Stadgeschichte

Geschichte der Gold- und Silberschmiedetradition in Schwäbisch Gmünd bis zu den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd
Foto: Städtisches Museum im Prediger

Gmünder Filigranarbeiter Sächsle’s Ure (19. Jahrhundert)

Das bereits im 14. Jahrhundert erwähnte Gold- und Silberhandwerk hatte zur damaligen Zeit noch keine über den Gmünder Raum herausreichende Verbreitung und erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte es sich kontinuierlich zum bestimmenden Gewerbe in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Nicht größere Arbeiten, sondern vielmehr im Verlagssystem produzierte Kleinstücke wie Beschläge, Schließen, Broschen und Wallfahrtsdevotionalien (Rosenkränze, Ablasspfennige etc.) charakterisierten die zünftische Kunst.

Konkurrenzkampf und Überproduktion drängten im Verlauf des 18. Jahrhunderts zur verbilligten Massenware: Die "Gmünder Waaren" - so die Bezeichnung der Bijouterieerzeugnisse – die bis nach Russland exportiert werden konnten. Nach den Napoleonischen Kriegen war das arg heruntergekommene traditionelle Gold- und Silbergewerbe in Gmünd zu Beginn der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts wieder auf 240 Personen angewachsen und das bei einer Bevölkerungszahl von 5 900 Einwohnern im Jahr 1818.

Mit der am 1. Januar 1813 eröffneten „Öffentlichen Gold- und Silberanstalt" ging das Beschauwesen von den Zünften auf die Stadt über und damit wurde der Einstieg in die Industrialisierung erleichtert. Die Phase von 1849 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist in der Oberamtsstadt Gmünd gekennzeichnet durch eine stetige wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung der das Gemeinwesen prägenden Gold- und Silberindustrie: Allein etwa in der Zeit von 1856 bis 1860 erhöhte sich die Zahl der Fabriken von 17 auf 29. Nach der Reichsgründung überstand das Gewerbe auch das Krisenjahr 1873 ohne sonderliche Rückschläge.

Der Erste Weltkrieg stoppte zuerst einmal die Höhenfahrt des Gewerbes. Nach dem Weltkrieg zeigte sich mit dem dauernden Absinken der Mark ein Run in sichere Gold- und Silberwerte: Schwäbisch Gmünd profitierte bis zur Einführung der Rentenmark 1923 von dieser Entwicklung. Die Zeit der Stabilisierung der Mark ab etwa 1926 bis weit in die dreißiger Jahre war dagegen für Gmünd und seine Monoindustrie eine harte Zeit: Ende 1932 wurden in der Stadt 3865 Arbeitslose gezählt, das waren 36,7 % aller Erwerbstätigen. Der württembergischen Regierung blieb nichts anderes übrig, als am 26. Januar 1934 Schwäbisch Gmünd zum Notstandsgebiet zu erklären.

(Klaus Jürgen Herrmann, 850 Jahre Stadtgeschichte Schwäbisch Gmünd, 2012)

Foto: Städtisches Museum im Prediger

Gmünder Filigranarbeiter Sächsle’s Ure (19. Jahrhundert)

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd
Foto: Städtisches Museum im Prediger

Aquarell von C. Tiefenbronn: Zunfthaus der Goldschmiede und Feuerarbeiter beim „Walfisch“

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