Stadtgeschichte

Das Ende der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd im Jahr 1802

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd
Foto: Städtisches Museum im Prediger

Kavallerist, 1861

Die Koalitionskriege, die das Reich 1792-1797 und 1799-1801 gegen die französische Republik führen musste, schlugen in ihrer Auswirkung auch auf die Reichsstadt zurück: Besatzungen und Kontributionen höhlten die letzten wirtschaftlichen Ressourcen aus, spätestens seit 1797 war die Stadt, verursacht auch durch Missmanagement und eingeschränkte Exportmöglichkeiten in Kriegszeiten, bankrott. Der Friede von Lunéville (9. Februar 1801) und ein französisch-württembergischer Geheimvertrag vom 20. Mai 1802 besiegelten das Ende der Freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd mit ihrem damals 160 qkm großen Gebiet und rund 15 000 Einwohnern, davon etwa 5 000 in der Stadt selbst lebend.

Am 9. September 1802 nahm das Herzogtum Württemberg militärisch Besitz von der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, am 26./27. November erfolgte die Übernahme der Zivilverwaltung. Alle Kassen wurden mit Beschlag belegt, die Beamten auf die neuen Dienstherren verpflichtet. Das Dekret über die Inbesitznahme der Klöster in der Stadt datiert vom 9. Dezember 1802.

Das neue Oberamt bestand im Wesentlichen aus dem ehemaligen reichsstädtischen Gebiet. Bei der Überprüfung des städtischen Haushaltes, des Spitalhaushalts und der verschiedenen Stiftungen durch eine württembergische Organisationskommission, stellte sich heraus, dass die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten auch infolge der Kriegseinflüsse schlecht gewirtschaftet hatte. Die Übernahme der ehemaligen Reichsstadt und die Aufhebung und Säkularisierung der sechs Klöster (Augustiner, Dominikaner, Dominikanerinnen, Franziskaner, Franziskanerinnen, Kapuziner) durch die neuen Herren ging ohne äußere Komplikationen vor sich: Bereits am 7. Mai 1803 feierte man in der Stadt pompös die Erhebung Württembergs zum Kurfürstentum.

(Klaus Jürgen Herrmann, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Städtisches Museum im Prediger

Kavallerist, 1861

Reichsstadt
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Besitzergreifungspatent Herzog Friedrichs II. vom 23. November 1802, das dem Gmünder Magistrat eröffnet, dass Württemberg neuer Landesherr der Reichsstadt und deren Territorium wird

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