Kabinettausstellung: Hans Baldung Grien. Glaube, Wahn und Phantasie – Holzschnitte aus der Sammlung

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Die Hexen, Holzschnitt, Straßburg 1510, 37,2 × 25,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Die Hexen, Holzschnitt, Straßburg 1510, 37,2 × 25,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545) gilt als einer der außergewöhnlichsten Künstler des 16. Jahrhunderts. Bis heute faszinieren seine ausdrucksstarken Gemälde, virtuosen Zeichnungen und kraftvollen Holzschnitte. Sein oft exzentrisches Werk erscheint als Widerspiel der tiefgreifenden Umwälzungen eines durch Reformation, Bildersturm und Bauernkrieg geprägten Zeitalters. Nie gab er sich mit dem Herkömmlichen zufrieden. Vielmehr suchte er nach neuen und packenden Formulierungen. In eigentümlicher Polarität vereinigt sich in seinem Schaffen Heiliges und Profanes, Menschliches und Dämonisches, Lebenstrieb und Todesdrohung. Zu den Höhepunkten in Baldungs grafischem Werk zählen die in Holz geschnittenen, tiefgründig-erotischen Hexendarstellungen und die Blätter kämpfender Hengste. Abzulesen ist die fesselnde Wirkung dieser Holzschnitte in der Ausstellung „Hans Baldung Grien. Glaube, Wahn und Phantasie“, die das Museum im Prediger vom 22. Dezember 2019 bis 13. Februar 2020 im Kabinett im 1. Obergeschoss zeigt. Versammelt ist eine Auswahl an Blättern aus dem musealen Sammlungsbestand, der aus konservatorischen Gründen selten zu sehen ist und in der Zusammenstellung einen repräsentativen Einblick in Baldungs grafisches Werk ermöglicht.

Zum Ausstellungsauftakt gibt es am Sonntag, 22. Dezember, 15 Uhr, eine öffentliche Führung mit Dr. Monika Boosen. Im Weiteren vertiefen zwei Veranstaltungen die Ausstellung: am Sonntag, 19. Januar, 15 Uhr, eine Führung mit Museumsleiter Dr. Max Tillmann sowie am Mittwoch, 29. Januar, um 19 Uhr ein Vortag mit Dr. Holger Jacob-Friesen, dem Kurator der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg „Hans Baldung Grien. heilig | unheilig“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (30.11.2019-8.3.2020).

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Die Hexen, Holzschnitt, Straßburg 1510, 37,2 × 25,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Die Hexen, Holzschnitt, Straßburg 1510, 37,2 × 25,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Kämpfende Hengste, Holzschnitt, Straßburg 1534, 21,8 × 32,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Kämpfende Hengste, Holzschnitt, Straßburg 1534, 21,8 × 32,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung, auch Hans Baldung Grien genannt, wurde 1484 oder 1485 in Schwäbisch Gmünd geboren und stieg zu einem der bedeutendsten Künstler der deutschen Renaissance auf. Schon seine Zeitgenossen feierten ihn. Als er 1545 in Straßburg stirbt, ist er wohlhabend, geehrt und einer der Ratsherren der Stadt. Im 20. Jahrhundert entdeckten ihn die Expressionisten für sich, die in seinen kühnen Holzschnitten die eigenen Ideen vorweggenommen sahen. Baldung entstammte einer humanistisch geprägten Gelehrtenfamilie. Er setzte seinen Wunsch durch, Künstler zu werden, und schaffte es nach Nürnberg, in die Werkstatt des vierzehn Jahre älteren Albrecht Dürer. Von 1503 bis 1507 ist er Dürers Geselle. Hochgeschätzt vom Meister, bleibt er Dürer selbst lebenslang verbunden. In Nürnberg erhält er auch seinen Beinamen „Grien“, der Grüne.

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Kämpfende Hengste, Holzschnitt, Straßburg 1534, 21,8 × 32,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Kämpfende Hengste, Holzschnitt, Straßburg 1534, 21,8 × 32,5 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Beweinung Christi, Holzschnitt, Freiburg 1515/17, 22,5 × 16,1 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Beweinung Christi, Holzschnitt, Freiburg 1515/17, 22,5 × 16,1 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Baldungs Frühwerk steht im Zeichen Dürers – und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Seine ersten Blätter kamen als Dürer-Graphik auf den Markt, einige tragen die Dürer-Signatur, wie der 1510 gefertigte Holzschnitt „Die Hexen“, mit dem die Ausstellung aufwartet und in dem er in Zeiten von Hexenverfolgung und -verbrennung in besonderer Weise Erotik und Sinnlichkeit ins Bild setzt. Wie sehr sich Baldung von Dürer löst, lässt sich an seiner „Beweinung Christi“ aus den Nürnberger Jahren verfolgen, in der sich seine Imaginationskraft in einer dramatischen Darstellung von Schmerz und Leiden entfaltet. Das biblische Thema „Sündenfall“ ist für ihn Anlass für eine frühe Aktdarstellung und zeigt seinen originellen Zugriff auf die christliche Bildsprache. Die sakralen Motive lässt er in seinem Spätwerk gänzlich hinter sich, insbesondere in der 1534 entstandenen Holzschnitt-Trilogie „Wildpferde“ mit ihren drastischen Darstellungen animalischer Triebhaftigkeit, die vieldeutig zu verstehen ist.

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 14 bis 17 Uhr, Do 14 bis 19 Uhr, Sa, So und an den Feiertagen 11 bis 17 Uhr. Montags sowie an Heiligabend, Silvester und Neujahr ist geschlosse

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Beweinung Christi, Holzschnitt, Freiburg 1515/17, 22,5 × 16,1 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger

Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Beweinung Christi, Holzschnitt, Freiburg 1515/17, 22,5 × 16,1 cm, Sammlungen Museum im Prediger. © Museum im Prediger


Veranstaltungsort / Veranstalter

Museum im Prediger
Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd
Johannisplatz 3
73525 Schwäbisch Gmünd

07171 603-4130
07171 603-4129

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