Stadtgeschichte

Heimatvertriebene in Schwäbisch Gmünd

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Zeitgeschichtliche Sammlung
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Der Lagerleiter der Hindenburg-Oberschule (heute Parlergymnasium), Hans Ehrensperger, berichtete genau über die 32 Transporte, die in Gmünd ausgeladen wurden.

Die Sieger des Zweiten Weltkrieges beschlossen auf der Potsdamer Konferenz im August 1945, dass die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neisse-Linie unter polnische bzw. sowjetische Verwaltung kommen. Die dort lebenden Deutschen sollten auf „humane Weise“ umgesiedelt werden, tatsächlich wurden sie brutal vertrieben.

Weil Schwäbisch Gmünd den Krieg ohne wesentliche Zerstörungen überstanden hatte, mussten die Stadt und der Landkreis besonders viele Heimatvertriebene aufnehmen. 1944 hatte die Stadt 22 941 Einwohner, bis 1949 war die Zahl auf 33 578 angewachsen. Damals betrug der Anteil der Vertriebenen an der Bevölkerung der Stadt 31,7%. Die Transporte kamen in Viehwaggon bzw. Güterwagen auf dem Bahnhof an und die Vertriebenen wurden zunächst in der Stadt in 10 Lagern untergebracht, das größte befand sich in der Hindenburgoberschule, dem heutigen Parlergymnasium. Die amerikanische Militärregierung forderte die deutschen Behörden ultimativ auf, die Lager bis zum 1.7.1947 zu räumen. Dadurch sollte eine Gettobildung verhindert und die Vertriebenen in die einheimische Gesellschaft integriert werden. Obwohl viele Zimmer und Wohnungen beschlagnahmt wurden, war die Wohnungsnot das zentrale Problem, da vor der Währungsreform (1948) überhaupt nicht gebaut werden konnte.

Die meisten der hier Angesiedelten stammten aus dem Sudetenland, d.h. der Tschechoslowakei und besonders aus Gablonz an der Neisse. Den Gablonzern gelang es, ihr Modeschmuck-Gewerbe hier wieder aufzubauen, so dass sie zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor wurden.

(Ulrich Müller, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Der Lagerleiter der Hindenburg-Oberschule (heute Parlergymnasium), Hans Ehrensperger, berichtete genau über die 32 Transporte, die in Gmünd ausgeladen wurden.

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Zeitungen
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Rems-Zeitung vom 13.03.1950

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