Stadtgeschichte

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd Bettringen Nord-West
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Fotograf: Schuster

Das rasante Wachstum der Stadt in den 70er Jahren zeigt sich am deutlichsten in Bettringen Nord-West.

Stadtentwicklung nach 1945

Auf Grund der Bevölkerungszunahme war der Wohnungsbau in den Jahren nach dem Krieg die zentrale Aufgabe. Zur ersten nennenswerten Erweiterung außerhalb des Tales kam es 1950 auf dem Rehnenhof, als die bereits 1937 angefangene Siedlung erweitert wurde. Es waren vorwiegend Heimatvertriebene, die vor allem in Eigenarbeit Doppelhäuser errichteten. Auch die im Westen der Stadt gelegene Diözesansiedlung wurde 1950 begonnen und ebenfalls mit viel Eigenleistung gebaut. 1953 erfolgte der Sprung aufs Hardt, wo von verschiedenen Baugesellschaften Wohnblöcke errichtet wurden und ein eigener Stadtteil entstand. Auch bauten die Amerikaner gegenüber der Hardtkaserne eine Wohnsiedlung für die Angehörigen ihrer Armee.

Da die Heimatvertriebenen, speziell aus dem Raum Gablonz, ihre alte Modeschmuck- und Glasindustrie wieder aufbauten, gründeten sie 1952 die Gablonzer Wohnungsbaugesellschaft, um den vielen Facharbeitern eine Wohnung anbieten zu können. Sie baute Wohnblöcke in der ganzen Stadt, so auch auf dem Hardt, der Weißensteiner Straße und den Kiesäckern. Ein Anzeichen für die gelungene Integration der Vertriebenen war 1972 der Zusammenschluss der Gablonzer Wohnungsbaugesellschaft mit der Gmünder Siedlungsgesellschaft zur VGW (Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft). Die VGW führte in den nächsten Jahren in der Stadt und allen Stadtteilen Baumaßnahmen unter sozialpolitischen und städteplanerischen Gesichtspunkten durch.

Ein neuer Stadtteil entstand 1969 mit der Erschließung des großen Baugebiets Bettringen Nord-West. In allen Stadtteilen wurden Baugebiete ausgewiesen, die vor allem dem privaten Eigenheimbau dienten. Um ihre Entwicklung zu fördern und besser planen zu können, musste die Stadt daran interessiert sein, ihre Markung auszudehnen. So wurde 1959 Bettringen auf Grund einer Volksabstimmung eingemeindet. Als dann 1969 Herlikofen zu Gmünd kam, war der enge Markungsgürtel, der die Entwicklung der Stadt behinderte, gesprengt worden.

Zu Beginn der 70er Jahre erfolgten weitere Anschlüsse von bisher selbstständigen Gemeinden, die aber auf die von der Landesregierung und der großen Koalition (CDU/SPD) eingeleiteten Verwaltungsreform zurückzuführen waren. Zum Januar 1971 waren dies Bargau, Weiler und Degenfeld. Im Juli 1971 folgte Lindach, 1972 Großdeinbach und Straßdorf. Schließlich wurde 1975 Rechberg zwangsweise eingemeindet, da eine gütliche Einigung nicht möglich war. Nach dieser letzten Eingemeindung hatte die Stadt eine Fläche von 11 375 ha und 55 835 Einwohner.

Die Verwaltungsreform ging von der Überlegung aus, dass auf Grund der heutigen Mobilität eine Verwaltung und Planung sinnvoller ist, wenn sie größere Einheiten umfasst. Die Stadt selbst aber erlitt durch diese Reform einen herben Verlust, da sie 1972 auf Grund eines Beschlusses der großen Koalition den Kreissitz an Aalen abtreten musste. Nun gab es den Landkreis Schwäbisch Gmünd nicht mehr und in Baden-Württemberg existierten nach der Reform 35 Landkreise statt bisher 65.

(Ulrich Müller, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Der Lagerleiter der Hindenburg-Oberschule (heute Parlergymnasium), Hans Ehrensperger, berichtete genau über die 32 Transporte, die in Gmünd ausgeladen wurden.

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