Projekt RESI-EXTREM

Resilienzbildung nach Extremereignissen

Lessons Learned und neue Strategien für Städte im Umgang mit räumlich ubiquitär auftretenden Extremereignissen

Inhalt des Forschungsprojekts

Seit dem Starkregenereignis im Sommer 2016 in Schwäbisch Gmünd sind die Bürgerinnen und Bürger auf das Thema Extremwetter aufmerksam geworden. Viele erinnern sich an überflutete Keller, Unterführungen und Straßen. Durch tatkräftige Unterstützung von allen Seiten war es möglich die Folgen zu beseitigen. Dennoch sind die meisten Städte nicht auf ein Starkregenereignis vorbereitet. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit von Wetterextremen durch den Klimawandel. Deshalb stellt sich die Frage, wie die Betroffenen vor Starkregen geschützt werden können. Aus diesem Grund beteiligt sich die Stadt Schwäbisch Gmünd am Forschungsprojekt RESI-extrem.

Inhalt von RESI-extrem ist die Auseinandersetzung damit, wie scheinbar unvorhersehbare Extremwetterereignisse in der Stadtentwicklung zukünftig berücksichtigt werden können. Hinzu kommt, dass die Wetterextreme wie Starkregen im Gegensatz zu Hochwasser überall auftreten können. Deshalb spielen Vorsorge- und Schutzkonzepte eine wichtige Rolle. Vor allem Städte kleiner und mittlerer Größe waren von Extremereignissen in letzter Zeit besonders stark betroffen. Diese werden im Rahmen des Forschungsprojekts untersucht. Deshalb nehmen die Städte Schwäbisch Gmünd und Olfen (in Nordrhein-Westfalen) an RESI-extrem teil. Sie stehen sinnbildlich für kleine und mittlere Städte, welche Erfahrungen mit Wetterextremen gemacht haben.
Was ist Resilienz?
Projektpartner beim Kick-off Meeting in Schwäbisch Gmünd
Quelle: IREUS

Resilienz ist die Fähigkeit eines Systems (hier Stadt) durch eine Störung (z.B. Starkregen) nicht vollständig zusammenzubrechen und sich mit Rückgriff auf Ressourcen zu entwickeln (Lessons Learned). Dabei muss das System Widerstand leisten, Schaden absorbieren, sich anpassen, sich umwandeln und von den Auswirkungen der Störung rechtzeitig und effizient erholen.

Durch den Klimawandel bekommt der Begriff im Zusammenhang mit Anpassungsstrategien besondere Aufmerksamkeit. Insbesondere steht der Umgang mit extremen Wetterereignissen sowie daraus resultierende Gefahren, Störungen oder Schäden an städtischen Infrastrukturen und der Gesellschaft im Mittelpunkt.

Städtische Resilienzbildung ist in diesem Zusammenhang als Reaktion auf die neuen Herausforderungen zu verstehen. Resilienz geht über die reine Gefahrenabwehr und Förderung von Sicherheit hinaus. Bei Resilienz geht es neben der reinen Anpassung an Ereignisse auch um Aspekte der Reflektion und Lernfähigkeit in Bezug auf vergangene Ereignisse.

Ziele einer resilienten Stadt:

  • Widerstandsfähigkeit (Schutz im Ereignisfall)
  • Bewältigungsfähigkeit (Krisenmanagement)
  • Lernfähigkeit (Reflektion im Nachgang)
  • Anpassungsfähigkeit (Integration der Erkenntnisse aus der Reflektion in Planungen und Prozesse, um Schutz, Krisenmanagement und Vorsorge für künftige Ereignisse zu stärken)
Quelle: IREUS
Ziele von RESI-extrem

Innerhalb des Projekts werden Ansätze zur Resilienzbildung von kleinen und mittleren Städten gegenüber Extremereignissen erarbeitet. Dabei sollen die Ansätze in Stadtentwicklungskonzepte integriert werden. Die Grundlage für RESI-extrem bildet die Analyse der bisherigen Ereignisse und Gegenmaßnahmen. Der Arbeitsauftrag für Schwäbisch Gmünd ist unter anderem die Bearbeitung der Frage, wie Maßnahmen gegen Starkregen bewertet werden können. Die Bewertung geht über eine Kosten-Nutzen-Rechnung hinaus und betrachtet auch Aspekte wie Nutzungskonflikte und Bevölkerungsakzeptanz. Mit der erarbeiteten Bewertungsmethode sollen Städte in Zukunft ihre Maßnahmen besser priorisieren können.

