Stadtgeschichte

Die Schornsteine zeigen den Grad der Industrialisierung um die Jahrhundertwende.
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Postkarten, Foto: Gebrüder Metz

Die Schornsteine zeigen den Grad der Industrialisierung um die Jahrhundertwende.

Die Entwicklung der Industrie

Über Jahrhunderte hindurch war die Gmünder Wirtschaft durch die Verarbeitung von Metall, insbesondere von Edelmetall, geprägt. Die alteingesessenen Produktionsstätten wurden um 1840 von einer Industrialisierungswelle erfasst, so dass 1861 in 13 Betrieben der Silber-, Gold- und Bijouterieindustrie rund 1500 Arbeiter beschäftigt waren. All diese Betriebe lagen noch innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer.

Auch noch nach dem Ersten Weltkrieg lag der eindeutige Schwerpunkt der Gmünder Wirtschaft in der Edelmetallbranche, so dass wegen dieser einseitigen Ausrichtung die Gmünder Wirtschaft durch die 1929 ausgelöste Weltwirtschaftskrise besonders betroffen und die Stadt 1934 zum Notstandsgebiet erklärt wurde. Dem von den Nationalsozialisten eingesetzten OB Franz Konrad gelang es, die Monostruktur der Gmünder Wirtschaft zu durchbrechen, indem er andere Industrien ansiedelte. Allerdings erfolgten diese Ansiedlungen im Zusammenhang mit der Aufrüstung. So wurde die Firma Schenk (Leichtgusswerk) von Maulbronn nach Gmünd verlegt, um sie möglichen Angriffen feindlicher Flugzeuge zu entziehen. Aber erst mit der Anlage eines Zweigwerkes der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF) belebte sich die Wirtschaft, so dass die Stadt bald nicht mehr Notstandsgebiet war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Stadt Tausende von Heimatvertriebenen aufnehmen, da besonders viele aus dem Sudetenland und aus Gablonz kamen, gelang es ihnen, die weltberühmte Gablonzer Modeschmuckindustrie hier wieder aufzubauen. Die Gablonzer Industrie war sehr exportorientiert und konnte deshalb wertvolle Devisen erwirtschaften, allerdings war sie in den 80er Jahren gegenüber den viel billigeren Produkten aus dem fernen Osten nicht gewachsen, so dass alle Betriebe aufgeben mussten.

Um 1960 waren die Ergebnisse der strukturpolitischen Maßnahmen an konkreten Zahlen abzulesen: jetzt hatten die Beschäftigten im gewerblichen Bereich mit 3 886 Arbeitern die in der Edelmetall-, Uhren- und Brillenindustrie Beschäftigten (3 774) leicht überholt. Die Stadt betreibt gemeinsam mit den Kammern, den Landkreisen und der Region aktive Wirtschaftsförderung. Herzstück ist hierbei die Entwicklung des Gewerbe- und Industriegebietes Gügling, mit rund 140 ha Entwicklungsfläche das größte Gewerbegebiet in der Region. Heute sind dort ca. 80 Unternehmen mit über 3000 Arbeitsplätzen angesiedelt. Firmen wie die ZF-Lenksysteme, Voestalpine, Erhard, Ritz Pumpen, Ricardo Deutschland GmbH und die GFO (Gesellschaft für Oberflächentechnologie) gehören zu den großen Arbeitgebern. Zur Stärkung und Diversifizierung der Branchenstruktur wurde in der ehemaligen Mantelfabrik Zapp ein Gründerzentrum eingerichtet, im Westen der Stadt entstand mit dem Gmündtech ein modernes Bürogebäude für dienstleistungsorientierte Unternehmen.

(Ulrich Müller, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

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