Stadtgeschichte

Schwäbisch Gmünd und die Zunftherrschaft

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Reichsstadt
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Augsteindreher Ordnung aus dem Aylff-Zunft-Buch

Wohl nach Unruhen zwischen Handwerkern und bis dahin herrschenden „Burgern“ (Kaufleuten und händlerisch orientierten Handwerkern) wird in Gmünd im Jahr 1344 eine Friedensordnung erlassen, die die Zünfte als am Rat beteiligt erscheinen lässt.

Unruhen im gesellschaftlichen Bereich dürfte es in der Stadt im Spätmittelalter öfters gegeben haben: Beredter Ausdruck ist eine erhaltene Urkunde von 1378, die den Streit zwischen den in der Innenstadt lebenden Bürgern und den in den Vorstädten lebenden Handwerkern schildert.

Im Jahr 1373 bestätigt Kaiser Karl IV. die Beteiligung aller Zünfte am Stadtregiment. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verstärkt der Rat sein „obrigkeitliches Gebaren“, was im städtischen Eidbuch von 1468 zu Tage tritt. Der Endpunkt der Verfassung ist erreicht, als im Jahr 1552 der kaiserliche Rat Dr. Heinrich Haas auf Befehl Kaiser Karls V. ein aristokratisches Regiment einführt, das den bisher von Zünften beherrschten Großen Rat weitgehend entmachtet.

(Klaus Jürgen Herrmann, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Augsteindreher Ordnung aus dem Aylff-Zunft-Buch

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Reichsstadt
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Eidbuch der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd aus dem Jahr 1468. Angelegt von Stadtschreiber Rudolf Holl genannt Ästlin

Des Burgermaisters aide

Herr Burgermaister Ir werdent sweren das

Ir ain glicher gemainer Man syent dem Armen

als dem Richen one alle Geverde. Und was

uch klagt werd, das Ir das fur Rat bringent und ufrechtent nach Erkanntnus des Ratts

oder des Mertails dem Armenn als dem Riche one alle Geverde.

 

Der Amtseid des Bürgermeisters (freie Übersetzung)

Herr Bürgermeister, Sie werden schwören, dass

Sie unparteiisch ohne jegliche Einschränkung gegenüber Arm

wie Reich auftreten werden. Und was

Ihnen geklagt wird, werden Sie vor den Rat (als Entscheidungsgremium) bringen und es dann vollziehen nach der Erkenntnis des Rats

und der Mehrheit des Rats und zwar für Arm und Reich ohne Einschränkung.

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