Stadtgeschichte

Die Revolution 1848 in Schwäbisch Gmünd

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd
Foto: Prade

Diese vornehme Villa im italienischen Palazzostil ließ sich 1844 der Silberwarenfabrikant Eduard Forster (1811-1872) bauen. Er und der Kaufmann, Begründer des Turnvereins und der Feuerwehr Johannes Buhl waren 1848/49 die führenden Vertreter der revolutionären Ideen in unserer Stadt.

Im Frühjahr 1848 kam es in ganz Deutschland zu heftigen Protesten der Bürger gegen den Obrigkeitsstaat, die begleitet wurden vom Aufruhr der städtischen Unterschichten, die unter Massenarmut und Missernten litten. Eduard Forster trat für die Ziele der damaligen Liberalen ein: nationale Einheit, Verfassung, Wahlrecht, Grundrechte, Gewerbe- und Versammlungsfreiheit und Bürgerbewaffnung. Zusammen mit Buhl gründete er in Gmünd 1848 eine Art Partei, den „Vaterländischen Verein“, und wurde in den Landtag gewählt.

Während der Unruhen im März 1848 musste Stadtschultheiß Steinhäuser zurücktreten und Forster übernahm vorübergehend seine Aufgaben. Da Forster bekannte, „dass ich durch und durch Republikaner bin“, wurde er vom konservativen „Boten vom Remsthal“ angegriffen, so dass es sogar zu einer 24stündigen Anarchie in Gmünd kam, da die Obrigkeit die aufgebrachten Massen, die sich vor Forster stellten, nicht mehr beruhigen konnte. Trotzdem konnte sich auch bei den nächsten Landtagswahlen Forster mit seinem republikanischen Programm gegen seinen konservativen Mitbewerber durchsetzen.

Die Revolution scheiterte aber, weil es der Frankfurter Nationalversammlung nicht gelang, eine eigene starke Regierung zu bilden. Als dann der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die ihm von der Nationalversammlung angebotene deutsche Kaiserkrone ablehnte, wurde die Versammlung aufgelöst.

Daraufhin wurden auch in Württemberg die alten Zustände wiederhergestellt und Forster wurde zu zwei Monaten Haft auf dem Hohenasperg verurteilt. Er beschränkte dann seine politische Tätigkeit auf seine Heimatstadt, deren Gemeinderat er bis zu seinem Tod 1872 angehörte. Ansonsten war alles beim Alten geblieben: die Deutschen bekamen weder eine Verfassung noch ein einiges deutsches Reich. Der völkerrechtlich lockere Zusammenschluss - der Deutsche Bund – blieb bis 1866 bestehen.

(Ulrich Müller, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Prade

Diese vornehme Villa im italienischen Palazzostil ließ sich 1844 der Silberwarenfabrikant Eduard Forster (1811-1872) bauen. Er und der Kaufmann, Begründer des Turnvereins und der Feuerwehr Johannes Buhl waren 1848/49 die führenden Vertreter der revolutionären Ideen in unserer Stadt.

Zeitungen
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Im Boten vom Remstal wurden die Gmünder auf das große Ereignis eingestimmt: Zum ersten Mal konnten die Deutschen 1848 ein Parlament wählen.

Zeitungen
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Die Nationalversammlung wählte Erzherzog Johann von Österreich zum Reichsverweser, d.h. zum Oberhaupt der provisorischen Reichsregierung. Dies wurde auch in Gmünd gebührend gefeiert. Im Mayerschen Garten, dem heutigen Stadtgarten, wurde ein Obelisk aufgestellt mit der vom Erzherzog Johann gewählten Inschrift: „Kein Österreich - kein Preußen - ein Deutschland“. Die provisorische Reichsregierung konnte sich aber nicht durchsetzen, weil die Revolutionäre die alten Monarchien nicht entmachtet hatt

ZUM BILD