Dafür ist es besonders wichtig herauszufinden, wie die Städte mit den Ereignissen umgegangen sind und welche Veränderungen aufgrund der Schäden stattgefunden haben. Das Ergebnis von RESI-extrem zeigt auf, in welchen Bereichen der Umgang mit den Extremereignissen verbessert werden kann. Das übergeordnete Ziel ist, zukünftige Schäden gering zu halten. Die gewonnenen Informationen werden in Handlungsempfehlungen beschrieben, in einem Leitfaden zusammengefasst und anschließend weiteren Städten zur Verfügung gestellt. Dieser Leitfaden soll Kommunen als Hilfestellung dienen, die im Umgang mit Extremereignissen eigenen Handlungsbedarf erkennen.

Vorgehensweise
Quelle: Plan und Praxis GbR
Viele Arbeitsschritte zeigen, in welchen Bereichen der Umgang mit den Extremereignissen verbessert werden kann. Zum einen werden Starkregengefahrenkarten erstellt, um besonders betroffene Gebiete in der Stadt herauszustellen und die Ursachen dieser räumlichen Schwerpunkte zu identifizieren. Darüber hinaus werden die Bürger/innen in das Forschungsprojekt eingebunden und konnten durch eine Haushaltsbefragung ihre Erfahrungen mit den Ereignissen einbringen. Zudem wurden verschiedene Punkte des Projekts bei einem Bürgerforum am 1. April 2019 in Schwäbisch Gmünd vorgestellt und diskutiert. Des Weiteren ist eine Gewerbebefragung geplant.
 
Aufgrund dieser Ergebnisse wird die Resilienz der Stadt untersucht. Daraufhin werden Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet, die darauf zielen in Schwäbisch Gmünd die Resilienz zu erhöhen. Vor allem Schwierigkeiten und unterstützende Faktoren, die sich in diesem Zusammenhang in der Vergangenheit ergeben haben, werden betrachtet.
Quelle: Plan und Praxis GbR
Haushaltsbefragung Starkregenereignis 2016

Die Frage „Was wurde aus den vorherigen Extremereignissen gelernt?“ steht im Forschungsprojekt im Fokus und identifiziert Schwerpunkte für die weitere Arbeit. Die Analyse trägt dazu bei, dass Kommunen gegenüber zukünftigen Extremereignissen besser gewappnet sind. Dazu wurde in Schwäbisch Gmünd eine Haushaltsbefragung durchgeführt.

Im Jahr 2018 erhielten 5.855 Schwäbisch Gmünder Haushalte im Rahmen des Forschungsprojekts einen Fragebogen zum Thema Starkregenereignisse. Die Ergebnisse aus dieser repräsentativen Befragung liegen der Stadt nun vor. Hierbei muss positiv hervorgehoben werden, dass die Anzahl der Rückmeldungen hoch war. 1128 Fragebögen wurden übermittelt, was einer Rücklaufquote von 19,3% entspricht.

Dabei zeigte sich, dass ein Viertel der befragten Haushalte Schäden durch das Starkregenereignis 2016 erlitt. Die meisten Haushalte wählten die eigene Bauvorsorge als wichtigstes Handlungsfeld für die verbesserte Vorbereitung gegenüber Starkregen (38,3%). Als zweitwichtigstes Feld wurde die Einbeziehung der Starkregenthematik in die Stadt- und Flächennutzungsplanung (27,4%) und als drittwichtigstes Feld der Versicherungsschutz (21,8%) bestimmt.

Dennoch hat die Mehrheit der Befragten nur geringe Kenntnisse über bauliche Schutzmaßnahmen. Dabei lässt sich beispielsweise über den Einbau einer Sicherung der Rückstau aus dem Kanal vermeiden.

Ein Großteil der Bürgerschaft weiß, ob das eigene Gebäude in einem Bereich liegt, der bei Starkregen überflutet werden könnte. Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen getroffen zu werden, wird von 41% der befragten Personen als mittel und von 38% als hoch oder sehr hoch eingeschätzt.

Die Mehrheit der betroffenen Haushalte erlitt durch das Starkregenereignis finanzielle Schäden (84,1%). Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten besitzen eine Elementarschadensversicherung (62%). Bei 70% der Personen verblieb ein Eigenanteil an der Gesamtschadenssumme.

Sehen Sie hier die Ergebnisse im Detail.

Informationen & Projektpartner

Weitere Informationen finden Sie unter:
Projekthomepage
Technische Universität Dortmund, Institut für Raumplanung (IRPUD)
Projektstadt Olfen

Projektpartner

  • Universität Stuttgart, Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS)
  • Technische Universität Dortmund, Institut für Raumplanung (IRPUD)
  • Plan und Praxis GbR, Berlin (P+P)
  • Stadt Olfen
  • Stadt Schwäbisch Gmünd
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