Stadgeschichte

Der Dreißigjährige Krieg

Reichsstadt
Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Der Magistrat stiftet in die Stadtpfarrkirche im Jahr 1670 einen neuen Choraltar „wegen ausgestandenen Kriegs-Hungers und Sterbens Nöthen“ im 30 jährigen Krieg.

Die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd hatte sich im Jahr 1619 der katholischen Liga angeschlossen, ein Schritt, den das der protestantischen Union angehörige Herzogtum Württemberg als Kriegserklärung betrachtete. Am 6. September 1619 erfolgte der württembergische Angriff auf Schwäbisch Gmünder Territorium von Lorch aus; am folgenden Tag marschierte das württembergische Kriegsvolk zwischen 7 und 8 Uhr morgens mit brennenden Lunten in die offene, nicht verteidigte Stadt ein. In einem Faszikel von 73 Folien fasste später der reichsstädtische Magistrat die Beschwerden über diesen „Einmarsch ohne Kriegserklärung“ zusammen.

Die Standfestigkeit und Treue, die Schwäbisch Gmünd der katholischen Liga und damit dem Kaiser entgegenbrachte, machten sich in den nächsten Jahren bezahlt: Im Zeitraum von 1619 bis 1621 erneuerte Kaiser Ferdinand II. die Privilegien seiner Vorgänger, erlaubte am 3. November 1623 die Erhöhung des Weggelds und steigerte im Jahr 1624 die erst 1605 angehobenen Diäten der Bürgermeister und Ratsherren noch einmal erheblich.

Die schwedische Episode

Die erste Kontaktaufnahme mit den heranrückenden schwedischen Truppen erfolgte in der letzten Aprilwoche 1632. Ein Führer des schwedischen Truppenkontingents, Freiherr Christoph Martin von Degenfeld, war den Schwäbisch Gmündern kein Unbekannter, hatte er doch bis zum Jahr 1616 ein Haus in der Stadt besessen. Am 6. August 1633 erreichte die Stadt ein Schreiben des Martin von Degenfeld, in dem dieser die Konfiszierung aller klösterlichen Güter auf Schwäbisch Gmünder Territorium ankündigte, um mit dem Erlös ausstehenden Sold für seine Truppen bezahlen zu können. Darüber hinaus erhielt er von der schwedischen Krone auch die Fuggerei in der Stadt selbst. Nach der für die Schweden vernichtenden Niederlage in der Nördlinger Schlacht 1634, hat Schwäbisch Gmünd von seinen Ansprüchen nie wieder etwas gehört.

Nach der Nördlinger Schlacht

Am 9. Juli 1636 kam König Ferdinand III. persönlich durch Schwäbisch Gmünd und besuchte auch den Salvator. Im Zeitraum von 1640 bis 1648 herrschte in und um die Stadt relativer Frieden, wenn auch Durchzüge und Einquartierungen bayerischer, französischer und hessischer Truppen nicht verhindert werden konnten. Trotz schwerer Belastungen war die Stadt „relativ“ ungefährdet über den Krieg gekommen: Die finanziellen Aufwendungen für die Jahre 1619 bis 1646 beliefen sich nach Eigenangaben auf über eine Million Gulden.

(Klaus Jürgen Herrmann, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd

Der Magistrat stiftet in die Stadtpfarrkirche im Jahr 1670 einen neuen Choraltar „wegen ausgestandenen Kriegs-Hungers und Sterbens Nöthen“ im 30 jährigen Krieg.

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