Ausstellung: Jan-Hendrik Pelz. Präsentiert Paula Pelz

Jan-Hendrik Pelz, aus der Serie: Paula Pelz, every-day-people, 2019, Öl auf Leinwand, 30 x 20 cm. Foto: artist

„Ich habe mir die Kunst nicht ausgesucht. Es ist passiert“, so Jan-Hendrik Pelz über seinen künstlerischen Werdegang. Für die Vielseitigkeit der künstlerischen Medien und die hohe Aussagekraft seines Werks erhält der 36-Jährige in diesem Jahr den Kunstpreis der VR-Bank Ostalb. Mit dem Preis ist vom 31. Juli bis 1. November in der Galerie im Prediger die Ausstellung „Jan-Hendrik Pelz. Präsentiert Paula Pelz“ verbunden, die einen Begriff seines malerischen Schaffens vermittelt. Im Mittelpunkt der Schau steht die 2019 entstandene Porträtserie „every-day-people“: sie umfasst 365 gleichformatige Gemälde – ein Gemälde steht für einen Tag – und ist in der Galerie im Prediger erstmals überhaupt im Ganzen zu sehen. Daneben zeigt die Ausstellung die installative Arbeit „2020 portraits“, die eigens für den Galerieraum konzipiert wurde: einundzwanzig aktuell entstandene Porträts verbinden Malerei und Objektkunst und transformieren das Gesicht ins Überdimensionale.

Eröffnung und Preisverleihung

Der Aktualität geschuldet, gibt es am Freitag, 31. Juli, von 14 bis 17 Uhr eine offene Vernissage, verbunden mit der Möglichkeit, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen.
Den Kunstpreis der VR-Bank Ostalb, der in diesem Jahr zum 16. Mal verliehen wird, bekommt Jan-Hendrik Pelz am Sonntag, 4. Oktober, um 11 Uhr im Festsaal des Prediger als bislang jüngster Preisträger überreicht.

Jan-Hendrik Pelz, aus der Serie: Paula Pelz, every-day-people, 2019, Öl auf Leinwand, 30 x 20 cm. Foto: artist

Zur Ausstellung

Jan-Hendrik Pelz, aus der Serie: Paula Pelz, every-day-people, 2019, Öl auf Leinwand, 30 x 20 cm. Foto: artist

Die künstlerische Position von Jan-Hendrik Pelz bewegt sich grenzüberschreitend zwischen den Medien. Eine Idee kann in eine Performance, Skulptur, Installation oder Videoarbeit münden. Ausgangspunkt der Arbeiten ist unter anderen die Suche nach Strategien neuartiger Bildfindungen, die Beschäftigung mit der Künstlerperson als Urheber sowie die Fremdbestimmung im künstlerischen Prozess.

Eine zentrale Rolle im vielfältigen Schaffen von Jan-Hendrik Pelz spielt seit vielen Jahren dessen Schwester-Alter Ego Paula Pelz als Autorin der Malerei. Zu diesem Werkkomplex zählt die 365 Gemälde umfassende Porträtserie „every-day-people“ aus dem Jahr 2019. Alle im gleichen Bildgeviert von 30 mal 20 cm in der Art eines Schulterstücks gemalt, steht ein Bild für die Arbeit eines Tages. Was als exerzitiengleiche, kontemplative Repetitionsübung erscheint, ist für den Künstler in der Person von Paula Pelz eine konzeptuelle Auseinandersetzung und Reflexion über ein Grundmotiv der Bildenden Kunst: das Porträt und das dahinterstehende Gesicht. Erhob das Porträt in der Kunst traditionell den Anspruch auf Präsenz und Repräsentation einer dargestellten Person, wurde der Glaube an ein authentisches Bildnis zunehmend durch neue Formen der Gesichtskunst hinterfragt. Phänomene wie Gesichtsscans zur Identifikation, Gesichtschirurgie als Verwandlungsinstrument des Individuums oder Facebook als virtueller Sammelplatz von Gesichtern sind nur einige von vielen, die die Gesichtsthematik gegenwärtig in den künstlerischen Blick rücken. Mit dem Gesicht als Motiv des Porträts verhandelt Paula Pelz alias Jan-Hendrik Pelz mithin ein klassisches Thema, das hochaktuell ist.

