barocke Wallfahrtskirche ist.

Burg Hohenrechberg vor dem Brand von 1865
Blick auf die Kirche von Innen

Das Wahrzeichen von Rechberg ist die Ruine der Ministerialen Burg der Grafen von Rechberg. 1179 beginnt deren belegte Geschichte mit Ulrich von Rechberg, der 1189 als Kastellan der Burg Hohenstaufen und 1194 als Marschall des Herzogtums Schwaben zeichnete.

Am 6. Januar 1865 wurde die Burg durch einen Blitzschlag in ihrem Kern niedergebrannt. Dies war der Beginn des Zerfalls. 1986 trennte sich das Gräfliche Haus vom Besitz der Ruine Hohenrechberg. Seither versucht der jetzige Besitzer mit Hilfe des Landesdenkmalamtes, dem Verfall entgegenzuwirken. Es gilt die Burg als bedeutendes Dokument unserer mittelalterlichen Geschichte für die Nachwelt zu erhalten.

Seit Ende des 11. Jahrhunderts ist der Hohenrechberg ein Gnadenort. Damals brachte ein Einsiedler ein schönes, aus Lindenholz geschnitztes Marienbild mit. Er erbaute für dieses Marienbild eine hölzerne Kapelle und für sich eine schlichte Klause.

Von nah und fern kamen schon damals kranke und hilfsbedürftige Menschen, um die Gnadenmutter vom Hohenrechberg um Hilfe zu bitten. Dieses Gnadenbild, das in besonderem Zustand erhalten ist, wird bis auf den heutigen Tag die „Schöne Maria“ genannt.

Um das Jahr 1488 ließ Graf Ulrich von Rechberg eine steinerne Kirche erbauen. Durch die Zunahme der Wallfahrt erwies sich diese Kirche aber bald als zu klein, so dass 1686 Graf Bernhard Bero von Rechberg den Bau der jetzigen Barockkirche, welche auf dem Platz der ehemaligen hölzernen Kapelle steht, durch den Baumeister Valerian Brenner aus dem Bregenzer Wald vorantrieb. Die erste steinerne Kirche wurde damals in das heutige Pfarrhaus umgebaut.

Stadtteil Rechberg

Diese Barockkirche hat in der Grundform ein griechisches Kreuz mit östlichem, innen halbrundem, außen achteckig geschlossenem Chor. Der meisterhaft gestaltete Stuck von Proper Brenner aus Mautris in der frz. Schweiz krönt den festlichen Innenraum.

Die Altäre befinden sich in der Wallfahrtskirche

  • der Chor- oder Gnadenaltar (unechtes Barockwerk)
  • rechts der Bernhardusaltar
  • links der Schutzengelaltar

Die musizierenden Engel, die an Vorhängen ziehenden Engel, gewähren einen Einblick in die Glorie Gottes. Aus der Höhe strahlt das Bild des himmlischen Vaters herab, der in seiner Linken die Erdkugel trägt. Auf der Epistelseite des Hochaltars befindet sich das mannsgroße Bild des hl. Evangelisten Johannes. Er hält in seiner Hand einen Kelch, aus dem eine Schlange emporsteigt. Auf der Evangelistenseite ist das Bild des hl. Bernhard, die Leidenswerkzeuge im Arm.

Die „Schöne Maria“ befindet sich in der Mitte des Hochaltars. Sie trägt das Jesuskind auf dem Schoß, in ihrer Rechten hält sie ein goldenes Zepter. Zwei Engel schweben über ihr und halten die Königskrone. An der Orgelempore befindet sich das Bildwerk der „hl. Mutter Anna“, auf dem linken Arm die Madonna, auf dem rechten das Jesuskind. Das Bild in der Wandnische stellt den hl. Antonius mit dem Jesuskind auf dem Buche dar. Die Kanzel zur Rechten bietet mit den Evangelisten um die Brüstung und ihren Sinnbildern, darunter ein Bild fruchtbarer und tiefsinniger, aber fein gezügelter Schöpferkraft. Ein weiteres Kleinod ist der Taufbrunnen, der eine Holuplastik trägt, die Johannes, den Täufer vom Jordan, darstellt.

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