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Ausstellungsführung: Mit offenen Sinnen für das Neue. Jakob Wilhelm Fehrles Pariser Jahre

Treffpunkt: Museumsshop, Erdgeschoss
Teilnehmerzahl: maximal 15 Personen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich
Teilnahmegebühr: 2 Euro zuzüglich Eintrittspreis (regulär: 5 Euro, ermäßigt: 4 Euro)

Bitte beachten Sie, dass für den Museumsbesuch die Regelungen der jeweils aktuellen Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg gelten. Weitere Informationen →

Jakob Wilhelm Fehrle, Fotoaufnahme aus dem Atelier aus seinem Pariser Atelier, 1911/14. © Familie Fehrle-Choms, Atelier Fehrle Schwäbisch Gmünd. Scan: Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd.
Jakob Wilhelm Fehrle, Fotoaufnahme aus dem Atelier aus seinem Pariser Atelier, 1911/14. © Familie Fehrle-Choms, Atelier Fehrle Schwäbisch Gmünd. Scan: Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd.

„Meine Erwartungen von Berlin hatten sich gar nicht erfüllt“, schreibt Jakob Wilhelm Fehrle rückblickend. Verständlich. Denn während der damals 20-Jährige danach suchte, sich von historisierenden künstlerischen Konventionen zu lösen, galten seinem Berliner Mentor Wilhelm Widemann vor allem Renaissance und Barock als Maßstab. Nach Studienjahren in München (1906–1909) und Rom sollten sich Fehrles Erwartungen schließlich in Paris erfüllen. Von 1911 bis 1914 bezog er in der damaligen Weltmetropole der Kunst ein Atelier. Die Omnipräsenz der Werke von Aristide Maillol und Auguste Rodin, mit denen er zusammenarbeitete, und persönliche Begegnungen mit Künstlerkollegen wie Wilhelm Lehmbruck und Pablo Picasso befeuerten den Künstler im Finden eines eigenen, charakteristischen Stils. Diese für den Gmünder Bildhauer maßgebliche Zeit in Paris beleuchtet derzeit die Ausstellung „Mit offenen Sinnen für das Neue “ im Museum im Prediger. Am Sonntag, 16. Januar, um 15 Uhr, spürt Sabine Leicht in einer Führung Fehrles Pariser Jahren nach.

Jakob Wilhelm Fehrle, Fotoaufnahme aus dem Atelier aus seinem Pariser Atelier, 1911/14. © Familie Fehrle-Choms, Atelier Fehrle Schwäbisch Gmünd. Scan: Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd.
Jakob Wilhelm Fehrle (1884-1974), Louise, 1912, Bronze, 70,5 × 27,3 × 19 cm, Sammlungen Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd.
Jakob Wilhelm Fehrle (1884-1974), Louise, 1912, Bronze, 70,5 × 27,3 × 19 cm, Sammlungen Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd.

Der Gmünder Künstler Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974) reflektierte in seinem knapp acht Jahrzehnte währenden Lebenswerk nahezu alle Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Impulse dazu erhielt er während seiner international ausgerichteten Ausbildung als Maler und Bildhauer. Wichtige Stationen des Zwanzigjährigen waren zunächst Berlin, München und Rom. Die prägendsten Jahre jedoch verbrachte er von 1911 bis 1914 in Paris, der damaligen Kulturhauptstadt der Welt, wo am Vorabend des Ersten Weltkriegs die Künste mit einer nie zuvor gesehenen Dynamik in die Moderne aufbrachen. Insbesondere das Viertel am Montparnasse, wo Fehrle in jenen Jahren sein Atelier unterhielt, mutierte zu einem revolutionsgeladenen Dynamo, der die traditionsverhaftete Kunstwelt Europas ins Rotieren versetzen sollte. Hier arbeitete Fehrle mit den berühmten französischen Bildhauern Aristide Maillol und Auguste Rodin zusammen, und hier lernte er Künstlerkollegen wie Wilhelm Lehmbruck, Pablo Picasso, Paul Cézanne und viele andere kennen.

Jakob Wilhelm Fehrle (1884-1974), Louise, 1912, Bronze, 70,5 × 27,3 × 19 cm, Sammlungen Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd.

