Stadtgeschichte

Amerikanische Soldaten in der Hardtkaserne, Ende der 50er Jahre
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Sammlung Seitz, Fotograf: unbekannt

Amerikanische Soldaten in der Hardtkaserne, Ende der 50er Jahre

Amerikanische Garnison und NATO-Nachrüstung

Im Mai 1991 lösen die Amerikaner ihre Garnison in Schwäbisch Gmünd auf.
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Fotos Stadtmessungsamt, Fotograf: Schuster

Im Mai 1991 lösen die Amerikaner ihre Garnison in Schwäbisch Gmünd auf.

Die Amerikaner reduzierten sofort nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Stärke ihrer Truppen, so dass sie in Deutschland und Österreich im Juli 1948 nur 90 821 Mann unter Waffen hatten. Allerdings zerbrach sehr schnell die alliierte Kriegskoalition, als sich abzeichnete, dass die Sowjetunion in ihrem Einflussgebiet keine freien Wahlen zuließ, sondern das kommunistische Gesellschaftssystem einführte. Schon 1947 begann der „Kalte Krieg“, auf dessen Höhepunkt die Sowjets 1948 den Zugang nach Westberlin blockierten. Als es dann 1950 in Korea zum Krieg zwischen den USA und dem von China unterstützten Nordkorea kam, setzte sich bei der Bundesregierung und den USA die Erkenntnis durch, dass Westdeutschland das nächste Opfer einer kommunistischen Aggression sein könnte. Ab Mai 1950 bekamen die Truppen der drei Westmächte offiziell die Aufgabe, die Bundesrepublik vor einer Bedrohung zu schützen.

In diesem Zusammenhang wurden die beiden Gmünder Kasernen ab November 1951 mit amerikanischen Einheiten belegt. Eine besondere Bedeutung bekam der Standort Schwäbisch Gmünd durch die Stationierung von Pershing II-Raketen in der Folge des NATO - Doppelbeschlusses vom Dezember 1979. Diese mit Atomsprengköpfen bestückten Mittelstreckenraketen waren sehr zielgenau und hatten eine Reichweite von ca.1800 km. Sie waren von der NATO als Antwort auf die SS-20-Raketen gedacht, die von der UdSSR in ihren Satellitenstaaten aufgestellt wurden und für Westeuropa eine reale Bedrohung darstellten. Allerdings sah der NATO-Doppelbeschluss vor, dass die USA die Stationierung der Pershing II lediglich vorbereiteten, zugleich aber boten sie der UdSSR Verhandlungen über den Abbau ihrer SS-20-Raketen an. Wären sie darauf eingegangen, hätte die NATO auf die Aufstellung der Pershing II verzichtet.

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Fotos Stadtmessungsamt, Fotograf: Schuster

Im Mai 1991 lösen die Amerikaner ihre Garnison in Schwäbisch Gmünd auf.

Eine Pershing II wird startklar gemacht.
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Sammlung Seitz, Fotograf: unbekannt

Eine Pershing II wird startklar gemacht.

Da die Verhandlungen aber zu keinem Ergebnis führten, wurden die Raketen tatsächlich aufgestellt, 36 davon im November 1983 auch in Mutlangen, und die in den beiden Gmünder Kasernen stationierte 56th Field Artillery Brigade war für die Bedienung der Mittelstreckenraketen, die ständig in den Wäldern der Umgebung hin und her bewegt wurden, zuständig. Viele Menschen in Deutschland und Europa wollten in dem „Doppelbeschluss“ aber nicht ein politisches Druckmittel sehen, sondern sie befürchteten, dass durch dieses Wettrüsten die Gefahr eines globalen atomaren Krieges zunehmen würde. Es bildete sich die Friedensbewegung, die durch Demonstrationen, Menschenketten oder Blockaden die Stationierung der Raketen verhindern bzw. rückgängig machen wollte.

Durch die gegen die Friedensbewegung durchgesetzte Stationierung der Pershing sah sich aber die UdSSR veranlasst, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und im Dezember 1987 unterzeichneten der amerikanische Präsident Reagan und sein sowjetischer Kollege Gorbatschow das INF-Abkommen (Intermediate Range Nuclear Forces), das die weltweite Verschrottung sämtlicher Mittelstreckenraketen vorsah. Dieses herausragende Ereignis markiert das Ende des Kalten Krieges, die Demokratisierung des Ostblocks, den Beginn der deutschen Wiedervereinigung, aber auch den Abzug der Amerikaner aus unserer Stadt im Mai 1991. Damit war die fast 200-jährige Geschichte Schwäbisch Gmünds als Garnisonsstadt zu Ende.

(Ulrich Müller, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Sammlung Seitz, Fotograf: unbekannt

Eine Pershing II wird startklar gemacht.

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