Jan-Hendrik Pelz, aus der Serie: Paula Pelz, every-day-people, 2019, Öl auf Leinwand, 30 x 20 cm. Foto: artist

Die serielle Porträtproduktion von Jan-Hendrik Pelz´ Alter Ego Paula Pelz lässt zunächst an Alexej von Jawlensky denken. In mehreren Werkreihen, angefangen von der Gruppe der „Mystischen Köpfe“ bis zur Serie der „Meditationen“, und über tausend Gemälden widmete sich der avantgardistische Künstler der Moderne intensiv dem menschlichen Gesicht, das ihm Gleichnis für das Geistige war. Auch Jan-Hendrik Pelz´ Pseudonym Paula Pelz geht es in den Porträts nicht um die Darstellung bestimmter Personen oder darum, dass sie den gemalten Personen gleichen, etwa wie Fotos den abgelichteten Menschen. Sie sind vielmehr Praxis eines inneren Sehens und Erlebens – somit letztlich künstlerische Behauptungen.
Die Köpfe erscheinen alle formatfüllend vor einem einfarbigen, blauen Hintergrund, der nichts über das Umfeld verrät. Zuweilen sind es Gesichter mit geschlossenen, auf eine inneres Schauen gerichteten Augen, zuweilen welche mit offenem, nach außen gewandtem Blick. In einigen Extremformen ist das Gesicht fast abwesend und es droht der Gesichtsverlust. Anspielungen und Verweise lassen sich erkennen, etwa Bezugnahmen auf Van Gogh, Picasso oder Bacon, und ein Jonglieren mit unterschiedlichsten Malereitraditionen, wie dem Pointillismus, Surrealismus oder Expressionismus. Ebenso finden sich Anknüpfungen an die kunstgeschichtliche Figur der Groteske, wodurch die Gesichter der Dargestellten versehrt wirken. Diese Antagonismen verbinden sich zu einem individuellen Bildkosmos, wobei die zitierten Stilrichtungen oder -mittel freilich nicht für das stehen, was sie vorgeben. Vielmehr handelt es sich um einen differenzierten Diskurs über Fragenstellungen nach der grundsätzlichen Lesbarkeit eines Gesichts sowie der Identität und Individualität des Menschen. Die Auseinandersetzung kreist um Fixierung und Auflösung, Fakt und Fiktion, Referenz und Manipulation.

Jan-Hendrik Pelz, aus der Serie: Paula Pelz, every-day-people, 2019, Öl auf Leinwand, 30 x 20 cm. Foto: artist

In Pelz´ Werkserie „every-day-people“ erscheint das Porträt als eine Gattung, die Individualität und Ähnlichkeit nicht länger in der Darstellung des Gesichts verortet. Die gattungsbestimmende Natur des Bildnisses, nämlich seine memoriale und repräsentative Aufgabe, weicht einem abstrahierenden Konzept mit dem Porträt als eigengesetzliches Kunstwerk. Damit einher geht die Absage an die klassische Porträttradition, die sich auf einer ungebrochenen Vorstellung von Identität und Persönlichkeit gründet. Die 365 Gesichter stehen als Modellfälle von Porträts, die in Frage stellen, ob und inwieweit sich von der Darstellung des Äußeren auf den Charakter eines Menschen schließen lässt. Dementsprechend steht dahinter auch die Erkenntnis der Unvereinbarkeit von Realität und Abbild sowie von objektiver und subjektiver Wahrnehmung.
Nicht zuletzt kann das Porträtprojekt „Menschen des täglichen Lebens“ von Jan-Hendrik alias Paula Pelz auch als Gegenstück zu Facebook gesehen werden, gibt sich die Social-Media-Plattform mit seinen aktuell 2,6 Milliarden Nutzern und deren Individualporträts doch den Namen eines Buches, das im Grunde genauso wenig lesbar ist wie ein Gesicht.

Jan-Hendrik Pelz, aus der Serie: Paula Pelz, every-day-people, 2019, Öl auf Leinwand, 30 x 20 cm. Foto: artist

Biografie

Jan-Hendrik Pelz © arist

Jan-Hendrik Pelz studierte von 2007 bis 2015 Malerei und Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK Stuttgart); 2011 erhielt er den Akademiepreis der ABK Stuttgart. 2017/18 war er im Weißenhof-Programm der Bildenden Kunst an der ABK Stuttgart Meisterschüler bei Prof. Christian Jankowski. Mit seinen Werken war Pelz bislang in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten. Derzeit lebt und arbeitet er bei Stuttgart.

Jan-Hendrik Pelz © arist

Veranstaltungsort

Galerie im Prediger
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4130
07171 603-4129

Veranstalter

Museum und Galerie im Prediger
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4130
07171 603-4129

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