Spektakuläre Neufunde aus Fehrles Pariser Atelier

Aristide Maillol (1861-1944), Badende, um 1898, Bronze, 27,3 × 12 × 11 cm. © Hamburger Kunsthalle / bpk. Foto: Elke Walford.
Aristide Maillol (1861-1944), Badende, um 1898, Bronze, 27,3 × 12 × 11 cm. © Hamburger Kunsthalle / bpk. Foto: Elke Walford.

»Mit offenen Sinnen für das Neue«, so Fehrle später rückblickend, fand er in Paris zu einer eigenen, charakteristischen Formensprache. Die Ausstellung zeigt seine künstlerische Entwicklung bis zu seinem Eintreffen in Paris und stellt anschließend mit spektakulären Neufunden seine Arbeit in der französischen Hauptstadt in den Mittelpunkt. Zahlreiche dort entstandene Kunstwerke konnten durch Fotografien, die Fehrle von seinen Pariser Räumen angefertigt hat, identifiziert werden. Sehr aufschlussreiche Skizzenbücher sowie von Fehrle selbst zusammengestellte Fotomappen, in denen er seine in Paris geschaffenen Gemälde und Plastiken mit der eigenen Kamera dokumentiert hat, ermöglichen es, sein Werk in dieser prägenden Zeit zu rekonstruieren. Als kostbare Leihgaben der Hamburger Kunsthalle und des Angermuseums Erfurt veranschaulichen schließlich Skulpturen von Aristide Maillol und Wilhelm Lehmbruck die Auseinandersetzung des Gmünder Künstlers mit den hochmodernen Entwicklungen dieser Zeit.

Neben Exponaten aus dem Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd runden zahlreiche Objekte aus dem Nachlass von Jakob Wilhelm Fehrle die Präsentation ab; die meisten davon wurden in Vorbereitung der Ausstellung mit Unterstützung der Nachkommen, der Familie Fehrle-Choms, neu entdeckt. Der Nachlass befindet sich in seinem 1925 auf dem Zeiselberg in Schwäbisch Gmünd nach Plänen des bekannten Stuttgarter Architekten Paul Schmitthenner errichteten Ateliergebäude, das in seiner künstlerischen Überlieferung ein einzigartiges kulturhistorisches Juwel darstellt. Von den Werkzeugen Fehrles und seinen Entwurfszeichnungen über Gussformen für Skulpturen bis hin zu den historischen Laufbodenfotokameras mit Faltenbalg ist alles in einer seltenen Geschlossenheit auf uns gekommen und harrt seiner dauerhaften Erhaltung.

Aristide Maillol (1861-1944), Badende, um 1898, Bronze, 27,3 × 12 × 11 cm. © Hamburger Kunsthalle / bpk. Foto: Elke Walford.

Biografie

Jakob Wilhelm Fehrle im Atelier, um 1940. Foto: Archiv Fehrle-Choms
Jakob Wilhelm Fehrle im Atelier, um 1940. Foto: Archiv Fehrle-Choms

Jakob Wilhelm Fehrle wurde 1884 in Schwäbisch Gmünd geboren. Nach einer Lehre als Ziseleur in der Firma Erhard & Söhne (1899–1903) ging er zunächst nach Berlin, wo er in der Werkstatt des Bildhauers Wilhelm Widemann arbeitete und an der Kunstakademie bei Paul Friedrich Meyerheim studierte (1904–1905). Auf das Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Balthasar Schmitt (1906–1909) folgte ein Studienaufenthalt in Rom (1909–1910). 1911 zog er nach Paris, wo er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 am Montparnasse ein Atelier unterhielt. Von 1914 bis 1918 nahm Fehrle als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. In den Kriegswirren ging sein Frühwerk verloren. Gleich nach dem Krieg zog er im Jahr 1918 zurück in seine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd, wo er bis zu seinem Tod ein eigenes Atelier unterhielt.
Anlässlich seines 70. Geburtstags erhielt er 1954 aus den Händen seines Freundes, des Bundespräsidenten Theodor Heuss, das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Jakob Wilhelm Fehrle im Atelier, um 1940. Foto: Archiv Fehrle-Choms

Veranstaltungsort

Museum im Prediger
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4130
07171 603-4129

Veranstalter

Museum und Galerie im Prediger
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4130
07171 603-4129

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